Ringverleihung 2018 â Bericht von Joachim Milberg
Bericht von Prof. Dr. Joachim Milberg (mp3) Bericht von Prof. Dr. Joachim Milberg (pdf) Prof. Dr.-Ing. Dr. E. h. mult. Dr. h. c. mult. Joachim Milberg bei der Verleihung des Werner-von-Siemens-Ringes an Joachim Milberg und Hasso Plattner am 13. Dezember 2018 in Berlin Sehr geehrter Herr BundesprĂ€sident, meine Damen und Herren, wĂ€hrend der Laudatio ist mir sehr deutlich geworden, dass es eigentlich leichter ist, einfacher ist, Löbliches zu tun als, sozusagen den Lob fĂŒr das löbliche Tun zu bekommen, weil eigentlich tut man das Löbliche ja nicht, um gelobt zu werden, sondern aus Freude an der Sache, aus der Gestaltungsmöglichkeit, einfach aus Freude sage ich jetzt mal. Und in diesem Sinne ist es mir eben eine ganz besondere Freude, dass Sie hier heute die Laudatio gehalten haben. Sie haben eben darauf angesprochen, unsere Wege haben sich schon vor lĂ€ngerer Zeit gekreuzt. Es war die Zeit als Sie Kanzleramtsminister waren wĂ€hrend der Regierung Schröder. Das Thema Leipzig haben Sie angesprochen. Wir haben in dem Thema âRat fĂŒr Wachstum und Innovationâ, glaube ich, gemeinsam ein bisschen dafĂŒr gekĂ€mpft, das Innovationsklima in Deutschland positiv zu gestalten. Und wenn ich so zurĂŒckblicke, ich glaube, es ist uns da einiges gelungen. Es ist einiges in Bewegung gekommen. Schon allein deshalb, weil in diese Zeit â und ich rede jetzt ĂŒber das Jahr 2002 â auch die GrĂŒndung von Acatech fĂ€llt. Sie waren eine wirklich groĂe UnterstĂŒtzung gerade in der Anfangsphase dieser GrĂŒndung â neben Roman Herzog und Angela Merkel, die uns auch sehr unterstĂŒtzt haben. Das wollte ich an dieser Stelle nochmal sagen und das ist, glaube ich, ein guter Anlass auch nochmal ganz herzlichen Dank fĂŒr diese Starthilfe zu sagen! Ebenso freue ich mich ganz besonders, dass ich diese Ehrung mit Herrn Hasso Plattner zusammen hier genieĂen darf. Ich erinnere mich nĂ€mlich wirklich mit groĂer Freude an unsere gemeinsame Zeit, wenn ich das jetzt so besitzanzeigend sagen darf, in Ihrem Aufsichtsrat Ihrer SAP. Es war in der Tat eine wirklich sehr inspirierende Zeit. DafĂŒr Danke, aber insbesondere auch an Sie einen ganz herzlichen GlĂŒckwunsch! Verehrte Frau von Siemens, lieber Herr Ulrich, ich bedanke mich natĂŒrlich ganz besonders beim Stiftungsrat, dass er mir und uns diese WertschĂ€tzung hier zuteilwerden lĂ€sst. Und es macht mich in der Tat stolz, mich einreihen zu dĂŒrfen in die Reihe derjenigen, die diesen Ring schon bekommen haben. Aber insbesondere macht es mich stolz, auch mit dem Namensgeber dieses Rings, Werner von Siemens, jetzt in einem engerer Zusammenhang genannt zu werden oder genannt werden zu dĂŒrfen. Deshalb lassen sie mich kurz auf das Wirken von Werner von Siemens eingehen, mit einigen wenigen Aspekten, die mir in diesem Zusammenhang wichtig sind. Und jetzt versetzten wir uns mal in den Wechsel vom 19. auf das 20. Jahrhundert. Und da muss ich dazusagen: Es war eine Zeit der Aufbruchsstimmung Ende des 19. Jahrhunderts, eine Zeit der Aufbruchsstimmung insbesondere in den Ingenieurwissenschaften. Und es