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Man sagt Abschiede sind fĂŒr Kinder jedes Mal wie ein kleiner Tod. Dann bin ich wohl ein Kind und die New Yorkerin in mir ist die, die sterben muss. Das Visum lĂ€uft mal wieder aus. Ich gehe jetzt zum dritten Mal. Die New Yorkerin Katharina verwaltet schon ihren Nachlass, denn sie weiĂ dass sie bald Abschied nehmen muss. Sie lĂ€uft durch Soho und freut sich wie ein Tourist ĂŒber die schönen hellen HĂ€user mit ihren Feuerleitern an der Fassade - das ist so New York. Sie geht in den Möbelladen und freut sich ĂŒber die schönen Dinge die man dort kaufen kann, aber dann merkt sie, dass sie davon nichts mehr fĂŒr ihr Apartment braucht. Wenn einem die Endlichkeit seiner Zeit bewusst wird weiĂ man alles auf einmal viel mehr zu schĂ€tzen. Wie schön und eindrucksvoll das Empire State Building heute in der untergehenden Sonne aussieht... Die New Yorkerin Katharina verschenkt ihre angesammelten Habseligkeiten, denn dort wo sie hingeht kann sie sie nicht mitnehmen. Seit den letzten Wochen wird sie immer ganz sentimental wenn sie auf dem Dach eines Wolkenkratzers steht - dieser Ausblick ist bald Vergangenheit. Sie fĂ€ngt an ihr Zimmer leer zu rĂ€umen. Sie sitzt zwischen ihren ganzen angehĂ€uften Dingen und statt es wegzuwerfen schaut sie sich die Erinnerungen noch einmal an: die Musik-Geburtstagskarte vom letzten Jahr in der der Vorname nicht richtig geschrieben ist, weil das fast kein Ammi schafft, ein Beleg fĂŒr den Leihwagen vom Strandwochenende. TschĂŒss New York du tolle Stadt, TschĂŒss ihr lieben Menschen, die New York so toll gemacht haben. Gut, dass davon schon einige wieder in Europa sind! Hallo Heimat, Hallo Berlin und Hallo alle lieben Menschen die in Deutschland sind. Aber man sieht sich ja immer zweimal im Leben und drei ist Oldenburger Recht und wenn sich eine TĂŒr schlieĂt öffnet sich eine neue (hoffentlich keine FalltĂŒr). Genug der Sprichwörter - auf Wiedersehen New York! Verlass dich drauf!
Letzten Freitag war unsere Fashion Show. Die letzten Tage vor der Show war ich ziemlich beunruhigt. Die Kollektion war zwar rechtzeitig fertig, aber dass unser Creative Director diese Saison nicht zur Show kommt hat mir Sorgen gemacht. Sonst hat er die Verantwortung fĂŒr Front of House bei der Show ĂŒbernommen. Hat die wichtigen Editoren begrĂŒĂt, Fragen beantwortet und den Ăberblick gehabt, wer da ist und dass der Ablauf stimmt. Das sollte ich nun alleine machen. Diese Saison haben wir mit einer PR Agentur zusammen gearbeitet, die haben mich beim Front of House unterstĂŒtzt. Leider hatte ich mehr das GefĂŒhl die PR Agentur steht mir im Weg, als dass sie mich unterstĂŒtzen. Das Abhaken der GĂ€ste auf der GĂ€steliste ist wahnsinnig wichtig. Man muss ja wissen wer da war und wer die Show verpasst hat. So kann man hinterher auswerten welche Zeitschrift man kontaktieren muss und wem man hinterher noch die Kollektion zeigen muss. Die PR Agentur ist erstmal mit 18 Leuten angerĂŒckt, davon 12 Praktikanten, denen man nicht erzĂ€hlt hat was Sache ist. Ich hab allen klar gemacht wie wichtig das Abhaken der GĂ€steliste ist, dass es nur 7 Exemplare gibt und dass ich alle nach der Show wieder haben muss. Das haben dann irgendwann auch alle verstanden. Kurz vor der Show kam die Chefin der PR Agentur und hat weitere Listen mitgebracht und die Leute anders eingeteilt und so Chaos verursacht. Ich hab auch ihr noch mal gesagt wie wichtig das Einchecken ist und dass ich die Listen brauche. Die Listen werde sie nach der Show mitnehmen und auswerten sagt die PR Chefin. Die Listen werde ich nach der Show mitnehmen sage ich. âIch nehme die Listen mit und schicke dir Kopienâ sagt sie. âNein, ich nehme die Listen mit und mache dir Kopien." sage ich. Sie bleibt standhaft: âIch verstehâ dich, wir sind beide Kontrollfreaks und wollen unseren Job machen, aber ich schick dir die Kopien direkt heute.â Ich bleibe auch hart: âWir kopieren die Listen hier in der Location und jeder nimmt sein Exemplar gleich heute mit.â Darauf können wir uns einigen. Los gehtâs: Die FahrstĂŒhle öffnen sich und die GĂ€ste drĂ€ngen sich am Check-inn. Die Models kommen raus und posen und laufen fĂŒr die Fotografen und Besucher.
