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Digitale Transformation
Am 6.6.2016 war ich zu Gast beim Marketing-Club Braunschweig. Und habe gesprochen über die “kooperative Webgesellschaft” - und was diese Große Transformation für das Marketing bedeutet.
Gerald Fricke beim Marketing-Club Braunschweig, 6.6.2016
Der Marketing-Club schreibt dazu, in seinem Rückblick (hier):
Gerald Fricke, gekleidet in seinem für ihn schon fast typischen kornblumenblauen Anzug, stellt den von der ersten Minute an gespannten Zuhörern seinen Blick auf den Übergang von einer Massen- zu einer Webgesellschaft vor. Für ihn ist das Social Web ein entscheidender Katalysator für die Transformation zur kooperativen Webgesellschaft.
So wird das Web mehr und mehr zu einem Assoziationsraum für kommunikatives Handeln, in dem relevante Mehrwerte eine entscheidende Rolle tragen – und in dem die Fallrückzieher großer Momente der Fußballgeschichte, nach- und online gestellt durch den Vortragenden selbst, ihre Daseinsberechtigung haben.
Dr. Frickes Vortrag glänzt durch einen sehr unterhaltsamen Erzählstil, der nicht nur fachlich einen deutlich gewinnbringenden Charakter besitzt, sondern teils sogar einen erfrischenden Ausflug ins Philosophische nimmt. Seine Zuhörer begeistert er nicht nur durch seine inhaltlichen Ausführungen, sondern auch durch seine Bühnenpräsenz.
Vielen Dank!
"Der schlaueste Mensch im Raum ist immer der Raum."
"Die Große Transformation zur Webgesellschaft", meine Dings-Folien vom #cch12
cch12 - „Wir haben jetzt auch dieses Dings 2.0“ – Die große Transformation zur kooperativen Webgesellschaft from ConventionCamp
Was bedeutet die „Große Transformation“ zur Webgesellschaft für die Unternehmen, die Demokratie und unser „kommunikatives Handeln“, welche neuen Formen der Zusammenarbeit entstehen? Oder anders gefragt: Wenn Habermas Twitter ist, warum ist dann Luhmann Facebook und was sagen Ihr freundlicher Social-Media-Berater und Max Weber dazu? Und überhaupt: Wie postmodern ist eigentlich dieses Internet-Dings und warum finde ich Ihr Mittagessen nicht auf Foursquare?
"Gewerkschaften in der Webgesellschaft" - mein Vortrag bei der IG Metall
Wir befinden uns in einer Großen Transformation (Karl Polanyi), in einem Übergang von einer Gesellschaft, die in erster Linie durch Massenmedien und große Einheiten geprägt ist, zu einer Gesellschaft in der das Web das neue Leitmedium ist. Diese Transformation hat bedeutende Auswirkungen auf die Politik und die Demokratie - und die Kollektivakteure, wie Unternehmen und Gewerkschaften. Mit diesen Herausforderungen können wir am besten umgehen, wenn wir die Geschichte einer neuen Kooperation in der Webgesellschaft erzählen, so meine ich.
Gewerkschaften in der Webgesellschaft from Gerald Fricke
Diese Transformation umfasst vier große Bereiche: Den Wandel von einer massenmedialen zu einer fragmentierten Öffentlichkeit. Die einsamen Entscheidungen an der Spitze werden abgelöst durch dezentrale Aushandlungen, der repräsentative Parlamentarismus wird durch eine direkte Demokratie ergänzt, Kollektivakteure mit klaren Interessen durch Individuen in pluralen Rollen abgelöst. Die westlichen Nachkriegsgesellschaften sind bis in die 1970er Jahre geprägt von dem großen keynesianischen Fortschrittsversprechen – von Massenproduktion, Massennachfrage und den Massenmedien. Politik war planbar, Gesellschaft galt als große Maschine, bei der nur die richtigen Knöpfe zu drücken waren.
Diese Massengesellschaft stößt an ihre Grenzen, und damit auch die große Erzählung der Moderne. Wir sehen, dass auch das Web viele moderne Geschichten erzählt: das Web als Bedrohung, als Verheißung, als großes Geschäft oder als Medium. In der ersten Phase galt das Web als Versprechen für eine neue Demokratie im weltweiten Dorf. Andere Interpreten sehen das Web in erster Linie als eine Bedrohung – der politischen Ordnung, der Geschäftsbeziehungen oder gar unseres Gehirns. Und, natürlich, das Web wird als ein neuer großartiger Marketingkanal gesehen, der wenig kostet!
Wir sehen in dem Web zuvörderst einen Assoziationsraum für Akteure, die durch kommunikatives Handeln miteinander verbunden sind. Und die durch ihre assoziative Kommunikation über Schlagworte, Hashtags und „Gefällt-mir“-Daumen, in Blogs, Wikis und Foren, auf Facebook oder Twitter soziale Nähe schaffen. Wir schreiben den Übergang zur Webgesellschaft selber, dieser Übergang vollzieht sich, indem wir ihn erzählen.
Daraus ergeben sich, aus meiner Sicht, diese vier Perspektiven für die Gewerkschaften:
Zusammenarbeit stärken,
die öffentliche Sache vor den Privatinteressen im Web schützen,
neue Ad-hoc-Bündnisse auf Zeit eingehen und
praktische Alltagskompetenz im Web beweisen.
Alltagskompetenz im Web bedeutet, dass Gewerkschaften ihre Mitstreiter dabei unterstützen, sich über ihre Themen zu vernetzen und neue Bündnisse zu bilden - zum Beispiel, indem sie dem #Aufschrei auf Twitter eine Stimme, ihre Stimme geben. Gewerkschafter sollten ihre erste Aufgabe nicht darin sehen, ihre Mitglieder und Kollegen vor den Gefahren im Web zu „bewahren“ oder sie vor der Selbstausbeutung zu schützen, sondern sie sollten ihre Kollegen mit ihrer Alltagskompetenz überzeugen und konkrete Tipps und Unterstützungen für die Zusammenarbeit im Web anbieten.
Die Geschichte von Solidarität, Vernetzung, Versammlung und Zusammenarbeit ist ohne Zweifel auch die Geschichte der Arbeiterbewegung. Diese Geschichte müssen wir auch im Web weiter erzählen, meine ich, und neue Assoziationsräume für kooperatives Handeln bilden.

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