sind dort Grundlagen gelegt worden eigentlich fĂŒr die Industrienation Deutschland, so wie wir sie heute kennen. Und Werner von Siemens war fĂŒr mich eigentlich der besondere ReprĂ€sentant dieser ganzen Entwicklung, dieser Dynamik, die dort stattgefunden hat. Wir haben schon vieles darĂŒber gehört in den verschiedenen Ansprachen. Er war Technikwissenschaftler, Innovator, Entrepreneur, er war vor allen Dingen auch â das will ich auch noch mal aus meiner Recherche sozusagen in Erinnerung rufen â ein wirklich ganz besonders verantwortungsvoller UnternehmensfĂŒhrer mit all den Werten, die uns heute wichtig sind oder soll ich sagen, wichtig sein sollten. Er war BrĂŒckenbauer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zur Gesellschaft hin. Er war Wissenschaftsförderer. Die Physikalisch-Technische Reichsanstalt â heute Bundesanstalt â wĂ€re ohne ihn sicher nicht zu diesem Zeitpunkt und in dieser AusprĂ€gung gekommen. Und was mir jetzt in diesem Zusammenhang wichtig ist: Er hat dafĂŒr gekĂ€mpft, die Technikwissenschaften als eigenstĂ€ndige, anerkannte Wissenschaft zu etablieren oder zu positionieren. Und ich darf erinnern, dass er 1873 der erste Technikwissenschaftler war, der in die damalige preuĂische Akademie der Wissenschaften aufgenommen worden ist. Und ich darf zitieren aus seiner BegrĂŒndung heraus oder seiner EinschĂ€tzung heraus. Er hatte nĂ€mlich in einem Zusammenhang geschrieben, dass eine Mitgliedschaft erkennen lĂ€sst, dass zwar die Ergebnisse der angewandten Wissenschaften gerne genutzt werden, als Mitglied der Akademie aber nur der die reine Wissenschaft Betreibende aufgenommen werde. In Ausnutzung dieser Aufbruchsstimmung in den Technikwissenschaften, die ich versucht habe, ein bisschen anzudeuten, ist dann auch 1899 eine Denkschrift bei Kaiser Wilhelm II. eingereicht worden, doch eine Akademie der Technikwissenschaften zu grĂŒnden. Diese Denkschrift wurde umfĂ€nglich diskutiert, von der Administration aber abgelehnt mit der BegrĂŒndung, weil Technik und Techniker nach wie vor als zu weit entfernt vom Zentrum des Geistes galten. Ja. So war das damals. Jetzt sind wir 100 Jahre Ă€lter oder etwas mehr als 100 Jahre Ă€lter. Und erst ein Jahrhundert spĂ€ter wurde dann durch acatech â die GrĂŒndung â die erste nationale Akademie fĂŒr Technikwissenschaften in Gang gesetzt. Mit viel UnterstĂŒtzung von vielen Menschen, die hier im Raum sind. Ich könnte jetzt flapsig formulieren: Kaum sind hundert Jahre vergangen auch hat Deutschland eine Akademie fĂŒr Technikwissenschaften. Meine Damen und Herren, ich habe eingangs von der Freude gesprochen, die mich eigentlich immer begleitet hat bei meiner Arbeit. FĂŒr mich war das wirklich ein SchlĂŒssel. Ich hatte immer das groĂe GlĂŒck eigentlich immer Dinge tun zu können â jedenfalls meistens â die mir Freude gemacht haben. Und ich hatte auch im RĂŒckblick immer Menschen um mich herum, mit denen es wirklich Freude gemacht hat, zu arbeiten und auch Probleme zu lösen. Menschen, von denen ich auch eine Menge lernen durfte, die mich begleitet in vielfĂ€ltiger Weise in meinem Berufsleben und in