"Was bist du denn für eine? Hast du dich mal angeguckt? Du siehst echt...wie sonst was aus!", kam es von einer Mitschülerin. Sie drängte mich gegen die Wand ,stützte ihre Hand neben meinem Kopf und sah mich mit ihren blauen Augen voller Spott und Dominanz an. "Du bist viel zu freundlich für eine Slytherin! Wo ist dein Stolz Mädchen?! Und du verhälst dich wie ein kleines Kind! Sebastian und Ominis beachten dich nur weil du eine besondere magische Fähigkeit hast, aber ansonsten...bist du ihnen egal!" Diese Worte halten die ganze Zeit in meinem Kopf. Zusammengekauert saß ich auf meinem Bett im Wohnheim, in London, wo ich im Moment untergebracht war. Prof. Weasley und Prof.Fig hatten mir einen Platz in einer Tagesstätte besorgt und eine Unterkunft in einem Wohnheim für jugendliche und junge Erwachsene. Ich hatte niemanden die Wahrheit erzählt, den Grund, warum die Dissoziationen und die Wechsel der Persönlichkeiten wieder zugenommen hatten. Und ich hatte auch niemanden davon erzählt, dass sich an meinem linken Unterarm, unter meinem Pullover, neue Narben befanden. Ich hatte es lange im Griff gehabt. Doch dann wurde mir alles zuviel und alles brach ein. Als ich mich immer mehr abends auf mein Zimmer zurückzog und immer weniger im Slytherin Gemeinschaftsraum war, fiel das natürlich auf. Meine beiden besten Freunden, die mehr als nur meine besten Freunde waren. Die ich wahrlich tief und innig liebte und sie mich. Doch das hielten wir geheim. Niemand wusste von unserer Dreier Polyamoren Beziehung. Ominis und ich galten als Liebespaar, während Sebastian sich damit zufrieden gab vor allen anderen nur der beste Freund zu sein, während wir im Privaten zu Dritt aber alles andere als Freunde waren. Auch zwischen Sebastian und Ominis war mehr als nur Freundschaft. Ich wusste dass diese Worte nur Neid waren, Eifersucht, weil Sebastian und Ominis ihre ganze Aufmerksamkeit mir schenkten, einem Neuzugang, einem Mädchen dass erst im fünften Jahr in Hogwarts begann und dazu noch aus einer ganz anderen Zeit kam. Zusammengekauert hockte ich auf meinem Bett und Tränen flossen über mein Gesicht. Soviel Schmerz kam hoch. Soviel Ablehnung und Hass mir gegenüber. Warum hasste diese Welt mich immer so sehr? Von Anfang war ich fehl am Platz. ich war für einen Dämon zu nett gewesen, zu gefühlsvoll, zu rein. Ich war wie ein Engel, weniger wie ein Dämon. Vielleicht kam ich deswegen auch am Anfang mit meinen Kräften nicht klar, weil ich meine eigene Dunkelheit so sehr ablehnte. Sie machte mir Angst. Ebenso meine Ängste, und die anderen Persönlichkeiten. Ich wollte sie verdrängen, weg haben. ich wollte nur das Gute sein, das Positive. Ich wollte gesund sein und nicht krank. Aber irgendwann verstand ich, dass ein Kampf gegen mich selbst falsch war. Ich war in einer Tagesklinik die anders war als gewöhnlich. Hier wusste man von Hexen und Zauberer. Es gab in der Muggelwelt tatsächlich eine Tagesklinik und ein Wohnheim für Hexen und Zauberer die mental krank waren und Hilfe brauchten. Tja und hier war ich nun. Und meine Therapeutin die ich hatte, die war sehr nett. Die Netteste die ich je kennenlernen durfte. Vor ihr hatte ich immer nur schlimme Erfahrungen gemacht mit gewöhnlichen Therapeuten, sie waren nicht gut zu mir. Und in der Psychiatrie wo ich einst reingesteckt wurde, bevor ich nach Hogwarts kam, da wurde ich sehr schwer traumatisiert.
