Ein Essay von Janina Födorovna, 16. MÀrz 2026
Abscheulich ist alles, was seiner Natur nicht entspricht. Alles Authentische, was seinem Wesen treu bleibt, ist herrlich. Und das, was gewaltsam drĂŒber gehen will, ist abartig. Die Kultur kann nur organisch homogen das Dasein veredeln und die Natur ĂŒberkonstruieren. Die Erdung der Kunst, wie die Deutsche NS-Kunst das Geistige durch die Mineralisierung erheben mag, es an âBlut und Bodenâ verankert, etabliert sich letztendlich eher als Dekoration einer Ideologie denn als der natĂŒrliche Atem der Schöpfung.
Die totalitĂ€re Kunst ist wichtig, als eine rationale Perversion. Die wahre, native Kunst ist von Ideologien emanzipiert â noch viel mehr: Sie ist von sĂ€mtlicher Schwerkraft erlöst. Absolute Ganzheit!
âDas Wahre ist das Ganze.â1
Das Sein, die Schwerkraft muss man ĂŒberwinden. Sonst saugt das Mineral ein. Man muss erblinden, die Augenlider mĂŒssen von TrĂ€nen anschwellen. Das Kalzium der Seele, die Erosion des Bewusstseins ⊠alle Krankheiten des kritischen Denkens mĂŒssen ĂŒberwunden werden. Um aus dem Lehm der Vernunft in die PhotosphĂ€re des völligen Wahnsinns zu gelangen. Den Verstand, das Augenlicht verlieren, um das Sachliche aus sich herauszupressen. Gibt es ein stĂ€rkeres Opium als den Duft der LindenblĂŒte? Sie existiert â die LindenblĂŒte â, man kann sie beweisen, und ihr Duft lĂ€sst sich rationell begrĂŒnden. Doch das Wort, der Begriff von ihr, ist ewig. Ăbersubstanziell. In der RealitĂ€t duftet sie, in der HyperrealitĂ€t duftet sie neonorange, in der ĂberrealitĂ€t starrt sie in dich mit LibellenflĂŒgeln an und erwĂŒrgt dich, umklammert mit ihren Schenkeln die falsche Rippe deines Ringfingers.
Wenn die RealitĂ€t das bewusste Sein ist, und die HyperrealitĂ€t dessen âĂberschallâ-Reflexion, dann existiert die Kunst in der ĂberrealitĂ€t. Sie transzendiert den begrifflichen Apparat der beiden anderen SphĂ€ren, entkernt sie â und transformiert sie in Bilder und KlĂ€nge. Kunst ist nichts anderes als ein Membranfilter von Paradigmen und Sinnen. Absolute Kunst ist das Zentrum absoluter, totaler Freiheit. Wenn die HyperrealitĂ€t Anti-Kunst ist, also Explosion, dann ist die absolute Kunst Konzentration und Implosion.
Somit befindet sich die absolute Kunst auĂerhalb jeder Zeile, die bisher geschrieben wurde. Da sie vollkommen gesetz- und gebeinlos ist. Weist keine Dichte, keine ReaktivitĂ€t, keinen Schmelzpunkt auf. Ihr Reagenzglas ist der absolute Geist. Das einzige GefĂ€Ă, das sie bezĂ€hmen kann. So vergesst alles, was ihr ĂŒber sie gelesen habt und verfallt in vollkommene Amnesie. Die Fersen vom Lehmboden lösend und losfliegend!
G. W. F. Hegel: PhĂ€nomenologie des Geistes. Ullstein, Frankfurt/M. 1970, S. 22 â©ïž
16. MĂ€rz 2026 - COSTAE SPURIAE