Drei Monate im Projekt - mein Wandel
Seit dem Projektbeginn anfangs Jahr hat sich eine Menge getan. Jetzt erst wird mir so richtig bewusst, was ich zuvor für ein Leben geführt habe. Ich war ein Couchpotato. Faul, motivationslos, gamesüchtig, nicht belastbar und musste ständig den Spassvogel spielen, um mein fehlendes Selbstvertrauen zu kaschieren. Ich verbrachte oft den ganzen Abend vor der Konsole. Hier konnte ich in eine bunte Welt voller „Freunde“ und Abenteuer eintauchen und so das gewünschte Leben führen, dass ich nicht hatte. In dieser Welt fühlt man sich nie einsam. Egal zu welcher Uhrzeit, es ist immer jemand online. So kam es auch, dass ich schnell und extrem zunahm und mich in der Folge immer weiter zurückzog. Ich mied die Spiegel, die mich an die traurige Wahrheit erinnerten und mich nur noch weiter deprimierten. Mir fehlte jegliche Motivation und der Strudel zog mich immer tiefer. Insgeheim wusste ich, dass es so nicht weitergehen konnte. Mir fiel es jedoch schwer mit jemandem darüber zu sprechen, denn es war mir peinlich. Ich hatte Mühe damit, mir und vor allem anderen einzugestehen, wie schwach und antriebslos ich wirklich war. Ich musste mich wahnsinnig überwinden, bei Stefan um Hilfe zu bitten, denn die Angst vor seiner Reaktion war omnipräsent. Entgegen meinen Befürchtungen hat Stefan reagiert wie ein echter Freund und hat mir seine Hilfe angeboten. Ihm war die Situation längst bewusst. Beim ersten Gespräch habe ich nicht alles zugegeben. Wir haben hauptsächlich über mein Übergewicht gesprochen. Wie es in meiner Gefühlswelt aussieht, habe ich ihm verschwiegen. Auch heute spreche ich nicht gerne über meine Gefühle, jene Dinge die mich emotional sehr bewegen. Das muss ich wohl noch lernen. Ein erster Schritt ist darüber zu schreiben. Dies fällt mir wesentlich leichter, denn meinem Notebook kann ich ohne Unterbruch meine Geschichte erzählen und muss nicht direkt in die enttäuschten und schockierten Gesichter meiner Freunde blicken. Noch immer schäme ich mich, zuzugeben, dass der ständige Erfolgsdruck in einer zielorientierten Welt für mich zu gross ist. Es ist das erste Mal, dass ich mich getraue das Thema offen anzupacken. In dieser Phase werde ich durch meine Freunde betreut. Ich habe einen geregelten Wochenablauf in der Langeweile keinen Platz hat. Für mich sehr wichtig, ich werde gebraucht. Ich absolviere pro Woche fünf Trainings, schneide jede Woche einen Kurzfilm, genannt „The Week“ und den Blog schreibe ich auch einmal wöchentlich. Schreiben fällt mir aktuell noch schwer, aber auch hier gilt das Sprichwort: Übung macht den Meister. Durch diese Auslastung habe ich mittlerweile fast keine Zeit mehr, um meine Xbox anzuschalten und durch den Gewichtsverlust von 17 kg sehe ich zwar noch lange kein Licht am Ende des Tunnels, dafür aber eine erste Lampe, die mir zeigt, dass ich mich vorwärts bewege.
Was ich bis heute gelernt habe und dabei bin zu verinnerlichen: Es bringt nichts sich selber zu bemitleiden und zu warten, dass jemand kommt, der die Sache in die Hand nimmt und etwas ändert. Ich weiss jetzt, dass ich mein Leben selber in der Hand habe. Ich habe die Möglichkeit, das zu ändern was mich stört. Das Einzige was ich brauche, ist Wille, Durchhaltevermögen und den Mut die Dinge anzusprechen, die ich nicht okay finde.