meinem Lebensweg begleitet haben und insbesondere bei dem öfteren Wechsel an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft doch sehr viel RĂŒckendeckung gegeben haben. Und deshalb freue ich mich auch ganz besonders, dass aus allen Phasen dieses Berufslebens Menschen heute hier sind, die mich begleitet haben, die mich unterstĂŒtzt haben. Mitstreiter aus der Zeit an der TU Berlin, wo ich angefangen habe mit dem Studium und auch meine wissenschaftlichen ersten Schritte getan habe, aus der Zeit an der TU MĂŒnchen, Kollegen der wissenschaftlichen Gesellschaft Produktionstechnik, die heute hier sind, Wegbereiter, ganz besonders, und Wegbegleiter von BMW in einer wirklich tollen Zeit und natĂŒrlich â last but not least â Mitstreiter aus der GrĂŒndungs- und Anfangsphase von acatech. Ein ganz besonderer Dank gilt meiner Familie. Denn ich stand immer auf den Schultern einer kleinen, aber starken Familie und ich glaube, ohne Zustimmung meiner Frau wĂ€ren so manche Kraftakte, die dahinter stecken, eigentlich gar nicht möglich gewesen. Also, es ist eine Lebensleistung fĂŒr uns beide! Vielen Dank! Meine Damen und Herren, den Wechsel zwischen Wissenschaft und Wirtschaft mehrfach, gleich mehrfach vollzogen zu haben, empfinde ich nach wie vor als groĂes Privileg. Und ich glaube, ich habe beruflich wie auch persönlich sehr von diesen mehrfachen Wechseln gezehrt. Denn der GrenzgĂ€nger hat einfach die Chance, so zu sagen aus Vorhandenem, was er schon hat, in der neuen Umgebung Neues hinzuzufĂŒgen. Ich glaube, aus der Kombination von beiden ergeben sich Dinge, die sich als aus einer alleinigen Ăberlegung aus einem bestimmten Bereich so gar nicht ergeben hĂ€tten. Und das Stichwort ist es eben schon einmal gefallen. Ich verkĂŒrzte das einfach. Diese MehrdimensionalitĂ€t, die dahinter steckt, hat mir sicherlich auch geholfen, in vielen kritischen Situation, die man ja in seinem Berufsleben auch gelegentlich erlebt, doch etwas sicherer und vernĂŒnftigere Entscheidungen zu treffen, um mit komplexen Herausforderungen zurechtzukommen. Deshalb glaube ich, dass MehrdimensionalitĂ€t eine wesentliche Voraussetzung dafĂŒr ist, um mit komplexen Situationen gut zurechtzukommen. Und ich möchte deshalb alle auch ermutigen, ĂŒber die Grenzen zu gehen und verschiedene Blickwinkel sozusagen zu ermöglichen und damit indirekt und direkt auch BrĂŒcken zu bauen. Aus dieser Erfahrung heraus ist bei mir auch die Erkenntnis gewachsen, dass ein guter Ingenieur ein Innovator ist, oder zumindest sein sollte. Ich glaub der Innovationsbegriff ist fĂŒr die Ingenieure fĂŒr die Ingenieurswissenschaften im Zentrum. Das ist jemand, der in der Lage ist, Theorie und Praxis, Wissenschaft und Wirtschaft auf vernĂŒnftige und geschickte Art und Weise mit zu verknĂŒpfen. In den Ingenieurwissenschaften â um das hier nochmal deutlich zu sagen â geht es also nie allein um die Erkenntnis, um den Erkenntnisgewinn. Es geht immer um die Umsetzung, immer um die Anwendung und damit letztlich auch das Hineintragen in den Markt und in die Wirtschaft. Und zurĂŒck noch mal zu Werner von Siemens. Dieses Bild