Da Linda und Abhi bereits auf der Isla de Ometepe waren folgte ich ihnen einen Tag spÀter, erst mit dem Bus und dann eine Stunde mit der FÀhre.
"Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen, weiten Meer", wie es die meisten von Jim Knopf kennen, trifft auf Ometepe ziemlich gut, nur ist es nicht das schöne blaue Meer sondern der Cocibolca-See, im Osten des Landes, kurz vor der Grenze zu Costa Rica. In diesem See schwimmt die Ometepe-Insel auf der zwei Vulkane thronen, sodass die Insel fast ein bisschen 8-förmig aussieht. Gefunden wurde die Insel von den Nicaraos, einem den Azteken abstammenden Volk das sich von Mexiko aus auf die Reise machte, um eine Prophezeihung zu erfĂŒllen - einen Ort sollten sie finden, an dem zwei feuerspuckende Berge komplett von Wasser umgeben sind. Als sie diesen im Cocibolca-See fanden nannten sie ihn Ometepetl, was in der Nahuatl-Sprache "zwei Berge" bedeutet.
Als ich dort ankam fuhr ich mit dem Bus bis zur anderen InselhÀlfte, wo Linda und Abhi bereits auf mich warteten. Im Bus unterhielt ich mich mit einem jungen Mann, der beim Radio auf Ometepe arbeitet. Er erzÀhlte mir, wie gerne er hier lebt, da es einfach keine Gefahr gÀbe und man sich hier sicher bewegen kann.
Mit Linda und Abhi wiedervereint gingen wir gleich im See baden, der durch die unterirdische Lava der beiden Vulkane an manchen stellen ziemlich warm ist, wĂ€rmer als unser Duschwasser zumindest. Abends gingen wir Fisch essen in einem nahen Restaurant, gegrillter Fisch mit Reis und "Salsa de la Ometepe": Eine Art Tomatensauce mit GemĂŒse und einigen GewĂŒrzen, wohl eine SpezialitĂ€t des Kochs, da ich dieses Gericht auf keiner anderen Karte fand - leider, denn es war wirklich super lecker.
Am nĂ€chsten Tag frĂŒhstĂŒckten wir zusammen mit einem Dutzend kleiner WeiĂgesichtaffen die ein bisschen auf dem Dach der KĂŒche spielten, auĂer Acht gelassene Bananen vertilgten und auf dem Wellblechdach einen irren LĂ€rm machten.
SpĂ€ter mieteten wir uns Roller und fuhren los, die Insel zu erkunden. Wie bereits erwĂ€hnt erinnert die Form der Insel an eine Acht, und einmal komplett auĂenrum geht eine StraĂe, sodass man die komplette Insel einmal abfahren kann. Da wir erst gegen Mittag loskamen schafften wir es leider nur, den kleineren Teil der InselhĂ€lfte zu erkunden, aber es lohnte sich trotzdem: Die Natur ist wunderschön und ĂŒberall fĂ€hrt man am Wasser entlang, man kommt immer wieder durch kleine Siedlungen und an Restaurants vorbei. Irgendwo im Nirgendwo kamen wir an einem kleinen HĂ€uschen vorbei, und im Vorbeifahren dachte ich noch: Den kenne ich doch? Wir drehten um und trafen auf Jan und Valentin, die bei einem Insulaner-Ehepaar im Garten beim Mangosessen saĂen. Wir gesellten uns dazu, tranken Saft und bekamen auch jeder eine Mango geschenkt. Das werde ich in Deutschland bitter vermissen: Sonnenwarmes Obst, das man direkt essen kann und das immer sĂŒĂ und reif schmeckt. SpĂ€ter machten wir nochmal eine Badepause, an Badestellen kamen wir ja genug vorbei.
Bevor wir abends die Roller zurĂŒckbrachten gingen wir noch Snacks kaufen fĂŒr die Wanderung am nĂ€chsten Tag; Auf der Insel stehen diese beiden Vulkane, und beide kann man bewandern. Bisher weigerte ich mich kategorisch, mich Lindas und Abhis Wanderungen anzuschlieĂen, doch Linda fing schon Tage im Voraus damit an mich zu bearbeiten und so sagte ich ihr zu, eine einzige Wanderung auf den kleineren der beiden Vulkane, den Volcano Maderas, mitzumachen.
So starteten wir um sechs Uhr morgens, liefen zehn Minuten zum Vulkan und dann ging es rauf. Abhi sprintete schon voraus, aber Linda blieb konstant hinter mir, ihr Versprechen haltend mich nicht zu stressen. Und tatsĂ€chlich war es wirklich ganz schön. Die Natur auf diesem Vulkan ist so wunderschön, ĂŒberall ist man von Vögeln und deren GesĂ€ngen umgeben, man ist ĂŒberall von BĂ€umen ĂŒberschattet sodass das Wanderklima sehr angenehm ist und wenn der Wald zwischendrin mal ein bisschen aufbricht kann man schon erste Ausblicke ĂŒber die komplette Insel und den See erhaschen.
Oben gibt es einen Vulkansee, in dem man wĂ€hrend der Trockenzeit nicht baden kann weil er zu klein ist, in der Regenzeit aber auch nicht weil dann die Luft so feucht ist, dass man nicht mehr trocknen wĂŒrde. So blieben wir oben, endlich an der Spitze, als Linda und ich ankamen wartete Abhi bereits zwei Stunden auf uns. Wir pausierten ausgiebig in der Sonne, machten uns Avocadobrote, verschlangen die aufgeschnittene Wassermelone und dachten fĂŒr einen Moment einfach nicht daran, dass wir die ganze Strecke wieder zurĂŒcklaufen mĂŒssen.