Einer der wichtigen Editoren ist noch nicht aufgetaucht. Die PR Chefin hat aber seine Handynummer und kann ihn erreichen. Er schafft es nicht, schickt aber Ersatz - sehr gut! Ich laufe hin und her zwischen der Show und dem Eingang. Alles lĂ€uft super, ich spreche mit einigen Editoren und EinkĂ€ufern und sie loben die Kollektion. Ich freu mich riesig, besonders wenn ein Teil gut gefĂ€llt an dem ich gearbeitet habe. Applaus und schon ist es vorbei. Ich verabschiede mich von einigen GĂ€sten und bedanke mich, dass sie da waren. Dann eile ich zum Eingang um meine Listen einzusammeln. âWo ist die Chefin der PR Agentur?â Frage ich jemanden. âDie ist schon los.â âWo sind die GĂ€stelisten?â Frage ich. âDie hat sie mitgenommen.â Ich hĂ€tte wie ein texanischer Cowboy wild in die Luft schieĂen können- diese Frau!! - nimmt die einfach doch die Listen mit! Ans Telefon geht sie nicht, aber sie schickt mit einen Praktikanten mit den Listen. Sie hat sich die Listen kopiert. Es fehlen aber zwei als ich sie zurĂŒck bekomme - ich könnte sie wĂŒrgen! Da will man doch am liebsten alles selber machen⊠Naja vergessen wir die. Der Ersatz fĂŒr den wichtigen Editor hat eine gute Kritik geschrieben und auch sonst ist das Feedback super gewesen :) juhuu!!
Letzter Tag vor der Show. Hier und da noch mal einen Knopf angenĂ€ht, sonst ist die Kollektion fertig. Die letzten gesponserten Schuhe von Puma sind angekommen. Wir zeigen die Seidenkleider und andere Outfits diese Saison mit Running Sneakers. Elegant und sportlich, luxuriös und lĂ€ssig. Ăber 50 Paar Schuhe und laut Karton alle meine. Die Schuhe wurden in mehreren Einzellieferungen gebracht. Beim dritten Mal hat der Paketbote schon von weiterem gerufen, er bringe mir wieder Schuhe - wie in der Zalando Werbung, ich hab nur nicht ganz so laut gekreischt. Die BestĂ€tigungen einiger Editoren mussten noch eingeholt werden. Eigentlich ist das Aufgabe der PR FirmaâŠaber wenn man nicht alles selber macht! Kann ja nicht sein, dass niemand vom ELLE Magazin kommt. Das ist jetzt aber geklĂ€rt. Ich wurde heute gröĂtenteils in Ruhe gelassen. Die Anstrengung von gestern stand mir wohl noch ins Gesicht geschrieben. Bei Front of House hilft mir jetzt einer der anderen Designer, er ĂŒbernimmt die drei wichtigsten GĂ€ste, ich muss dann nur noch die restlichen 200 machen. AuĂerdem steht mir die PR Agentur bei. Die Chefin, ihre Assistentin und der PR Director werden eine groĂe Entlastung sein. Dass sie allerdings noch 10 weitere Leute mitbringen wollten passt mir nicht so in den Kram. Da wirdâs am Eingang ja viel zu voll. Bitte bloĂ kein Chaos! Ich bin aber schon viel beruhigter als gestern. Mein gröĂtes Problem ist derzeit nur noch ob ich wirklich das Lavendel-farbene Kleid anziehen soll und welche Schuhe dazu passen. Leider ist es jetzt nach Mitternacht, da kann man selbst in New York keine Schuhe mehr einkaufen. Oh oh nur noch ein paar Stunden, jetzt aber mal schnell ins Bett!