des Ingenieurs hat Werner von Siemens vor 150 Jahren, um es mal etwas vereinfacht zu sagen, vorgelebt. Und ich wollte das eigentlich auch immer vorleben. Und ich wollte deshalb auch die Zeit als Hochschullehrer es möglichst an viele junge Menschen weitergeben â die Begeisterung fĂŒr Innovationen, fĂŒr das Neue â zumal ich wirklich der festen Ăberzeugung bin, dass der Wohlstand in Deutschland von Innovationen abhĂ€ngt. Das wĂŒrde ich gern noch ein bisschen vertiefen. Das heiĂt also von vernĂŒnftig umgesetzten Ideen, Schumpeter hat in diesem Zusammenhang, wie ich finde, einmal sehr treffend formuliert: Innovation sind die Treiber fĂŒr jede Volkswirtschaft und entscheiden ĂŒber Aufstieg und Fall von Nationen. Herr BundesprĂ€sident, sie haben eben das Thema China hingewiesen. Das kann man wirklich nur mit groĂem Ernst an dieser Stelle noch mal einschieben. Dabei ist der Zusammenhang eigentlich relativ einfach, wie ich finde. Wohlstand braucht BeschĂ€ftigung. BeschĂ€ftigung braucht Innovation und Innovation braucht Bildung. Daraus folgt aber auch: Innovationen sind kein Selbstzweck. Es geht im Kern eigentlich darum, um die Weiterentwicklung unserer Industriegesellschaft. Das ist ein nicht einfacher Prozess, weil er in einem erheblichen Spannungsfeld stattfindet. Und ich wĂŒrde das gerne ganz kurz mit drei Polen beschreiben. Auf der einen Seite haben wir die Notwendigkeit natĂŒrlich, Ressourcen, Umwelt, Klima so zu behandeln, dass sie nicht unwiderruflich sozusagen verloren gegangen sind und damit Leben vernichtet fĂŒr unsere Nachfolger. Auf der anderen Seite haben wir aber auch individuelle und kollektive BedĂŒrfnisse der Menschen. Ich meine damit nicht so sehr KonsumbedĂŒrfnisse. Ich meine damit Arbeitsplatz, Aufgaben zu haben im Leben, was in aller Regel in unserer Gesellschaft durch einen geeigneten Arbeitsplatz erreicht wird. Und an der dritten Stelle, mein dritter Pol, ist fĂŒr mich die Notwendigkeit wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen. Wirtschaftliches Wachstum als Basis fĂŒr nachhaltigen Wohlstand, als Basis fĂŒr StabilitĂ€t, als Basis fĂŒr Sicherheit in unserer Industriegesellschaft und letztlich darĂŒber hinaus auch als Quelle sozusagen neuer Innovationen aus der Investitionsreserve heraus. Und ich glaube, im Spannungsfeld dieser drei Pole bewegen sich oder sollten sich unsere Diskussionen ĂŒber die Zukunft unserer Gesellschaft bewegen. Und jede Einseitigkeit der Diskussion fĂŒhrt uns nicht zu einer stabilen Entwicklung. Es geht also in meinen Augen nicht um das Entweder-oder in dieser Diskussion. Es geht um das balancierte Sowohl-als-auch. Diese drei verschiedenen Bereiche, da geht es in meinen Augen darum, tatsĂ€chlich in sorgfĂ€ltiger Balance, situationsbezogen das richtige Optimum zu finden. Und der SchlĂŒssel fĂŒr mich ist in diesem wirklich anspruchsvollen Prozess der Begriff des Vertrauens. Der Soziologe Luhmann, der vor etwa vierzig Jahren ein kleines aber lesenswertes BĂŒchlein mit dem Titel âVertrauenâ geschrieben hat, da wĂŒrde ich jetzt gerne einen kurzen Abschnitt zitieren: âWo es Vertrauen gibt, gibt es