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Armeniens PrĂ€sident in Berlin: GroĂe BĂŒhne fĂŒr einen Kriegsherrn
Kanzlerin Merkel hat sich vom armenischen PrĂ€sidenten vorfĂŒhren lassen. WĂ€hrend dieser beim gemeinsamen Presseauftritt in Berlin Kriegspropaganda verbreitet, bleibt Merkel stumm. Das könnte Deutschlands Rolle als ehrlichen Makler im Konflikt um Berg-Karabach beschĂ€digen.
Ein Kommentar von Arnd Henze, ARD-Hauptstadtstudio
Der Besuch des armenischen PrÀsidenten Sherzh Sargsyan fand zur Unzeit statt, schlimmer: Er geriet zum diplomatischen Desaster und könnte Deutschlands Rolle als ehrlichen Makler im Konflikt um die Region Berg Karabach beschÀdigen.
Da waren zunĂ€chst die Bilder, die in der internationalen Politik mindestens so wichtig sind wie Worte: Ein offizieller HĂ€ndedruck mit dem deutschen BundesprĂ€sidenten Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel sind fĂŒr den PrĂ€sidenten einer Kriegspartei ein Geschenk, das sich in der Heimat â aber auch gegenĂŒber der Gegenseite â leicht als Parteinahme umdeuten und instrumentalisieren lĂ€sst. Solche Symbolbilder senden ein völlig anderes Signal als die von AuĂenministern, die mit ernstem Blick zum KrisengesprĂ€ch zusammenkommen. Denn natĂŒrlich muss man in solchen Krisen reden und nichts unversucht lassen, den Konflikt zu entschĂ€rfen â und Deutschland kommt dabei mit dem OSZE-Vorsitz eine besondere Rolle zu.
Der Gast nutzt seine Chance
Auf diese Vermittlungsrolle ihres AuĂenministers Frank-Walter Steinmeier verwies auch Merkel beim gemeinsamen Presseauftritt, um dann dem âbesonders herzlich willkommenenâ Gast das Mikrofon zu ĂŒberlassen. Und der armenische PrĂ€sident nutzte das Forum fĂŒr einen Auftritt, wie man ihn im Kanzleramt wohl lange nicht mehr erlebt hat. Aserbaidschan habe die âfriedliche Bevölkerungâ in Berg-Karabach ĂŒberfallen.
Dabei kĂ€mpften die Menschen in der ĂŒberwiegend von Armeniern bewohnten Region doch nur fĂŒr ihr Selbstbestimmungsrecht. Es gehe um etwas, âfĂŒr das alle kolonialisierten Völker immer gekĂ€mpft haben.â Einmal in Rage geredet, schwadronierte er ĂŒber die Heimatliebe der Armenier, die mĂ€chtiger sei als die ĂŒberlegene Waffentechnik des Feindes und am Ende siegreich sein werde. Bei all dem lieĂ es sich der Gast nicht nehmen, Deutschland ein ums andere Mal fĂŒr die groĂe UnterstĂŒtzung zu danken. WofĂŒr genau, lieĂ er bewusst offen â aber das BemĂŒhen, die Kanzlerin zu vereinnahmen, war mit HĂ€nden zu greifen.
Und Merkel? Als ginge sie das alles nichts an, lieĂ sie die Tiraden unkommentiert, verzichtete sogar auf den ĂŒblichen diplomatischen Hinweis, man habe das hinter verschlossenen TĂŒren âoffen und differenziertâ diskutiert. So blieb es bei dem vagen Versprechen, Deutschland wolle âkonstruktiv helfenâ, den Konflikt zu ĂŒberwinden. Erst auf Nachfrage teilte sie mit, dass im Juni auch der aserbaidschanische PrĂ€sident kommen werde. Der könne ja dann seine Sicht der Dinge schildern.
Im Ernst? Besteht Deutschlands NeutralitĂ€t darin, Kriegsparteien gleichberechtigt die groĂe BĂŒhne fĂŒr ihre Kriegspropaganda bereitzustellen? Will sich Angela Merkel â um der ausgleichenden Gerechtigkeit willen â dann auch vom aserbaidschanischen Kriegsherrn vorfĂŒhren lassen? Denn vorgefĂŒhrt wurde die Kanzlerin vom armenischen PrĂ€sidenten.
Voller Erfolg fĂŒr Sargsyan
Kaum Gehör fanden dagegen die abgewogenen Worte des AuĂenministers, der sich auf die MĂŒhen der Ebene in diesem Konflikt einlassen muss und auch die Verantwortung der armenischen Seite in diesem Konflikt deutlich benannt hat. Das Protokoll verbietet einen Presseauftritt parallel zur Pressekonferenz mit der Kanzlerin. So blieb der oberste Krisenmanager der OSZE heute im Schatten einer indisponierten Kanzlerin.
FĂŒr Sersch Sargsyan war der Besuch in Berlin dagegen ein voller Erfolg. Er durfte sich der Welt als unbeugsamer und kompromissloser KĂ€mpfer fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit Berg-Karabachs prĂ€sentieren. Merkel und Gauck haben ihm dafĂŒr den roten Teppich ausgerollt, statt ihn öffentlich in die Pflicht zu nehmen.
Kommentare geben grundsÀtzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.
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Neuester Kommentar von âGerold84â am 06.04.2016 19:09 Uhr
hat ihre Rolle als ehrliche Maklerin bei Konfliktlösungen schon seit dem Majdan Nesaleschnosti beschĂ€digt. âWir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.â Konrad AdenauerâŠ
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