Nehmt euch in Acht vor den " #Evangelikalen" die wollen einen #autoritĂ€ren #Gottesstaatâïžâïžđ€Ź
In den #USA sind sie mit Trump schon voll dabeiâïžđ€Ź
#Religionen Töten haben sie schon immer & sind scheiĂe âïž

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Gottesstaat Islam?
Das Ende des Islams:
https://www.am-ziel-erleuchtung.de/ende-islam/
Wir alle haben die Geschwindigkeit unterschÀtzt.
Angela Merkel, Pastorentochter und #bundeskanzlerin in einem fatalistischem Gottesstaat zur Lage in #afghanistan
Laien und Bischöfe beraten ab heute ĂŒber Reformen in der katholischen Kirche. Wie existenziell die Krise ist, zeigt sich rund zwei Kilometer vom Tagungsort entfernt, im Priesterseminar. Von Sebastian Kisters.
#gottesstaat #katholiban
Israel - Demokratie oder Gottesstaat?
Die Ausdehnung auf das Königreich Davids und Salomon ist einer der religiösen WĂŒnsche, und die besonders frommen trĂ€umen mit der Ausdehnung auf den damaligen EinfluĂbereich um das halbe Mittelmeer, bis in die TĂŒrkei. Realisten sehen die EinflĂŒsse der islamischen Rechten dagegen ankĂ€mpfen, von Iran bis IS-TĂŒrkei, und der Krieg ist auch in unsere Breiten gewandert, findet auch in MĂŒnchen statt, darf aber in stĂ€dtischen RĂ€umen nicht einfach so besprochen werden: Schon die ErwĂ€hnung des Wortes "PalĂ€stina" gerĂ€t heute in den miĂbrauchten Verdacht des "Antisemitismus", als wĂ€re die alte deutsche Judenvernichtung damit gemeint. Wenige Journalist*innen, die sich derzeit an das Thema wagen, sofort ist mit feindseligem Geschrei auf allen KanĂ€len zu rechnen. RadiogesprĂ€ch mit JĂŒrgen Jung: gegensprechanlage am Mi 11.12.2019 ab 21h mit JĂŒrgen Jung zu Salam Shalom, Arbeitskreis PalĂ€stina-Israel e. V. Der ausgebildete Schauspieler und Politologe JĂŒrgen Jung studierte zunĂ€chst Theater- und dann Politikwissenschaft, welch letztere er am Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t mit dem Staatsexamen abschloss. Nach verschiedenen Theaterengagements (MĂŒnchner Kammerspiele, SchaubĂŒhne Berlin) und Filmarbeit arbeitete er vorwiegend als Sprecher, Moderator und Wortregisseur v. a. beim Bayerischen Rundfunk. Seit etwa 12 Jahren beschĂ€ftigt er sich intensiv mit dem Nahost-Konflikt, zu dem er mehrere HörbĂŒcher veröffentlicht hat. Er ist im Vorstand von Salam Shalom, Arbeitskreis PalĂ€stina-Israel e. V., der seine vordringliche Aufgabe darin sieht, Informationen und Analysen zum Thema PalĂ€stina/Israel zugĂ€nglich zu machen, so dass sich interessierte Zeitgenossen â unabhĂ€ngig von den gĂ€ngigen Informationen und Interpretationen unserer Meinungsmacher in Politik und Medien, also unabhĂ€ngig von der in der Regel verbreiteten offiziellen israelischen Sichtweise â, ein fundiertes Urteil bilden können. From now on, every Palestinian is an anti-Semite haaretz.com/world-news/europe/.premium-from-now-on-every-palestinian-is-an-anti-semite Replik auf das LBGA von JĂŒrgen Jung am 28. 11. 2019: In der âHauptstadt der Bewegungâ gegen die BDS-Bewegung âEin neues Gespenst geht um in Europa: das ist der Antisemitismus-Vorwurf.â ) Er stelle âuns EuropĂ€er, insbesondere Deutsche, unter Generalverdacht und ruft im Stil der McCarthy-Ăra zu einer Hexenjagd auf jeden aufâ, der die Politik Israels nicht unterstĂŒtze und denunziere ihn als Antisemiten. So zitiert die SZ (am 24. 6. 2019, S. 9) die FriedenspreistrĂ€ger des Deutschen Buchhandels 2018, die Kulturwissenschaftler Jan und Aleida Assmann. Und sie fahren fort:âDie wahren Freunde Israels werden es sich nicht verbieten lassen, die Entwicklungen in diesem Land... gelegentlich auch einmal mit kritischer Sorge zu beobachten.â Das, was fĂŒr die Assmanns Anlass zu âkritischer Sorgeâ ist, dĂŒrfte auch dazu gefĂŒhrt haben, dass Daniel Barenboim âsich heute schĂ€mt, ein Israeli zu seinâ â so die Ăberschrift eines Artikels in der israelischen Tageszeitung âHaaretzâ vom 22. 7. 2018 2), in dem er scharf kritisiert, dass das kurz zuvor in Israel verabschiedete Nationalstaatsgesetz âden Grundsatz der Gleichheit und universeller Werte durch Nationalismus und Rassismus ersetztâ. Es bestĂ€tige âden Rang der arabischen Bevölkerung als BĂŒrger zweiter Klasse .... Es ist daher eine sehr klare Form der Apartheid.â Ăberraschenderweise war es der israelische MinisterprĂ€sident Netanyahu, der dies indirekt bestĂ€tigte, als er am 10. 3. 2019 auf Facebook schrieb: «Israel ist nicht das Land sĂ€mtlicher BĂŒrger. Nach Verabschiedung des Nationalstaats-Gesetzes ist Israel der Nationalstaat der jĂŒdischen Nation â und nur dieser allein» 3) Es ist genau dieser hier notgedrungen nur angerissene empirische Zusammenhang der ethno-nationalistischen, der rassistischen und apartheidĂ€hnlichen Politik Israels, der Entstehungs-bedingung der Boykottbewegung BDS (Boykott, Desinvestment and Sanctions) war und ihre wesentlichen Ziele und Forderungen bestimmt: Beendigung der völkerrechtswidrigen Besatzung, Gleichheit fĂŒr die palĂ€stinensischen BĂŒrger des Landes und das RĂŒckkehrrecht fĂŒr die palĂ€stinensischen FlĂŒchtlinge, wie in UNO-Resolution 194 festgelegt. Dies letztere ihnen verwehren zu wollen und gleichzeitig allen Juden auf der Welt zuzugestehen, in Israel einzuwandern, ist nicht nur eine schwerwiegende Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes, sondern weiterer Ausdruck der bereits herrschenden Apartheid. Der wohlgemerkt ausdrĂŒcklich friedliche Kampf der BDS-Bewegung gegen diese fĂŒr die PalĂ€stinenser höchst repressive RealitĂ€t wird von den falschen Israelfreunden als âantisemitischâ verleumdet, wobei sie es sich zumeist gestatten, die Wirklichkeit im Nahen Osten â und auch hier-zulande â zu ĂŒbersehen und/oder ideologisch zu verzerren. Obwohl die hier problematisierte âBroschĂŒreâ4) des âLinken BĂŒndnisses gegen Antisemitismus MĂŒnchenâ (LBGA) âFakten und Argumente zu BDS zusammentragenâ möchte, beginnt die Ideologisierung schon mit dem ersten Satz, wo behauptet wird, dass die BDS-Bewegung âgegen Israelâ gerichtet sei, obwohl sie sich mitnichten gegen Israel, sondern gegen dessen Politik wendet. Und wie selbstverstĂ€ndlich wird das, was ja wohl erst nachgewiesen werden sollte, nĂ€mlich der âantisemitische Charakterâ von BDS, postuliert, obwohl sich die Bewegung klar und eindeutig gegen jeden Antisemitismus ausspricht. Ihr Ursprung wird da im Wesentlichen datiert auf die Konferenz in Durban (SĂŒdafrika) von 2001 mit ihrem Aufruf zum Boykott Israels, aber dass sich auch in Israel selbst bereits vor der Jahr-tausendwende eine Boykott-Bewegung (âBoycott from Withinâ) entwickelt hatte, betrieben etwa von ICAHD und seinem Vorsitzenden, dem Anthropologen Prof. Jeff Halper 5), ist den Verfassern der BroschĂŒre anscheinend nicht bekannt oder es wird beschwiegen. ICAHDs Boykottaufruf âzur HerbeifĂŒhrung eines gerechten Friedens fĂŒr alle Völker der Regionâ wurde schlieĂlich im Januar 2005, ein halbes Jahr vor dem der PalĂ€stinensischen Zivilbewegung, veröffentlicht. Nun sehen sich die Gegner von BDS mit der fĂŒr sie höchst unangenehmen Tatsache konfrontiert, dass es nicht nur vereinzelte Stimmen im Judentum gibt, vorzugsweise âjĂŒdische Selbsthasserâ genannt, die sich â ganz abgesehen von religiösen Strömungen â keineswegs identifizieren mit dem Israel durchwirkenden ethno-nationalistischen Zionismus. In einer Haaretz-Umfrage von 2018 waren 56 Prozent der Israelis der Ansicht, dass sie das âauserwĂ€hlte Volkâ seien. Bei den sich selbst als ârechtsâ Verstehenden sind es 79 Prozent. Gideon Levy allerdings, Autor des diesbezĂŒglichen Artikels vom 15. 9. 2018 6), ist der Meinung, dass eine Besatzungsmacht, die seit ĂŒber 50 Jahren ein anderes Volk unterdrĂŒckt, kein auserwĂ€hltes Volk sein könne. FĂŒr ihn ist diese Vorstellung so etwas wie eine kollektive Psychose, die eine Gefahr nicht nur fĂŒr die Israelis selbst, sondern v. a. auch fĂŒr ihre Nachbarn darstelle. KĂŒrzlich erst musste der israelische GeÂneÂralÂstabsÂchef GaÂdi EiÂsenÂkot einrĂ€umen, dass IsÂraÂels ArÂmee in den verÂganÂgeÂnen JahÂren âTauÂsenÂde ZieÂleâ anÂgeÂgrifÂfen haÂbe . Aber zionismuskritische, vorwiegend linke (!) Stimmen wie die Gideon Levys stehen in Israel unter dem Generalverdacht des Vaterlandsverrats und werden zumeist - hierzulande ohnehin â nicht zur Kenntnis genommen, oder ihre wissenschaftlichen Befunde werden als âumstrittenâ in Frage gestellt. So weist das LBGA auf das Abschlussdokument von Durban hin, in dem Israel â so empören sich die Autoren der BroschĂŒre ââeine Apartheidpolitik, ein Genozid und ethnische SĂ€uberungen an der arabischen Bevölkerungâ vorgeworfen werde, womit die Resolution sich vermutlich der âanti-semitischen Delegitimierungâ Israels schuldig macht. FĂŒr den durchaus problematischen Begriff âGenozidâ hat der israelische Soziologe Baruch Kimmerling zur PrĂ€zisierung den Begriff âPolitizidâ vorgeschlagen, worunter er die kontinuier-liche Vernichtung des palĂ€stinensischen Volkes als nationale Einheit, als "soziale, politische und wirtschaftliche GröĂe" versteht. Der Vorwurf der âApartheidpolitikâ ist allerdings sehr wohl stichhaltig und durch etliche Untersuchungen genauestens belegt. Zu nennen wĂ€re â als ein Beispiel von vielen â die von der âEconomic and Social Commission for Western Asiaâ (einer Unterorganisation der UNO) vorgelegte Studie: âIsraeli Practices towards the Palestinian People and the Question of Apartheidâ von 2017. Erarbeitet wurde sie vom jĂŒdisch-amerikanischen Völkerrechtler Richard Falk 7) und der Apartheid-erfahrenen amerikanischen Politologin Virginia Tilley 8). Da wird auf etwa 70 Seiten detailliert nachgewiesen, inwiefern Israel durchaus ein rassistischer Apartheidstaat ist. AbschlieĂend werden der internationalen Zivilgesellschaft BDS-Initiativen angeraten. 