Alien fella concept.
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Alien fella concept.

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Khalb – Wachstumsschmerzen
Das gleichmäßige Piepen der Kreislaufüberwachung hatte sich nach einigen Stunden irgendwie völlig mit dem stetigen Pochen in seiner Schulter synchronisiert. Herzschlag – Autsch – Herzschlag – Autsch. Nach und nach hatte sich jedes Zeitgefühl verflüchtigt. Es war nur noch irgendwann-in-der-Nacht.
Garrm war vor … ja, wann eigentlich? … gegangen. Vermutlich um Eria'Alor mit Fragen zu belästigen, wie er sein abgebrochenes Horn wieder ankleben, schneller nachwachsen lassen oder möglichst unpeinlich verstecken konnte. Die Dar'jetiiise waren sowieso schon wieder sonstwo, imperiale Dinge tun, wichtig sein, wasauchimmer.
Blieben nur Illjana und Khalb.
Er lehnte sich zurück. Betrachtete sie in der Düsternis. Das einzige Licht kam vom Gang her, die Tür war nur angelehnt. Ein heller Streifen, der über den Boden wanderte, das Bett hinaufkletterte und der schlafenden Hügelkette eine silberne Lichtkante gab. Hin und wieder ging irgendjemand vorbei. Arzt, Pfleger, Patient. Schwer zu sagen in dieser sehr improvisierten Klinik, die zwar für Nar Shaddaas Verhältnisse gutes Mittelmaß aber dennoch eher leger unterwegs war. Medizinisch typischer Geruch nach Desinfektionsmitteln traf auf das bittere Aroma von Deathsticks.
Mission erfüllt, oder nicht? Sie hatten Illjana gefunden und befreit. Dazu noch alle, die hineingegangen waren, auch wieder mit hinausgenommen. Viel besser konnte so etwas doch kaum laufen. Trotzdem hatten die Dar'jetiise unzufrieden gewirkt. Als hätten sie noch auf irgendwelche Erkenntnisse gehofft.
Khalb sah zu seiner Rüstung, die er auf dem Boden ausgebreitet hatte. In der Dunkelheit nichts als ein wirrer Haufen. Trotzdem kam es ihm vor, als ob die riesige Schramme, die der Arm des Ladedroiden in seine rechte Bes'mabur geschlagen hatte, auch jetzt noch zu sehen wäre. Ohne das Schulterstück wäre sein Arm jetzt Matsch. Also … dann doch lieber Reparaturkosten!
Er ließ den ganzen Angriff noch einmal Revue passieren. Irgendwie alles sehr linear. Ankommen, Stürmen, Aufteilen, Suchen. Und dabei jeden Widerstand mit Waffengewalt beantworten. Es war ihnen nicht gelungen, einen der Fremden zur Befragung mitzunehmen. Entweder waren sie tot oder geflohen. Und die Kisten, welche die Ladedroiden weggeschleppt hatten, waren auch nicht aufschlussreich gewesen.
Blieb nur Illjana. Gefangen in einer Kiste. Wie es aussah, unter Drogen gesetzt und so bewusstlos, dass sie noch nicht einmal jetzt, Stunden danach, wieder aufwachte. Wie aufgebahrt auf einer der Krankenliegen. Der stationäre Medidroide überwachte ihre Körperfunktionen, piepte devot und tat seine Pflicht.
Khalb lehnte sich auf seinem Besucherhöckerchen nach vorne und streckte den gesunden Arm aus. Eine verschwitz-verklebte Locke ringelte sich über Illjanas Stirn.
Er zog die Finger wieder zurück. Setzte sich wieder aufrecht. Seine Schulter protestierte, aber das war ihm egal. Er hatte schon deutlich schlimmere Verletzungen gehabt.
Auftrag erledigt …
Musste man nur noch Illjana zurückschicken. Zu den Imperialen. Die sie wie ein Haustier mit einem Sender versehen hatten.
Warum blieb sie bei ihnen? So sehr Khalb es auch versuchte, er konnte es nicht nachvollziehen. Warum ließ man sich so an die Leine legen? Gerade sie. Sie wusste doch, was es bedeutete, eine Sklavin zu sein.
Natürlich konnte sie ihn nicht hören. Sie war bewusstlos. Aber vielleicht war das besser so. Vielleicht war das überhaupt erst die Voraussetzung dafür, etwas zu sagen. Er beugte sich wieder vor. Eine seiner Haarsträhnen streifte ihren Arm unter dem Laken. Seine Stimme so leise, dass sie ihn auch in wachem Zustand kaum verstanden hätte.
