Gestern mussten meine Frau und ich zur Routineuntersuchung ins Krankenhaus. Unser Kleines ist nämlich seit 9 Tagen überfällig. Daher wird nach den ersten 7 Tagen ein CTG sowie ein Ultraschall gemacht, um die Fruchtwasser Menge zu prüfen.
Seit beginn der Schwangerschaft wissen wir, dass die Entbindung nicht in einem Krankenhaus sondern einem Geburtshaus stattfinden soll. Trotzdem habe ich grundsätzlich keine Abneigung gegen Krankenhäuser. Ich war also gespannt einen Blick auf die Kreissaalstation zu werfen, um bei einem Notfall zumindest die Umgebung kennengelernt zu haben. Was ich dort aber erlebt habe, hat meine Meinung gefestigt mit dem Geburtshaus eine gute Entscheidung getroffen zu haben.
Auch wenn heutzutage ein Krankenhaus mehr Rücksicht auf Bedürfnisse der Mutter legt und versucht ein gemütliches Ambiente durch warme Farben zu erzeugen, bleibt ein Krankenhaus weiterhin ein Ort in dem Ökonomie Einzug erlangt hat und nicht Patient_innen sondern Zahlen im Vordergrund stehen.
Schon bei Eintritt auf die Station der erste Schlag ins Gesicht. Auf einer Wartebank, im Strom von Pfleger_innen und Ärzt_innen sitzen wie abgestellt Eltern mit Baby die augenscheinlich die Entbindung erst vor kurzem erlebt habe. Anstatt in Privatsphäre ihre traute Dreisamkeit genießen zu können, warten Sie auf einen Termin mit einem Arzt. Statt auf dem Arm der Eltern liegt das Baby in einem Wagen. Das vorbei huschende Personal gratuliert schnell und schrill.
Wir fliehen in einen Raum in dem das CTG bereit steht. Eine Hebamme (?) tritt ein ohne sich vorzustellen. Sie nimmt unsere Daten auf und bereitet meine Frau für das CTG vor. Zugegeben der Raum war mit Sofa bestückt gemütlich eingerichtet, doch richtige Entspannung tritt nicht ein. Ständig geht die Tür auf. Meine Frau bekommt Gesprächsfetzen mit: "die nebenan soll eingeleitet werden." Abgesehen von der fehlend Privatsphäre der Patienten, keine schöne Nachricht die meine Frau hören möchte. Die Hebamme wendet sich uns wieder zu und reicht uns unterlagen zur PDA. "Wenn Sie bei uns entbinden, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine PDA bekommen, entweder aufgrund eines Notfalls oder wegen der Schmerzen. Lesen Sie sich das bitte vorweg durch und unterschreiben sie." Das meine Frau wenig positiv auf diese Aussage reagiert, nimmt die Dame ihr krumm geht nach abschliessenden Worten aus dem Raum ohne auf die negative Seiten einer PDA hinzuweisen, also dem verminderten Oxytocin, Beta-Endorphin etc.
Nach der ersten Etappe geht's in den nächsten Raum in dem der Ultraschall von einer Ärztin gemacht wird um den Fruchtwassergehalt zu messen. Obwohl unser Wert mit 8,5 deutlich über der Mindestanforderung von 5 liegt, nennt die Ärztin das Ergebnis "im Rahmen". Gleich im Anschluss verweist Sie darauf, dass sie uns eine Einleitung empfehlen muss, das sei im Krankenhaus Regel. Auf meine Nachfrage was Ihre persönliche Meinung sei, antwortet sie, sie dürfe Ihre Meinung nicht mitteilen, deutet aber an, dass noch vor zwei Jahren eine Geburt nach 2 Wochen eingeleitet wurde.
Endlich aus dem Krankenhaus raus, freuen wir uns auf den Termin mit unserer Hebamme, die sich im übrigen über den Fruchtwasserwert positiv äußert. ("das ist doch super!)Also können wir beruhigt abwarten.
Ich verstehe nicht wie viele Eltern Ihre Kinder tatsächlich in einer so berechneten Atmosphäre zur Welt kommen lassen wollen. Ein Ort an dem das Personal weder Ihre individuelle Meinung noch Erfahrung äußern darf und Patienten stattdessen nach Statistiken und Werten behandelt werden. Erst als wir vor der Tür des Krankenhauses festen Boden unter den Füssen finden, stellen wir fest, dass währende des ganzen Aufenthalts keiner nach dem Befinden der Mama gefragt hat noch einen Blick auf den Bauch geworfen wurde.
Auch wenn ein Krankenhaus durch Technik für den Notfall bestechen kann, haben die Hebammen im Geburtshaus schon längst begriffen, was im Krankenhaus leider noch immer keine Anwendung findet. Nämlich das Wohlbefinden der Mutter sowie des Kindes stehen im Zentrum der Geschehens. Mit dem vermitteln von Vertrauen, Geborgenheit und einem nötigen Schuss Empathie kann der Schwangeren deutlich mehr geholfen werden, als mit Medikamenten und Technik.