9) Im ĂŒbrigen hatte schon am 29. 12. 2011 der ehemalige israelische Botschafter in SĂŒdafrika, Alon Liel, eine AuĂenansicht in der SZ (auf S. 2) verfasst unter dem bezeichnenden Titel: âWie einst in SĂŒdafrikaâ.  Und der renommierte israelische Historiker Avi Shlaim â bis zu seiner Emeritierung jahrzehnte-lang Professor fĂŒr Internationale Politik in Oxford, der Experte fĂŒr die israelisch-arabischen Beziehungen â, stellte am 23. Oktober 2017 fest: âDie einzige Hoffnung der PalĂ€stinenser besteht in der BDS-Bewegung.â 10) Die hinlĂ€nglich bewiesene Tatsache der âethnischen SĂ€uberungâ PalĂ€stinas in Zweifel ziehen zu wollen, wie es das LBGA tut, grenzt langsam ans LĂ€cherliche, denn es waren ja in erster Linie die bedeutendsten israelischen, die sogenannten âneuenâ Historiker, die seit dem Ende der 70er Jahre die Vertreibung von mehr als der HĂ€lfte der PalĂ€stinenser (ca. 750 000) um die StaatsgrĂŒndung Israels herum detailliert belegt haben. Selbst der ReaktionĂ€r dieser Wissenschaftler, Benny Morris, der in seinen Studien wesentlich zur Erforschung dieser ZusammenhĂ€nge beitrug, hat die ethnische SĂ€uberung nie in Frage gestellt, sondern ganz im Gegenteil einmal unverblĂŒmt-zynisch geĂ€uĂert: âMan kann kein Omelett machen ohne Eier zu zerbrechen. Man muss sich die HĂ€nde schmutzig machen.â 11) Bedauerlich fand er allein, das Ben-Gurion nicht alle PalĂ€stinenser vertrieben habe! Es ist kennzeichnend fĂŒr die zionistische Ausrichtung der BroschĂŒre des LBGA, dass die Konferenz in Durban als âDebakelâ bezeichnet wird, weil sie âantiisraelischâ gewesen sei, was den âAbzugâ der Delegationen Israels und der USA provoziert habe. Dass die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der teil-nehmenden Staaten das Abschlussdokument unterschrieb, wird nicht erwĂ€hnt. Als besonders skandalös werden antisemitische Aktionen und Publikationen der parallel zur Konferenz statt-findenden NGO-Konferenz von etwa 3000 Organisationen dargestellt. Dass sich unter die enorme Zahl der Teilnehmer (etwa 10 000) auch einige rassistische, bzw. antisemitische Trittbrettfahrer ein-reihten, rechtfertigt in keiner Weise, die Konferenz in GĂ€nze als antisemitisch zu verunglimpfen. Das erinnert an Demonstrationen hierzulande, wo einige wenige Teilnehmer die israelische Flagge verbrannten, woraufhin die gesamte Demonstration als antisemitisch denunziert wurde. Weiter wird behauptet, dass der Iran, wo â in Teheran â eines der Vorbeitungstreffen von Durban stattfand, âregelmĂ€Ăig mit der Vernichtung Israels drohtâ. Dabei wurde gern der ehemalige iranische PrĂ€sident Mahmud Ahmadinedschad falsch zitiert, der nichts anderes gesagt hatte als dass âdas zionistische Besatzungsregime in Jerusalem ⊠von den Seiten der Geschichte ver-schwinden mussâ, so wie auch das Apartheidregime SĂŒdafrikas oder die Sowjetunion. Immerhin ist die Beendigung der Besatzung Forderung des Völkerrechts. 12) Die DĂ€monisierung der Gegner israelischer Politik wird in der BroschĂŒre dann folgerichtig auch auf die âislamistische Terrororganisation Hamasâ ĂŒbertragen, die den Gazastreifen âkontrolliertâ. Dass diese âOrganisationâ, die zunĂ€chst sogar von Israel gegen die konkurrierende Fatah unterstĂŒtzt wurde (âDivide et impera!â), die freie Wahl von 2006 in den besetzten Gebieten mit ĂŒberwĂ€ltigender Mehrheit gewann, eigentlich also die Regierung ganz PalĂ€stinas ist, flieĂt in den Diskurs des LGBA nicht ein. Die Forderung der Hamas in ihrer Charta von 1988 nach der Vernichtung Israels fand sich ĂŒbrigens in vergleichbarer Form auch in der Charta der Fatah, was Yitzhak Rabin anfang der 90er Jahre keineswegs daran hinderte, mit dieser in Verhandlungen einzutreten, an deren Ende die Formu-lierung gestrichen war. Die Hamas â die man mitnichten mögen muss! â hat Israel ĂŒbrigens vergeblich einen langfristigen Waffenstillstand, eine religiös konnotierte âHudnaâ angeboten, die zu brechen fĂŒr die religiös-orientierte Hamas ein Sakrileg wĂ€re. DarĂŒber hinaus hat sie sich der von 23 arabischen Staaten unterzeichneten âSaudi-Initiativeâ der Arabischen Liga (von 2002) angeschlossen, die Israel die Anerkennung und ânormale Beziehungenâ anbot, sofern es sich aus den besetzten Gebieten zurĂŒck-zieht, wozu Israel nicht bereit war. Israel hĂ€tte also lĂ€ngst Frieden mit der Hamas schlieĂen können. Es zog die Pflege des Feindbilds der Hamas, ihre DĂ€monisierung vor. Die dritte Kernforderung von BDS, das RĂŒckkehrrecht der palĂ€stinensischen FlĂŒchtlinge und Vertriebenen (von 1948), muss dann herhalten als Beweis fĂŒr die Absicht, den âjĂŒdischen Staatâ vernichten zu wollen, denn wenn alle tatsĂ€chlich dieses ihnen völkerrechtlich zustehende Recht gleichzeitig in Anspruch nĂ€hmen, wĂ€ren die Juden in Israel in der Minderheit â das Ende des zionistischen Traums. Nun haben die PalĂ€stinenser aber stets Verhandlungen ĂŒber die Realisierung des RĂŒckkehrrechts angeboten, denn es wollen ja keinswegs alle FlĂŒchtlinge und Vertriebene zurĂŒck. Viele möchten dort bleiben, wohin sie geflohen waren, ein anderer Teil wĂŒrde sich entschĂ€digen lassen, und diejenigen, die tatsĂ€chlich ins israelische Kernland zurĂŒck wollen, liessen sich bei gutem Willen sehr wohl integrieren. Besonders verwerflich scheint den Verfassern der kulturelle Boykott Israels zu sein. Dessen Ver-fechter wissen aber durchaus zu unterscheiden zwischen (zumeist linken) kritischen Wissenschaftlern, Intellektuellen und KĂŒnstlern und andererseits jenen, die â als âKomplizenâ des herrschenden bellizistischen Zionismus â Israel âreinzuwaschenâ unterwegs sind. Es war, neben vielen Juden und Israelis, niemand Geringerer als der kĂŒrzlich verstorbene, hochgeschĂ€tzte Physiker Stephen Hawking, der den kulturellen Boykott entschieden unterstĂŒtzte. Er galt zwar als einer der klĂŒgsten Zeitgenossen, aber der BDS-Bewegung scheint er auf den Leim gegangen. GemÀà dieser Logik war er geistig wohl doch ein wenig beschrĂ€nkt, vielleicht gar ein heimlicher Antisemit?!? Gerne werfen die Kritiker der BDS-Bewegung vor, Israel in die NĂ€he des Nazionalsozialismus zu rĂŒcken, assoziieren aber ihrerseits die Nazi-Parole âKauft nicht bei Judenâ. Wie war das noch mit der immer wieder beschworenen Doppelmoral? In einem SZ-Interview wies der israelische Historiker Tom Segev die Assoziation zur Nazi-Parole als durchaus nicht nahe-liegend zurĂŒck, denn man könne den Boykott zur Durchsetzung von Völker- und Menschenrecht in keiner Weise vergleichen mit dem Vernichtungskampf der Nazis gegen die deutsche Minderheit der Juden, wobei er klarstellte, dass er die BDS-Kampagne keineswegs unterstĂŒtzt. Das ResĂŒmee der Verfasser des Pamphlets lautet â gemÀà dem berĂŒchtigten und ĂŒberaus schwammigen â3-D-Testâ: âDurch das Anlegen doppelter Standards sowie durch die Delegitimie-rung und DĂ€monisierung von Israel werden antisemitische Ressentiments in der Gesellschaft befördert und bestĂ€rktâ. Bezeichnend aber ist, dass dabei ein wesentlicher Aspekt der Antisemitismusproblematik gĂ€nzlich unterbelichtet bleibt. Der im vorigen Jahr im Alter von 95 Jahren verstorbene Senior der israeli-schen Friedensbewegung, Uri Avnery, drĂŒckte es 2002 einmal so aus: âDer Staat Israel verur-sacht eine Wiederauferstehung des Antisemitismus auf der ganzen Welt und bedroht Juden ĂŒberall. Die Regierung Scharon ist wie ein riesiges Labor, in dem der Virus Antisemitismus gezĂŒchtet und in die ganze Welt exportiert wird. ...Viele anstĂ€ndige Leute, die keinerlei Hass gegen Juden em-pfinden, aber die Drangsalierung der PalĂ€stinenser verabscheuen, werden jetzt als Antisemiten bezeichnet. So wird dem Wort die SchĂ€rfe genommen und so etwas wie Ansehen verliehen. Die eigentliche Folge ist, dass Israel nicht nur die Juden nicht vor Antisemitismus schĂŒtzt, sondern im Gegenteil: Israel fabriziert und exportiert Antisemitismus, der Juden rund um die Welt gefĂ€hrdet.â 13) Und Paul Oesterreicher, der ehemalige Vorsitzende der britischen Sektion von Amnesty International, der mit seiner Familie 1938 den Nazis entkam, am 23. 10. 