Cutouts im PCB-Design mit EasyEDA: So setzt du Aussparungen korrekt um
In den bisherigen BeitrĂ€gen und YouTube-Videos habe ich bereits gezeigt, wie man mit EasyEDA ein PCB-Layout erstellt, den Platinenumriss anpasst und das fertige Design vor der Bestellung auf typische Fehler prĂŒft. Damit ist die Grundlage fĂŒr funktionale und saubere Platinen gelegt.
In diesem Beitrag geht es nun um PCB Cutouts in EasyEDA â also gezielte Aussparungen innerhalb einer Platine. Das Thema wird dabei etwas theoretischer als in den vorherigen Artikeln. Die hier gezeigten PCB Cutouts habe ich bisher ausschlieĂlich in EasyEDA umgesetzt, jedoch noch keine Platine mit diesen Aussparungen final fertigen lassen. DafĂŒr gibt es mehrere GrĂŒnde, auf die ich im weiteren Verlauf des Beitrags eingehen werde.
UnabhĂ€ngig davon zeige ich dir Schritt fĂŒr Schritt, wie du PCB Cutouts mit EasyEDA erstellst, korrekt platzierst und worauf du dabei achten solltest, damit sie spĂ€ter sauber und fertigungssicher in dein Platinenlayout integriert sind.
https://youtu.be/8cpKex2hAGw
Bisher veröffentlichte BeitrÀge in dieser Reihe
- Von der Idee zur Platine: Mein persönlicher PCB-Workflow mit EasyEDA - PCB-Design prĂŒfen vor der Bestellung: So vermeidest du teure Fehler - PCB-Design mit EasyEDA: Platinenumriss erstellen und individuelle Formen nutzen
Was ist ein Cutout?
Ein Cutout ist eine gezielte Aussparung innerhalb der Platine. Einfache Ăffnungen lassen sich zwar auch ĂŒber normale Bohrungen realisieren, indem man den Durchmesser entsprechend vergröĂert. Sobald jedoch eckige Fenster, Schlitze oder komplexe Formen benötigt werden, kommt man an Cutouts nicht vorbei.
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Cutouts werden in EasyEDA auf einem speziellen Layer definiert und nach der eigentlichen PCB-Produktion mechanisch gefrÀst.
EasyEDA - Osterhase mit Cutouts
Dabei gibt es wichtige EinschrĂ€nkungen, die man kennen sollte: Der kleinste eingesetzte FrĂ€ser hat in der Regel 1 mm Durchmesser. Dadurch sind sehr spitze Ecken oder enge Radien nicht beliebig umsetzbar. Zudem mĂŒssen MindestabstĂ€nde eingehalten werden:
- mindestens 3 mm Abstand zum Platinenrand - mindestens 3 mm Abstand zum nÀchsten Cutout (mehr ist empfehlenswert)
FĂŒr ein aktuelles Projekt stand ich hierzu direkt mit JLCPCB in Kontakt und habe detaillierte Informationen erhalten, wie Cutouts dort intern umgesetzt und gefertigt werden. Diese Erkenntnisse flieĂen in die folgenden Abschnitte mit ein.
PCB Cutouts in EasyEDA erstellen: Praktische Beispiele
Im folgenden Abschnitt schauen wir uns verschiedene Möglichkeiten an, wie Cutouts in einer Platine umgesetzt werden können. Anhand einfacher Beispiele zeige ich, wann eine normale Bohrung ausreicht und in welchen FĂ€llen echte Cutouts notwendig sind, um bestimmte Formen oder Ăffnungen zu realisieren.
EasyEDA - PCB Tools - Circle
EasyEDA - PCB Tools - Fixed Area Kreisförmige Aussparungen: Bohrung als einfache Alternative
Beginnen wir mit dem einfachsten Fall: einer kreisförmigen Aussparung. In vielen FĂ€llen ist hier kein echter Cutout notwendig, da sich runde Ăffnungen auch problemlos ĂŒber eine Bohrung realisieren lassen, indem der Durchmesser entsprechend angepasst wird. Diese Variante ist einfach umzusetzen, fertigungssicher und oft die praktikabelste Lösung fĂŒr runde DurchfĂŒhrungen oder Befestigungen.
EasyEDA - PCB Tools - Hole
EasyEDA - PCB Tools - Circle
Zuerst wĂ€hlen wir in den PCB-Tools die Funktion Hole aus und platzieren die Bohrung mittig an der gewĂŒnschten Stelle. Im nĂ€chsten Schritt legen wir den korrekten Durchmesser fest â sofern dieser nicht bereits bekannt ist, muss er entsprechend ermittelt und angepasst werden.
