Der Dummling ist häufig der jüngste von drei Brüdern, gelegentlich auch ein Einzelkind. Sein Umfeld beurteilt ihn als „tumb“. Er ist nicht einfach dumm oder idiotisch, sondern naiv und weltunterfahren, unangepasst, sich seiner selbst und seiner speziellen Begabung noch unbewusst. Der Dummling trägt deshalb noch etwas vom ursprünglichen Chaos in sich, er wirkt unfertig, linkisch, eckt an. Seine Stunde schlägt, wenn sich die Welt verändert, wenn der König alt oder krank oder impotent wird oder eine andere Notlage eintritt, in der die angepassten Verhaltensweisen aller anderen zwangsläufig versagen und eine neue Lösung für die neuen Probleme erdacht werden muss, eine Innovation, wie es heute gerne heißt. Diese Lösung wird dann durch bislang im Dunkel und Abseits gebliebene Eigenschaften erbracht, die zuvor einmütig verachtet worden waren. Diese Eigenschaften erweisen sich plötzlich als unverbrauchte Möglichkeiten, deren Verwirklichung die Ordnung wiederherstellt. Doch zu diesem Zweck muss der Dummling zunächst beweisen, was in ihm steckt, muss Gefahren und Proben bestehen und sich als Retter und Heiland zeigen.
In der Regel tut sich der Dummling dabei durch symbolisch als weiblich geltende Eigenschaften hervor, Naturnähe oder Warmherzigkeit, und grenzt sich dadurch von männlichen Werten wie Ratio oder Willen zu Macht ab. Er hilft in Not geratenen Menschen oder Tieren, ohne nach dem Nutzen für sich selbst zu fragen, und stellt dann fest, dass sie sich als übermenschliche Mächte erweisen, die in ihrer Dankbarkeit dem Dummling auch bei der Lösung seiner Probleme beistehen. Sie sind damit ein Sinnbild für bisher nicht beanspruchte Kräfte seines eigenen Inneren. Der Dummling tut, was kein sogenannter Vernünftiger tun würde, wenn man es von ihm verlangt, aber die merkwürdige Auflage von außen erweist sich im Nachhinein als Verwirklichung seines innersten Wesens.