2006 im Deutschlandfunk: âHeute ist es so, dass die Deutschen Angst haben, Antisemiten genannt zu werden, und deswegen fĂŒhlen sie sich verpflichtet als Deutsche, zu den Verbrechen Israels zu schweigenâŠ.. Um Israels Willen muss die Wahrheit ausgesprochen werdenâŠ.Kritik an Israel hat mit Antisemitismus, mit Anti-judaismus ĂŒberhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil! âŠ.. Meine Kritik an der Politik Israels ist ein Ausdruck meiner SolidaritĂ€t mit der Minderheit der Israelis, die wirklich Patrioten sindâŠ.. Wenn es kein besetztes Gebiet gĂ€be, dann gĂ€be es auch keine Selbstmörder âŠ.Der Antisemitismus heute wird gezeugt durch die Politik Israels.â 14) Und der hochgeschĂ€tzte Politologe Prof. Alfred Grosser â immer wieder wurde er eingeladen, zu feierlichen AnlĂ€ssen vor dem Bundestag zu reden: âJeder Mensch den Anderen respektieren. Und niemand diese Regel so sehr wie die Israelis im Umgang mit den PalĂ€stinensernâŠ. Sobald einer die Stimme gegen Israel erhebt, heiĂt es sofort âAntisemitismusâ.  âDurch die-ses âreflexhafte Schwingen der Antisemitismuskeuleâ werde âAntisemitismus ja geradezu er-zeugtâŠ.NatĂŒrlich gibt es den alten Antisemitismus ... Es kommt aber leider ein neuer hinzu, der durch die israelische Politik provoziert wird. Und eben durch die Tatsache, dass sich der Zentralrat diese Politik zu eigen macht.â âWenn Unrecht Unrecht ist, muss man es benennen und sagen, dass gerade Israels Politik den Antisemitismus fördert. Das sagen ja auch die israelischen Kritiker dieser Politik.â  Und das zugrundeliegende Problem sieht er in der âGleichsetzung von Israel und jĂŒdisch, die es in dieser Form nicht geben dĂŒrfte.â 15) Und schlieĂlich der ehemalige israelische Botschafter in der Bundesrepublik, Avi Primor: âJa, es gibt in Deutschland wie anderswo Antisemitismus ...Aber insgesamt geht der Antisemitismus sehr langsam zurĂŒckâŠ...Die meisten, die die Israelis kritisieren, kritisieren uns sachlich, sie kritisieren die israelische Politik und Besatzung, aber nicht Israel als Staat und die Israelis als Volk.â Er jeden-falls könne keine âZunahme des Antisemitismus feststellen, sondern nur eine Abnahme der Sympathie fĂŒr Israel.â 16) Die fortwĂ€hrende israelische Repression der PalĂ€stinenser, die wir mit Vertreibung, Enteignung und Diskriminierung bĂŒĂen lassen fĂŒr den Holocaust, an dem sie gĂ€nzlich unschuldig sind, und die Vereinnahmung aller Juden der Welt durch Israel, sowie die unkritische Identifikation jĂŒdischer Institutionen, etwa des Zentralrats der Juden in Deutschland, mit der Politik Israels â dies alles fĂŒhrt dann dazu, dass âdie Judenâ sich fast zwangslĂ€ufig zu potentiellen Opfern von Racheakten muslimi-scher Migranten machen. Dieser angeblich âimportierte Antisemitismusâ hat allerdings wenig mit dem herkömmlichen europĂ€ischen Antisemitismus zu tun, sondern ist â als zwangslĂ€ufiges Resultat des Nahostkonflikts â nichts anderes als Antizionismus. Die deutschbefindliche Identifikation mit Israel ist aufgrund unserer Geschichte zwar verstĂ€ndlich, aber sie hat Konsequenzen, die gerade angeblich Linke â wie das LBGA â mit dem Problem kon-frontieren, dass sie sich gemein machen mit einer Politik, die sich nur als ethnonationalistisch-reaktionĂ€r beschreiben lĂ€sst. Dies findet auch seinen Ausdruck in den freundschaftlichen Beziehungen, die Netanyahu mit autoritĂ€ren Staatslenkern wie Orban, Bolsonaro, Duterte oder Trump â der sich mit âgroĂer und unvergleichlicher Weisheitâ gesegnet sieht â , pflegt und der Sympathie, ja Bewunderung, die Israel â als das Bollwerk gegen âden Islamâ â bei fremdenfeindlichen, neofaschistischen Parteien genieĂt, deren FĂŒhrer freundlich in Tel Aviv empfangen werden. Vor dem Hintergrund dieser Ăberlegungen lĂ€sst es sich nur als niedertrĂ€chtig und infam bezeichnen, wenn in dem Absatz der LBGA-BroschĂŒre, der sich mit der Entwicklung der BDS-Bewegung in MĂŒnchen befasst, so verdienstvolle und teils altgediente Gruppen, Vereinigungen und Organisatio-nen der Friedensbewegung wie â man glaubt es kaum â Pax Christi (mit ihrer Kampagne âBesat-zung schmeckt bitterâ), die âInternationale Frauenliga fĂŒr Frieden und Freiheitâ (IFFF), das âMĂŒnchner FriedensbĂŒndnisâ, die âJĂŒdisch-PalĂ€stinensische Dialoggruppeâ, das âPalĂ€stina-Komitee MĂŒnchenâ (insbesondere mit seinen âPalĂ€stina Tagenâ), die âFrauen in Schwarzâ sowie âSalam Shalom, Arbeitskreis PalĂ€stina-Israel e. V.â17) â wenn also alle diese Gruppen umstandslos verleumdet werden, denn wer sich mit BDS gemein macht, ist ja im Sinne der âKontaktschuldâ (Micha Brumlik) zumindest antisemitismusverdĂ€chtig. Das letzte diesbezĂŒgliche Werk des israeli-schen Historikers und Soziologen Moshe Zuckermann lautet âDer allgegenwĂ€rtige Antisemitâ â was sich durchaus ironisch verstehen lĂ€sst. Da nĂŒtzt es auch nichts, dass sich immer wieder die wirklichen Experten, zumeist jĂŒdische bzw. israelische Wissenschaftler und Akademiker, entschieden gegen die Gleichsetzung von Israelkritik und Antisemitismus aussprechen. Vor der Bundestagsresolution (vom Mai 2019) gegen die âantisemitische BDS-Kampagneâ18) waren es hunderte, die in einem gemeinsamen Aufruf auch vor der damit einhergehenden Aushöhlung unserer Grundrechte auf Rede- und Versammlungsfreiheit warnten.  In diesem Sinne hat das Verwaltungsgericht Köln am 18. 9. 2019 in einem wegweisenden Urteil19) entschieden, den Deutsch-PalĂ€stinensischen Frauenverein e.V. zum jĂ€hrlichen Bonner Kultur- und Begegnungsfest âVielfalt! - Bonner Kultur - und Begegnungsfestâ zuzulassen. Die Stadt hatte den Verein wegen seiner UnterstĂŒtzung der BDS-Bewegung ausgeschlossen. Das Gericht stellte darĂŒber hinaus grundsĂ€tzlich fest: Stadtrats-, Landtags- oder Bundestags-beschlĂŒsse âgegen die antisemitische BDS-Bewegungâ seien âkeine Rechtssetzungsakte, sondern politische Resolutionen bzw. Willensbekundungen. Sie allein vermögen unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt einen bestehenden Rechtsanspruch einzuschrĂ€nken.â Der Ausschluss des Frauen-vereins vom Festival âstellt eine sachlich nicht einmal ansatzweise gerechtfertigte Ungleich-behandlungâ dar. Der BDS-Kampagne fehle es an âverfestigten organisatorischen Strukturen und einer hinreichenden HomogenitĂ€t, um den UnterstĂŒtzern der BDS-Kampagne zwangslĂ€ufig eine antisemitische Haltung zuzuschreiben.â Das Gericht befand daher, dass das Verhalten der Stadt Bonn gegen das im Grundgesetz verankerte Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz (Artikel 3) verstöĂt und gleichzeitig das Grundrecht des Vereins auf Meinungs- und ĂuĂerungsfreiheit (Artikel 5) verletzt. Die Meinungsfreiheit umfasse auch die Freiheit, Boykottkampagnen zu diskutieren und dazu aufzurufen, und wird auch durch Artikel 10 (Meinungsfreiheit) und Artikel 11 (Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit) der Euro-pĂ€ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) geschĂŒtzt, die die Bundesrepublik Deutschland in ihre nationale Gesetzgebung integriert hat. Das Kölner Gericht folgte mit seiner Entscheidung zwei frĂŒheren Urteilen des Verwaltungsgerichts Oldenburg20) und des NiedersĂ€chsischen Oberverwaltungsgerichts LĂŒneburg 21), die gleichfalls den Zugang von BDS-Aktivisten zu öffentlichen Einrichtungen schĂŒtzen, die von den Kommunen zu-nĂ€chst abgelehnt worden waren. Es ist schon einigermaĂen befremdlich, dass unsere politisch-gesellschaftlichen Eliten â und mit ihnen natĂŒrlich das LGBA â sich von Gerichten belehren lassen mĂŒssen ĂŒber die Grundlagen unseres âbĂŒrgerlichenâ Rechtsstaates. DarĂŒber hinaus wĂ€re ihnen â und hier insbesondere dem LBGA â die LektĂŒre des dem Kölner Ge-richt eingereichten Gutachtens des emeritierten Professors Moshe Zuckermann von der UniversitĂ€t Tel Aviv sehr zu empfehlen, der darauf hinweist, dass, wer Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik gleichsetzt, nicht verstanden hat, dass dies âdrei verschiedene Kategorien sind, die zwar eine Verbindung aufweisen können, aber im Wesen separat zu behandeln sind. Juden können nichtzionistisch oder gar antizionistisch sein, ohne deshalb antisemitisch zu wirken. Man kann Israel kritisieren, ohne antizionistisch zu sein. Man kann ĂŒbrigens auch Antisemit sein und zugleich AnhĂ€nger des zionistischen Israel. Es muĂ endlich klargestellt und eingesehen werden, daĂ nicht alle Juden Zionisten, nicht alle Zionisten Israelis und nicht alle Israelis Juden sind. Entsprechend sind Judentum, Zionismus und Israel kategorisch auseinanderzuhalten, und von daher auch Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik. Kritik, auch harte, an der Politik Israels stellt nicht das Existenzrecht Israels infrage, wie im Bonner BeschluĂ behauptet wird, sondern die Berechtigung Israels, seine repressive und menschenrechtsverletzende Politik gegen die PalĂ€stinenserinnen und PalĂ€stinenser zu betreiben.