Auf dem RĂŒckweg wollten Linda und Abhi eine andere Strecke gehen, die natĂŒrlich nicht soo ersichtlich war und auf der ich fast verloren ging, weil die beiden schneller waren als ich und ich einfach den Weg verpeilte. Irgendwann waren Linda und ich dann auf uns gestellt, weil Abhi wieder nach vorn preschte, aber war auch okay. Wir genossen in aller Ruhe den Marsch ĂŒber die Kaffeeplantagen und die Aussicht ĂŒber die komplette Insel.
Im Hostel angekommen waren wir dann fix und fertig, die T-Shirts ein einziger SchweiĂ-Saugschwamm und die Knie schmerzend vom Abstieg. Aber ich war sehr zufrieden, es war wirklich schön. Nur getrĂŒbt durch die Aussicht, dass es unser letzter gemeinsamer Abend als Gruppe ist. Linda ĂŒberredete Abhi dazu ihr zu zeigen, wie man Curry kocht, und so kĂŒmmerten sie sich um unser Abendessen. SpĂ€ter tranken wir alle zusammen noch Kakaotee und gingen dann ins Bett, alle totmĂŒde.
Der nÀchste Morgen bedeutete dann: Trennung. Weh tat es, aber irgendwas sagte mir, dass ich die beiden auf jeden Fall wiedersehe.
Mittags machte ich mich auf dem Weg zu Valentin, von dem ich wusste, dass er auch immer noch auf der Insel war und der auch noch ein bisschen mehr der Insel erkunden wollte. So liefen wir los, vorbei an einem Markt, wo ich den leckersten Brownie aller Zeiten kaufte. Irgendwann kam der Bus und wir fuhren nach Altagracia, der gröĂten und belebtesten Stadt der Insel. Richtig viel mehr als an den anderen Ărtchen gibt es auch nicht, nur ist alles nĂ€her beieinander. Mehr Restaurants und SupermĂ€rkte gibt es und einen Park, aber das war es schon. Wir gingen dort baden und sahen den Menschen dabei zu, wie sie ihren Waschtag im See durchstanden.
Auf dem RĂŒckweg abends versuchten wir, per Anhalter wieder zurĂŒckzukommen, da jeder davon berichtet wie einfach das auf der Insel wĂ€re. Aber es wollte uns wirklich keiner mitnehmen, nicht mal die vorbeikommenden Busse hielten. Irgendwann kamen wir an einer Kreuzung an, warteten auf den angeblich letzten Bus der niemals eintraf und liefen dann weiter. Nach einiger Zeit, es war schon dunkel, hielt endlich eine amerikanische auch-Touristin an und nahm uns auf ihrem gemieteten Quad mit, unsere Rettung.
Am nĂ€chsten Tag machte ich mich auf den Weg, alleine noch ein bisschen die Insel zu sehen. Ich wollte zum Ojo de Agua, "Auge des Wassers" ĂŒbersetzt, einer Art Freibad, das einer natĂŒrlichen Wasserquelle entspringt. Und diesmal wollte ich es wirklich wissen, ich versuchte es nochmal per Anhalter - und siehe da, ein Pick-Up mit zwei Herrschaften, die zum Hafen mussten, nahm mich bis zum Eingang des Parkes mit. So sparte ich mir den Bus +ich hatte eine nette Konversation mit den beiden.
Das Ojo de Agua selber gefielt mir tatsĂ€chlich gar nicht soo gut, wahrscheinlich weil es einfach nicht meinen Erwartungen entsprach: Am Eingang warten schon zig ĂŒbermotivierte Parkmitarbeiter, es war von Besuchern geradezu ĂŒberlaufen, ĂŒberall standen teure Essens- und GetrĂ€nkestĂ€nde herum und das Becken war zwar schön, aber auch kleiner als ich dachte. Aber es war gut um sich abzukĂŒhlen, das Wasser war sau kalt. Und von der Insel sah ich auch was.
Auf dem RĂŒckweg versuchte ich es nochmal per Anhalter und wurde von zwei MĂ€nnern in ihrem Seifenlaster mitgenommen; die beiden liefern die Seifen- und Reinigungsprodukte an all die SupermĂ€rkte und Kioske auf der Insel.
Mein letzter Tag wurde mehr oder weniger spontan mein letzter Tag: Mal wieder plagte mich eine Planungskrise, da ich mchr auf der einen Seite so wohl fĂŒhlte auf der Insel mit den freundlichen Menschen und der durch und durch entspannten AtmosphĂ€re, noch dazu ĂŒberall von Wasser umgeben zu sein, auf der anderen Seite gibt es aber auch nicht soo viel zu tun dort, dass es "Sinn" gemacht hĂ€tte, noch lĂ€nger zu bleiben. So klagte ich mein Leid zwei Jungs, die fĂŒr mehrere Tage ihre eigenen Roller hatten und am selben Tag die Insel verlassen wollten und die mich dann so lange belaberten damit, dass sie mich mit zum Hafen nehmen könnten, dass ich irgendwann in innerhalb von fĂŒnf Minuten meine Sachen gepackt hatte und wir aufbrachen - manchmal muss man wohl zu seinem nĂ€chsten Abenteuer ĂŒberredet werden.