Gleitschirmflieger

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Gleitschirmflieger

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Sehnsuchtsort: Kössen (Tirol)
47° 40′ N, 12° 24′ O
Die Unsicherheit, wenn man das Haus verlässt, zum Einkaufen geht oder beim Bäcker Brötchen bestellt. Das treibt mich um in den Tagen der Corona-Krise. Niemand mehr (außer ein paar wenige Rücksichtslose) gehen unbeschwert nach draußen.
In Tagen wie diesen erinnere ich mich gerne an ein Abenteuer zurück, das ich durch eine glückliche Fügung erleben durfte. Im Herbst 2017 war meine Liebste mit ihren Eltern in Kössen. Die Ortschaft liegt in Tirol und auch das erinnert natürlich an Corona.
Geplant war, dass ich übers Wochenende nachkommen sollte. Bei einem abendlichen Telefonat erfuhr ich, dass das Hotel Tandemflüge mit dem Gleitschirm anbot. Sofort war ich Feuer und Flamme und ließ mir einen Flug reservieren.
Wenige Tage später ging es los. Mit einem Rucksack auf dem Buckel, in dem der Gleitschirm verstaut war, fuhr ich gemeinsam mit Max, dem Piloten, bequem mit der Bergbahn zum Startplatz in 1.500 Metern Höhe auf dem Unterberg. Max bereitete den Schirm vor, noch war ich guter Dinge. Als wir beide fest in unseren Sitzen angeschnallt waren gab Max das Startzeichen. Wir rannten los, der Schirm hob sich vom Boden und wenig später glitten wir über einen Hang ins Nichts. Fast ins Nichts. Fast 900 Meter tiefer konnte man schemenhaft Kössen erkennen. Die Thermik trieb uns nach oben.
Mir wurde ein wenig mulmig in dem schmalen Sitz, nur getragen von einem Stückchen Tuch über uns. Ich gebe es zu: ganz entspannen konnte ich mich bei dem Flug nicht. Winzig klein kam ich mir vor, den Naturgewalten ausgeliefert. Zum Glück gab es Max. Er war die Ruhe selbst, scherzte und erzählte Geschichten, die ich mal mehr, mal weniger kommentierte. Je nachdem, ob uns eine Böe gerade wieder ein wenig Aufwind verschaffte. Immer wieder kämpfte ich gegen meine Höhenangst an. Es lohnte sich, das Panorama war überwältigend. Wie im Bilderbuch. In der Ferne wechselten sich hohe Berge und grüne Täler ab, die Sonne ließ sich ab und an zwischen den Wolken blicken und unter uns lag zwergenhaft Kössen inmitten von Weiden.
Nach und nach kam die Erde näher. Irgendwann erkannte ich unter mir Kühe auf einer Weide. Wenig später landete Max unseren Gleitschirm sicher auf einer Wiese. Aus der Ferne winkte die Liebste. Ich war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Aber glücklich, das Wagnis eingegangen zu sein. Aus der Luft betrachtet sieht die Welt doch anders aus als derzeit in der Mannheimer Fußgängerzone.
Video + Text: Andreas Salewski
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung
unterwegs in den Alpen...