"The Bull and Last", London: Sunday Roast wie es sich gehört Im 19. Jahrhundert, als die industrielle Revolution sich so recht austobte, hatten die Menschen in der Region Yorkshire nicht viel - aber ihren Glauben und am Sonntag ein StĂŒck Fleisch. Dieses stellten sie in den Ofen, bevor sie sich zur Kirche aufmachten, GemĂŒse und Kartoffeln wurden im Topf daneben gelegt, auf dass sie sich vollsögen mit Fleischsaft.Â
Kehrte die Familie heim vom Gottesdienst, so berichtet es die Kulinarik-Legende, hatte der Braten jenes angebratene Stadium erreicht, dass wir heute âenglischâ nennen. Gern wurde er dann serviert mit einem Yorkshire Pudding, einem fluffigen EierkuchengebĂ€ck, das sich ebenfalls seinen Teil von Fleischsaft und Bratensauce ansaugt.Â
âSunday Roastâ nennt sich das und verbreitete sich im Lauf der Jahrzehnte ĂŒber ganz England. Erst waren es die Pubs, die am Sonntag fĂŒr die GĂ€ste einen Braten in die Röhre schoben, damit die GĂ€ste-Familien auch am siebten Tag der Woche die Bude fĂŒllten. Dann kamen die Gastro-Pubs und trieben die Idee eines SonntagmittĂ€glichen Familienessens auf eine neue Ebene.Â
Wann immer wir an einem Sonntag im Königreich sind, versuchen wir solch einen Sunday Roast mitzunehmen. Unseren bisher besten hatten wir in der âMarquess Tavernâ in Islington - leider aber scheint sich diese wieder weg vom Gastro-Konzept und hin zum traditionellen Pub zu entwickeln.Â
Wohin also beim London-Trip?
Wir vertrauten dem Restaurant-Preis der âObserverâ-Beilage âFood Monthlyâ und buchten einen Tisch im âThe Bull and Lastâ in Highgate/Hampstead. 2008 gegrĂŒndet, gewann der Gastro-Pub 2011 den nationalen Titel fĂŒr das beste Sunday Lunch und landete 2012 wieder auf der Shortlist.Â
GĂ€be es auch einen Preis fĂŒr das heimeligste Pub-Ambiente, auch hier wĂŒrde âThe Bull and Lastâ vorne mitkĂ€mpfen. In der eher untouristischen Nachbarschaft wirkt das Lokal von auĂen wie ein gepflegter, aber normaler Pub. Innen dagegen hat es die Kuscheligkeit eines Land-Gasthofs mit geklinkerten WĂ€nden, Spiegeln, und ausgestopften Tieren an den WĂ€nden.
Vollkommen durchnĂ€sst vom Regen treten wir ein und sofort wird uns ein wenig wĂ€rmer. Ăber dem Pub-Raum befindet sich ein noch schönerer Speisesaal mit offenem Kamin und hererwĂ€rmendem Service. Bemerkenswert auch: Die hohe Tafel weist nicht handgeschriebene Tagesempfehlungen auf - sondern listet die Zulieferer von Fleisch, Fisch und GemĂŒse. Wir ahnen, dass dies gut werden könnte.
Doch wir liegen falsch: Es wird sogar besser, es wird wundervoll. gotorio