â Und zur BDS-Bewegung stellt Zuckermann klar, dass sie âsich zunĂ€chst und vor allem durch eines aus: durch die bewuĂt proklamierte Gewaltfreiheit...DarĂŒber hinaus ist die BDS-Bewe-gung vom Postulat des Widerstands âgegen alle Formen von Rassismus, einschlieĂlich des Antise-mitismusâ angetrieben. Wenn sich die Bewegung selbst so sieht und definiert, dann sollte man ihr gefĂ€lligst die Deutungshoheit dessen, was sie ist und will, ĂŒberlassen. Der Versuch, sie als antise-mitisch darzustellen, ist, so besehen, manipulativ und ideologisch interessengeleitet. Es ist primĂ€r der Versuch der Delegitimation einer demokratisch legitimen politischen Praxis, der sich gerade in der perfiden Verwendung des Antisemitismus-Vorwurfs als zutiefst verlogen erweist.â Als kĂŒrzlich die Stadt Dortmund der britisch-pakistanischen Schriftstellerin Kamila Shamsie den Nelly-Sachs-Preis aberkannte wegen ihres Engagements fĂŒr die BDS-Bewegung, protestierten mehr als 250 teils renommierte KĂŒnstler und Intellektuelle â unter ihnen NoÂam Chomsky, MiÂchaÂel OnÂdaatÂje, ArundÂhaÂti Roy, Tom McÂCarÂthy, OceÂan Vuong, TeÂju CoÂle, BarÂbaÂra EhÂrenÂreich, GeÂorÂge SaunÂders, AlexÂanÂder KluÂge, der LiÂteÂraÂturÂnoÂbelÂpreisÂtrĂ€Âger JM CoetÂzee â in einem Offenen Brief in der britischen Literaturzeitschrift London Review of Books.22) Was beÂdeuÂte ein LiÂteÂraÂturÂpreis, fraÂgen die AuÂtoÂren, wenn er das Recht unÂterÂgraÂbe, sich fĂŒr MenÂschenÂrechÂte und ReÂdeÂfreiÂheit einÂzuÂsetÂzen. OhÂne dieÂse RechÂte seiÂen Kunst und KulÂtur beÂdeuÂtungsÂloÂser LuÂxus. Die AuÂtoÂren ziÂtieÂren eiÂne geÂmeinÂsaÂme ErÂklĂ€Ârung von vierÂzig jĂŒÂdiÂschen (!) OrÂgaÂniÂsaÂtiÂonen , laut der es âsoÂwohl dem paÂlĂ€sÂtiÂnenÂsiÂschem Kampf fĂŒr FreiÂheit, GeÂrechÂtigÂkeit und GleichÂheit als auch dem gloÂbaÂlen Kampf geÂgen AnÂtiÂseÂmiÂtisÂmusâ schaÂde, wenn man âanÂtiÂjĂŒÂdiÂschen RasÂsisÂmus mit KriÂtik an IsÂraÂels PoÂliÂtikâ verÂmiÂsche. DieÂse VerÂmiÂschung beÂwahÂre IsÂraÂel daÂvor, sich an den StanÂdards der uniÂverÂselÂlen MenÂschenÂrechÂte und dem VölÂkerÂrecht mesÂsen zu lasÂsen. Angesichts dieser klaren Aussagen lĂ€sst sich nur konstatieren, dass sich das LBGA offensichtlich nicht einmal auf der Höhe des âbĂŒrgerlichenâ Rechtsstaates befindet, sondern sich dem völkisch-nationalistischen Diskurs des israelischen Zionismus unterwirft. Dass sich die hinter der BroschĂŒre stehenden Gruppen als ein âlinkesâ BĂŒndnis begreifen, das aus einer âdezidiert linken Perspektiveâ , auf der Basis einer âantifaschistischen, antirassistischen, femi-nistischen und kapitalismuskritischen Grundhaltung âŠ.. gegen Antisemitismus ⊠mobilisierenâ möchte, provoziert allerdings einige Fragen. Wie erklĂ€ren es sich diese âantifaschistischenâ Gruppen, dass etwa der mit dem Israel-Preis ausge-zeichnete Politologe und Faschismusforscher Zeev Sternhell â er ist eine der anerkannten AutoritĂ€ten auf diesem Gebiet â bereits 2014 Anzeichen fĂŒr einen in Israel aufkommenden Faschismus ausmachte?23) Gerade erst wurde die Neuauflage seines Standardwerks âFaÂschisÂtiÂsche IdeoÂloÂgieâ in der SZ begrĂŒĂt. Man hĂ€ttte gern gewusst, wie das LBGA sich zu den Befunden der an der HebrĂ€ischen UniversitĂ€t in Jerusalem lehrende Linguistin Nurit Peled-Elhanan positioniert, deren Tochter 1997 bei einem palĂ€stinenischen Selbstmordanschlag ums Leben kam, den sie als ein zwangslĂ€ufiges Resultat der Besatzung sah. Sie erhielt ĂŒbrigens den vom EuropĂ€ischen Parlament verliehenen Sacharow-Preis fĂŒr geistige Freiheit. In einem Interview von 2013 meinte sie: âIsrael nĂ€hert sich dem Faschismus in einer Geschwindigkeit, die sich niemand vorstellen konnte âŠ. Rassismus und Militarismus beherrschen hier allesâŠ.Israel ist eindeutig ein totalitĂ€rer Staat, Demokratie gibt es nur fĂŒr die Juden.âŠ. Ich denke, es ist ein kolonialistisches Regime.â 24) Und in dem Zusammenhang ist aufschlussreich, dass bei der Selbstbeschreibung des LBGA der Begriff âantikolonialistischâ fehlt. Die Darstellung Israels als âsiedlerkolonialistisches Projektâ, wozu sich die zionistische Bewegung v. a. in ihren AnfĂ€ngen ganz unbefangen bekannte, und das sich auch heute noch tagtĂ€glich in Form der Enteignung und Besiedelung palĂ€stinensischen Landes fortsetzt, gilt bei den blinden Israelfreunden im Gegenteil als weiterer Beleg fĂŒr â wer hĂ€tte das ge-dacht â Antisemitismus. Dass es sich beim LBGA auch noch um den Zusammenschluss der Jugendorganisationen linker und linksliberaler Parteien handelt, mag man angesichts des völkisch-nationalistischen âIrrwegs Israelsâ (Prof. Rolf Verleger) kaum glauben. Immerhin zeichnet sich linke Politik von jeher in erster Linie durch Herrschaftskritik und damit einen Befreiungsanspruch aus, welcher sich immer auf ein bestimmtes HerrschaftsverhĂ€ltnis zu beziehen hat, im vorliegenden Fall auf den bellizistischen, ethnonationalistischen Zionismus, der nicht nur die indigene palĂ€stinensische Bevölkerung der Dauerrepression unterwirft, sondern auch die Nachbarstaaten nach GutdĂŒnken attackiert. Aber diese RealitĂ€t im Nahen Osten wird von den Israelfreunden geflissentlich ignoriert, und diejenigen, die darauf hinzuweisen sich erlauben, sind in diesem Denken â nun ja â, âJudenfeindeâ. So lĂ€sst sich abschlieĂend nur feststellen, dass der Anspruch des LBGA, links zu sein, nichts anderes als eine AnmaĂung ist, was sich ihnen unschwer erschlieĂen sollte, wenn sie sich auf die Analysen der vielen zumeist linken israelischen und/oder jĂŒdischen Wissenschaftler und Akademiker einlieĂen, die in verzweifelter Sorge um die Zukunft Israels dessen Politik scharf kritisieren, um es zu einer Umkehr zu bewegen. Fussnoten:  1) Die Assmanns beziehen sich hier auf den ersten Satz des âKommunistischen Manifestsâ von Marx und Engels  2) haaretz.com/israel-news/.premium-today-i-am-ashamed-to-be-an-israeli-1.6294754  3) www.tachles.ch/product/25896.  4) lbga-muenchen.org/2019/07/06/ist-bds-antisemitisch-unsere-broschuere-als-text-und-pdf-zum-download/  5) Prof. Jeff Halper wurde 2006 vom American Friends Service Committee fĂŒr den Friedensnobelpreis vorgeschlagen; 2009 erhielt er den âKant-WeltbĂŒrgerpreisâ der Freiburger Kantstiftung fĂŒr sein âmutiges Eintreten fĂŒr politisch und sozial marginalisierte Bevölkerungsgruppenâ.  6) haaretz.com/opinion/.premium-79-percent-of-right-wingers-believe-jews-are-the-chosen-people-are-you-for-real-1.6471893   7) Richard Falk, Professor an der Princeton University, wurde 2008 vom UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) fĂŒr sechs Jahre zum Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen ernannt fĂŒr die Situation der Menschenrechte in den palĂ€stinensischen Autonomiegebieten, die seit 1967 widerrechtlich von Israel besetzt sind. 8) Virginia Tilley, Professorin an der Southern Illinois University-Carbondale, forschte und lehrte von 2006 bis 2011 am Human Sciences Research Council in SĂŒdafrika(HSRC), wo sie insbesondere Studien zu SĂŒdafrikas Ăbergang von der Apartheid zur Demokratie leitete. 9) unescwa.org/sites/www.unescwa.org/files/publications/files/israeli-practices-palestinian-people-apartheid-occupation-english.pdf â Seite 64: âEfforts should be made to broaden support for boycott, divestment and sanctions initiatives among civil society actors.â 10) bibjetzt.files.wordpress.com/2017/11/avi-shlaim_interview_dt.pdf 11) haaretz.com/1.5262454 12) SZ, 15..3.2008, www.sz.de/1.287333 13) neuerispverlag.de/aushang/deeg_id124_avnery.pdf 14) deutschlandfunk.de/viele-juden-schaemen-sich-israels.694.de.html?dram:article_id=63832 15) netzeitung.de/politik/ausland/950417.html 16)  27.07.2016, general-anzeiger-bonn.de/news/politik/ausland/Avi-Primor-zur-Situation-in-seiner-Heimat-%E2%80%9EFrieden-schlie%C3%9Fen%E2%80%9C-article3316367.html 17) Es ist bezeichnend fĂŒr die Infamie des LGBA, dass sie den Verein in die NĂ€he des rechten Antisemitismus zu rĂŒcken versucht, weil auf seiner Homepage im Jahr 2016 auf zwei englischsprachige, teils die Grenzen zum Antisemi-tismus ĂŒberschreitende Websites verlinkt wurde, wofĂŒr allerdings der damals zustĂ€ndige Webmaster verantwortlich war. Die Zusammenarbeit mit ihm fand damals ein sofortiges Ende. Der Verein hat sich fĂŒr diese ihm Ă€uĂerst unangenehme Entgleisung mit dem Ausdruck gröĂten Bedauerns entschuldigt und die Homepage vom Netz genommen. Jeder, der Salam Shalom auch nur oberflĂ€chlich kennt, weiĂ um die Abwegigkeit des ihm gegenĂŒber erhobenen Vorwurfs. 18) scribd.com/document/410142758/Statement-by-Jewish-and-Israeli-Scholars-to-German-Parties-on-BDS 19) Rechtssache 14 L 1747/10 20) Rechtssache 3 A 3012/16) 21) Rechtssache 10 ME 48/19 22) lrb.co.uk/blog/2019/september/the-right-to-boycott 23) haaretz.com/news/features/.premium-1.610368 24) 20. Februar 2013, hintergrund.de/201302202455/feuilleton/zeitfragen/rechte-ideologie-und-propaganda-in-israelischen-lehrbuechern.html   Studienreise nach PalĂ€stina / Israel Reiseleitung Fuad Hamdan, Termine 05.04.20 - 17.04.20 Mehr Infos unter: https://www.lea-bildung.de/reisen/show/w7365-studienreise-nach-palaestina-israel/ Read the full article

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Israel - Demokratie oder Gottesstaat?