"Wach wieder auf, Vod. Okay? Du has' mir noch gar nicht erzählen können, warum du hier auf Nar bis'. Is vielleicht besser so, ich kapier eh nich', warum du bei den Imps bleibs'. Versteh' ich auch bei Buir nich'. Was denkt ihr beide, was diese Sklavenhalter euch geb'n könn'? Naja, egal. Is' eure Sache. Würd's nur gern kapieren."
Kein guter Anfang. Es ging doch um Anderes …
"Ich hab' dich die ganzen drei Jahre ziemlich vermisst. Ich glaub', Garrm hat recht. Ich war übel in dich verknallt. Bin ich vielleich' ja immer noch. Keine Ahnung. Is' so 'n fliessender Übergang. Du wirs' mich eh immer nur als kleinen Jungen seh'n. Geht ja gar nich' anders. Ich versteh' das. Ja, total. Und da is' ja noch Frann. Kennst du nich', oder? Garrms Schwester. Klar, Mando'ad. Hat uns geholfen, dich zu finden. Is 'ne verdammt gute Späherin. Ich geh' bald mit ihr jagen."
Das war ja furchtbar. Was für ein Gesülze! Wenn Illjana jetzt nicht für immer im Koma bleiben wollte, wäre das unglaubliches Glück. Aber wie sollte er ihr das auch erklären? Dass alles so dämlich kompliziert war und er doch eigentlich nur jagen, kämpfen, leben wollte. Er wünschte, er wäre wie Garrm, der sich jeden Tag unsterblich verliebte (im Moment hatte Khalb den durch diverse Ereignisse gestützten Verdacht, dass sein Ori'vod gerade die Alor der Yustapir-Aliit anbaggerte … ) und nicht weiter darüber nachdachte.
Nicht, dass er selbst irgendwie besonders tiefschürfend veranlagt wäre – aber es gab Dinge, denen er gern auf den Grund gehen würde. Warum er sich nie mit dem Beskad anfreunden konnte, egal wie viel er trainierte. Wie man geworfenen Granaten so Spin gab, dass sie eine präzise berechenbare Bahn nahmen, egal wie sie geformt waren. Ob man ein Krayt-Ei stehlen und ausbrüten könnte, um einen Jagddrachen zu haben. Oder eben, ob er nun in Illjana oder doch Frann …ach, so ein Dreck. Würde man nie herausfinden. Da war die Sache mit dem Jagd-Krayt realistischer!
Khalb knurrte gereizt und ließ sich mit dem Rücken gegen die Wand fallen, was er sofort bereute. Vielleicht wäre ein Schmerz-Stim doch keine so schlechte Idee. Aber er hatte vor der Alor nicht als Weichei dastehen wollen und angeberisch alles dergleichen abgelehnt.
Er betrachtete die schlafende Illjana. Schüttelte den Kopf. Flüsterte zu ihr: "Einfach Ori'vode, hm?"
Schön auf sie aufpassen.
Khalb und Garrm – Zu warm hier drin
Khalb atmete tief durch, als sie wieder draußen standen. Ein Fehler in der smogsatten Luft von Nar Shaddaa. Er hustete hingebungsvoll und nahm die Buy'ce vom Gürtel, damit die Filter im Helm ihm etwas Sauerstoff ohne all´ die unguten Partikel, die das Aroma des Schmugglermondes so unverwechselbar machten, verschaffen konnten.
Auch Garrm setzte seinen Helm auf. Der dunkle Visor verwischte das entrückte Grinsen des jungen Zabrak ins Schwarz.
Khalb schüttelte den Kopf, lachte aber in sich hinein. Zwar ganz sicher nicht aus den selben Gründen wie sein Ori'vod aber auf jeden Fall genauso gut gelaunt. Sie hatten eine Spur. Nein, besser – eine Möglichkeit! Und das ausgerechnet hier, am unwahrscheinlichsten aller Plätze, hergelangt auf die zufälligste aller Arten.
Moonlite Inn. Genau wie es sich anhörte.