Meine Therapeutin Mrs.Brown hörte mir aufrichtig zu, uns zu, jeder einzelnen Persönlichkeit. Sie nahm unsere Erkrankung ernst und glaubte uns. Sie sagte selbst dass es so sei, dass sie es bestätigen kann. Sie würde mich aber noch weiter behandeln wollen bis sie mir öffentlich ganz die Diagnose geben würde, aber sie ist sich jetzt schon sicher dass es eine Multiple Persönlichkeit ist, daran besteht kein Zweifel mehr. Sie hilft uns im Moment miteinander in Kontakt zu treten und miteinander zu kommunizieren. Der Weg zu einem Team zu werden, ist sehr schwer. Auch einen Alltag gemeinsam als Multiple Person zu meistern. Es ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Mal geht es mir gut und dann wieder nicht. Mal bin ich offenen Herzens, voller Liebe, gehe auf meine Mitmenschen zu und könnte sie umarmen, im anderen Moment finde ich sie nervig und abstoßend und hasse sie. Dann schäme ich mich immer, versuche mich dann zu zwingen nett zu sein und zu fühlen. Es ist einfach alles noch im Ungleichgewicht. Voneinander getrennt. Noch keine Kommunikation miteinander möglich, dass manche Persönlichkeiten ihren eigenen Kopf haben und ihren eigenen Weg gehen wollen. Und das zieht manchmal sehr an den Nerven. Heute...ist also kein so guter Tag. Zudem durch meine Therapeutin, und die intensiven Gespräche, kommen Erinnerungen und Gefühle hoch, Persönlichkeiten wechseln hin und wieder. Das Ganze ist normal denke ich wenn man in der Therapie ist und Trauma Aufarbeitung macht. Dennoch behandeln wir noch nicht die schlimmen Themen, nur das was wir uns anschauen können und was wir ihr selbst erzählen. Und das alles arbeitet in uns. Erst jetzt wird uns immer mehr bewusst und klar wie schwer missbraucht wir wurden. Und wie schwer krank wir sind. Dass wir nicht gesund sind, dass wir nie wieder so funktionieren können und werden in der Zukunft wie früher einmal, wo wir noch normal einem Alltag folgen konnten oder mehrere Sachen aufeinmal erledigen konnten. Und Geräusche die wir hören, werden uns immer triggern! Mal werden wir einen guten Tag haben dass wir damit umgehen können, dann wieder nicht und switchen und zusammenbrechen und weinen. Das Leben und ein Alltag als Multiple Persönlichkeit mit einer schweren PTBS ist sehr schwer und es ist ein verdammt harter und langer Weg und Prozess einigermaßen damit leben und umgehen zu können und dass ein Alltag wieder funktionieren kann. Es bedarf alles viel Geduld, durchhalten, viel Tränen, Tage der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, Tage wo es einem total gut geht und man denkt alles sei super, aber dann kommt der nächste Schub, die nächste dunkle Wolke angerollt mit all den Traumaschmerz und Erinnerungen. Du wirst damit leben müssen, du wirst verstehen lernen, müssen, dass dein Leben nunmal gezeichnet ist, dass DU gezeichnet bist und niemals mehr so funktionieren und sein wirst wie früher. Du wirst nicht gesund werden und warst es nie! Du bist schwer psychisch krank, und das wirst du bleiben für den Rest deines Lebens. Du wirst dein Leben lang Hilfe und Unterstützung brauchen, keine Selbstständigkeit mehr beherrschen können. Du kannst nur teils wieder was zurückerlangen, aber nicht mehr alles: Denn was kaputt ist ist kaputt und bleibt kaputt. Akzeptiere dich wie du bist, mit deiner Dunkelheit, deinem Schmerz, deinen Traumata und Traumafolgen. Du bist nicht nur Licht und Liebe, du bist auch der Schmerz, die Dunkelheit, die Angst, der Hass, die Wut! Und du kannst und wirst deine Gefühle nie ganz und für immer kontrollieren können wenn du psychisch krank bist. Aber du kannst lernen bewusst damit umzugehen ohne dass du einem Menschen damit schadest. - Lina