mehr Möglichkeiten des Erlebens und des Handelns. Weil mit Vertrauen eine wirksame Form der Reduktion von KomplexitĂ€t zur VerfĂŒgung steht. Wer Vertrauen erweist, nimmt Zukunft vorweg, handelt so, als ob er der Zukunft sicher wĂ€re. Er ĂŒberspringt sozusagen die Zeitgrenze. Das ist ein Aspekt. Und fĂŒr Luhmann ist Vertrauen also ein elementarer Tatbestand des sozialen Lebens. Da Vertrauen aber immer wieder durch Erfolge sozusagen untermauert werden muss und sich bewĂ€hren muss, geht er in seiner Beschreibung weiter und kommt zu dem Thema, dass Wahrheit das tragende Element fĂŒr Vertrauen ist. Sagt er. Dann kann man ja die kritische Frage stellen, wie sieht es denn mit Wahrheit und Vertrauen in unserer Gesellschaft im Moment aus. Derzeit beobachten wir, zumindest aus meiner Sicht, einen deutlichen Verlust an Faktenorientierung und ebenso einen Verlust des Vertrauens in die wirtschaftlichen, politischen, leider auch in die wissenschaftlichen Eliten aus der Sicht der Ăffentlichkeit. Manchmal habe ich so den Eindruck, als wenn die AufklĂ€rung irgendwie ein bisschen im RĂŒckzug wĂ€re. Die in jĂŒngster Zeit bekannt gewordenen, prominenten FĂ€lle offensichtlichen Fehlverhaltens â dĂŒrfen wir hier auch nicht verschweigen â hat natĂŒrlich nochmal diesen Trend dramatisch verstĂ€rkt. Und dazu kommt ein weiterhin erschreckender Trend aus meiner Sicht zu vereinfachender Generalisierung, möchte das einfach mal nennen. Und ich finde, vom Vertrauensverlust sind insbesondere SchlĂŒsselindustrien bedroht, die den derzeitigen Wohlstand und damit auch die StabilitĂ€t in unserer Gesellschaft und in unserer Volkswirtschaft sichern und darĂŒber hinaus, wenn ich in die Zukunft schaue, auch Technologien, die in Zukunft Sicherheit, StabilitĂ€t und auch Wohlstand sichern sollten. Und da kann ich bloĂ noch mal sagen, Innovationen ohne Vertrauen werden es schwer haben. Denn nur wer Vertrauen hat und Vertrauen weckt, dass die Ergebnisse der gegenwĂ€rtigen InnovationstĂ€tigkeit auch zu einer besseren, zu einer vernĂŒnftigeren Zukunft fĂŒhren, wird die HandlungsspielrĂ€ume haben, jetzt innovativ zu sein und etwas Neues zu tun. Das ist fĂŒr mich ein wesentlicher Punkt. Und ich denke in einem Klima des Misstrauens werden Innovationen es schwer haben in unsere Gesellschaft. Und das ist ein Standortrisiko, auf lange Sicht jedenfalls. So, die Frage ist nun, was ist zu tun. Erster Punkt ist: Wir mĂŒssen was tun! Ich glaube nicht, dass wir es laufen lassen sollten, weil ich nĂ€mlich nicht glaube, dass sich die Situation von alleine verĂ€ndern wird oder verbessern wird â schon gleich gar nicht kurzfristig. Das ist natĂŒrlich leichter gesagt als getan und ich kann jetzt hier einfach nur vielleicht ein paar Gedanken mal anreiĂen, ĂŒber die wir dann vielleicht mal an anderer Stelle weiterdenken mĂŒssen. Ich glaube, auf der einen Seite mĂŒssen wir erkennen, dass eben nicht nur ökonomische sondern auch ökologische und soziologische Auswirkung von unternehmerische TĂ€tigkeit â aber auch von wissenschaftlicher TĂ€tigkeit, das ist ja ein weiterer Aspekt, der in der letzten Zeit zu