Die Ausdehnung auf das Königreich Davids und Salomon ist einer der religiösen WĂŒnsche, und die besonders frommen trĂ€umen mit der Ausdehnung auf den damaligen EinfluĂbereich um das halbe Mittelmeer, bis in die TĂŒrkei. Realisten sehen die EinflĂŒsse der islamischen Rechten dagegen ankĂ€mpfen, von Iran bis IS-TĂŒrkei, und der Krieg ist auch in unsere Breiten gewandert, findet auch in MĂŒnchen statt, darf aber in stĂ€dtischen RĂ€umen nicht einfach so besprochen werden: Schon die ErwĂ€hnung des Wortes "PalĂ€stina" gerĂ€t heute in den miĂbrauchten Verdacht des "Antisemitismus", als wĂ€re die alte deutsche Judenvernichtung damit gemeint. Wenige Journalist*innen, die sich derzeit an das Thema wagen, sofort ist mit feindseligem Geschrei auf allen KanĂ€len zu rechnen. RadiogesprĂ€ch mit JĂŒrgen Jung: gegensprechanlage am Mi 11.12.2019 ab 21h mit JĂŒrgen Jung zur palĂ€stinensisch-jĂŒdischen Dialog-Gruppe: Der ausgebildete Schauspieler und Politologe JĂŒrgen Jung studierte zunĂ€chst Theater- und dann Politikwissenschaft, welch letztere er am Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t mit dem Staatsexamen abschloss. Nach verschiedenen Theaterengagements (MĂŒnchner Kammerspiele, SchaubĂŒhne Berlin) und Filmarbeit arbeitete er vorwiegend als Sprecher, Moderator und Wortregisseur v. a. beim Bayerischen Rundfunk. Seit etwa 12 Jahren beschĂ€ftigt er sich intensiv mit dem Nahost-Konflikt, zu dem er mehrere HörbĂŒcher veröffentlicht hat. Er ist im Vorstand von Salam Shalom, Arbeitskreis PalĂ€stina-Israel e. V., der seine vordringliche Aufgabe darin sieht, Informationen und Analysen zum Thema PalĂ€stina/Israel zugĂ€nglich zu machen, so dass sich interessierte Zeitgenossen â unabhĂ€ngig von den gĂ€ngigen Informationen und Interpretationen unserer Meinungsmacher in Politik und Medien, also unabhĂ€ngig von der in der Regel verbreiteten offiziellen israelischen Sichtweise â, ein fundiertes Urteil bilden können. From now on, every Palestinian is an anti-Semite haaretz.com/world-news/europe/.premium-from-now-on-every-palestinian-is-an-anti-semite Replik auf das LBGA von JĂŒrgen Jung am 28. 11. 2019: In der âHauptstadt der Bewegungâ gegen die BDS-Bewegung âEin neues Gespenst geht um in Europa: das ist der Antisemitismus-Vorwurf.â ) Er stelle âuns EuropĂ€er, insbesondere Deutsche, unter Generalverdacht und ruft im Stil der McCarthy-Ăra zu einer Hexenjagd auf jeden aufâ, der die Politik Israels nicht unterstĂŒtze und denunziere ihn als Antisemiten. So zitiert die SZ (am 24. 6. 2019, S. 9) die FriedenspreistrĂ€ger des Deutschen Buchhandels 2018, die Kulturwissenschaftler Jan und Aleida Assmann. Und sie fahren fort:âDie wahren Freunde Israels werden es sich nicht verbieten lassen, die Entwicklungen in diesem Land... gelegentlich auch einmal mit kritischer Sorge zu beobachten.â Das, was fĂŒr die Assmanns Anlass zu âkritischer Sorgeâ ist, dĂŒrfte auch dazu gefĂŒhrt haben, dass Daniel Barenboim âsich heute schĂ€mt, ein Israeli zu seinâ â so die Ăberschrift eines Artikels in der israelischen Tageszeitung âHaaretzâ vom 22. 7. 2018 2), in dem er scharf kritisiert, dass das kurz zuvor in Israel verabschiedete Nationalstaatsgesetz âden Grundsatz der Gleichheit und universeller Werte durch Nationalismus und Rassismus ersetztâ. Es bestĂ€tige âden Rang der arabischen Bevölkerung als BĂŒrger zweiter Klasse .... Es ist daher eine sehr klare Form der Apartheid.â Ăberraschenderweise war es der israelische MinisterprĂ€sident Netanyahu, der dies indirekt bestĂ€tigte, als er am 10. 3. 2019 auf Facebook schrieb: «Israel ist nicht das Land sĂ€mtlicher BĂŒrger. Nach Verabschiedung des Nationalstaats-Gesetzes ist Israel der Nationalstaat der jĂŒdischen Nation â und nur dieser allein» 3) Es ist genau dieser hier notgedrungen nur angerissene empirische Zusammenhang der ethno-nationalistischen, der rassistischen und apartheidĂ€hnlichen Politik Israels, der Entstehungs-bedingung der Boykottbewegung BDS (Boykott, Desinvestment and Sanctions) war und ihre wesentlichen Ziele und Forderungen bestimmt: Beendigung der völkerrechtswidrigen Besatzung, Gleichheit fĂŒr die palĂ€stinensischen BĂŒrger des Landes und das RĂŒckkehrrecht fĂŒr die palĂ€stinensischen FlĂŒchtlinge, wie in UNO-Resolution 194 festgelegt. Dies letztere ihnen verwehren zu wollen und gleichzeitig allen Juden auf der Welt zuzugestehen, in Israel einzuwandern, ist nicht nur eine schwerwiegende Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes, sondern weiterer Ausdruck der bereits herrschenden Apartheid. Der wohlgemerkt ausdrĂŒcklich friedliche Kampf der BDS-Bewegung gegen diese fĂŒr die PalĂ€stinenser höchst repressive RealitĂ€t wird von den falschen Israelfreunden als âantisemitischâ verleumdet, wobei sie es sich zumeist gestatten, die Wirklichkeit im Nahen Osten â und auch hier-zulande â zu ĂŒbersehen und/oder ideologisch zu verzerren. Obwohl die hier problematisierte âBroschĂŒreâ4) des âLinken BĂŒndnisses gegen Antisemitismus MĂŒnchenâ (LBGA) âFakten und Argumente zu BDS zusammentragenâ möchte, beginnt die Ideologisierung schon mit dem ersten Satz, wo behauptet wird, dass die BDS-Bewegung âgegen Israelâ gerichtet sei, obwohl sie sich mitnichten gegen Israel, sondern gegen dessen Politik wendet. Und wie selbstverstĂ€ndlich wird das, was ja wohl erst nachgewiesen werden sollte, nĂ€mlich der âantisemitische Charakterâ von BDS, postuliert, obwohl sich die Bewegung klar und eindeutig gegen jeden Antisemitismus ausspricht. Ihr Ursprung wird da im Wesentlichen datiert auf die Konferenz in Durban (SĂŒdafrika) von 2001 mit ihrem Aufruf zum Boykott Israels, aber dass sich auch in Israel selbst bereits vor der Jahr-tausendwende eine Boykott-Bewegung (âBoycott from Withinâ) entwickelt hatte, betrieben etwa von ICAHD und seinem Vorsitzenden, dem Anthropologen Prof. Jeff Halper 5), ist den Verfassern der BroschĂŒre anscheinend nicht bekannt oder es wird beschwiegen. ICAHDs Boykottaufruf âzur HerbeifĂŒhrung eines gerechten Friedens fĂŒr alle Völker der Regionâ wurde schlieĂlich im Januar 2005, ein halbes Jahr vor dem der PalĂ€stinensischen Zivilbewegung, veröffentlicht. Nun sehen sich die Gegner von BDS mit der fĂŒr sie höchst unangenehmen Tatsache konfrontiert, dass es nicht nur vereinzelte Stimmen im Judentum gibt, vorzugsweise âjĂŒdische Selbsthasserâ genannt, die sich â ganz abgesehen von religiösen Strömungen â keineswegs identifizieren mit dem Israel durchwirkenden ethno-nationalistischen Zionismus. In einer Haaretz-Umfrage von 2018 waren 56 Prozent der Israelis der Ansicht, dass sie das âauserwĂ€hlte Volkâ seien. Bei den sich selbst als ârechtsâ Verstehenden sind es 79 Prozent. Gideon Levy allerdings, Autor des diesbezĂŒglichen Artikels vom 15. 9. 2018 6), ist der Meinung, dass eine Besatzungsmacht, die seit ĂŒber 50 Jahren ein anderes Volk unterdrĂŒckt, kein auserwĂ€hltes Volk sein könne. FĂŒr ihn ist diese Vorstellung so etwas wie eine kollektive Psychose, die eine Gefahr nicht nur fĂŒr die Israelis selbst, sondern v. a. auch fĂŒr ihre Nachbarn darstelle. KĂŒrzlich erst musste der israelische GeÂneÂralÂstabsÂchef GaÂdi EiÂsenÂkot einrĂ€umen, dass IsÂraÂels ArÂmee in den verÂganÂgeÂnen JahÂren âTauÂsenÂde ZieÂleâ anÂgeÂgrifÂfen haÂbe . Aber zionismuskritische, vorwiegend linke (!) Stimmen wie die Gideon Levys stehen in Israel unter dem Generalverdacht des Vaterlandsverrats und werden zumeist - hierzulande ohnehin â nicht zur Kenntnis genommen, oder ihre wissenschaftlichen Befunde werden als âumstrittenâ in Frage gestellt. So weist das LBGA auf das Abschlussdokument von Durban hin, in dem Israel â so empören sich die Autoren der BroschĂŒre ââeine Apartheidpolitik, ein Genozid und ethnische SĂ€uberungen an der arabischen Bevölkerungâ vorgeworfen werde, womit die Resolution sich vermutlich der âanti-semitischen Delegitimierungâ Israels schuldig macht. FĂŒr den durchaus problematischen Begriff âGenozidâ hat der israelische Soziologe Baruch Kimmerling zur PrĂ€zisierung den Begriff âPolitizidâ vorgeschlagen, worunter er die kontinuier-liche Vernichtung des palĂ€stinensischen Volkes als nationale Einheit, als "soziale, politische und wirtschaftliche GröĂe" versteht. Der Vorwurf der âApartheidpolitikâ ist allerdings sehr wohl stichhaltig und durch etliche Untersuchungen genauestens belegt. Zu nennen wĂ€re â als ein Beispiel von vielen â die von der âEconomic and Social Commission for Western Asiaâ (einer Unterorganisation der UNO) vorgelegte Studie: âIsraeli Practices towards the Palestinian People and the Question of Apartheidâ von 2017. Erarbeitet wurde sie vom jĂŒdisch-amerikanischen Völkerrechtler Richard Falk 7) und der Apartheid-erfahrenen amerikanischen Politologin Virginia Tilley 8). Da wird auf etwa 70 Seiten detailliert nachgewiesen, inwiefern Israel durchaus ein rassistischer Apartheidstaat ist. AbschlieĂend werden der internationalen Zivilgesellschaft BDS-Initiativen angeraten. 