Noch 2 Tage bis zur Show Es war ein langer Tag. 14 Stunden Arbeit. Telefonanrufe um Leute an die Show erinnern. 1000 Emails Dann war abends das Finale Fitting, Styling und Briefing fĂŒr die Show. Unser Make Up Team aus Japan ist mit 20 Leuten und vielen Taschen angerĂŒckt. Fast 50 Leute im Studio die am besten gleichzeitig was von einem wollen, wĂ€hrend ich versuche die PR Agentur zu erreichen, weil noch so viele Punkte nicht klar sind. Ich hab unsere drei Praktikantinnen eingewiesen und sie dann dem Make Up Team als Test Make Up Modelle ĂŒbergeben: gratis professionelles Make Up, da haben sich alle gefreut. Dann sind noch mal fast alle Models fĂŒr die Show gekommen. FĂŒr einige konnten wir schon beim Casting das richtige Outfit finden, aber bei den meisten musste das noch entschieden werden. Dann werden alle in ihrem Outfit fotografiert um es am Tag der Show wieder genauso stylen zu können: mit Sonnenbrille, Tuch und hochgekrempelten Ărmeln. Die Outfits plus Fotos werden zusammen gehĂ€ngt - nĂ€chstes MĂ€dchen - Zack Zack. Man muss ein Auge dafĂŒr haben: die passt nicht in das Kleid, zu breite HĂŒfte, die zieht besser die Shorts an, Die ist zu klein fĂŒr den Mantel, aber die wĂŒrde gut in das kurze Kleid passen, diese hier wĂŒrde super in dem Badeanzug aussehen. Nach Feierabend am Fahrstuhl habe ich dann erfahren, dass ich Front-of-House ( die wichtigen Editoren erkennen und begrĂŒĂen und ĂŒber alles den Ăberblick behalten ) alleine mit den drei Praktikanten machen werde. Juhu, noch ein bisschen mehr Verantwortung, da kann ich aber gut schlafen. Dachte schon ich mĂŒsste mich langweilen... Freitag haben wir es ĂŒberstanden!

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3 Tage bis zur Show. Am Sonntag habe ich die eine NĂ€herin tatsĂ€chlich dazu bekommen uns 14 Kleider zu nĂ€hen. 14 Kleider in 12 Stunden sind ein guter Schnitt. Sie hĂ€tte natĂŒrlich auch eher damit anfangen können, aber jedenfalls habe ich jetzt alle zusammen. AuĂer, dass die NĂ€herin mich versehentlich mit dem BĂŒgeleisen am Arm verbrannt hat, als ich ĂŒbers BĂŒgelbrett gelangt habe, ist auch alles glatt gelaufen. Der Montag war eigentlich ein Feiertag, aber alle die an der Fashion Week arbeiten, arbeiten trotzdem. Ich habe aber erst mal ausgeschlafen, da ich das ganze Wochenende gearbeitet habe. Ich habe von Zuhause und vom CafĂ© bei mir um die Ecke gearbeitet. Noch um 21 Uhr habe ich mit einer von unserer PR Agentur getextet. Man ist immer unter Strom und allzeit bereit. Es gibt noch einiges zu organisieren und zu koordinieren. Ich bin schon sehr gespannt. Die Kollektion gefĂ€llt mir diese Saison besonders gut. Das Foto zeigt eines unserer Models beim Casting. Wir zeigen viele der Outfits mit Sneakers, die uns Puma sponsort. Das Model haben wir gleich gebucht. So ein sportliches MĂ€dchen passt natĂŒrlich perfekt. Freitag ist der groĂe Tag!
Sonntag 10 Uhr morgens: schon 3 Kaffees getrunken.
Wir haben eine Bestellung fĂŒr 14 Kleider bekommen. Wir haben die Uniformen der VIP Area eines Hotels entworfen und die haben nach der jĂ€hrlichen Renovierung am Mittwoch eine Wiedereröffnungsparty und brauchen mal wieder Kleider. Keine NĂ€herei wollte den Auftrag annehmen. "Spinnst du? Das ist doch die Woche in der die Fashion week beginnt!" Sagt der Fabrikchef. "Meine NĂ€herinnen machen schon genug Ăberstunden! Nicht mal wenn du das doppelte zahlst kann ich dir die Kleider produzieren!" "Kennst du zufĂ€llig eine NĂ€herei die das machen könnte?" Frage ich. "Wenn es jetzt eine NĂ€herei gibt, die noch Zeit hat, dann willst du da nichts nĂ€hen lassen. Haha!" "Ja, haha..." Das Hotel bedenkt solche Sachen natĂŒrlich nicht. "Oh da können wir nicht bestellen, da ist ja fashion week." Was man immer alles bedenken muss, zum Beispiel: nie in Polen nĂ€hen lassen zur Erdbeerernte Zeit! Da gehen die NĂ€herinnen nicht in die Fabrik sondern aufs Feld, da verdient man mehr. Oder zur letzten Fashion Week war das chinesische Neujahr 2 Tage vor Beginn der Fashion Week. Blöd, wenn bis auf eine NĂ€herin alle chinesischer Herkunft sind. Da machen alle erst mal frei. Schöner Stress also. Als wenn die bevorstehende Fashion Week nicht genug Arbeit macht.
