26. März 2021
Radiotermine ohne Vorbeikommverhandlungen
Ich habe Termine mit drei Radios. Bisher lief das meistens so: Der Radiosender wünscht sich, dass ich ins Studio komme, das sei von der Tonqualität her einfach am besten. Wenn ich in Berlin war und viel Zeit hatte, bin ich dieser Bitte auch nachgekommen Wenn nicht, folgten Verhandlungen, die meistens doch damit endeten, dass ich ins Studio musste, weil ich kein Festnetztelefon habe. Diesmal ist dank Corona von Anfang an klar, dass ich nirgendwo hinkommen werde.
“Der zeitl. Aufwand läge bei ca 10 min an einem Festnetztelefon", schreibt der erste Sender. So machen wir es, und ich habe darüber auch technisch gar nichts zu berichten, es funktioniert halt.
“Hätten Sie Zeit für ein Gespräch per Telefon oder Comrex?” fragt der zweite Sender an und schickt eine ausführliche Anleitung für das mir bisher unbekannte Comrex-System:
“Wir würden Sie bitten, die Verbindung mit dem rbb-Schaltraum vorher zu testen. Dafür dann bitte vorher bei uns anrufen: Tel.: 030 / xxxxx xxxxx. Der Schaltraum ist täglich von 6:15 - 21:30 Uhr besetzt. Bitte achten Sie auf eine gute Internetverbindung und schließen Sie alle weiteren Anwendungen.”
Ich nehme mir zwar vor, dieser Bitte zu folgen, weil die Technikabteilung sicher ihre Gründe hat. Aber dann rückt der Termin näher und ich habe mir schon mal angesehen, was passiert, wenn ich dem Link folge, der mit “hq-audio-berlin.rbb-online.de” beginnt:
Da sind wirklich nur zwei große Knöpfe, was soll da schon schiefgehen, deshalb möchte ich nicht gleich mit einem Schaltraum telefonieren.
Zur vereinbarten Uhrzeit drücke ich den “Connect”-Knopf und höre das Radioprogramm. Etwas später schaltet sich jemand ein und fragt, ob ich da sei und ob man mich auch auf dem Festnetz anrufen könne, irgendwas sei mit dem Comrex nicht in Ordnung. Wir führen das Gespräch dann über Festnetz.
Beim dritten Sender lautete die Anfrage: “Unter welcher Nummer erreichen wir Sie am Freitag? Eine Festnetznummer wär super, Handy ginge auch, wenn Sie an einem Ort mit guter Verbindung sind.” Zur vereinbarten Zeit werde ich auf dem Festnetz angerufen. In der Redaktion scheint es kleinere technische Probleme zu geben, man ist dadurch ein wenig abgelenkt. Ich sage tröstend, das andere Radio habe auch schon Probleme mit der Technik gehabt. Letztlich läuft dann alles glatt.
Anders als bisher kommentiert niemand missmutig die Tonqualität des eher schlechten Festnetztelefons im Haushalt meiner Mutter. Vielleicht, so hoffe ich, finden sich ja in der Coronazeit alle damit ab, dass es ab jetzt eben so ist. Vielleicht wird man irgendwann in Zukunft nicht mal mehr ein Festnetztelefon brauchen.
(Kathrin Passig)