9) Im ĂŒbrigen hatte schon am 29. 12. 2011 der ehemalige israelische Botschafter in SĂŒdafrika, Alon Liel, eine AuĂenansicht in der SZ (auf S. 2) verfasst unter dem bezeichnenden Titel: âWie einst in SĂŒdafrikaâ.  Und der renommierte israelische Historiker Avi Shlaim â bis zu seiner Emeritierung jahrzehnte-lang Professor fĂŒr Internationale Politik in Oxford, der Experte fĂŒr die israelisch-arabischen Beziehungen â, stellte am 23. Oktober 2017 fest: âDie einzige Hoffnung der PalĂ€stinenser besteht in der BDS-Bewegung.â 10) Die hinlĂ€nglich bewiesene Tatsache der âethnischen SĂ€uberungâ PalĂ€stinas in Zweifel ziehen zu wollen, wie es das LBGA tut, grenzt langsam ans LĂ€cherliche, denn es waren ja in erster Linie die bedeutendsten israelischen, die sogenannten âneuenâ Historiker, die seit dem Ende der 70er Jahre die Vertreibung von mehr als der HĂ€lfte der PalĂ€stinenser (ca. 750 000) um die StaatsgrĂŒndung Israels herum detailliert belegt haben. Selbst der ReaktionĂ€r dieser Wissenschaftler, Benny Morris, der in seinen Studien wesentlich zur Erforschung dieser ZusammenhĂ€nge beitrug, hat die ethnische SĂ€uberung nie in Frage gestellt, sondern ganz im Gegenteil einmal unverblĂŒmt-zynisch geĂ€uĂert: âMan kann kein Omelett machen ohne Eier zu zerbrechen. Man muss sich die HĂ€nde schmutzig machen.â 11) Bedauerlich fand er allein, das Ben-Gurion nicht alle PalĂ€stinenser vertrieben habe! Es ist kennzeichnend fĂŒr die zionistische Ausrichtung der BroschĂŒre des LBGA, dass die Konferenz in Durban als âDebakelâ bezeichnet wird, weil sie âantiisraelischâ gewesen sei, was den âAbzugâ der Delegationen Israels und der USA provoziert habe. Dass die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der teil-nehmenden Staaten das Abschlussdokument unterschrieb, wird nicht erwĂ€hnt. Als besonders skandalös werden antisemitische Aktionen und Publikationen der parallel zur Konferenz statt-findenden NGO-Konferenz von etwa 3000 Organisationen dargestellt. Dass sich unter die enorme Zahl der Teilnehmer (etwa 10 000) auch einige rassistische, bzw. antisemitische Trittbrettfahrer ein-reihten, rechtfertigt in keiner Weise, die Konferenz in GĂ€nze als antisemitisch zu verunglimpfen. Das erinnert an Demonstrationen hierzulande, wo einige wenige Teilnehmer die israelische Flagge verbrannten, woraufhin die gesamte Demonstration als antisemitisch denunziert wurde. Weiter wird behauptet, dass der Iran, wo â in Teheran â eines der Vorbeitungstreffen von Durban stattfand, âregelmĂ€Ăig mit der Vernichtung Israels drohtâ. Dabei wurde gern der ehemalige iranische PrĂ€sident Mahmud Ahmadinedschad falsch zitiert, der nichts anderes gesagt hatte als dass âdas zionistische Besatzungsregime in Jerusalem ⊠von den Seiten der Geschichte ver-schwinden mussâ, so wie auch das Apartheidregime SĂŒdafrikas oder die Sowjetunion. Immerhin ist die Beendigung der Besatzung Forderung des Völkerrechts. 12) Die DĂ€monisierung der Gegner israelischer Politik wird in der BroschĂŒre dann folgerichtig auch auf die âislamistische Terrororganisation Hamasâ ĂŒbertragen, die den Gazastreifen âkontrolliertâ. Dass diese âOrganisationâ, die zunĂ€chst sogar von Israel gegen die konkurrierende Fatah unterstĂŒtzt wurde (âDivide et impera!â), die freie Wahl von 2006 in den besetzten Gebieten mit ĂŒberwĂ€ltigender Mehrheit gewann, eigentlich also die Regierung ganz PalĂ€stinas ist, flieĂt in den Diskurs des LGBA nicht ein. Die Forderung der Hamas in ihrer Charta von 1988 nach der Vernichtung Israels fand sich ĂŒbrigens in vergleichbarer Form auch in der Charta der Fatah, was Yitzhak Rabin anfang der 90er Jahre keineswegs daran hinderte, mit dieser in Verhandlungen einzutreten, an deren Ende die Formu-lierung gestrichen war. Die Hamas â die man mitnichten mögen muss! â hat Israel ĂŒbrigens vergeblich einen langfristigen Waffenstillstand, eine religiös konnotierte âHudnaâ angeboten, die zu brechen fĂŒr die religiös-orientierte Hamas ein Sakrileg wĂ€re. DarĂŒber hinaus hat sie sich der von 23 arabischen Staaten unterzeichneten âSaudi-Initiativeâ der Arabischen Liga (von 2002) angeschlossen, die Israel die Anerkennung und ânormale Beziehungenâ anbot, sofern es sich aus den besetzten Gebieten zurĂŒck-zieht, wozu Israel nicht bereit war. Israel hĂ€tte also lĂ€ngst Frieden mit der Hamas schlieĂen können. Es zog die Pflege des Feindbilds der Hamas, ihre DĂ€monisierung vor. Die dritte Kernforderung von BDS, das RĂŒckkehrrecht der palĂ€stinensischen FlĂŒchtlinge und Vertriebenen (von 1948), muss dann herhalten als Beweis fĂŒr die Absicht, den âjĂŒdischen Staatâ vernichten zu wollen, denn wenn alle tatsĂ€chlich dieses ihnen völkerrechtlich zustehende Recht gleichzeitig in Anspruch nĂ€hmen, wĂ€ren die Juden in Israel in der Minderheit â das Ende des zionistischen Traums. Nun haben die PalĂ€stinenser aber stets Verhandlungen ĂŒber die Realisierung des RĂŒckkehrrechts angeboten, denn es wollen ja keinswegs alle FlĂŒchtlinge und Vertriebene zurĂŒck. Viele möchten dort bleiben, wohin sie geflohen waren, ein anderer Teil wĂŒrde sich entschĂ€digen lassen, und diejenigen, die tatsĂ€chlich ins israelische Kernland zurĂŒck wollen, liessen sich bei gutem Willen sehr wohl integrieren. Besonders verwerflich scheint den Verfassern der kulturelle Boykott Israels zu sein. Dessen Ver-fechter wissen aber durchaus zu unterscheiden zwischen (zumeist linken) kritischen Wissenschaftlern, Intellektuellen und KĂŒnstlern und andererseits jenen, die â als âKomplizenâ des herrschenden bellizistischen Zionismus â Israel âreinzuwaschenâ unterwegs sind. Es war, neben vielen Juden und Israelis, niemand Geringerer als der kĂŒrzlich verstorbene, hochgeschĂ€tzte Physiker Stephen Hawking, der den kulturellen Boykott entschieden unterstĂŒtzte. Er galt zwar als einer der klĂŒgsten Zeitgenossen, aber der BDS-Bewegung scheint er auf den Leim gegangen. GemÀà dieser Logik war er geistig wohl doch ein wenig beschrĂ€nkt, vielleicht gar ein heimlicher Antisemit?!? Gerne werfen die Kritiker der BDS-Bewegung vor, Israel in die NĂ€he des Nazionalsozialismus zu rĂŒcken, assoziieren aber ihrerseits die Nazi-Parole âKauft nicht bei Judenâ. Wie war das noch mit der immer wieder beschworenen Doppelmoral? In einem SZ-Interview wies der israelische Historiker Tom Segev die Assoziation zur Nazi-Parole als durchaus nicht nahe-liegend zurĂŒck, denn man könne den Boykott zur Durchsetzung von Völker- und Menschenrecht in keiner Weise vergleichen mit dem Vernichtungskampf der Nazis gegen die deutsche Minderheit der Juden, wobei er klarstellte, dass er die BDS-Kampagne keineswegs unterstĂŒtzt. Das ResĂŒmee der Verfasser des Pamphlets lautet â gemÀà dem berĂŒchtigten und ĂŒberaus schwammigen â3-D-Testâ: âDurch das Anlegen doppelter Standards sowie durch die Delegitimie-rung und DĂ€monisierung von Israel werden antisemitische Ressentiments in der Gesellschaft befördert und bestĂ€rktâ. Bezeichnend aber ist, dass dabei ein wesentlicher Aspekt der Antisemitismusproblematik gĂ€nzlich unterbelichtet bleibt. Der im vorigen Jahr im Alter von 95 Jahren verstorbene Senior der israeli-schen Friedensbewegung, Uri Avnery, drĂŒckte es 2002 einmal so aus: âDer Staat Israel verur-sacht eine Wiederauferstehung des Antisemitismus auf der ganzen Welt und bedroht Juden ĂŒberall. Die Regierung Scharon ist wie ein riesiges Labor, in dem der Virus Antisemitismus gezĂŒchtet und in die ganze Welt exportiert wird. ...Viele anstĂ€ndige Leute, die keinerlei Hass gegen Juden em-pfinden, aber die Drangsalierung der PalĂ€stinenser verabscheuen, werden jetzt als Antisemiten bezeichnet. So wird dem Wort die SchĂ€rfe genommen und so etwas wie Ansehen verliehen. Die eigentliche Folge ist, dass Israel nicht nur die Juden nicht vor Antisemitismus schĂŒtzt, sondern im Gegenteil: Israel fabriziert und exportiert Antisemitismus, der Juden rund um die Welt gefĂ€hrdet.â 13) Und Paul Oesterreicher, der ehemalige Vorsitzende der britischen Sektion von Amnesty International, der mit seiner Familie 1938 den Nazis entkam, am 23. 10. 2006 im Deutschlandfunk: âHeute ist es so, dass die Deutschen Angst haben, Antisemiten genannt zu werden, und deswegen fĂŒhlen sie sich verpflichtet als Deutsche, zu den Verbrechen Israels zu schweigenâŠ.. Um Israels Willen muss die Wahrheit ausgesprochen werdenâŠ.Kritik an Israel hat mit Antisemitismus, mit Anti-judaismus ĂŒberhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil! âŠ.. Meine Kritik an der Politik Israels ist ein Ausdruck meiner SolidaritĂ€t mit der Minderheit der Israelis, die wirklich Patrioten sindâŠ.. Wenn es kein besetztes Gebiet gĂ€be, dann gĂ€be es auch keine Selbstmörder âŠ.Der Antisemitismus heute wird gezeugt durch die Politik Israels.