Elfter Blogeintrag RSA
Mittwoch, Donnerstag & Freitag: Wieder im Kindergarten ging der Alltag los, aber ich hatte und habe jetzt nach dem Zwischenseminar eine andere Sicht auf die Dinge, was mir vieles erleichtert. Am Freitag Morgen fuhren der Großteil meiner WG zu ihrem Zwischenseminar und somit hatten wir ein ruhiges Wochenende vor uns. Dafür besuchte uns ein Freiwilliger aus Hermanus vom Seminar und schaute sich am Freitag unseren Arbeits-Alltag an. Außerdem überraschte mich die Erzieherin aus meinem Kindergarten mit einer Chorstunde am Nachmittag, als plötzlich viele Schüler aus unterschiedlichen Klassen in den Kindergarten strömten und zu singen begannen.
Samstag: Morgens fuhren wir trotz Wochenende zur Schule. Dort fand ein „Meeting“mit den Eltern statt (Elternabend). Nachdem wir zu Beginn vorgestellt wurden, folgten zwei Stunden auf Stühlen sitzend vor der versammelten Mannschaft von Eltern. Zudem verstanden wir fast nichts von dem, was den Eltern mitgeteilt wurde, da größtenteils Xhosa gesprochen wurde.
Den restlichen Tag verbrachte ich entspannt Zuhause und versuchte gegen Abend mir den „African Salad“ (auf Xhosa „Umpogoqo“, bestehend aus sehr lang gekochtem und pulvrig werdenden Maisbrei und Sauermilch) zuzubereiten, scheiterte aber wieder einmal an meiner Geduld.
Sonntag: Nach einem ausgiebigen und dem Sonntag entsprechenden Frühstück fuhr ich nach Strand, um zu surfen. Bis auf die Tatsache, dass ich mein Handtuch vergaß und im Wasser, wegen eines Kinder-Surf-Wettbewerbs von einem Mann unfreundlich in einen anderen Strandabschnitt verwiesen wurde, hatte ich viel Spaß. Später stießen zu mir noch weitere Anfänger.
Montag: An diesem ersten Wochentag fuhr ich nach der Arbeit, welcher vor allem aus dem Fotografieren des Kindergarten-Alltags bestanden hatte, das erste Mal allein zum Center, da keiner der Anwesenden WG-Mitglieder zur Xhosa Stunde gehen wollte. Das gab mir die Möglichkeit im Center noch Klavier zu üben, worüber ich mich sehr freute.
Dienstag, Mittwoch & Donnerstag: Fast jeden Tag hatten wir mehrere Stunden Stromausfall wegen eines Sparmodus, genannt „Load Shedding“. Interessanter Weise stört mich das meistens nicht sonderlich.
Am Donnerstag war ich das erste Mal beim Volleyball-„Training“, welches man eher als sozialisierende Beach-Volleyball-Session bezeichnen sollte. Nachdem wir uns aufgrund eines falschen Standortes verfahren hatten, fanden wir schließlich mit der Hilfe einer Teilnehmerin den Weg. Dort angekommen begrüßten uns sechs Studenten, von denen 50% deutsch sprachen, aber aus Namibia kamen. Wir spielten uns kurz ein und verbrachten den Rest der Zeit mit Spielen in unterschiedlichen Teamaufstellungen. In diesem Studenten Sport-Bereich, wozu das Beach-Volleyball-Feld gehörte, fühlten wir uns etwas abgehoben und mir fiel wieder der riesige Unterschied zum meinem Alltag in Khayelitsha auf.
Freitag, Samstag & Sonntag: Dieses Wochenende verbrachte ich hauptsächlich in einer Camphill-Einrichtung (eine Lebensmöglichkeit für behinderte Menschen mit Schule, Arbeits- und Wohnmöglichkeiten) in Hermanus. Eine derer, die vom Feuer betroffen gewesen waren.
Am Freitag Nachmittag wurde ich von einer Mitfreiwilligen nach Stellenbosch gefahren und startete von dort aus meine 4-stündige Reise nach Hermanus mit dem Minibus-Taxi (eines der wenigen öffentlichen Verkehrsmitteln). Mit dem ersten Minibus fuhr ich 5 Minuten und wurde dann beim Township hinter Stellenbosch zu einem anderen Minibus verwiesen. Dieser fuhr mich dann nach Bellville, was leider entgegen meiner eigentlichen Richtung lag. Jedoch wurde mir vorher versichert, dass dies der einzige Weg sei. In Bellville angekommen, empfing mich eine hektische Atmosphäre mit vielen Menschen, die durcheinander wuselten und hupenden Minibussen. In dem Gewimmel wurde Essen und Haushaltswaren verkauft. Von Chips über gegrilltes Fleisch und Obst bis hin zu Wäscheklammern war alles dabei.
Dort fand ich nach kurzem Fragen und suchen (mir wurde in Minibussen immer geholfen) fand ich den Minibus nach Hermanus und stieg ein. Selbst wenn man bereits im Bus sitzt, werden einem noch Waren von laufenden Verkäufern angeboten. Ich wies das Küchenhandtuch dankend ab.
Im Minibus war wieder erwarten nicht an Schlaf oder Musik hören zu denken. Mein Sitznachbar war sehr gesprächig und hatte ein großes Wissen über die politische Situation in unterschiedlichen Ländern. Wir unterhielten uns über Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung und Terrorgruppen. Nach einem Stau gesellte sich noch ein zweiter Mann zu uns und beteiligte sich am Gespräch. Unsere Diskussionsrunde bestand somit aus einem Xhosa-Verteidiger, einem Afrikaans sprechenden Mann, der bei home affairs arbeitet und einer deutschen Freiwilligen. Eine spannende Mischung.