Seit sie von den zwei Imperialen, die irgendwie mit Illjana zusammenarbeiteten, den Auftrag bekommen hatten, die Blonde zu suchen, waren kaum zwanzig Stunden vergangen. Nicht einmal eine Standardrotation und schon Ergebnisse! Ja, sie hatten einen optimalen Einstieg ins Search and Rescue-Business hingelegt! Im Kopfgeld-Bereich lief es auch glatt – sie würden diesen Khad bestimmt bald festsetzen. Und dann wären sie dabei. Denn der weißhaarige Typ, der sie mehr oder weniger angeheuert hatte, schien im Nachtleben von Nar Shaddaa eine ziemlich bedeutende Nummer zu sein. Zumindest kannte er jeden und jeder kannte ihn. So etwas war im Halbweltmilieu so viel wert wie ein Adelstitel auf Alderaan.
Für immer wollte Khalb diese Art Aufträge aber nicht machen. Ihm fehlte jetzt schon die Weite der Wüste, die feuchtwarme Hölle des Dschungels und die Klarheit des Himmels über Bergketten. Er war Jäger – und seine Beute lief idealerweise auf mehr als zwei Beinen.
Illjana war natürlich eine Ausnahme. Und sie war auch keine Beute. Nicht im eigentlichen Sinne. Und auch für die Jagd auf den fremden Zabrak gab es gute Gründe. Alles erklärbar, alles sehr spezielle Situationen. Situationen, die mitten hinein in den Unterbauch des Mondes führten …
Dabei hatte es nicht einmal so gut angefangen. Zwar konnte Garrm mit zweitausend Credits aufwarten, die er den beiden Imperialen aus der Tasche geleiert hatte, doch brachte Geld allein keine Ergebnisse. Wie auf der Jagd nach einem besonders gewitzten Wild war auch hier das Lesen der Spuren der bedeutendste Faktor. Und Khalb war nicht gerade der erfahrenste Großstadt-Waldläufer!
Illjanas Spur in der Laubschicht des Menschenwaldes war die Signatur ihres Com. Ein dünner Faden, eine Folge geknickter Ästchen, die nur die Besten lesen konnten. Keiner der beiden jungen Mando'ad war darin auch nur im entferntesten der Beste. Nicht ihr Ding. Also - wie einen Einheimischen im Dschungel finden?
Auftritt der ersten Situation … der weißhaarige Mann. Der, der sie nach diesem Khad suchen ließ und bereit war, dafür auch Belohnungen auszuloben. Der, der irgendwie immer auf der Promenade präsent zu sein schien. Elegant, unauffällig, Understatement auf teurem Schuhwerk. Der nicht einmal sein nach außen hin unglaublich freundliches Gespräch unterbrach – wer wusste schon zu sagen, ob es nicht wirklich freundlich war? - um einen Namen fallenzulassen.
Die zweite Situation. Ein Zufall, ein Nichts. Die Suche nach dem Namen, der wie absichtslos und nebensächlich aus dem Mund des Weißhaarigen gefallen war, verlief nicht gut. Sie hatten keine Zeit, in die Tiefe zu gehen. Langen Hinweisketten zu folgen. Und das einzige, was sie fanden, waren sich aufblasende Schlägertypen, die zeigen wollten, dass ein Helm mit T-Visor ihnen keine Angst machte (arme kleine Würste) und von Drogen verwüstete Gestalten mit zu wenig Kleidung auf zu viel teigigem Fleisch.
Zweite Situation … ja. Eine dezente Werbetafel. Khalb hatte sie nicht einmal bemerkt. Aber aus irgendeinem Grund war Garrm davon angezogen worden. Und manchmal sollte man sich schließlich auch auf sein Unterbewusstsein verlassen. Gerade wenn man davon ausgehen konnte, dass man schneller reagieren als denken musste.
Moonlite Inn. Was sollte man erwarten?
Khalb hatte maximal an Cocktails mit Zuckerrand gedacht. An das, was in der kriminellen Brühe oben schwamm. Dass Garrms Bauchgefühl sie ausgerechnet in ein Bordell führen würde … damit hatte er nicht im geringsten gerechnet.
Bunte Lichter, Haut in allen Farben, Stoffetzchen, die nur durch Willenskraft und Tape auf Titten und Ärschen blieben.
Und doch ergab sich gerade dort die dritte Situation. Als Garrm verzückt zuerst mit den Augen und dann mit dem Restgesicht im ausladenden Dekolltée einer Twi'lek versank, als Khalb nur mit Mühe den schweren Parfümgeruch und die abfälligen Blicke der Nutten und ihrer … Gäste ignorieren konnte. Dritte Situation … der Barkeeper, der sich nebenher mit allerlei Dienstleistungen etwas dazuverdiente. Der lakonisch zwei Bier auf den Tresen knallte und Khalb dann einfach so, kaum musste er etwas andeuten, genau das anbot, was er suchte: Einen Droiden. Gar nicht mal so legal auf Tracing programmiert. Dementsprechend teuer zu mieten, aber eine metallglänzende Lösung für ihre Probleme.
