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Searching for a file on an old drive, I found the full script for this Moorehawke graphic novel. I’m up to my ears in edits and have two novels lined up to write after next week’s deadline - but maaaan, I haven’t drawn properly in an age and I LOVE this story SO MUCH. Very tempted to just start drawing it again.
Marni ist plötzlich auf hundertachtzig. Sie sagt, Razi solle Wynter nicht so festhalten und Wynter solle aufhören zu heulen, hier habt ihr Weinschorle, trinkt das gefälligst.
Gute Idee, einem Moslem und einem fünfzehnjährigen Mädchen einen Becher kaum verdünnten Weines anzubieten! Wynter trinkt den ihren folgerichtig zu schnell aus und spürt den Alkohol schnell.
Dann kommen wir zum unvermeidlichen „Wendepunkt“ in jeder YA-Trilogie: Nach einer kichernden, errötenden Magd betritt ein junger Mann die Küche. Wynter, mit ihrem sozialwissenschaftlich-psychologischen Röntgenblick, nimmt sein arrogantes Lächeln, seine weichen Lederstiefel („Akrobatenstiefel“) und seine selbstbewusste, katzengleich geschmeidige Haltung wahr und weiß sofort: hier kommt Ärger.
Sie denkt, der junge Mann ist mit einer Gauklertruppe hier und will bei Marni unverschämterweise Verköstigung anfordern (die Gauklern an König Jonathons Hof ganz ohne Fragen gewährt wird). Er ist achtzehn oder neunzehn, schlank, von einer „raubtierhaften Anmut“ (heeeere we go), blass und langhaarig. Es ist schwarz, das Haar.
„Frech, dachte Wynter, und gefährlich. Sehr gefährlich, für sich selbst wie für andere, denn er kennt seinen Platz nicht.“
Jaja. Wir wissen alle, worauf das hinauslaufen wird. Der gefährliche Fremde, der praktischerweise nur wenig älter ist als die Protagonistin.
Yada yada. Wynter wird klar, dass der Kerl und die o.g. Magd bis kurz zuvor im Heu herumgetollt sind, und findet das höchst anstößig. Dann kommt er auch noch zu ihr und Razi herüber, mustert sie interessiert und grüßt Razi, der amüsiert mit „Christopher“ zurückgrüßt.
Wynter starrt Christopher so wütend an, dass es ein Wunder ist, dass er nicht in Flammen aufgeht. Sie verdächtigt ihn, sich nur an Razi ranzuhängen, um der Krone nah zu sein, und merkt, dass sie eifersüchtig und sehr betrunken ist. Razi und Christopher unterhalten sich derweil über Sex und Verhütung:
„Ich gehe nie, wohin ich nicht eingeladen wurde, wenn ich das so sagen darf.“
Es folgt ein wirres Gespräch, das mit einer Bemerkung Christophers über Bastarde beginnt und vor gegenseitiger Abneigung zwischen Wynter und Chris nur so trieft:
Er nennt sie zunächst Junge und meint dann, mit ihren Rundungen würde sie nie als solcher durchgehen; sie sagt, sie sei gar nicht verkleidet, sondern grüner Lehrling im vierten Jahr. Das wiederum sagt ihm gar nichts (er weiß nur, dass sie „Bäume abschlachtet“ – wo kommt denn dieses Umweltbewusstsein her?!?!), was sie zu dem Schluss bringt, dass er nicht aus diesem Königreich kommt und somit Gift für den Hof sein könnte.
Er denkt immer noch, dass sie sich bloß als Mann verkleidet. Des Weiteren stellt sich heraus, dass Chris Razis Pferdearzt ist; Wynter beschuldigt ihn indirekt, Razi auszunutzen. Sie selber verdiene sich ihr Brot mit ihren eigenen Händen, so! Zum Beweis streckt sie ihm ihre Handwerkerhände entgegen.
Dann greift Razi endlich ein, wahrscheinlich war ihm das pubertäre Herumgezicke zu anstrengend.
„Herrgott nochmal, es reicht! […] Gleich stehe ich auf und lasse euch euer Revier auf mir markieren wie zwei Hunde! Wynter, du kannst mein linkes Bein bekommen, Christopher, du das rechte. Dann wissen wir alle, woran wir sind, und dieses verdammte…verdammte Anpirschen hat ein Ende!“
:D
Er will doch nur, dass seine beiden Freunde auch untereinander Freunde sind. Christopher zögert, Wynters versöhnlich ausgestreckte Hand zu schütteln, und zeigt ihr dann, warum: Man hat ihm seine beiden Mittelfinger abgehackt. Die Narben sehen brutal aus und für einen Leib-und-Seele-Musiker, der Christopher trotz seiner Tätigkeit als Pferdedoktor ist, muss die Verstümmelung furchtbar sein.
Exkurs: Ich hab wegen dieser Passage mal überlegt, ob ich mit einem Finger weniger auskommen würde. Die Antwort? Ja, solange es der linke kleine Finger ist – braucht man für die Flöte nicht und kann bei Streichinstrumenten durch Lagenwechsel ersetzt werden.
Nuja, Wynter hegt mal wieder gesellschaftspolitische Gedanken (Chris weiß nicht, wie das Spiel gespielt wird, er wird untergehen, sie wird nicht zulassen, dass er Razi mit sich zieht) und dann schütteln sie einander endlich die Hand.