Gestern hatte ich die Gelegenheit, in einem Workshop zur "Populärwissenschaftlichen Architekturpublizistik in der DDR" im Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung einen Kurzüberblick zu meiner Perspektive auf die DDR-Philokartie unter dem Titel "Am Beispiel der Leninplätze: Stadt- und Architekturinszenierungen auf Ansichtskarten der DDR" zu geben. Das ermöglichte mir, noch einmal neu über meine Sammlung zu reflektieren. und zwei, drei Fundstücke – unter anderem diese Vorlagefotografie mit einem Blick auf das Einkaufszentrum am Leninplatz in Bad Salzungen – zu zeigen. Da es um "Publizistik", also auch Veröffentlichungsstrukturen ging, griff ich neben der Frage nach der Rolle der Ansichtskarte (u.a. als Repräsentationsmedium der sich aufbauenden DDR, vgl. die Leserzuschrift Bild 2) noch einmal gezielt der Frage nach den Verlagen und der Publikationsanteilen auf.
Dass BILD UND HEIMAT in Reichenbach (Vogtl.) der dominante Ansichtskartenverlag der DDR war, ist hinlänglich bekannt (Bild 3). Aber wie dominant war er? Ich habe für meine Sammlung von aktuell rund 4000 Karten die Daten normalisiert und den Anteil berechnet. Dabei entfällt rund die Hälfte tatsächlich auf Bild und Heimat. Meine Sammlung ist freilich nur ein kleines Sample. Ich würde aber die These aufstellen, dass sich die Verteilung an dieser Stelle auch bei 10.000 Karten nicht nennenswert verändert.
Am zweithäufigsten findet sich der Berliner Verlag Graphokopie H. Sander, der freilich 1972 aufhörte. Der PLANET-VERLAG auf Platz 3 publizierte derweil nur für wenige Jahre Ortsansichten.
Die Konzentrationeffekte zeigen sich also deutlich. Interessanter ist aber das "Long Tail" der Verlagsvielfalt. Insgesamt finden sich in meiner kleinen Sammlung Karten von rund 200 verschiedenen Verlagen, von denen einige auch die DDR und BILD UND HEIMAT überlebten.
Abbildungen: 1 Bad Salzungen/Thür. Leninplatz Vorlagefotografie (Auslese-Bild Verlag) 2 [Zuschrift] Elsbeth Generich: Ansichtskarten dringend gesucht. In: Berliner Zeitung, 24.06.1954, S. 6 3 Gabi Thieme: Bekanntschaft mit der Geburtsstadt der Neuberin. In: Neue Zeit, 23.08.1981, S.3 4 Grafik zu DDR-Ansichtkartenverlagen, Ben Kaden, 05.05.2025

