EasyEDA - Loch setzen Rechteckige PCB Cutouts in EasyEDA (Fixed Area richtig nutzen)
FĂŒr rechteckige oder allgemein nicht-kreisförmige Aussparungen reicht eine einfache Bohrung nicht mehr aus. Zwar gibt es in den PCB-Tools die Funktion Rectangle (engl. Rectangle), diese lĂ€sst sich jedoch nicht direkt als Cutout (Board Cutout) definieren.
EasyEDA - PCB Tools - Rectangle
EasyEDA - PCB Tools - Fixed Area
Stattdessen arbeiten wir hier mit einer Fixed Area, die anschlieĂend auf den entsprechenden Cutout-Layer gelegt wird. Nur so erkennt die Fertigung die FlĂ€che korrekt als auszufrĂ€sende Aussparung.
Wenn der Type auf "Cutout Boards" gesetzt wird, wird automatisch der Layer "Multi-layer" gesetzt.
EasyEDA - Fixed Area als Cutout setzen
Validierung der Cutouts im Gerber-Viewer
Kommen wir nun zur Validierung. Dazu laden wir die erzeugte Gerber-Datei bei JLCPCB hoch und prĂŒfen das Ergebnis im integrierten Gerber-Viewer. So lĂ€sst sich schnell kontrollieren, ob die Cutouts korrekt erkannt werden und wie sie spĂ€ter in der Fertigung umgesetzt werden.
In meinem Beispiel habe ich das Rechteckt oben links auf der Platine mit der Funktion Rectangle gezeichnet und keinem speziellen Layer zugeordnet du siehst hier das kein Cutout wie beim Kreis oder Trapez entstanden ist.
JLCPCB - Gerber Viewer - 3D Ansicht Cutouts
Kosten und Fertigung: Wann Cutouts extra berechnet werden
Interessanterweise sind die Cutouts in meinem Fall kostenfrei â trotz des zusĂ€tzlichen Fertigungsschritts fallen hier keine Mehrkosten an. Bei gröĂeren PCBs oder komplexeren Designs können jedoch zusĂ€tzliche GebĂŒhren entstehen, abhĂ€ngig von GröĂe, Anzahl und Art der Cutouts.
Hintergrund zu den Routing-Kosten bei Cutouts
Die zusĂ€tzlichen Kosten entstehen nicht durch das Cutout an sich, sondern durch den erhöhten FrĂ€saufwand. Je mehr FrĂ€swege (âSlot Pathâ) benötigt werden, desto lĂ€nger lĂ€uft die Maschine â und genau das wird ab einem bestimmten Punkt berechnet.
Besonders kritisch sind schmale Cutouts unter 1 mm, da hierfĂŒr kleinere FrĂ€ser mit geringerer Vorschubgeschwindigkeit eingesetzt werden mĂŒssen. Dadurch steigt der VerschleiĂ der Werkzeuge und die Produktionszeit deutlich an. Aus diesem Grund empfiehlt JLCPCB, Cutouts wenn möglich breiter als 1 mm auszufĂŒhren, um zusĂ€tzliche Routing-GebĂŒhren zu vermeiden oder gering zu halten.
Bei kleinen Platinen und kurzen FrĂ€swegen â wie in meinem gezeigten Beispiel â bleiben Cutouts oft kostenfrei. Bei gröĂeren Leiterplatten oder vielen Aussparungen greifen jedoch die hier dargestellten Preisstaffelungen.
Ehrliches Fazit aus der Praxis
UrsprĂŒnglich hatte ich geplant, das gezeigte Hasen-Design mit Cutouts auch tatsĂ€chlich produzieren zu lassen. Bei der PrĂŒfung ist das Layout jedoch durchgefallen, da die Stege zwischen Cutout und Platinenrand teilweise zu dĂŒnn waren und damit unter der empfohlenen Mindestbreite von 3 mm lagen.
PCB Layout mit Cutouts
neues PCB Layout als alternative
In der Konsequenz musste ein anderes Layout her. Da ich kein alternatives Design gefunden habe, das sowohl kompakt als auch fertigungssicher gewesen wĂ€re, habe ich mich schlieĂlich fĂŒr ein komplett anderes Platinenlayout entschieden.
Auch wenn dieses konkrete Design am Ende nicht produziert wurde, war es dennoch sehr wertvoll, sich mit dem Thema Cutouts intensiv auseinanderzusetzen. Genau solche Punkte â MindestabstĂ€nde, FrĂ€sradien und Fertigungsgrenzen â lassen sich oft erst sinnvoll bewerten, wenn man sie selbst einmal durchspielt.
Dieses Beispiel zeigt sehr gut, warum eine frĂŒhe PrĂŒfung und ein realistischer Blick auf die Fertigung so wichtig sind â gerade bei kreativen oder ungewöhnlichen Platinenformen.











