# Eine tiefe Reise: Eine Meditation in den eigenen Körper
Mein Vater hat mir diese Übung beigebracht, damit ich mich entspannen und einschlafen kann. Über die Jahre habe ich sie weit darüber hinaus entwickelt. Ihre Wurzeln liegen im autogenen Training, aber für mich ist sie eine Meditation mit mir selbst geworden. Mit dem Ziel der vollständigen körperlichen und geistigen Entspannung.
Suche dir zu Beginn eine bequeme Haltung. Ich liege immer noch am liebsten — so fällt es leichter, jede Faser meines Körpers loszulassen. Sitzen geht auch, verlangt aber, dass einige Muskeln aktiv bleiben, und es braucht Übung, jenes Gleichgewicht zu finden, in dem der Körper sich aufrecht hält, ohne sich anzustrengen. Am schönsten wäre ein offenes Feld, mit Gras unter dir und Bäumen ringsum. Aber auch Orte mit etwas Hintergrundgeräusch können hilfreich sein — sie üben dich darin, in dich hineinzugehen und wieder herauszukommen.
Atme tief ein. Schließe deine Augen.
Lehne dich zurück und richte deine Aufmerksamkeit nach innen. Konzentriere dich auf deinen Körper... deinen Kopf, deinen Nacken, deine Schultern, deine Brust und deinen Rücken, den Bauch, die Beine, bis hin zu den Zehen an deinen Füßen. Werde dir deines ganzen Körpers bewusst. Du willst alles um dich herum vergessen. Vielleicht wirst du dabei von Geräuschen abgelenkt. Das ist in Ordnung. Folge ihnen. Versuche dir vorzustellen, woher sie kommen. Wenn du auf einem Feld liegst, hörst du vielleicht einen Zug in der Ferne, Menschen in der Nähe, das Rascheln von Zweigen und Blättern im Wald hinter dir. Schätze nun die Entfernung dorthin. Wie weit ist es weg? Visualisiere den Ort. Bewege dich im Geist an den Ort der Geräusche, wie die Kamera einer Drohne, hin zu den Baumwipfeln, oder an den Zug, während er vorbeifährt, oder zu den lachenden Menschen. Vielleicht kannst du sogar zuhören. Konzentriere dich auf diese Geräusche für einen Augenblick.
Aber DANN dreh dich wieder um und sieh dich selbst... dort im Feld liegen.
Komm zu dir zurück. Lenke deine Aufmerksamkeit wieder auf dich und deinen Körper.
Fange mit deiner Stirn an. Sie entspannt sich schon, ihre Muskeln lösen sich. Deine Augenbrauen und Lider werden jetzt auch schwerer. Du spürst, wie sich deine Wangenmuskeln lösen. Dein Kiefer lockert sich. Dein Mund öffnet sich vielleicht. Das ist normal. Auch wenn du deinen Atem hörst, lass das Kinn einfach fallen.
Bewege dich zu deinem Hals, im Nacken sind wir oft noch verspannt. Wenn du ein Zucken oder ein Kitzeln bemerkst, geh dorthin. Suche die Quelle. Das Kitzeln könnte ein loser Faden deiner Kleidung sein, ein Haar, oder ein Krümel, den der Wind herbeigetragen hat. Visualisiere, wie es deine Haut berührt. Erkenne, dass deine Nerven ein Signal an dein Gehirn senden — ein vorsichtiger Instinkt der Warnung. Aber es ist nur ein Haar, nur ein Lufthauch. Lass es vorbeiziehen. Lass den Staub oder den Stoff auf deiner Haut liegen, ohne dass es dich stört. Es bedarf keiner weiteren Beachtung. Die Nervenenden entspannen sich auch. Sag deinem Gehirn, dass es loslassen darf, und kehre zu den Muskeln zurück, die noch angespannt sind.
Deine Schultern werden jetzt auch immer schwerer. Im Geist gehst du deine Arme entlang über die Ellbogen und Unterarme, über deine Handgelenke bis hin zu den Fingerspitzen. Jeder Knochen in jedem Fingerglied, jeder kleinste Muskel – vom Stress befreit.
Zurück zu deinem Oberkörper visualisierst du jetzt die Muskeln in deiner Brust und deinem Rücken. Du wanderst in Gedanken durch jeden Muskel und inspizierst ihn kurz. Ist er entspannt? Fließt das Blut frei?
Du erreichst deinen Bauch und unteren Rücken und erkennst, dass Knochen über Sehnen mit Muskeln verbunden sind. Du spürst, wie jeder Teil deines Körpers schwerer wird. Vielleicht nimmst du eine kleine Verschiebung deiner Haltung wahr. Denn selbst deine Hüfte ist jetzt entspannt. Du freust dich fast, wenn du einen Muskel findest, der noch entlastet werden möchte.
Weiter zu deinen Oberschenkeln, den Knien und den Waden, den Fußgelenken bis in die Zehenspitzen. Alles wird warm und schwer und langsam. Es ist Zeit nun wirklich in dich hineinzugehen. Stell dir das Innere deines Fußes vor. Die Knochen, die Sehnen, die Nerven, die Adern, das Blut. Folge diesem Blut, zurück zum Herzen.
Visualisiere deine Adern und die Muskeln, die sich entspannt und geöffnet haben. Gehe dabei langsam vor. Lass dir Zeit. Jede Faser deines Körpers verdient deine Aufmerksamkeit. Dein Atem ist langsamer und flach. Dein Herzschlag auch.
Atme jetzt tief ein. Stell dir Sauerstoffmoleküle vor — sie sind Elemente, die durch die Luft schweben, in deine Lungen gezogen werden, vom Blut aufgenommen und durch deinen ganzen Körper getragen.
DU BIST JETZT DAS BLUT, das den Sauerstoff zu deinen Muskeln bringt. Jede Zelle wird versorgt. Hier und da spürst du vielleicht noch eine kleine Anspannung, einen Muskel, der sich festhält. Atme aus und lass ihn los.
Tauche tiefer. Geh weiter hinein. Erreiche die Ebene, auf der die Zellen sich bewegen, aneinander stoßen, Nahrung suchen. Das ist Leben. Es geschieht in jeder Zelle deines Körpers, ununterbrochen. Aber jetzt erlaubst du dir, langsamer zu werden – im Wissen ruhend, dass es nichts gibt, worüber du dir Sorgen machen müsstest. Du selbst bringst jetzt Nährstoffe zu deinen Zellen. Visualisiere dich als Blutkörperchen, das mit jedem Herzschlag durch die Adern strömt. Vom Herzen zu den Lungen, wo du gierig Sauerstoffmoleküle aufnimmst, um sie auf deiner Reise durch dich selbst zu verteilen.
Wenn dein Herzschlag dir zu schnell vorkommt, oder wenn du diese zelluläre Tiefe nicht ganz erreichst, mach dir keine Sorgen. Tritt einen Schritt zurück. Kehr nach außen zurück. Lass deine Gedanken von den Stimmen, dem Auto, dem Wind abprallen. Dann komm wieder zurück. Versuch es noch einmal. Geh tiefer. Suche jeden Muskel, der sich noch festhalten könnte. Atme noch einmal tief ein. Werde langsamer. Atme aus — und spüre, wie der Sauerstoff jeden Teil von dir erreicht. Konzentriere dich auf nur eine Stelle in deinem Körper – auf deinen Bauch zum Beispiel, deinen Magen, oder dein Herz. Visualisiere dein Blut, wie es jede Zelle versorgt.
Bleib hier, so lange du kannst. Vielleicht schläfst du ein. Das ist gut. Das ist die regenerierendste Form der Meditation.