erkennen ist â in einer immer zunehmend kritischeren Ăffentlichkeit einen immer höheren Stellenwert einnehmen. Ich glaube, dass die Konsequenz daraus sein muss, dass wir viel stĂ€rker die GrĂŒnde, die Restriktionen, auch die Folgen unseres Handelns gegenĂŒber den Menschen offen legen mĂŒssen und dass wir uns allerdings auch an ein als allseits akzeptierten Wertekanon, Verhaltenskodex, halten mĂŒssen und Verfehlungen, wenn sie denn stattfinden, als solche auch benennen und mit der richtigen Konsequenz sozusagen ĂŒberwinden. Wir mĂŒssen aus meiner Sicht daran arbeiten, wieder zu einer transparenten, differenzierten, konstruktiv kritischen, öffentlichen Diskussion, zu einem Diskurs zu kommen. SchlieĂlich mĂŒssen wir uns ja â und das haben Sie vorhin angesprochen â mĂŒssen wir uns als Gesellschaft darĂŒber verstĂ€ndigen: In welcher Zukunft wollen wir eigentlich leben? In diesem SpannungsverhĂ€ltnis zwischen den drei Polen, die ich eben angesprochen habe: Welche systemische Balance? Und ich betone das Wort systemische Balance, weil wenn ich ĂŒber Einzelaspekte nur reden könnte: Wollen wir denn eigentlich unsere Zukunft gestalten? Eine einseitige Hegemonie in diesem Dreieck kann sicher nicht zu einer stabilen Zukunft fĂŒhren. Meine Damen und Herren, auch in Zukunft gilt wohl fĂŒr unsere Gesellschaft, dass unser wirtschaftliches Wohlergehen auf der Gewinnung und Anwendung naturwissenschaftlichen Wissens und technischen Könnens beruht. Wobei Innovationen ohne Sinn fĂŒr Systemvertrauen fĂŒr mich schwer vorstellbar sind auf die Dauer. Und ein SchlĂŒssel dazu ist fĂŒr mich darĂŒber hinaus: Verantwortliches Handeln. Mit diesen beiden Anmerkung wĂŒrde ich gern die BrĂŒcke wieder schlieĂen, zu Werner von Siemens zurĂŒckkommen und auch zu acatech und den Technikwissenschaften. Acatech â und das darf ich in alter Verbundenheit sagen â möchte genau die BrĂŒcke zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, durch eine evidenzbasierte und systemische Arbeit schlieĂen und einen Beitrag zu einer Verbesserung der Vertrauensbasis bilden. Nach dem Motto: Nicht nur veröffentlichen â  sondern auch verĂ€ndern! Mir persönlich gibt die Auszeichnung mit dem Werner-von-Siemens-Ring das Bewusstsein, dass es sich auch weiterhin lohnt, ĂŒber Grenzen zu gehen und BrĂŒcken zu bauen. Es wĂ€re fĂŒr mich auch eine Botschaft, ich glaube dass, wir dieses âĂŒber BrĂŒcken gehenâ, dass man âĂŒber Grenzen gehenâ einfach noch viel stĂ€rker in unserer Gesellschaft verankert muss, damit wir die VersĂ€ulung, die wir doch noch in erheblichem MaĂe haben, ĂŒberbrĂŒcken können. Lassen sie mich abschlieĂen mit einer Formulierung von Hermann LĂŒbbe, den ich zufĂ€lligerweise heute auch im Hotel getroffen habe. Er hat nĂ€mlich mal formuliert: In letzter Instanz hĂ€ngt die Zukunft nicht von ökonomischen, sondern von moralischen Faktoren ab. Zwei dieser Faktoren sind dabei mit Abstand die wichtigsten: Zu wissen was auf dem Spiel steht und Zuversicht. Nun bin ich zuversichtlich, dass wir alle wissen, was auch spielt steht. In diesem Sinne nochmal vielen Dank! Read the full article