â 14) Und der hochgeschĂ€tzte Politologe Prof. Alfred Grosser â immer wieder wurde er eingeladen, zu feierlichen AnlĂ€ssen vor dem Bundestag zu reden: âJeder Mensch den Anderen respektieren. Und niemand diese Regel so sehr wie die Israelis im Umgang mit den PalĂ€stinensernâŠ. Sobald einer die Stimme gegen Israel erhebt, heiĂt es sofort âAntisemitismusâ.  âDurch die-ses âreflexhafte Schwingen der Antisemitismuskeuleâ werde âAntisemitismus ja geradezu er-zeugtâŠ.NatĂŒrlich gibt es den alten Antisemitismus ... Es kommt aber leider ein neuer hinzu, der durch die israelische Politik provoziert wird. Und eben durch die Tatsache, dass sich der Zentralrat diese Politik zu eigen macht.â âWenn Unrecht Unrecht ist, muss man es benennen und sagen, dass gerade Israels Politik den Antisemitismus fördert. Das sagen ja auch die israelischen Kritiker dieser Politik.â  Und das zugrundeliegende Problem sieht er in der âGleichsetzung von Israel und jĂŒdisch, die es in dieser Form nicht geben dĂŒrfte.â 15) Und schlieĂlich der ehemalige israelische Botschafter in der Bundesrepublik, Avi Primor: âJa, es gibt in Deutschland wie anderswo Antisemitismus ...Aber insgesamt geht der Antisemitismus sehr langsam zurĂŒckâŠ...Die meisten, die die Israelis kritisieren, kritisieren uns sachlich, sie kritisieren die israelische Politik und Besatzung, aber nicht Israel als Staat und die Israelis als Volk.â Er jeden-falls könne keine âZunahme des Antisemitismus feststellen, sondern nur eine Abnahme der Sympathie fĂŒr Israel.â 16) Die fortwĂ€hrende israelische Repression der PalĂ€stinenser, die wir mit Vertreibung, Enteignung und Diskriminierung bĂŒĂen lassen fĂŒr den Holocaust, an dem sie gĂ€nzlich unschuldig sind, und die Vereinnahmung aller Juden der Welt durch Israel, sowie die unkritische Identifikation jĂŒdischer Institutionen, etwa des Zentralrats der Juden in Deutschland, mit der Politik Israels â dies alles fĂŒhrt dann dazu, dass âdie Judenâ sich fast zwangslĂ€ufig zu potentiellen Opfern von Racheakten muslimi-scher Migranten machen. Dieser angeblich âimportierte Antisemitismusâ hat allerdings wenig mit dem herkömmlichen europĂ€ischen Antisemitismus zu tun, sondern ist â als zwangslĂ€ufiges Resultat des Nahostkonflikts â nichts anderes als Antizionismus. Die deutschbefindliche Identifikation mit Israel ist aufgrund unserer Geschichte zwar verstĂ€ndlich, aber sie hat Konsequenzen, die gerade angeblich Linke â wie das LBGA â mit dem Problem kon-frontieren, dass sie sich gemein machen mit einer Politik, die sich nur als ethnonationalistisch-reaktionĂ€r beschreiben lĂ€sst. Dies findet auch seinen Ausdruck in den freundschaftlichen Beziehungen, die Netanyahu mit autoritĂ€ren Staatslenkern wie Orban, Bolsonaro, Duterte oder Trump â der sich mit âgroĂer und unvergleichlicher Weisheitâ gesegnet sieht â , pflegt und der Sympathie, ja Bewunderung, die Israel â als das Bollwerk gegen âden Islamâ â bei fremdenfeindlichen, neofaschistischen Parteien genieĂt, deren FĂŒhrer freundlich in Tel Aviv empfangen werden. Vor dem Hintergrund dieser Ăberlegungen lĂ€sst es sich nur als niedertrĂ€chtig und infam bezeichnen, wenn in dem Absatz der LBGA-BroschĂŒre, der sich mit der Entwicklung der BDS-Bewegung in MĂŒnchen befasst, so verdienstvolle und teils altgediente Gruppen, Vereinigungen und Organisatio-nen der Friedensbewegung wie â man glaubt es kaum â Pax Christi (mit ihrer Kampagne âBesat-zung schmeckt bitterâ), die âInternationale Frauenliga fĂŒr Frieden und Freiheitâ (IFFF), das âMĂŒnchner FriedensbĂŒndnisâ, die âJĂŒdisch-PalĂ€stinensische Dialoggruppeâ, das âPalĂ€stina-Komitee MĂŒnchenâ (insbesondere mit seinen âPalĂ€stina Tagenâ), die âFrauen in Schwarzâ sowie âSalam Shalom, Arbeitskreis PalĂ€stina-Israel e. V.â17) â wenn also alle diese Gruppen umstandslos verleumdet werden, denn wer sich mit BDS gemein macht, ist ja im Sinne der âKontaktschuldâ (Micha Brumlik) zumindest antisemitismusverdĂ€chtig. Das letzte diesbezĂŒgliche Werk des israeli-schen Historikers und Soziologen Moshe Zuckermann lautet âDer allgegenwĂ€rtige Antisemitâ â was sich durchaus ironisch verstehen lĂ€sst. Da nĂŒtzt es auch nichts, dass sich immer wieder die wirklichen Experten, zumeist jĂŒdische bzw. israelische Wissenschaftler und Akademiker, entschieden gegen die Gleichsetzung von Israelkritik und Antisemitismus aussprechen. Vor der Bundestagsresolution (vom Mai 2019) gegen die âantisemitische BDS-Kampagneâ18) waren es hunderte, die in einem gemeinsamen Aufruf auch vor der damit einhergehenden Aushöhlung unserer Grundrechte auf Rede- und Versammlungsfreiheit warnten.  In diesem Sinne hat das Verwaltungsgericht Köln am 18. 9. 2019 in einem wegweisenden Urteil19) entschieden, den Deutsch-PalĂ€stinensischen Frauenverein e.V. zum jĂ€hrlichen Bonner Kultur- und Begegnungsfest âVielfalt! - Bonner Kultur - und Begegnungsfestâ zuzulassen. Die Stadt hatte den Verein wegen seiner UnterstĂŒtzung der BDS-Bewegung ausgeschlossen. Das Gericht stellte darĂŒber hinaus grundsĂ€tzlich fest: Stadtrats-, Landtags- oder Bundestags-beschlĂŒsse âgegen die antisemitische BDS-Bewegungâ seien âkeine Rechtssetzungsakte, sondern politische Resolutionen bzw. Willensbekundungen. Sie allein vermögen unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt einen bestehenden Rechtsanspruch einzuschrĂ€nken.â Der Ausschluss des Frauen-vereins vom Festival âstellt eine sachlich nicht einmal ansatzweise gerechtfertigte Ungleich-behandlungâ dar. Der BDS-Kampagne fehle es an âverfestigten organisatorischen Strukturen und einer hinreichenden HomogenitĂ€t, um den UnterstĂŒtzern der BDS-Kampagne zwangslĂ€ufig eine antisemitische Haltung zuzuschreiben.â Das Gericht befand daher, dass das Verhalten der Stadt Bonn gegen das im Grundgesetz verankerte Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz (Artikel 3) verstöĂt und gleichzeitig das Grundrecht des Vereins auf Meinungs- und ĂuĂerungsfreiheit (Artikel 5) verletzt. Die Meinungsfreiheit umfasse auch die Freiheit, Boykottkampagnen zu diskutieren und dazu aufzurufen, und wird auch durch Artikel 10 (Meinungsfreiheit) und Artikel 11 (Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit) der Euro-pĂ€ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) geschĂŒtzt, die die Bundesrepublik Deutschland in ihre nationale Gesetzgebung integriert hat. Das Kölner Gericht folgte mit seiner Entscheidung zwei frĂŒheren Urteilen des Verwaltungsgerichts Oldenburg20) und des NiedersĂ€chsischen Oberverwaltungsgerichts LĂŒneburg 21), die gleichfalls den Zugang von BDS-Aktivisten zu öffentlichen Einrichtungen schĂŒtzen, die von den Kommunen zu-nĂ€chst abgelehnt worden waren. Es ist schon einigermaĂen befremdlich, dass unsere politisch-gesellschaftlichen Eliten â und mit ihnen natĂŒrlich das LGBA â sich von Gerichten belehren lassen mĂŒssen ĂŒber die Grundlagen unseres âbĂŒrgerlichenâ Rechtsstaates. DarĂŒber hinaus wĂ€re ihnen â und hier insbesondere dem LBGA â die LektĂŒre des dem Kölner Ge-richt eingereichten Gutachtens des emeritierten Professors Moshe Zuckermann von der UniversitĂ€t Tel Aviv sehr zu empfehlen, der darauf hinweist, dass, wer Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik gleichsetzt, nicht verstanden hat, dass dies âdrei verschiedene Kategorien sind, die zwar eine Verbindung aufweisen können, aber im Wesen separat zu behandeln sind. Juden können nichtzionistisch oder gar antizionistisch sein, ohne deshalb antisemitisch zu wirken. Man kann Israel kritisieren, ohne antizionistisch zu sein. Man kann ĂŒbrigens auch Antisemit sein und zugleich AnhĂ€nger des zionistischen Israel. Es muĂ endlich klargestellt und eingesehen werden, daĂ nicht alle Juden Zionisten, nicht alle Zionisten Israelis und nicht alle Israelis Juden sind. Entsprechend sind Judentum, Zionismus und Israel kategorisch auseinanderzuhalten, und von daher auch Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik. Kritik, auch harte, an der Politik Israels stellt nicht das Existenzrecht Israels infrage, wie im Bonner BeschluĂ behauptet wird, sondern die Berechtigung Israels, seine repressive und menschenrechtsverletzende Politik gegen die PalĂ€stinenserinnen und PalĂ€stinenser zu betreiben.â Und zur BDS-Bewegung stellt Zuckermann klar, dass sie âsich zunĂ€chst und vor allem durch eines aus: durch die bewuĂt proklamierte Gewaltfreiheit...DarĂŒber hinaus ist die BDS-Bewe-gung vom Postulat des Widerstands âgegen alle Formen von Rassismus, einschlieĂlich des Antise-mitismusâ angetrieben. Wenn sich die Bewegung selbst so sieht und definiert, dann sollte man ihr gefĂ€lligst die Deutungshoheit dessen, was sie ist und will, ĂŒberlassen. Der Versuch, sie als antise-mitisch darzustellen, ist, so besehen, manipulativ und ideologisch interessengeleitet. Es ist primĂ€r der Versuch der Delegitimation einer demokratisch legitimen politischen Praxis, der sich gerade in der perfiden Verwendung des Antisemitismus-Vorwurfs als zutiefst verlogen erweist.