Meine Zeichnung auf ESSENCE.com. New York Fashion Week Spring '15: Designer Inspiration http://photos.essence.com/galleries/new-york-fashion-week-spring-15-designer-inspiration#545446_545516
Mein Lieblingskleid der neuen Kollektion: Die Zeichnung ist von mir, der Schnitt von meiner Chefin und meine Kollegin hatâs genĂ€ht. Teamwork vom Feinsten.

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Die Termine bei VOGUE und WWD sind gut gelaufen. Meine Chefin, der andere Designer und meine Kollegin haben die Kleider vorbereitet die ich mitgenommen habe. Mit Kleidersack und Fotos auf dem iPad habe ich mich ins Taxi gesetzt und bin Uptown gefahren. Dort hat die eine von unserer PR Agentur schon auf mich gewartet. Wie sind gemeinsam hoch gefahren und haben dort auf die Market Editorin gewartet. Ich habe die Kleider auf einen StĂ€nder gehĂ€ngt ausgepackt und mir noch mal alles abgeschaut. WĂ€hrend wir warten kommt eine Ă€ltere Dame mit Rolator in den Raum "Ich habe hier eben Kleider gesehen, kann ich mir die mal ansehen?" "Gerne!" Sage ich und zeige ihr alles. Sie kennt unsere Marke und hat besonders Gefallen an dem Jumpsuit gefunden. Das freut mich sehr, denn ich habe den Schnitt gemacht und die Plazierung des Prints gewĂ€hlt. "Wer war denn die nette Lady?" Frage ich nachdem sie gegangen war - Achso, eine riesen Persönlichkeit im GeschĂ€ft, Senior Fashion Editor. Wir warten noch immer und eine ungefĂ€hr Gleichalterige setzt sich zu uns und trinkt ihrem Kaffee. Sie stellt sich als Emily vor und wir unterhalten uns. Als die Market Editorin kommt entschuldigt sie sich erst mal, dass sie uns hat warten lassen mĂŒssen. Dann nimmt sie sich aber Zeit und lĂ€sst sich alles ganz genau erklĂ€ren, stellt viele Fragen und sagt ganz oft wir gut ihr alles gefĂ€llt. AnschlieĂend fahren wir zur VOGUE. Ich wurde schon etwas vor der Editorin gewarnt, aber auch die war wirklich nett und interessiert an den Kleidern. Ich fahre wieder zurĂŒck ins Studio und dort habe ich schon eine Email von Emily mit dem Kaffee bekommen, die ist nĂ€mlich die Koordinatorin des Fotodepartments und sie wĂŒrde gern einen Fotografen schicken. Juhuu, das hat sich doch gelohnt! :)
In gut einer Woche ist Fashion Week, die To-Do Listen und Tage sind lang.
Am Donnerstag habe ich einen Termin bei der VOGUE und bei Womenâs Wear Daily (hier in den USA auf einer Stufe mit der VOGUE). Ich werd dort mit einer Vertreterin unserer PR-Agentur hingehen und ihnen einen Vorgeschmack auf die neue Kollektion geben. Die von der PR Agentur kennt die Kollektion kaum, daher wird mir wohl das Reden ĂŒberlassen. Eine groĂe Sorge ist noch mein Outfit: Als ich das letzte Mal dort war, waren in der VOGUE Redaktion alle so unglaublich durchgestylet, da fĂŒhl ich mich in flachen Sandalen irgendwie fehl am Platz. Dank meines Ubahntreppensturzes bin ich nĂ€mlich noch nicht wieder auf High Heels unterwegs gewesen.
