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Rich kid's problems
War gestern ungefähr 100 Meter vom Kafe Marat, wo ich jahrelang Volkstopfpampfe für ungefähr 2 Euro pro Portion ausgegeben hatte, den Geburtstag meines Vaters zelebrieren, in einem dieser Restaurants, welche es in ihrer Art nur in Bayern gibt: überkandidelt und trotzdem mit dem Flair von Authentizität, Heimatverbundenheit und Bodenständigkeit - man wird zwar persönlich vom Besitzer im reservierten Separee begrüßt und bekommt die Speisekarte vorgestellt, aber in einem unverständlichen bayerischen Dialekt und mit der Empfehlung, die Seezunge sei "Affengeil".
Und auch das hervorragende Essen tröstete nicht darüber hinweg, dass, grade kurz nachdem der letzte Rest Wein verschnuckelt war, die seichte Fahrstuhlmusik zugunsten von "Griechischer Wein", "Über den Wolken" und "Ein Stern, der deinen Namen trägt" aufgegeben wurde - und mit DJ Ötzi, den ich nicht als Musik, sondern als Zustand begreifen möchte hält es sich für mein zartes, popkulturell geschultes Gehör sich ungefähr wie mit dem Einmarsch der Nazis in Polen: bricht blitzartig rein, richtet eine verheerende Verwüstung an und hat nicht vor, meine Hirnwindungen in nächster Zeit wieder zu verlassen.
Auch scheint es bei der bayerischen Oberschicht in ihren bei Ludwig Beck erworbenen Trachten zum guten Ton zu gehören, fremde junge Frauen, die dem Trubel durch eine Zigarette entfliehen wollen, am Handgelenk zu packen und pikiert zu werden, wenn dies nicht als Kavaliersakt der alten Schule, sondern als Übergriff empfunden wird.
Und nicht einmal einen Wunsch konnte mir der DJ erfüllen: "Panic" von den Smiths nämlich.
Hätte trotz des guten Essens den Abend lieber bei Vokü im Kafe Marat verbracht.
Das Tragen sündteurer Jodel-Klamotten wird zum mehrfachen Ausweis der Zugehörigkeit: Man ist "deutsch", und zwar "richtig" (Menschen mit "Migrationshintergrund" verirren sich eher selten in einen Trachten-Outlet-Store). Man bekennt sich zudem vage zu einer Tradition. Jede Haube, jede Tasche, jeder Knopf entsprach einst einer ständischen Gesellschaft, und bei diesem textilen Reenactement einer "guten alten Zeit" schwingt eben immer auch die Sehnsucht nach einer vormodernen, vordemokratischen und voraufgeklärten Gesellschaft mit.
Fick dich,
deutsche Bahn! Fick dich und verrecke!
Um fast 2 Wochen ohne Internet im Schnelldurchlauf aufzurollen:
- Ich habe festgestellt, dass der Mangel an Internet und der gesteigerte Alkoholkonsum zwingend zusammen hängen müssen. Da ich nachts nun nicht mehr die neuesten Futurama-Episoden verfolgen, Fachschafts-Mails beantworten, in diversen Blogs lesen, Pornos gucken oder ähnliches kann, sehe ich mich fast schon gezwungen, vermehrt Zeit in miesen Bockenheimer Kaschemmen zu verbringen.
- Fick die Uni! Ich darf eine Hausarbeit über Pornographie schreiben, genauer: "Ein kurzer historischer Abriss des sozialpsychologischen Aspektes der Pornographie". Fragt sich nur, ob ich mir die Dinger aufgrund der Lehrmittelfreiheit dann gratis in der Videothek ausleihen kann (auf dem Rechner muss ich "Unrasierte Spermageile Großmütter 5" jetzt auch nicht haben). Was mich an meinen wunderbaren Job in dieser Videothek erinnert und die empirische Studie, dass Personen, die DVDs mit pornographischem Inhalt erwerben, tatsächlich unsichere Männer ab 50 sind.
- Der Buchhändler meines Vertrauens hat dieses knallhart missbraucht, als er mir Nina Powers empfohlen hat, diese blöde Poko-Tante. 10 Euro für vielleicht 20% Neuinformation, das ist ein echt mieses Preis-Leistungs-Verhältnis. Aber immerhin schreibt sie kluge Dinge über Pornos.
- Auf der Bahnfahrt nach München vom Regen in die Traufe gefallen: zuerst das Kinderabteil mit dem Ruheabteil verwechselt (schön, dass sich Eltern so aufopferungsvoll um ihr Gör kümmern, ihm vorlesen, mir dem Ding spielen, und danke, dass sie das auch im Kleinkinderabteil machen, aber: junge Eltern sind und bleiben Teil der "untersten Stufe der Menschheit" (-vollkommen aus dem Zusammenhang gerissenes Kraus-Zitat, aber...). Anschließend ins Großraumabteil geflüchtet, bei etwas Behrens-Lektüre entspannt und nach fünf Minuten Irrglauben, endlich eine ruhige Bahnfahrt genießen zu können, von einer Gruppe 12-jähriger Mädchen samt Betreuerin überfallen worden, die eine Einrad-Tour (jawohl, eine Einrad-Tour) hinter sich gebracht hatten, und die Feude daran auch noch in tiefstem bayerischen Dialekt kommunizierten.
- Auf Scheit masturbieren ist übrigens nicht cool.
-Last but not least: "Nicht so schlimm" ist das schlimmste schlimm!

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Ach, 40 Jahre später und immer noch nichts geändert.
Oh, shit.
I hate my job. Not that my boss calls me at 11 a.m., no, he think it's funny to ask me if I'm lying in bed with 2 guys, calls me "organizer sweetie" (I told him I was looking for my organizer to write down my working hours) and makes me work at 8 a.m. tomorrow. This is why am turning into sort of a desperate housewife tonight: cooking my famous lasagna, cleaning up the kitchen and drinking wine all on my own instead of getting drunk with my friends.
If he won't quit this shit as I told him, I'm going to quit that goddamn job.
Well, heading to Berlin tomorrow :)
Und um es mal zu erwähnen:
Charlie Sheen aufgrund diesen albernen Interviews abzufeiern, ist definitiv nicht cool.
Es ist absurd, dass Sheen letzendlich wegen seines rüden Verhaltens und seines Drogenkonsums zur Verantwortung gezogen wird, aber die Tatsache, dass er seit gut 20 Jahren systematisch sexualisierte Gewalt gegenüber seinen Partnerinnen ausgeübt hat, erscheint bei weitem weniger interessant. Muss wohl daran liegen, dass weiße Männer nach wie vor das Privileg eines coolen Bad Boy-Images haben, welches Gewalt (u.a. gegenüber Frauen) nicht nur rechtfertigt, sondern fast schon legitimiert. Ich bin genervt und angewidert und empfehle diesen Artikel: The Disposable Woman aus der New York Times.