Es ist Sonntag. Elfter Sonntag im Jahreskreis laut katholischer Kalender, einviertel Stunde zu Messbeginn. Die Orgelmaus hat sich in einer Ecke in der Sakristei verkrochen und beobachtet das Treiben, während sie die Zeit für ihr Einsatz abwartet.
Die Lektorin des Tages kommt herein und fragt den Priest, welche Lesung sie lesen soll. Es hat ja heutzutage niemand mehr die Zeit, sowohl einen alttestamentarischen Text zu hören als auch einen aus den Episteln, also lesen wir nur eins davon pro Messe. Der Priester antwortet: die erste Lesung, Exodus 19,2-6A. Die Lektorin ruft erleichtert: Gott sei Dank!
Und die Orgelmaus zuckt auf. Die zweite Lesung ist nämlich eins ihre Lieblingspassagen; Röm 5,6-11. Wie könnte jemand nur dankbar sein, diesen tröstlichen Text nicht lesen zu dürfen?
Christus ist, als wir noch schwach waren, für die zu dieser Zeit noch Gottlosen gestorben. Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem Zorn gerettet werden. Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Gottes Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben. Mehr noch, ebenso rühmen wir uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn, durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.
Nee, ich weiß schon, warum. Es gibt in der Gemeinde mehr als genug Leute, die nicht an ihren eigenen Status als vergebenen Sündern glauben, oder wenigstens nichts davon hören wollen. Mein Eindruck ist, sie denken, sie seien ganz ordentliche Leute. Sünde sei für sie kein Problem. Alles bestens.
Ich weiß, dass ich für Gott nichts tauge, aber ich weiß auch, dass er mich trotzdem liebt. Ich bin durch seine Gnade gerettet. Deswegen höre ich so gern von dieser Gnade. Deswegen macht es mir nichts aus, hören zu müssen, dass ich eine Sünderin bin. Tja, ich weiß. Es ist nicht zu leugnen. Ich bin nicht gut genug. Nie gut genug gewesen. Aber das macht nichts, weil Gott mich liebt und mich aus Liebe und Gnade zu sein Kind erhoben hat. Und deswegen ist es auch keine so große Sache, wenn ich schon wieder was Falsches mache. Ich weiß, dass er mich vergibt. Ich weiß, dass er mich hilft, besser zu werden. Ich kann nochmal versuchen. Nochmal scheitern. Trotzdem nochmal weitergehen.
Gott liebt mich, so schwach ich auch bin, und er stärkt mich.
















