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1997 eröffnete Colette Roussaux mit ihrer Tochter Sarah Andelman im 1. Pariser Arrondissement einen Concept Store oder – viel treffender – die Mutter aller Concept Stores: Bei Colette lag der billigste BIC-Kugelschreiber neben Saint Laurent und seinesgleichen, lange bevor sich die Streetstyler von Vetements einen stabiloähnlichen Highlighter unter den Damenschuh schnallten. Während Mama in den Regalen und Schaufenstern die Trends setzte, sorgte Andelman als Creative Director mit zahlreichen Kollaborationen für unglaubliche Headlines: So kam McDonald’s tatsächlich zu einer Capsule Collection, ausgerechnet Aston Martin zu einem Car2Go-Lookalike und die brandneue Apple Watch nach ihrem Debüt in Cupertino zuallererst in die Rue Saint Honoré. Von all den limitieren Sneaker-Editionen und den Playlists, die einen Besuch im Online-Shop untermalten, reden wir erst gar nicht. Bei Colette wurden zweifelsohne Exklusivität und Hype neu definiert – und hier spielten Marken mit, denen man es niemals zugetraut hätte. Sehr schade also, dass die Namensgeberin einfach nicht mehr will und die Boutique inklusive Water Bar, in der man sich zur Abwechslung nicht mit Champagner, sondern mit über 100 verschiedenen Sorten Wasser aus der Flasche betrinken konnte, am 20. Dezember 2017 nach 20 Jahren für immer geschlossen hat.
#metoo
Wir sagen’s mal einfach, wie’s ist: Man muss keine Feministin sein, um verstehen zu können, warum Männer wie Harvey Weinstein respektlose Arschlöcher sind, die Frauen (oder andere Männer) tagein, tagaus in unzumutbare Situationen bringen – und die wahren Gentlemen da draußen obendrein noch richtig schlecht dastehen lassen. Der öffentliche Diskurs darüber, welche Einflussnahme – physisch oder psychisch – einem Mitmenschen gegenüber angebracht ist oder nicht, ist heute so laut wie noch nie: Das haben wir vielen mutigen Stimmen zu verdanken. All die Silence Breakers mit ihren ernüchternden Wahrheiten, für die sie so lange keine passende Plattform gefunden haben, hat das TIME-Magazin gerade im Kollektiv als Person of the Year 2017gewürdigt. Hinzu kommt die Macht von Social Media und den Geschichten hinter Hashtags, die in Sekundenschnelle um die Welt gehen können. So einen teilte am 15. Oktober die US-Schauspielerin Alyssa Milano via Twitter und aus #metoo wurde eine Bewegung von und für Frauen, Männer und Jugendliche, die in ganz unterschiedlichen Formen mit sexueller Belästigung oder gar Vergewaltigung konfrontiert wurden. In jenem Moment, in dem dieser Text geschrieben wird, sind zwei Monate vergangen. Die Bilanz: rund 69.000 Replies, 25.000 Retweets, 60.000 Likes, fristlose Entlassungen einiger einflussreicher Männer und ein grenzenloses Zusammengehörigkeitsgefühl, das unsere Gesellschaft beim Umdenken wirklich gut gebrauchen kann.
Sebastian Kurz
In Teilen von Österreich war der 15. Oktober ein vergleichsweise lauer Sonntag im Herbst, zumindest solange, bis mit den ersten Hochrechnungen der Nationalratswahl ein starker Wind von rechts durch sieben von neun Bundesländern zog. Die Sozialdemokraten rutschten ab und die Grünen flogen sogar raus, als sich 31,5 Prozent aller Wähler für Die neue Volkspartei von Sebastian Kurz entschieden und den 31-jährigen Wiener damit zum jüngsten Regierungschef Europas machten. Kurz zu Kurz: 2011 wurde der junge Volksparteiler zum Staatssekretär für Integration, 2013 mit 27 Jahren zum jüngsten Außenminister und danach mit jeder Debatte zur Flüchtlingskrise eine Spur radikaler. Genau das Richtige für die ÖVP, die mit ihren Themen schon seit Jahren nicht mehr so richtig überzeugen konnte und einem polarisierenden Kurz gerne den Vorsitz überließ. Mittlerweile führt der seine eigene Liste an, tauchte diese vor der Wahl noch schnell in frisches, richtungsweisendes HellblauTürkis und soll nun gemeinsam mit HC Strache und den Freiheitlichen eine Regierung bilden. Die kippten zur Feier des Tages gleich mal das geplante, absolute Rauchverbot. Für die richtig guten Nachrichten sorgt also besser der Verfassungsgerichtshof: Denn auch, wenn der neue Kanzler es nicht unterschrieben hätte, setzt sich die Ehe für alle ab 1. Januar 2019 nun auch in Österreich durch.