Ein drittes Mal in Folge bin ich wieder da ,,LiEbEs TagEbUCh“
Es ist gleich 2 Uhr.
Die Uhr tickt nicht laut.
Aber sie klingt wie ein Urteil.
Hallo Zukunft.
Falls es dich gibt.
Falls ich es bis zu dir schaffe.
Ich sitze wieder im Wald.
Er ist nicht aus Bäumen.
Er ist aus Gedanken.
Aus allem, was ich nie laut gesagt habe.
Der Boden ist weich von all den Nächten, in denen ich hier schon gesessen habe.
Ich kenne diesen Ort.
Ich hasse diesen Ort.
Und trotzdem finde ich immer wieder hierher zurĂĽck.
Alle sagen, ich sei stark.
GroĂź. Ruhig. Belastbar.
Sie sehen die Schultern.
Nicht das Zittern darunter.
Hinter dem groĂźen Jungen sitzt ein Kind.
BarfuĂź.
Mit aufgeschürften Knien vom ständigen Hoffen.
Dieses Kind hat gelernt, leise zu weinen.
Weil lautes Weinen Fragen bringt.
Und Fragen bringen Nähe.
Und Nähe bringt Verlust.
Ich wachse nicht.
Ich werde nur besser darin, meine Risse im richtigen Licht unsichtbar zu machen.
Man sagt, Schmerz formt Charakter.
Aber meiner formt nur Narben, die keiner sieht.
Ich habe mein Herz so oft verschlossen,
dass ich manchmal selbst nicht mehr weiĂź,
wo der SchlĂĽssel liegt.
Und trotzdem jedes Mal, wenn jemand freundlich genug lächelt,
wenn jemand lange genug bleibt, und mir bestimmte GefĂĽhle gibt wie gesehen zu werden oder verstanden zuwerden
reiĂźe ich ein StĂĽck Mauer ein.
Nur ein kleines StĂĽck.
Genug, um Luft hereinzulassen.
Genug, um Hoffnung hereinzulassen.
Hoffnung ist grausam.
Sie flĂĽstert:
„Diesmal wirst du gesehen.“
Und ich glaube es.
Jedes.
Verdammte.
Mal.
FĂĽr einen Moment fĂĽhlt es sich an,
als wäre ich genug.
Nicht zu sensibel.
Nicht zu intensiv.
Nicht zu kompliziert.
Einfach genug.
Und dann kippt es.
Nicht plötzlich.
Langsam.
Wie Licht, das sich zurĂĽckzieht.
Wie Schritte, die seltener werden.
Wie Worte, die kälter klingen.
Und ich sitze wieder im Wald.
Vielleicht bin ich nicht zu viel.
Vielleicht bin ich nur am falschen Ort zu echt.
Dieser Satz verfolgt mich.
Ich habe Angst vor GlĂĽck.
Weil es bei mir immer nur zu Besuch ist.
Nie zum Bleiben.
Ich habe Angst davor,
dass jemand das Kind in mir sieht
und entscheidet,
dass es anstrengend ist.
Also baue ich die Mauern höher.
Und jedes Mal, wenn ich sie selbst wieder einreiĂźe,
hasse ich mich dafĂĽr.
Warum lernst du nicht?
Warum glaubst du noch?
Warum hoffst du noch?
Weil Hoffnung das Letzte ist, was stirbt.
Und vielleicht auch das, was mich eines Tages tötet.
Mit fast 25 sitze ich hier
und fĂĽhle mich gleichzeitig wie acht
und wie achtzig.
Zu jung fĂĽr diese MĂĽdigkeit.
Zu mĂĽde fĂĽr diese Jugend.
Ich bin nicht lebensmĂĽde.
Ich bin kampfmĂĽde.
Das ist ein Unterschied.
Aber nachts fĂĽhlt er sich groĂź genug an.
aber Morgen werde ich aufstehen.
Zähne putzen.
Arbeiten.
Lächeln.
Ich werde funktionieren.
Ich funktioniere hervorragend.
Maschinen beneiden mich.
Aber niemand fragt,
ob die Maschine sich wĂĽnscht,
ein Herz zu haben,
das nicht ständig bricht.
Falls du das liest, Zukunft bitte sag mir,
dass wir irgendwann aufgehört haben,
uns selbst als Fehler zu betrachten.
Sag mir,
dass wir gelernt haben,
das Kind im Wald an die Hand zu nehmen
statt es dort zurĂĽckzulassen.
Und falls nicht, dann soll wenigstens dieser Satz bleiben:
Ich war nie zu viel.
Ich war nur nie dort, wo mein Herz bleiben durfte.
Ich stelle mir jetzt den Wecker.
Mehr Hoffnung habe ich fĂĽr heute nicht.
Du bist toll auch wenn du’s nicht gelesen hast 🫵🏽🧸❤️‍🩹