Wir mĂŒssen noch ein paar Teile fertig machen: Knöpfe annĂ€hen, SĂ€ume versĂ€ubernâŠ
Heute Abend war Modelcasting, da kamen ĂŒber 20 MĂ€dchen, davon werden wir in den nĂ€chsten Tagen noch ein paar haben. Beim Casting entscheiden wir, wer bei der Show dabei sein darf, wir machen Fotos, kurze Videos vom Laufen und mĂŒssen am besten schon entscheiden wer was bei der Show anzieht und ob es richtig sitzt, oder ob wir noch was Ă€ndern mĂŒssen. Es kamen nicht alle gleichzeitig, aber nur eine Hand voll gestresster, manchmal mies gelaunter MĂ€dchen zu bĂ€ndigen bedarf viel Kraft. Gestern hatte ich mir schon 5 MĂ€dchen eingeladen, allerdings nicht mehr dran gedacht. Ich kam gerade aus der NĂ€herei zurĂŒck, da standen 5 Models in der TĂŒr, wĂ€hrend ich eigentlich wichtige Emails schreiben musste und dann kam noch die Assistentin einer Stylistin um Kleider der vorherigen Kollektion fĂŒr ein Fotoshooting abzuholen. Die Kleider hatte ich noch nicht rausgesucht und verpackt. Da weiĂ man manchmal gar nicht wo einem der Kopf steht. Nur Ruhe und den Ăberblick bewahren, tief durchatmen und los!
Die Schlagen der Supemarktkassen nach Feierabed reichen manchmal bis zur Obsttheke am Eingang. Wenn man allerdings wie heute erst nach ĂŒber 11 Stunden Feierabend macht, kommt man ganz schnell zur Kasse, da sind die mit den 9 to 5 Jobs nĂ€mlich schon Zuhause. Die Woche war sehr krĂ€ftezehrend. Ich bin inzwischen wieder auf PlateauabsĂ€tzen unterwegs, wenn auch noch sehr langsam. Die Kollektion ist auf einem guten Weg, die Einladungen zur Show sind fast alle verschickt, das Make Up Team aus Japan freut sich schon auf die Show - sehr beruhigend. Beunruhigend sind die unvorhergesehenen Vorkommnisse. Ich bin selbst jemand, der zu privaten Verabredungen notorisch zu spĂ€t kommt, aber wenn ich sage ich komme, dann komme ich auch! Wenn ich eins nicht leiden kann dann ist es UnzuverlĂ€ssigkeit. Da ist zum Beispiel die eine NĂ€herei, die die Kleider nicht nĂ€ht oder andere Firmen, die ihre Zusagen nicht einhalten oder erst nach wochenlanger VerspĂ€tung. Bei geschĂ€ftlichen Dingen erwarte ich da etwas mehr Genauigkeit, da bin ich wohl klischee-deutsch. Heute war die Stylistin da, die Modelfirmen haben mir Fotos ihrer MĂ€dchen geschickt, ich arbeite mit der PR Firma und ich habe mit noch ein weiteres Kleid fĂŒr die Show ĂŒberlegt - an was man alles denken muss! Ohje ich habe den Fotografen noch nicht gebucht! Schnell mal eine e-Mail schreiben!
Einmal nicht aufgepasst und da ist es passiert: an der letzten Stufe gestolpert und mit dem FuĂ umgeknickt: einmal komplett nach hinten geknickt - hat auch ein GerĂ€usch gemacht, bei dem einen noch beim Gedanken daran ein Schauer durchfĂ€hrt. Meine EinkaufstĂŒten und ich wurden von Passanten wieder aufgesammelt und ich bin bin der Bahn nach Hause gefahren. Auf High Heels ist mir das noch nicht passiert, aber da hat man einmal in 3 Wochen Turnschuhe an und dann sowas. Das kann nur daran gelegen haben, dass Montag war. Montage hab ich sowie ungefĂ€hr so lieb wie Mathe oder Grippe. Abends: FĂŒĂe hoch und Eisbeutel drauf. Morgens: Knöchel immer noch doppelt so dick wie normal. Ich hatte ehrlich gesagt ein ungutes GefĂŒhl ins Krankenhaus zu gehen beim Gedanken an die Kosten. Als ich einmal mit Zahnschmerzen beim Arzt war hĂ€tte mich der Preis mehr zum Weinen gebracht als die Zahnschmerzen. Da wird einem nĂ€mlich zuerst das KreditkartenlesegerĂ€t vor die Nase gehalten bevor was gegen die Schmerzen gemacht wird: fĂŒr 1.250$ gibtâs die Wurzelbehandlung fĂŒr nur 450$ können wir ihnen eine provisorische FĂŒllung machen. Ich habe zwar eine Krankenversicherung aber die zahlen es erst irgendwann