Also … eins davon.
Und jetzt standen sie wieder vor dem Puff. Aus den geöffneten Türen drang Musik, schrilles Gelächter und das Klirren von Glas. Die Reihe der wartenden Gäste bewegte sich im Halbdunkel des Eingangsbereiches, immer wieder herzschlaglang grell angeleuchtet von Werbeschildern, die nie gekannte Vergnügen versprachen.
In vier Stunden wäre der Droide in ihrem Zimmer im Laughing Loth Cat Guesthouse.
Und dann würden sie Illjana finden!
Khalb und Garrm: Private Investigators
Khalb machte ein paar Schritte zurück vom Rand der Brücke hoch über dem Vergnügungsdistrikt von Nar Shaddaa. Nicht, weil ihm die die gähnende Tiefe Angst machen würde, sondern weil Garrm nun endlich dem seit einer Viertelstunde gepflegten und minütlich wiederholten Drang, seine Blase zu leeren, nachgeben konnte – mit dem üblichen Respekt direkt über die Brüstung des Walkway. Und bei den in dieser Höhe an den Fassaden der monströsen Gebäudekomplexen hochpeitschenden Windböen war das eine Unternehmung, die Khalb sich lieber aus einer gewissen Distanz ansah.
Also sich in eine Nische gedrückt und den von Neonreklamen bunt angeleuchteten Rücken des ori´vode beobachten: In Position stellen, Reißverschlussgeräusch, zufriedenes Ausatmen. Ungefähr zehn Sekunden. Windböe. "Osiiiik!!"
Jetzt konnte man entweder dem Drang nachgeben und lachen oder sich solidarisch zeigen und mit auf die atmosphärischen Bedingungen und angepisste Stiefel schimpfen. Keine Frage, wofür er sich entschied. "Verdammter Kackmond, hier kannste ja nich zivilisiert leben. Komm, lass noch was zu essen holen."
Damit konnte man im Moment praktisch jedes Ungemach vergessen. Beide waren in der Lage, geradezu unglaubliche Mengen zu essen und in ebenso unglaubliche Mengen Energie umzusetzen. Garrm nickte düster zu diesem Vorschlag, schüttelte sich, schüttelte den rechten Fuß. Dann war das Unglück Vergangenheit und sie konzentrierten sich übergangslos wieder auf die wesentlichen Dinge.
Zehn Minuten später lehnten sie an einem Stehtisch vor einer der tausend mobilen Fressbuden tief unten in den mittleren Ebenen und nagten an Fleischspießen mit scharfer Soße. Von links wehte der ölige Geruch irgendwelcher frittierter Pflanzenteile, von hinten das beißende Aroma von Death Sticks und dazu die Geräuschkulisse aus bis auf elf gedrehten corellianischen Schlagern und dem leiernden Anpreisungs-Singsang der vielen Verkäufer diversester Dinge machte eine konzentrierte Unterhaltung nicht einfach.
Bis der erste Hunger gestillt war – ungefähr nach der dritten Pappschale halb roher Nerf-Reste mit kross-schwarzer Kruste (der Koch hatte Talent) – hingen beide ihren Gedanken nach. Ließen den Abend noch einmal Revue passieren. Für Khalb war es nicht unbedingt eine durchgehende Folge von Highlights gewesen. Schon prinzipiell waren Nachtclubs nicht seine bevorzugte Spielwiese. Er konnte mit den Horden von aufgetakelten Frauen in den verschiedensten Stadien der Entkleidung nicht wirklich viel anfangen und die fettfrisierten Gangster mit den zu großen Klappen machten ihn aggressiv.
Viel gebracht hatte es auch nicht. Niemand hatte den grünhäutigen Raumschiffdieb gesehen. Und zu allem Überfluss waren die Besitzer des Clubs auch nicht allzu scharf auf zwei neugierige mando`ade gewesen, die sich quer durch die Gäste fragten und dabei keine teuren Schirmchendrinks oder Schnittchen bestellten. Innerhalb von zehn Minuten hatten sie sofort den Sicherheitschef und seinen trandoshanischen Sidekick an der Backe gehabt. Letzterer sichtlich unerfreut über die zahlreichen Echsen-Trophäen an den ´game der beiden Freunde.