Von einem Freiwilligen aus dem Camphill wurde mir ein Taxi von Hermanus zum Camphill organisiert und so kam ich gegen halb 9 Uhr abends endlich an.
Am nächsten Tag lernte ich die anderen Freiwilligen, die ich noch nicht vom Seminar kannte, kennen. Ich wurde im Camphill herumgeführt und machte anschließend noch eine Wanderung in der verbrannten Umgebung. Alles wirkte unnatürlich und ein wenig gespenstisch. Besonders als wir den Gipfel erreichten, der von Wolken verhangen war und über dessen Grad die Wolkenfetzen wehten.
Bis abends saßen wir alle gemeinsam im Innenhof des einen Wohnhauses und ich lernte noch mehr Freiwillige des Camphills kennen. Ein Freiwilliger kochte am Abend mit dem gespendeten Essen von Supermärkten, welches das Camphill regelmäßig erhält ein sehr leckeres Essen. Während wir aßen lief klassische Musik, was mich sehr überraschte und erfreute, da ich die meisten Stücke zuordnen konnte.
Am nächsten Tag machte ich mich nach de Frühstück wieder auf den Rückweg. Diesmal musste ich einmal in Hermanus (in einem der Townships) umsteigen und saß dann über die Hälfte der Strecke auf den Stufen des Busses, zwischen der Buswand und einer Frau eingequetscht, da ich nicht länger auf den nächsten Bus warten wollte. Nach einigen Versuchen und viel Anschieben sprang der Bus an und wir fuhren los. In Bellville stieg ich wieder um und unterhielt mich auf dieser Fahrt mit einer Afrikaans sprechende Frau, welche mir ihre Lebens- und Leidensgeschichte erzählte und mir einige mütterliche Tipps gab.
Wieder Zuhause verbrachte ich den Rest meiner Zeit wider erwarten nicht mit entspannen, sondern mit einer Jogging-Runde am Strand von Strand.
Dienstag: Nachmittags erfuhren wir, dass wir am nächsten Tag im Center zu einer Präsentation zum Thema Drogen gehen sollten. Eigentlich war vorgesehen, dass keiner der Freiwilligen morgens arbeiten sollte. Meine Kindergärtnerin setzte sich jedoch für das Gegenteil ein und so stand nach einer kurzen Diskussion fest, dass wir am nächsten Tag Vormittags arbeiten müssten.
Mittwoch: Nach einem kurzen Arbeitstag bis 11 Uhr fuhren wir zum Center. Dort waren wir mit den Center-Studenten im Publikum des kreativ gestalteten Vortrages über Drogen. Ein Mann erzählte uns von seinen Erfahrungen, den Wirkungen und auch über Abhängigkeit und deren Hintergründe. Die Wirkung stellte er mit Hilfe von Masken, die Personen aus dem Publikum trugen, dar.
Seine Ansätze waren meiner Meinung nach sehr interessant und mir vorher größtenteils nicht bekannt. In dem Sinne lohnte sich die dort investierte Zeit.
Donnerstag: Die einzige Besonderheit diesen Tages war, dass wir aufgrund eines Protestes, der sich über Khayelitsha ausbreitete, früher nach Hause gehen durften. Grund für Proteste, auch in der nächsten Zeit sind die kommenden Wahlen. Es kann also in Zukunft durchaus dazu kommen, dass wir den ein oder anderen Tag aus Sicherheitsgründen nicht ins Township fahren dürfen.
Freitag: Nach einem ebenso kurzen Arbeitstag, wie es der Mittwoch gewesen war, fuhren wir nach Stellenbosch in die Waldorfschule. Dort wurden über das ganze Wochenende olympische Spiele für die Kinder unterschiedlicher Schulen veranstaltet. Nach einer Einordnung in Teams/Städte, welche mit Bändchen gekennzeichnet waren, übten die Kinder (welche natürlich Togas trugen) die verschiedenen Sportarten. Diskus- und Speerwerfen hatten die Kinder vorher noch nie gemacht, wohingegen Sprint und Ausdauerlauf zu den Klassikern im Sportunterricht gehören und den Kindern somit bestens bekannt waren.
Ich hatte mich beim Ende der Sprintbahn platziert und fungierte als Motivatorin und Korrektorin. Vor allem saß/stand ich aber in der prallen Sonne ohne Sonnenschutz. Nach einer kurzen Kekse-, Obst-, und Saftpause ging das Training weiter. Ich fuhr dann schon nach Hause, im Gegensatz zu meinen Mitfreiwilligen (auch aus einer anderen Schule), die noch bis zum Abend des nächsten Tages blieben, die Nacht dort verbrachten (aber nicht wie die Kinder draußen) und die Wettkämpfe miterlebten.
Samstag: Gegen Mittag wurde ich von einer Mitfreiwilligen in Stellenbosch abgesetzt und konnte dort das Leihauto für meine Mama und mich abholen. Doch bevor ich damit zurück fuhr, gönnte ich mir eine ausgefallene Brotzeit in einem Restaurant. Sie bestand aus gutem Brot, echter Butter, leckerem Käse und Antipasti.
Zurück in Jamestown ging es nach einer Stunde bereits schon wieder los nach Somerset West, wo ich ein Konzert besuchte, bei welchem zwei Lehrer aus meinem Gymnasium in Deutschland mitwirkten. Es war ein herzliches Wiedersehen.
Als ob ich an dem Tag nicht schon Essen gegangen wäre, fuhr ich mit meinen Mitbewohnern nach ihrem zweiten Olympia-Tag noch nach Stellenbosch zum Abendessen. Nach einigem Üben komme ich jetzt auch recht gut mit dem blechigen Leihauto klar, obwohl ich viel lieber unseren Citigolf fahren würde.













