„Clemens, da ist ein Brief an dich aus Tunis, sieht so aus, als ob Faris geschrieben hat. Der Brief liegt auf dem Tisch neben der Tür. Komm doch zum Essen.“
Um Himmels Willen! Monika! Dass du die Post reingeholt hast – okay. Aber kann Clemens die Korrespondenz nicht a) selber finden, b) die an ihn gerichteten Briefe heraussuchen, c) den Absender identifizieren und d) den Brief dann auch aus eigenem Antrieb lesen? Müssen wir hier eine Hausfrauen-Strichliste anfangen? Ich glaube, mit dem Essen und dem Brief sind wir schon bei 2 und das im dritten Kapitel.
Clemens und Monika haben Faris bei einem Urlaub in Tunis kennengelernt. Mittlerweile sind sie gut befreundet, haben mit ihm oft Reisen im Maghreb gemacht, auch Nina war zweimal da, Jan jedoch ist nie mitgekommen und benimmt sich Faris gegenüber stets verschlossen, wenn auch höflich.
Faris schreibt jedenfalls – ich kürze stark ab –, dass Lalla Sara ihre Enkelkinder Mounia und Elias ins Ausland schicken möchte, dass Elias ein begabter Oud-Schüler sei und ob Clemens und Monika die beiden nicht für eine Weile bei sich aufnehmen könnten.
Clemens überlässt Monika den Brief und geht Kaffee kochen. Das könnte man fast als fortschrittlich bezeichnen, folgte dem nicht ein Absatz darüber, wie gern und gut Monika kocht und wie gut ausgestattet ihre Küche ist mit lauter neumodischen Geräten und Zutaten:
Clemens fand sich da kaum zurecht und hatte sich ausbedungen, den Kaffee weiterhin ganz altmodisch mit kochendem Wasser und einem alten Porzellanfilter von Melitta zuzubereiten.
🙄
Die vier Bewohner des Hauses essen übrigens immer um halb 8 zu Abend, damit sie um 20 Uhr die Tagesschau anschalten können.
„Was hältst du von Faris‘ Idee?“, fragte er, während das heiße Wasser durch den Filter tropfte.
Während das Wasser kochte, dachte Clemens nach.
Und während er diesen Text schrieb, machte der Autor offensichtlich eine Pause und setzte später wieder an, sonst wäre ihm aufgefallen, dass das Wasser erst kochen muss, bevor es durch den Filter tropft, möchte ich meinen. Aber das passt ganz gut zu anderen Inkonsequenzen: Henning von Leistikow, am Rande erwähnt, bekommt hier einen neuen Vornamen und heißt nun Oleg. Oder vielleicht ist das sein Mann/Bruder/Cousin?
Monika ist von Faris‘ Ansinnen ganz angetan, Clemens ist skeptischer, vor allem Jans wegen.
„[…] Er hat immer noch nicht vergessen, wie seine Eltern umkamen, und sieht in jedem aus der arabischen Welt stammenden Besucher einen potenziellen Terroristen, der einen unsichtbaren Bombengürtel trägt. Jetzt sollen wir zwei junge Nordafrikaner bei uns einquartieren. Du weißt, wie impulsiv er sein kann. Meinst du, dass wir das riskieren sollen?“
Jan war nicht direkt fremdenfeindlich. Seine Einstellung zu rechten Themen war genauso eindeutig wie die seines Großonkels. Beide lehnten Rassismus ab, doch beim Thema islamische Welt gingen ihre Ansichten auseinander. Monika hatte jedoch gemeint, dass Jan ein unbearbeitetes Problem vor sich herschob, das auf das schreckliche Attentat zurückging, dem seine Eltern zum Opfer gefallen waren.
It’s not racism if it’s trauma!
Jan ist außerdem extrem verschlossen, war noch nie bereit zur Therapie und der einzige, dem er sich öffnet, ist sein übel gelaunter, 10kg schwerer Kater, der zumindest in diesem Kapitel noch keinen Namen bekommt.
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