Es hätte schief gehen können – vor allem, da Khalb auch noch ohne es wirklich zu wollen den Clubchef – eine Riesenkante im Anzug mit schlimmer Frisur – beleidigte. Wenn es wenigstens mit Absicht gewesen wäre! War´s aber nicht. Der Stimmung half es trotzdem nicht. Garrm lief zu großer Form auf – sein Mundwerk war manchmal wertvoller als seine Fäuste – und redete die Gangster und ihre Security schwindelig. Faselte von Eria, der vod von Khalbs buir, die wohl irgendwie mit dem von diesen Nachtclubtypen veranstalteten Swoop-Rennen zu tun hatte und war generell mit Worten schnell wie Blasterbolzen. Was die beiden mando`ade letztendlich davor bewahrte, unzeremoniell aus dem Club geworfen zu werden, bevor sie sich auch nur die Hälfte davon angesehen hatten.
Den Sicherheitschef – eigentlich dazu abgestellt, sie im Auge zu behalten - wurden sie recht schnell los aber sie fanden niemanden, der ihnen mit Illjanas gestohlenem Schiff hätte weiterhelfen können. Obwohl sie doch dank Garrms Vorzimmerdamenbekanntschaft so ein hübsches Holobild des Diebes hatten.
Also waren sie unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Und kein bisschen in ihrem Kriminalfall vorangekommen. Es war wirklich deutlich einfacher, Gundarks zu jagen, Whitefangs das Fell abzuziehen oder seltene Zwergsleens für Menagerien zu besorgen.
Und natürlich gab es noch den Zwischenfall …
Khalb kaute an einem besonders widerspenstigen Fleischstück herum, warf den Holzspieß in die leere Pappschale zurück und leckte sich die Finger sauber. Sah seinen ori´vod an und meinte mit vollem Mund: "Und was nu mit dem Typen vom Eingang?"
Garrm versuchte Zeit zu schinden. Beschäftigte sich angelegentlich damit, mit einem sorgfältig gefalteten Stück Fladenbrot bröckelig-rote Soße aufzutunken. "Typ? Was für ´n Typ?" - "Tu nich so. Der, der dir die Wumme annen Kopp gehalten hat als wärs´ du ´n Anfänger." - "Ach deeeer .." - "Ja genau, der. Du has gesacht, ich soll ihn laufen lassen. Ich hätt ihn in seinem Taxi abknipsen können. Aber du wolltst ihn laufen lassen."
Der Zwischenfall war in der Tat extrem mysteriös gewesen. Khalb war gerade zum Eingang des Nachtclubs zurückgekehrt, hatte zwei Becher Caf von einer Cafbar gegenüber geholt, als er seinen vod von einem verhüllten Kerl als lebenden Schutzschild gegen die Security des Clubs gebraucht sah. Die Blaster zu ziehen und hinspringen war eine Bewegung gewesen (schade um den Caf). Er hätte den Typen einfach töten können, ohne dass der auch nur mitbekommen hätte, was los war. Aber Garrm hatte ihn angebrüllt, den Kerl entkommen zu lassen. Und weil man sich nunmal bedingungslos aufeinander verließ, konnte der Kapuzenträger – man konnte im Dunkel nur ein paar Zabrak-Tätowierungen erkennen – entkommen, obwohl ihm Khalbs grüne Laserpunkte auf der Nasenwurzel standen, als er in ein Taxi sprang.
"Der hat uns dumm ausseh´n lassen. Und da steh´ ich nicht drauf. Is schlecht für´s Geschäft."
Garrm machte eine großspurige Handbewegung, ein fetttriefender Fetzen Nerfrest klatschte zu Boden. "Ach was. Das is nur aufgeschoben. Ich will ihn jagen. Aber das ging vorhin nich, sonst hätte die Security uns nie wieder da reingelassen."
Ein sehr skeptischer Blick von Khalb.
"Doch, glaub mir, vod. Wir holen ihn uns." - "Und wo denks du, dass du ´n Typen findest, den du nichmal richtig gesehen has?" - "Vertrau´ mir einfach, okay? Ich hab ´n Plan. Todsicher!"
Noch mehr Skepsis von Khalb, aber dann ein Nicken. "Klar,ich vertrau´ dir."
