Ich wache auf. Mein ganzer Körper zittert. Mir ist eiskalt. Ich versuche mich zu beruhigen. Einatmen, ausatmen, einatmen. Herzschläge zählen: 70. 80. 90. 100. 110… ausatmen. Was soll das, was kann ich noch machen?
Du legst deinen Arm um mich. „Hey, ich bin da.“ Du ziehst mich an dich. Mein Körper zittert immer noch. Aber langsam ein bisschen weniger.
Heute Nacht ist nichts passiert. Du hast mich vom Theater abgeholt, wir sind zu mir gegangen, ins Bett, schlafen. Ich brauchte dich.
Dieses Bett ist zu groß für mich. ich kann nicht mehr alleine schlafen, alleine sein. All der Mut am Tag, die Selbstständigkeit, sogar der Stolz, verschwinden mit der untergehenden Sonne.
Ich bin dir dankbar, einfach, weil du da bist.
Heute wache ich auf und bekomme keine Luft. Ich habe das Gefühl, Decke und Wände kämen auf mich zu.
Einatmen, ausatmen, einatmen. Herzschläge zählen: 90. 100. 110. 120… ausatmen. Ich drehe mich um, aber du bist nicht da. Der Raum ist auf einmal riesig. Riesig und leer, so als hätte er einmal tief Luft geholt. Und es ist kalt. Unglaublich kalt.
Ich spüre deinen Herzschlag an meiner Brust. 70. 80. 90… Ich atme ein und aus und irgendwo dazwischen merke ich, wie du mich ansiehst und lachst. Ich weiß nicht warum.
Der Wecker klingelt, ich schrecke hoch. Du stöhnst „Es ist viel zu früh! Lass uns liegen bleiben!“ Ich küsse dich, „Nein“, und versuche möglichst elegant aus deinem Bett zu klettern. Ich gehe in die Küche und mache mir einen Kaffee. Deine Mitbewohnerin kommt Zähneputzend dazu. „Guten Morgen, Süße!“
Das ist alles nichts besonderes. Dieser Morgen war nicht anders als die Meisten. Und wahrscheinlich würde ich mich nicht einmal an ihn erinnern, wäre nicht diese Bedeutungslosigkeit genau das, was bei uns so selten und eben besonders ist.
Und genau jetzt, da wir vor lauter Seltsamkeit und Unbehagen nicht wissen, wie wir miteinander umgehen sollen, denke ich dass diese Normalität einer unserer schönsten Augenblicke war.
Ich weiß nicht, wann der Punkt war, als sich alles verändert hat.
In drei Tagen ziehst du hier weg.
In drei Tagen kann sich viel verändern.
Aber nicht diesmal.