â Als kĂŒrzlich die Stadt Dortmund der britisch-pakistanischen Schriftstellerin Kamila Shamsie den Nelly-Sachs-Preis aberkannte wegen ihres Engagements fĂŒr die BDS-Bewegung, protestierten mehr als 250 teils renommierte KĂŒnstler und Intellektuelle â unter ihnen NoÂam Chomsky, MiÂchaÂel OnÂdaatÂje, ArundÂhaÂti Roy, Tom McÂCarÂthy, OceÂan Vuong, TeÂju CoÂle, BarÂbaÂra EhÂrenÂreich, GeÂorÂge SaunÂders, AlexÂanÂder KluÂge, der LiÂteÂraÂturÂnoÂbelÂpreisÂtrĂ€Âger JM CoetÂzee â in einem Offenen Brief in der britischen Literaturzeitschrift London Review of Books.22) Was beÂdeuÂte ein LiÂteÂraÂturÂpreis, fraÂgen die AuÂtoÂren, wenn er das Recht unÂterÂgraÂbe, sich fĂŒr MenÂschenÂrechÂte und ReÂdeÂfreiÂheit einÂzuÂsetÂzen. OhÂne dieÂse RechÂte seiÂen Kunst und KulÂtur beÂdeuÂtungsÂloÂser LuÂxus. Die AuÂtoÂren ziÂtieÂren eiÂne geÂmeinÂsaÂme ErÂklĂ€Ârung von vierÂzig jĂŒÂdiÂschen (!) OrÂgaÂniÂsaÂtiÂonen , laut der es âsoÂwohl dem paÂlĂ€sÂtiÂnenÂsiÂschem Kampf fĂŒr FreiÂheit, GeÂrechÂtigÂkeit und GleichÂheit als auch dem gloÂbaÂlen Kampf geÂgen AnÂtiÂseÂmiÂtisÂmusâ schaÂde, wenn man âanÂtiÂjĂŒÂdiÂschen RasÂsisÂmus mit KriÂtik an IsÂraÂels PoÂliÂtikâ verÂmiÂsche. DieÂse VerÂmiÂschung beÂwahÂre IsÂraÂel daÂvor, sich an den StanÂdards der uniÂverÂselÂlen MenÂschenÂrechÂte und dem VölÂkerÂrecht mesÂsen zu lasÂsen. Angesichts dieser klaren Aussagen lĂ€sst sich nur konstatieren, dass sich das LBGA offensichtlich nicht einmal auf der Höhe des âbĂŒrgerlichenâ Rechtsstaates befindet, sondern sich dem völkisch-nationalistischen Diskurs des israelischen Zionismus unterwirft. Dass sich die hinter der BroschĂŒre stehenden Gruppen als ein âlinkesâ BĂŒndnis begreifen, das aus einer âdezidiert linken Perspektiveâ , auf der Basis einer âantifaschistischen, antirassistischen, femi-nistischen und kapitalismuskritischen Grundhaltung âŠ.. gegen Antisemitismus ⊠mobilisierenâ möchte, provoziert allerdings einige Fragen. Wie erklĂ€ren es sich diese âantifaschistischenâ Gruppen, dass etwa der mit dem Israel-Preis ausge-zeichnete Politologe und Faschismusforscher Zeev Sternhell â er ist eine der anerkannten AutoritĂ€ten auf diesem Gebiet â bereits 2014 Anzeichen fĂŒr einen in Israel aufkommenden Faschismus ausmachte?23) Gerade erst wurde die Neuauflage seines Standardwerks âFaÂschisÂtiÂsche IdeoÂloÂgieâ in der SZ begrĂŒĂt. Man hĂ€ttte gern gewusst, wie das LBGA sich zu den Befunden der an der HebrĂ€ischen UniversitĂ€t in Jerusalem lehrende Linguistin Nurit Peled-Elhanan positioniert, deren Tochter 1997 bei einem palĂ€stinenischen Selbstmordanschlag ums Leben kam, den sie als ein zwangslĂ€ufiges Resultat der Besatzung sah. Sie erhielt ĂŒbrigens den vom EuropĂ€ischen Parlament verliehenen Sacharow-Preis fĂŒr geistige Freiheit. In einem Interview von 2013 meinte sie: âIsrael nĂ€hert sich dem Faschismus in einer Geschwindigkeit, die sich niemand vorstellen konnte âŠ. Rassismus und Militarismus beherrschen hier allesâŠ.Israel ist eindeutig ein totalitĂ€rer Staat, Demokratie gibt es nur fĂŒr die Juden.âŠ. Ich denke, es ist ein kolonialistisches Regime.â 24) Und in dem Zusammenhang ist aufschlussreich, dass bei der Selbstbeschreibung des LBGA der Begriff âantikolonialistischâ fehlt. Die Darstellung Israels als âsiedlerkolonialistisches Projektâ, wozu sich die zionistische Bewegung v. a. in ihren AnfĂ€ngen ganz unbefangen bekannte, und das sich auch heute noch tagtĂ€glich in Form der Enteignung und Besiedelung palĂ€stinensischen Landes fortsetzt, gilt bei den blinden Israelfreunden im Gegenteil als weiterer Beleg fĂŒr â wer hĂ€tte das ge-dacht â Antisemitismus. Dass es sich beim LBGA auch noch um den Zusammenschluss der Jugendorganisationen linker und linksliberaler Parteien handelt, mag man angesichts des völkisch-nationalistischen âIrrwegs Israelsâ (Prof. Rolf Verleger) kaum glauben. Immerhin zeichnet sich linke Politik von jeher in erster Linie durch Herrschaftskritik und damit einen Befreiungsanspruch aus, welcher sich immer auf ein bestimmtes HerrschaftsverhĂ€ltnis zu beziehen hat, im vorliegenden Fall auf den bellizistischen, ethnonationalistischen Zionismus, der nicht nur die indigene palĂ€stinensische Bevölkerung der Dauerrepression unterwirft, sondern auch die Nachbarstaaten nach GutdĂŒnken attackiert. Aber diese RealitĂ€t im Nahen Osten wird von den Israelfreunden geflissentlich ignoriert, und diejenigen, die darauf hinzuweisen sich erlauben, sind in diesem Denken â nun ja â, âJudenfeindeâ. So lĂ€sst sich abschlieĂend nur feststellen, dass der Anspruch des LBGA, links zu sein, nichts anderes als eine AnmaĂung ist, was sich ihnen unschwer erschlieĂen sollte, wenn sie sich auf die Analysen der vielen zumeist linken israelischen und/oder jĂŒdischen Wissenschaftler und Akademiker einlieĂen, die in verzweifelter Sorge um die Zukunft Israels dessen Politik scharf kritisieren, um es zu einer Umkehr zu bewegen. Fussnoten:  1) Die Assmanns beziehen sich hier auf den ersten Satz des âKommunistischen Manifestsâ von Marx und Engels  2) haaretz.com/israel-news/.premium-today-i-am-ashamed-to-be-an-israeli-1.6294754  3) www.tachles.ch/product/25896.  4) lbga-muenchen.org/2019/07/06/ist-bds-antisemitisch-unsere-broschuere-als-text-und-pdf-zum-download/  5) Prof. Jeff Halper wurde 2006 vom American Friends Service Committee fĂŒr den Friedensnobelpreis vorgeschlagen; 2009 erhielt er den âKant-WeltbĂŒrgerpreisâ der Freiburger Kantstiftung fĂŒr sein âmutiges Eintreten fĂŒr politisch und sozial marginalisierte Bevölkerungsgruppenâ.  6) haaretz.com/opinion/.premium-79-percent-of-right-wingers-believe-jews-are-the-chosen-people-are-you-for-real-1.6471893   7) Richard Falk, Professor an der Princeton University, wurde 2008 vom UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) fĂŒr sechs Jahre zum Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen ernannt fĂŒr die Situation der Menschenrechte in den palĂ€stinensischen Autonomiegebieten, die seit 1967 widerrechtlich von Israel besetzt sind. 8) Virginia Tilley, Professorin an der Southern Illinois University-Carbondale, forschte und lehrte von 2006 bis 2011 am Human Sciences Research Council in SĂŒdafrika(HSRC), wo sie insbesondere Studien zu SĂŒdafrikas Ăbergang von der Apartheid zur Demokratie leitete. 9) unescwa.org/sites/www.unescwa.org/files/publications/files/israeli-practices-palestinian-people-apartheid-occupation-english.pdf â Seite 64: âEfforts should be made to broaden support for boycott, divestment and sanctions initiatives among civil society actors.â 10) bibjetzt.files.wordpress.com/2017/11/avi-shlaim_interview_dt.pdf 11) haaretz.com/1.5262454 12) SZ, 15..3.2008, www.sz.de/1.287333 13) neuerispverlag.de/aushang/deeg_id124_avnery.pdf 14) deutschlandfunk.de/viele-juden-schaemen-sich-israels.694.de.html?dram:article_id=63832 15) netzeitung.de/politik/ausland/950417.html 16)  27.07.2016, general-anzeiger-bonn.de/news/politik/ausland/Avi-Primor-zur-Situation-in-seiner-Heimat-%E2%80%9EFrieden-schlie%C3%9Fen%E2%80%9C-article3316367.html 17) Es ist bezeichnend fĂŒr die Infamie des LGBA, dass sie den Verein in die NĂ€he des rechten Antisemitismus zu rĂŒcken versucht, weil auf seiner Homepage im Jahr 2016 auf zwei englischsprachige, teils die Grenzen zum Antisemi-tismus ĂŒberschreitende Websites verlinkt wurde, wofĂŒr allerdings der damals zustĂ€ndige Webmaster verantwortlich war. Die Zusammenarbeit mit ihm fand damals ein sofortiges Ende. Der Verein hat sich fĂŒr diese ihm Ă€uĂerst unangenehme Entgleisung mit dem Ausdruck gröĂten Bedauerns entschuldigt und die Homepage vom Netz genommen. Jeder, der Salam Shalom auch nur oberflĂ€chlich kennt, weiĂ um die Abwegigkeit des ihm gegenĂŒber erhobenen Vorwurfs. 18) scribd.com/document/410142758/Statement-by-Jewish-and-Israeli-Scholars-to-German-Parties-on-BDS 19) Rechtssache 14 L 1747/10 20) Rechtssache 3 A 3012/16) 21) Rechtssache 10 ME 48/19 22) lrb.co.uk/blog/2019/september/the-right-to-boycott 23) haaretz.com/news/features/.premium-1.610368 24) 20. Februar 2013, hintergrund.de/201302202455/feuilleton/zeitfragen/rechte-ideologie-und-propaganda-in-israelischen-lehrbuechern.html   Studienreise nach PalĂ€stina / Israel Reiseleitung Fuad Hamdan, Termine 05.04.20 - 17.04.20 Mehr Infos unter: https://www.lea-bildung.de/reisen/show/w7365-studienreise-nach-palaestina-israel/ Read the full article
Noch steigen die Einnahmen der Kirchen in Deutschland - weil auch Löhne und GehÀlter wachsen. Doch die Austritte hinterlassen Spuren. Die Folgen könnten "brutal" werden, warnt der Bischof von EichstÀtt.
#gottseidank
Nicht kirchlich orientierte Genossen haben es schwer in der SPD. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, wollen die "SĂ€kularen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen" einen Arbeitskreis in der Partei grĂŒnden - so wie Christen, Muslime und jĂŒdische Genossen jeweils einen haben.