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Platz!
Wenn uns Skatern von einem âherkömmlichen Sportlerâ erzĂ€hlt wird, dass nun auf den Sportplatz gegangen wird oder spezifischer: Den FuĂball- oder Basketballplatz, dann gibt es gewisse Abwehrreflexe. Reglementierte (Team)Sportarten, die zu bestimmten Zeiten auf bestimmten dafĂŒr vorgesehenen PlĂ€tzen stattfinden, scheinen das Gegenteil von Skateboarding zu sein. Ein Sportplatz-Sport war Skateboarding nie doch die Betonung liegt auf dem war. Denn das allseits so beliebte Wort Skate-Plaza ist einfach der freshe Begriff fĂŒr das schnöde, sehr deutsche Wort Platz. Aber nur weil Skater ihren Treffpunkt nun auch als Platz bezeichnen muss es ja noch lange nichts mit den Regel-Sportarten zu tun haben und ĂŒberhaupt; jeder liebt Skateplazas, was ist das Problem? Den DenkanstoĂ lieferte ein Kommentar auf der Seite alreadyebeendone.com. Dort schrieb der Kollege Wheelbite: âThanks to the Berrics, Street League and the rest of the skatepark culture, kids donât skate in the streets anymore. Itâs a factâ. Ob das nun ein Fakt ist, vermag ich nicht zu sagen aber es zeigt eine Tendenz auf, welche aus anderer Perspektive Rob Dyrdek ebenfalls erkannt haben will. Seine Rob Dyrdek Foundation hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Entwicklung von Skateplazas zu fördern. Warum? Weil es sonst bald kein Skateboarding mehr geben werde, so Mr. Dyrdek. Und weiter: In ganz Amerika wĂŒrden jeden Tag Spots zerstört und Skateboarder von der Polizei gejagt, so dass nur die Plazas das Ăberleben unseres âSportsâ als solchen gewĂ€hrleisten könnten. Ăber diese (Fehl-)EinschĂ€tzung kann man sich streiten, ans Eingemachte jedoch geht es, wenn die Agenda der Foundation offenbart, wes Geistes Kind sie ist. In einem Vergleich von herkömmlichen Skateparks mit den neuen, besseren Plazas schreibt Dyrdek, dass es traditionelle Skateparks immer geben wird âbut they will never play a part in keeping skaters off the streets of their communitiesâ. Das wĂŒrden, so die implizite Botschaft, nur die Skateplazas leisten können. Wo gerade noch mit KrokodilstrĂ€nen beklagt wurde, dass echtes Streetskaten verschwindet, wird ein paar SĂ€tze weiter in einer fast schamlosen Offenheit gesagt, dass der moderne Skateplaza (s)einen Beitrag leisten soll, die Skater von den StraĂen zu holen. So wird die dĂŒstere Prophezeiung, Streetskaten wĂŒrde verschwinden, zu einer selbsterfĂŒllenden und es scheint hier Rob Dyrdeks Wunsch der Vater des (ökonomisch motivierten) Gedankens zu sein. Anders formuliert wird hier davor kapituliert, den Securities und Passanten, der Polizei und den Skatestoppern die Spots temporĂ€r abzuringen. Der argumentative Trick ist die Abgrenzung gegenĂŒber normalen Skateparks. Skateplazas sind nach Rob Dyrdek âthe dream of everyone who skates streetâ, ja, sind Streetskating. Hier scheint jemand groĂes Interesse daran zu haben, die Definition dessen, was âStreetskatingâ sein soll, zu verschieben. Wohl auch, weil die in Street League genutzten Plazas als Street verstanden werden mĂŒssen damit der Name des ganzen Spektakels ĂŒberhaupt Sinn macht. Der Widerspruch, der in âreal street parksâ steckt, scheint ihm nicht aufzufallen. Man soll sich also auf legalisiertes, in die Gemeinde eingebettetes und möglicherweise wirtschaftlich verwertbares Terrain begeben. Den Skateboardern wird so ĂŒber den Plaza ihr gesellschaftlich gewollter Platz zugewiesen. Herrschaft wird ĂŒber die Anordnung von Körpern im Raum entsprechend einer gesellschaftlich vorgegebenen Ordnung hergestellt, so der Philosoph Jaques RanciĂšre. Jeder Körper hat seinen Platz. Abzuweichen vom zugewiesenen Platz oder herauszutreten aus der Ordnung ist das, was fĂŒr ihn Rebellion ausmacht. Vor diesem Hintergrund kann man das Projekt Skateplaza als groĂangelegten Domestizierungsversuch deuten. Auch Skater sollen endlich ihren Platz haben, auf welchem sie freiwillig verweilen, weil âis ja streetâ. Dieser ist entweder ghettoisiert in einer GroĂsportanlage, wo sich der Skateplatz dann unterschiedslos neben dem FuĂballplatz oder dem Basketballplatz befindet oder, stĂ€dteplanerisch als Attraktion und Aufwertung kalkuliert, im Stadtkern, gut zugĂ€nglich fĂŒr Touristen und SonntagsspaziergĂ€nger (Gehen wir heute in den Zoo oder gucken wir Skaters?). Um beim Wortspiel zu bleiben: Unser âSportâ entwickelt sich durch die Skateplazaisierung weg vom performativen, den Raum erschlieĂenden âplatz da!â hin zu einem passiv-domestizierten âPlatz!â-machen, wie man es Hunden zu befehlen gewohnt ist. NatĂŒrlich: Nicht jeder Stadtvater, der einen Plaza bewilligt, ist ein böser Herrschaftsarchitekt und keineswegs will ich bestreiten, dass ein Skateplaza als ein möglicher Spot und Treffpunkt unter vielen eine ziemlich gute Sache ist! In Abrede zu stellen ist aber die Notwendigkeit, welche Mr. Dyrdek konstruiert. Skateboarding braucht keine Plazas und Streetskating spielt sich jenseits derselben ab. Es ist manchmal etwas unangenehmer, schwieriger und mitunter illegal, der StraĂe die Spots abzuringen aber es bietet unendlich mehr Erfahrungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. Als GewĂ€hrsmann möchte ich Chad Muska zitieren, der in seinem TWS Webinterview sagt: âThe closing of Tower Skatepark was in a weird way - like, I thought was the worst thing in the world - but I think for me that really turned me on to streetskateboarding and made me look at things differentâ. Erst durch die SchlieĂung seines local Parks wurde aus Chad Muska der Streetskater, den Transworld nunmehr zu den 30 einflussreichsten zĂ€hlt. Dem ist nicht viel hinzuzufĂŒgen auĂer vielleicht eine Anekdote, welche ich an einem Sportplatzghetto-Plaza erleben durfte: Nach gefahrener Session luden wir unsere Boards ins Auto und waren im Begriff, abzufahren, als ein alter Mann uns ungefragt ansprach. Er erzĂ€hlte, wie er damals, auf Rollschuhen, âganz alten Dingernâ, den âvollen Weg vom MĂŒhlenberg runter bis hierhinâ gefahren sei, vier Kilometer. Mit aufgespannten Jacken um den Wind zu nutzen. Vielleicht hatte er Skateboarding besser verstanden als wir.
insk
Quellen: http://alreadybeendone.com/content/2011/08/10/rob-dyrdek-and-the-world-of-mainstream-skateboarding/ http://skateboarding.transworld.net/1000168419/videos/30th-anniversary-interviews-chad-muska-part-1/ http://robdyrdekfoundation.org/about/

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