So ein Theater.
Die Kunst- und Kulturbranche leidet ganz besonders unter den Einschränkungen, die die Pandemiebekämpfung seit einer gefühlten Ewigkeit mit sich bringt. Gestern reichte es dann den Schauspielerinnen und Schauspielern, den Bühnentechnikern und Ticketverkäufern, den Regisseurinnen und Dramaturginnen der kleinen Theater und Kleinkunstbühnen von Hiddensee bis Zittau die seit mehr als einem Jahr keine Bühne mehr betreten durften und durch Hilferaster fallen und Ersparnisse dreimal aufgebraucht haben und sie machten ihrem Unmut in einem Video Luft. In einem satirischen Video. Nur wollte dieses Video niemand sehen und kein Spiegel hat darüber berichtet und kein Ken Jebsen hat es bejubelt und keine AfD hat "wirhamsjaschonimmergesagt" getwittert. Geschichte beendet.Satire verstanden? Nein? Eben.Satire ist halt auch nicht so einfach. Bittere Sätze in eine Kamera schauspielern oder in eine Facebookseite tippen, führt nicht zwangsläufig zu Applaus. Zumindest nicht unbedingt immer aus der Richtung, die man gerne haben möchte. Das lernen gerade "mehr als 50" angesehene Schauspielerinnen und Schauspieler - guck mal selbst der Börne ist dabei oder wie der heißt. Sie wollen ihre Popularität nutzen, um Kritik zu üben und kommen heute, da so viele versuchen, ihren Teil dazu beizutragen, möglichst schnell und ohne noch mehr Opfer diese Pandemie in den Griff zu kriegen, wie ein paar verzogene Rich-Kids rüber. Denn Filme werden ja noch gedreht, Werbespots produziert, Hörbücher eingelesen - alles Möglichkeiten, die Popularität eben so mit sich bringt. Die Kleinen haben das alles nicht. Ich muss gestehen, ich war heute Morgen richtig enttäuscht und genervt. Enttäuscht von diesen Menschen, von denen ich einige durchaus mag (obwohl, Moment, vielleicht mag ich ja auch eher die Rollen, die sie für mich normalerweise verkörpern?) und zum anderen genervt von der großen Welle, die dieses Filmchen gerade wieder macht. Wieder ein Bereich unserer Gesellschaft in dem ein schmerzender Riss mitten hindurch geht. Ich hoffe, wir können das "nachher" irgendwie wieder kitten. Zwischen all dem Jan Josef erklärt und Tukur denkt und Makatsch fühlt sich missverstanden las ich heute beim Frühstück auch einen etwas verzweifelten Post der Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros unseres Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau, die schrieb: "Das sich an einem Spielplan mal was ändert ist völlig normal, aber die letzten Monate ....". Ich glaube, ich beschäftige mich lieber wieder mehr mit den Theatermenschen hier an unserem herrlichen Stadttheater - da sind eine Menge echte Freundinnen und Freunde dabei. Und hier rede ich nicht nur von Rollen, die ich aus Stücken kenne. Kann man eigentlich schon wieder Jahresabos kaufen?