Und so geschah es, dass die zwei jungen Krieger sich auf eine Jagd in unvertrautem Terrain begaben. Fernab von wilden Wäldern, unwegsamen Wüsten und ewigem Eis. Statt dessen in den ebenso tödlichen, kilometertiefen Canyons des Schmugglermondes. Ihre Beute nicht die riesigen Tiere der Wildnis, sondern ein Mann, dessen Gesicht sie nicht kannten …
Khalb und Garrm – Film noir
Die Tür schloss sich hinter Illjana mit einem eher ungesunden Knarzen und der scharfe Geruch der zerbrochenen Tihaar-Flasche zog auf den Balkon. Garrm und Khalb sahen noch eine Weile in Richtung Ausgang, als würde die betrunkene Blondine jede Sekunde mit Rollschuhen und einem Federfächer zur großen Schlussnummer zurückkehren. Tat sie nicht.
Da ihr Gast nun verschwunden war, wechselten sie wieder in mandoa.
Khalb rümpfte die Nase. “Das hätte irgendwie auch schöner laufen können.”
Garrm lachte. “Du bist immer noch völlig verknallt in sie.” – “Ach red´ keinen Scheiß. Sie ist meine vod und sie hatte ´nen Dreckstag. Ich fänd´s eben nur schöner, wenn wir uns nach der langen Zeit wiedersehen könnten ohne dass ihr gleich die Imperialen wieder am Arsch hängen.”
Ein Schulterzucken seines ori`vod. “Ist doch keine große Sache, Mann! Hier werden jeden Tag Schiffe geklaut. Ständig! Wir helfen ihr einfach, das Ding wiederzuholen.” – “Na klar. Wir sind ja die großen Detektive, ne?” – “Du vielleicht nicht, ich aber schon. Erinnerste dich an die Twi`lek, die Vorzimmerlady dieses Hutten? Wie wär´s, wenn wir mal charmant sind –also ich, du bist da ja nicht so der Checker-” – “Ey, du Sack!” – “- ich aber schon, und dann kommen wir bestimmt an die Aufzeichnungen der Kameras vor dem Hangar. Dann weiß Illjana zumindest schonmal, in welche Richtung der Dieb abgezwitschert ist.”
Khalb sah Garrm reichlich verblüfft an. “Das ist sogar mal eine richtig sinnvolle Idee! Und mit den Aufzeichnungen schütteln wir ein paar mehr Infos aus den Pennern, die vor dem Raumhafen rumlungern.” – “So sieht´s aus. Beste Detektive von Galaxis.” – “Absolut!”
Eine Weile versicherten sie sich noch gegenseitig, wie erfolgreich diese Jagd laufen würde, dann schwiegen sie wieder, sahen, auf die Brüstung des winzigen, Cigarastummel übersäten Balkons gestützt, hinunter in die bunten Straßenschluchten und hingen ihren Gedanken nach.
Schließlich stieß sich Garrm vom Geländer ab, dehnte die Schultern und ließ die Wirbel knacken. “Und was ist damit, dass wir dann auch wieder für die Imperialen arbeiten?” – “Was soll damit sein?” – “Das letzte Mal lief´s ziemlich beschissen. Ich mag dieses ganze Bücklingsgetue nich.” – “Deswegen sind wir ja gegangen.” – “Und weshalb soll´s nun besser laufen?”
Khalb kratzte sich in seinem eitlen Bärtchen. “Weil es diesmal erstens nich das Militär is und wir zweitens die ganze Zeit das machen, was wir eh tun. Jagen.”
Garrm schob skeptisch die Unterlippe vor, grinste dann. “Na gut, tut ja nicht weh. Solange mir nich wieder jemand wegen irgend ´ner Furz-Kleinigkeit krumm kommt, ist es auf jeden Fall okay, so ´nen festen Kunden zu haben.” – “Aber ers´mal Illjanas Problem.” – “Ja, ers´mal Illjanas Problem.”
Sie nickte sich zu. Es brauchte keine große Absprache. Sie kannten sich lange und gut genug. Sie gingen ins Zimmer, griffen sich ihre ´gam und machten sich dann noch einmal auf in die Untiefen der tausend Ebenen. Hinein in die Welt aus Neon, Düsternis und grellem Durcheinander. Hoch hinauf auf die Promenade, die glänzende Kirsche auf dem madenwimmelnden Kuchen des Schmugglermondes.
Die Twi´lek-Sekretärin. Ja, warum auch nicht?

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