zurĂŒck. Ich bin dann aber sicherheitshalber doch mal ins Krankenhaus gehinkt. Dort hat dann niemanden interessiert ob oder wo ich versichert bin. Geld wollten sie auch noch nicht von mir, die Rechnung wird mir noch zugeschickt und es hat nur 130$ gekostet inklusive toller silberner KrĂŒcken. Das System ist hier doch gar nicht so schlecht wie sein Ruf. Erstmal kommt die Versorgung dann die Rechnung. Die waren auch alle nett im Krankenhaus auĂer, dass sie mich wie einen Idioten behandelt haben. Sie haben an meinem FuĂ getastet und rumgezerrt, ich hab vor Schreck fast den Arzt getreten und die Diagnose stand fest: nicht gebrochen, nur verstaucht. Ich frage: âGut, dass nichts gebrochen ist, aber ich habe so ein merkwĂŒrdiges GerĂ€usch beim Umknicken gehört, kann es sein, dass was mit den BĂ€ndern ist?â Der Arzt sagt: âSollen wir ein X-Ray machen?â Ich schaue skeptisch: âwas machen? Ich weiĂ nicht was X-Ray heiĂt?â Die Arzthelferin und der Arzt gehen raus und kommen wieder rein mit einer Erleuchtung in ihren Gesichtern: âRööönt-geen!â âAchso x-Ray heiĂt Röntgen!â Sage ich. Ich werde einem Röntgen-Arzt ĂŒbergeben, mit den Worten: sie spricht kein Englisch. Ich sage: âDoch ich spreche Englisch, mir war nur ein spezifisches Wort nicht bekannt.â Der Röntgen-Arzt sagt ganz langsam: âBone - no - broken!â Mit anderen Wort: âKnochen nicht gebrochenâ in Idioten-english. Ich sage: Ja danke, das wurde mir schon mitgeteilt, aber ich wollte prĂŒfen lassen, ob ich eventuell einen BĂ€nderriss habe.â Er wiederholt: âBone no broken!â Ich gebâs auf und lasse mich weiter wie der Sprache nicht mĂ€chtig behandeln bis ich gehen darf. Mit KrĂŒcken und Verband schaffe ich es noch rechtzeitig zum Treffen ins Standard Hotel zur Besprechung fĂŒr unsere Show dort und fĂŒr ein Treffen mit der US-Korrespondentin der Textilwirtschaft. Das Highlight des heutigen Tages: ich habe schwarzes Verbandszeug in der Apotheke bekommen! Endlich passt der Verband zum Outfit. Die nĂ€chsten Tage bleibe ich dann aber doch Zuhause und lege den FuĂ hoch, Arbeit am Laptop gibt es genug. Hoffe, dass das schnell vorbei ist, bald ist fashion week!
Noch 3 Wochen bis zur Show. Da lĂ€d man Models zum Casting ein oder da fĂ€hrt man schon mal mit der NĂ€hmaschine im Taxi. Freitag Abend hat meine Chefin den SchlĂŒssel im Studio gelassen und ich bin noch etwas lĂ€nger geblieben. Ich habe ein Kleid entworfen, den Schnitt gemacht und den Stoff ausgewĂ€hlt. Ich wollte unbedingt sehen wie es aussieht und es fertig nĂ€hen. Es war acht Uhr abends und meine Geduld war am Ende, also habe ich beschlossen morgen weiter zu machen. Leider hat der Wein am Freitag Abend in der Bar so gut geschmeckt, dass ich erst am Samstag Nachmittag wieder Lust zum NĂ€hen hatte. Unser Studio befindet sich im siebten Stock in Chelsea. Wenn keiner da ist hab ich das ganze Stockwerk fĂŒr mich. Platz ist Luxus, erst Recht in Manhattan. Ein Bekannter von mir ist in eine Wohnung am Times Square gezogen. Man kommt rein, steht direkt in der KĂŒche und hat 2 mini Zimmer und wenig Tageslicht. Es ist ein super Angebot: nur 2.000$ im Monat. Ich esse ja auch keine Eier aus Legebatterien, da will ich auch nicht in einer wohnen. Das Kleid ist dann am Samstag fertiggeworden und ich konnte zufrieden nach Hause gehen. Wir haben noch Bier getrunken auf meinem Rooftop und am Sonntag bin ich an den Strand gefahren (man braucht nur 55 min mit der Ubahn). Ich musste mein freies Wochenende nutzen, der Stress der Fashion week wird mir nicht mehr so viel Zeit dafĂŒr lassen.

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Sunday at Rockaway beach
Was man im Vorbeilaufen alles sieht...verrĂŒcktes New York.