Weniger schimpfen. Spurhalten.
Ich trete vor die Tür und blicke griesgrämig auf einen kühlen, grauen Tag. Ich hätte gestern Abend nicht mehr in diesen Horrorstreifen mit Haien reinsehen sollen. Immer nur kurz, denn eigentlich finde ich solche Filme einfach furchtbar. Nicht nur, weil bekanntermaßen mehr Haie durch Menschen sterben als umgekehrt und diese Filme nicht unbedingt hilfreich für den Schutz von Haien sind. Nein, mit 12 Jahren sah ich Der weiße Hai - und schlief zwei Nächte lang nicht. Ich gehe vor mich hin und denke über die Erstaunlichkeit nach, dass “Der weiße Hai” irgendwann zu einem meiner Lieblingsfilme wurde. Meine Strategie im Umgang mit Ängsten ist wohl, diese zu umarmen oder in die Distanz zu starren. So gruselt mich schon lange nicht mehr vor Schlangen oder Spinnen, seitdem ich mehr über sie weiß. Als Haustiere möchte ich sie dennoch nicht haben. Genausowenig wie einen Hai. Das Meer sehe ich übrigens nach wie vor lieber von außen.
Der Film bescherte mir jedoch zuverlässig einen Nachtmahr. Verstimmt blicke ich auf den Stau der Morgenpendler, in neun von zehn immer größeren und breiteren Autos ein krakelendes oder telefonierendes Menschlein. Am Rheinanleger lassen die Busfahrer wieder die Motoren laufen. Binnenschiffe reihen sich aneinander. Es stinkt.
Doch, nein, weniger schimpfen. Es ist so einfach, sich über alles mögliche zu erregen. Es macht das Leben bitter und fad. Auf der dringenden Suche nach Freundlichkeit und Erfreulichem gehe ich zur Hundewiese. Nichts. Kein einziger Hund. Dä.
Dafür sammle ich Straßenkunst. Jemand schmückt seit Jahren mit einem ganz eigenen Krikelkrakelstil Stromkästen und andere trostlose Orte. Meine Laune hebt sich.







