Erste ELPHI Highlights 2018
Das Jahr ist noch so jung, aber bereits voller Highlights, die die Hamburger Elbphilharmonie jetzt schon parat hatte. Hier eine kurze Zusammenfassung:
Den Startschuss machte das HASPA Neujahrskonzert, dass wir mit 6 Freunden besuchten, die noch nicht so oft das Vergnügen Elphi hatten. Auf dem Programm stand nur ein Komponist und zwar Tchaikovsky. Die HASPA ließ sich nicht lumpen und bot mit den Hamburger Symphonikern ein tolles Orchester, geleitet vom tollen russischen Dirigenten SAS und für das große Violinkonzert kam dann auch noch ein großer Geiger, nämlich Guy Braunstein. Diese Protagonisten machten das Violinkonzert zum absoluten Hochgenuss. Nach der Pause gab es die weniger bekannte und selten gespielte Suite No. 3, welche für mich ein echtes Highlight war: wenn gegen Ende alles loskesselte und sich zum Knall steigerte, dann war der Große Saal voll in seinem Element und unsere Freunde sowie alle anderen Zuhörer sehr beglückt.
In unserem NDR Abo gab es dann ein Konzert mit Mozart Sinfonie 39 und Bruckner Sinfonie 3, komische Mischung meint man auf den ersten Blick, aber wenn man grad bei den Streichern genauer hinhört, dann passt das schon zusammen. Auf diesen Abend hatten wir uns seit langem gefreut, weil Herbert Blomstedt (90 Jahre alt!) dirigierte und das auch noch am ersten Jahrestag der Elphi. Ebenso toll ist es mittlerweile auch, dass wir unsere beiden supernetten Nachbarn immer wiedertreffen und er stets einiges zu berichten weiß, da er mit mehreren Misikern des NDR Elbphilharmonie in einer Mannschaft zusammen Fußball (!!!) spielt. So wussten wir bereits vorher, dass es nach der kurzen und gelungenen Ansprache des Intendanten eine Bläserfanfare geben wird. Hanseatisches Understatement...
Zum Warmwerden und nach der Arbeit reinkommen dann Mozart 39 und gefühlt halben Orchester, alles schön, einfach nur schön. Nach der Pause kam dann der Gong mit Bruckners Dritter, die gern auch die Wagner Sinfonie genannt wird. Es folgte eine Stunde musikalischer Raserei, Blomstedt dirigierte so mitreissend, wieder einer dieser Luxusmomente im Leben, in denen ich dachte, dass es jetzt nie aufhören dürfte, weil es so intensiv und überwältigend war. Und auch hier spielte der Große Saal wieder einmal seine Qualitäten aus, jede Kleinigkeit war zu hören, die zu Hause auch auf guten Anlagen nicht zu reproduzieren sind und zusätzlich entstand durch das gefühlt doppelt so große Orchester ein Soundvolumen, welches seinesgleichen suchte. Und dann der magische Moment am Schluss: alle musikalische Bruckner-Kraft hatte sich grad entladen, da müsste eigentlich der Jubel losbrechen, aber nein: Herbert Blomstedt war noch nicht fertig! Die Musik war zwar schon aus, aber seine Dirigenten-Arme waren noch oben und zeigten uns sowas an wie „erst auf mein Kommando wird Beifall gespendet“! 30 Sekunden totaler Stille, zweitausend Leute hielten den Atem an und als die Arme dann unten waren, brach umso größerer Jubel los, minutenlange Standing Ovations. Ganz rührend der innige Kommentar unserer älteren Nschbarin, die ganz rot im Gesicht war vor Erregung: „Was Schöneres kann es ja gar nicht geben“ - keine Widerrede! Long live Herbert Blomstedt!
Nur ein paar Tage später gab es hohen Besuch: der große Dirigent Mariss Jansons kam mit seinem Orchester des Bayerischen Rundfunks, über das er kürzlich meinte: „Ich fühle mich, als fahre ich einen Rolls Royce, mein Orchester kann einfach alles!“ Diesmal gab es nichts zum Anwärmen, es ging gleich in die Vollen und zwar mit Richard Strauss Also sprach Zarathustra! Ich wünsche jedem Musikfan, dass er einmal dieses Stück in der Elbphilharmonie erleben kann. Von ganz leise bis brachial laut ist alles dabei - und dann dieser erste gaaaanz tiefe Orgelton, der absolute Wahnsinn! Jansons hatte sein riesiges Rolls Royce Orchester noch einmal anders als sonst angeordnet, an den Seiten ging es richtig steil hoch. Von unserem Platz in der 5. Reihe unten im Parkett wirkte das nochmal viel mächtiger.
Zarathustras Anfang kennt jeder durch 2001 und die Warsteiner Bierwerbung, aber nach den bekannten 2 Minuten kommen noch 34 weitere und diese sind so wunderschön! Jansons schien jede Sekunde zu geniessen, streichelte seine Musiker mit seinem Lächeln von einer Höchstleistung zur nächsten. Und als wenn das nicht schon fett und heftig genug gewesen wäre, gab es nach der Pause noch Prokofievs Sinfonie 5 obendrauf. Meine Güte, noch einmal 45 Minuten volle Lotte, wieder dieser Luxusmoment, in dem es am besten einfach nicht aufhört. Doch die Sinfonie endete mit einem Knall und Jansons blieb wie ein Fechter, der den entscheidenden Treffer gesetzt hatte, mit seligem Gesichtsausdruck synchron stehen - ein Bild, welches ich nie wieder vergesse, hier war alle Kraft der Musik in einem Bild sichtbar geworden.
Und als wenn Jansons das Gefühl hatte, uns zuviel zugemutet zu haben, gab es eine versöhnlich zärtliche Zugabe, eine kurze Sequenz aus Tchaikovskys Dornröschen, über die ein Musikfreund meinte, dass er diese Passage noch nie in seinem Leben so schön gehört hat.
Ein Rolls Royce Abend!
Cheers Marcus












