Es ist erstaunlich, wie viel du noch leisten kannst, wenn du eigentlich schon lÀngst am Limit bist.
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Es ist erstaunlich, wie viel du noch leisten kannst, wenn du eigentlich schon lÀngst am Limit bist.

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Auf der Stirn geschrieben mit dicken Buchstaben â Burnout
Ich hau ab - Mateo & Xavier Naidoo
Der TrendâŠ.
Von wem bekomme ich noch ein schönes Ostergeschenk?
Weshalb arbeiten Sie im Zug, Sie eiskaltes HĂŒndchen?
In einem Zug zu flĂ€zen ist eine wunderbare Sache. Das Ruckeln und Huckeln der Umgebung hat einen beruhigenden Effekt, die Landschaft zieht zu schnell vorbei, um sich der Erinnerung aufzudrĂ€ngen, doch verweilt lang genug, um zu unterhalten. Man kann Musik hören. Etwas lesen. Aus dem Fenster starren und die Grashalme zĂ€hlen. Sich den fremden, vorbeiziehenden StraĂen anvertrauen, ohne sich ihre Geheimnisse anzuhören.
Ich flĂŒstere Ihnen zu: Eines Tages werde ich so sehr geliebt werden, dass mein Gesicht nur noch mir gehört. Ich werde kreieren um der Liebe willen, ich werde erschaffen, ohne an die ZwĂ€nge des nĂ€chsten Tages zu denken.
Aber dann sind wir schon so schnell weitergezischt, dass mich niemand dazu anhalten kann, meine PlĂ€ne in die Tat umzusetzen. Es ist ein feiner Genuss, im Zug zu sitzen. Es ist auch empfehlenswert, ein Nickerchen zu halten. Meine Mutter erzĂ€hlt mir, dass die Seele sehr langsam ist. Sie braucht Zeit, um den modern reisenden Menschen einzuholen, weshalb man nach einer langen Reise immer so ausgelaugt ist (obwohl man ja gar nichts gemacht hat). Deshalb ist es ein Akt der Freundschaft mit sich selbst, im Zug zu schlafen. Ob das stimmt oder nicht, kann ich natĂŒrlich nicht bestĂ€tigen, aber es ist auf jeden Fall ein aufregendes Unterfangen, unter lauter Fremden zu schlafen und möglicherweise alle Geheimnisse, die zwischen Ihnen und den StraĂen bleiben sollten, im Traum auszuplaudern. Was nicht alles geschehen könnte, wĂ€hrend Sie friedlich trĂ€umen! Das Einzige, was man im Zug nicht tun sollte, ist arbeiten. Wie menschenfeindlich muss man sein, um sich so erbittert gegen die Prinzipien des wackeligen Sitzens zu stellen? Ein Laptop ist ohnehin ein Unding, das kleine Tischchen im Viererabteil eignet sich ungemein besser fĂŒr eine matschige Banane. Was fĂŒhren Sie auch fĂŒr einen Job aus, dass Sie meinen, Sie mĂŒssen die Ăffentlichkeit damit belĂ€stigen? Denken Sie, ich wĂŒrde eine Excel-Tabelle sehen wollen? In meiner Freizeit? Ist Ihnen denn nichts heilig? Nicht einmal die interessante Wolke vor dem Fenster, nicht die lĂ€sternden Omas im Abteil nebenan, nicht einmal der Artikel, den Sie ĂŒber die Schulter Ihrer Nebenfrau mitlesen könnten? Der graue Star kann gar nicht frĂŒh genug kommen fĂŒr diejenigen, die im Zug arbeiten. Sie tragen auch On-Schuhe und denken sicherlich an Roger Federer, wenn Sie sich fĂŒr einen Rasierschaum entscheiden. Der Chef wird Ihren Namen nie kennen, das interessanteste am Tag sind die neuen Kaffeekapseln und zur Pension gibt es eine Grusskarte. Ein Leben lang folgt ein Meeting dem NĂ€chsten. Alldieweil verpassen Sie es einer Strasse Versprechungen zu machen.Â
Sie können also darauf wetten, liebste Leserinnen und Leser, dass ich diese Zeilen nicht in Bewegung verfasse, sondern auf dem Boden sitzend. Ein Freund von mir macht im Hintergrund LÀrm. So wie ein Mensch arbeiten sollte.
GruĂ & Kuss
The harvest by Vincent van Gogh (1889, painting)

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Und es kommt, wie es kommen musste... es sind 38 Grad und ich sitze mit einer langĂ€rmligen Bluse im BĂŒro meiner Kollegin. Alle schwitzen und wissen nicht wohin mit sich. Dann die Frage, die mir an diesem Tag schon das zweite mal gestellt wurde: "warum hast du auch etwas lamgĂ€rmliges an?"
Und zum ersten Mal rede ich mich nicht raus. ErzĂ€hle nicht von meiner Sonnenallergie (die ich tatsĂ€chlich habe, aber die nicht der ehrliche Grund fĂŒr lange Ărmel ist)
Nein ich sage "Weil ich Narben am Arm habe und mich damit noch nicht selbstbewusst genug fĂŒhle um sie bei der Arbeit offen zu zeigen"
Als Antwort kommt betretene Stille. Dann eine Entschuldigung, Unsicherheit. Meiner Kollegin war das sehr unangenehm. Nicht wegen meiner Narben, sondern weil sie diese Frage gestellt hat.
Sie erklĂ€rt mir, dass sie die Narben schon gesehen hat, und dass ihr die Frage leid tut, dass sie nicht darĂŒber nachgedacht habe. Ich erklĂ€re ihr, dass ich auch kein Problem damit habe, wenn der Ărmel mal hoch rutscht, oder man doch die ein oder andere Narbe sieht. Dass ich es nur trotzdem nicht mag sie ganz offen zu tragen wĂ€hrend ich bei der Arbeit bin.
Das war das erste mal, dass ich mit jemandem ĂŒber die Narben gesprochen habe. Bei der Kollegin fĂŒhle ich mich sehr sicher, und es war mir wichtig, zu zeigen, dass solch eine Frage meistens sehr unangebracht ist. Und man die Kleidung anderer nicht hinterfragen sollte, wenn man die tatsĂ€chliche Antwort nicht wissen möchte/es einem dann unangenehm sein könnte.
Ein bisschen fĂŒhlt es sich gut an, weil es wie ein weiterer Schritt ist. Zwar nicht kurzĂ€rmlig rumzulaufen, aber zu sagen, dass da etwas ist. Keine Ausrede. Sondern einfach wie ich bin.
Diese Narben gehören zu mir und zu meiner Geschichte. Ich fĂŒhle mich nicht wohl damit sie zu haben. Ich wĂŒnschte sie wĂ€ren da nicht, aber dennoch sind sie ein Teil meiner Geschichte. Werden trotz Tattoos nicht ganz verschwinden. Auch wenn ich sie nicht immer zeige, kann ich nun immerhin sagen, dass sie da sind. Und das ist ein Schritt. Glaube ich.
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