Aloha: Hawaii β ein Paradies mit Abstrichen
Hallo, ihr Lieben.Β
Ich sitze gerade im WΓ€schesalon und wasche zwei Ladung DreckwΓ€sche. Was sich nach knapp zwei Wochen halt so ansammelt.
Gestern Abend sind wir wieder in der Stadt der Engel gelandet. Im GepΓ€ck viele spannende EindrΓΌcke nach elf Tagen im Paradies. Hawaii ist der Hammer, so viel vorweg. Aber der Reihe nach.
Ende Januar kamen meine Schwester und ihr Freund nach Los Angeles, um mich zu besuchen. Sie hatten knapp vier Tage in der Stadt der Engel und diese haben wir fleiΓig ausgenutzt. Es ging nach Santa Monica und Venice, nach Hollywood, inklusive Nachleben und auch Downtown Los Angeles haben wir einen Besuch abgestattet.
Dann hieΓ es auch fΓΌr mich Koffer packen und meiner geliebten zweiten Heimat den RΓΌcken zu kehren. Am Montag frΓΌh ging unser Flieger auf die Insel Kauai. Da das Flugzeug nur spΓ€rlich besetzt war, konnten wir uns im wahrsten Wortsinn gut ausbreiten. Der Flug war allerdings ziemlich turbulent. Zwischendurch musste sogar das Bordpersonal den Service einstellen und sich anschnallen. Ich denke, das sagt alles. Nach knapp fΓΌnfeinhalb Stunden landeten wir in Lihue. Der Flughafen war in weitesten Teilen komplett offen gehalten. So ist das auf einer Insel, auf der auch im Winter sommerliche Temperaturen herrschen. In deren Genuss sollten wir wΓ€hrend unseres gesamten Aufenthalts kommen β jeden Tag Bikini-Wetter. Auch der fast tΓ€gliche Regen hat da nur wenig daran geΓ€ndert. Aber dazu spΓ€ter mehr.
Wir holten unseren Mietwagen ab und fuhren Richtung Northshore. Die Fahrt dorthin war bereits traumhaft. Malerische KΓΌsten auf der einen, saftig grΓΌne HΓΌgel auf der anderen Seite. Schnell legten wir auch den ersten Stopp ein, um uns in kurze Kleidung zu werfen und die mΓΌden Glieder von der Sonne bescheinen zu lassen. Kauai hat mir insgesamt wahnsinnig gut gefallen. Kleine, pittoreske Ortschaften mit Boutiquen, CafΓ©s und Restaurants, wilde, unberΓΌhrte Natur, tolle StrΓ€nde.. Da passte einfach alles. Wir haben mehrere Wale gesehen, was fΓΌr mich immer ein Highlight ist, da von diesen Tieren eine wahnsinnige Faszination ausgeht. Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir der Besuch der Wailua Falls. Eigentlich kann man diesen Wasserfall nur von der StraΓe aus von oben bestaunen, was leider lediglich einen eingeschrΓ€nkten Blick auf den selbigen ermΓΆglicht. Allerdings gibt es die nicht ganz offizielle MΓΆglichkeit, den HΓΌgel hinabzuklettern direkt zu dem Wasserbecken, das sich unter dem Wasserfall gebildet hat. Das GelΓ€nde ist zwar eingezΓ€unt, allerdings haben andere Naturbegeisterte den eher beschwerlichen Abstieg mit Seilen und Kletterhilfen ausgestattet und somit kamen wir zwar mit verschlammten Schuhen, aber wohlbehalten unten an. Viola und ich sind dann kurzerhand in unseren Bikini geschlΓΌpft und haben ein Bad genommen. Ein Traum! Sehr gut hat mir auch die Wanderung zum Sleeping Giant gefallen. Obwohl ich nicht mit optimalem Schuhwerk ausgestattet war und noch dazu unter HΓΆhenangst leide, haben mich die zwei mit nach oben geschleppt und es hat sich gelohnt. Die Aussicht war gigantisch schΓΆn. Wie der Name ja indirekt vermuten lΓ€sst. Was leider ins Wasser gefallen ist - Β und hier kommen wir zu den EinschrΓ€nkungen des Paradieses - war die Besichtigung des βGrand Canyonsβ von Kauai. Die Bilder des ReisefΓΌhrers versprachen nicht wenig und so begaben wir uns voller Vorfreude auf den Weg ΓΌber die Serpentinen in Richtung Aussichtspunkt. Leider hatte es den gesamten Vormittag geregnet und obwohl der Regen gegen Mittag nachgelassen hat, hielt sich der Nebel hartnΓ€ckig. Vom Aussichtspunkt aus schauten wir also auf eine weiΓe Wand aus Dunst, wo sich eigentlich atemberaubende Felsen und WasserfΓ€lle befinden sollten. Eine EnttΓ€uschung. Aber das Wetter macht nun einmal, was es will. Regen hatten wir wie gesagt tatsΓ€chlich relativ viel. Die Sache mit dem Canyon war allerdings mit das einzige Mal, dass wir davon tatsΓ€chlich eingeschrΓ€nkt waren. Normalerweise hielt er sich nie sonderlich lange und das Wetter klarte sich relativ schnell auch wieder auf. Pearl Harbor auf Oahu konnten wir uns allerdings auch nur eingeschrΓ€nkt anschauen. Das Boot, das uns zum Monument bringen sollte, wurde wetterbedingt gecancelt (wobei man dazu sagen muss, dass hier die Vorsicht der Amerikaner allem Anschein nach zu frΓΌh gewaltet hat. Das Boot wurde bereits vormittags gecancelt. Als wir nachmittags vor Ort ankamen, war es zwar bewΓΆlkt, vom befΓΌrchteten Gewitter aber weit und breit nichts zu sehen. Schade, aber kann man nichts machen).
Eine weitere EinschrΓ€nkung des Paradieses sind die Kosten. Hawaii ist teuer und zwar in jeder Hinsicht. Egal, ob es um UnterkΓΌnfte, um Lebensmittel, um Kleidung oder was auch immer geht. Ich bin zwar Kummer gewΓΆhnt aufgrund meiner Erfahrungen in LA (zum Beispiel, was horrende Mietpreise anbelangt), aber Hawaii hat das nochmal getoppt. Was ich allerdings dazu sagen muss ist, dass uns das von vornherein bewusst war. Somit kam es zu keinem bitteren Erwachen, sondern eher zu einer halbbitteren BestΓ€tigung der Erwartungen. Davon unberΓΌhrt bleiben jedoch die Gelassenheit und Lebensfreude der Einheimischen. Ich weiΓ nicht, ob es am Klima, der tollen Landschaft, dem Hula oder was auch immer liegt. Aber die Hawaiianer sind ziemlich entspannt. Γberall wird man mit einem βAlohaβ begrΓΌΓt und freundlich empfangen. Amerikanische Gastfreundschaft deluxe quasi.
Doch weiter im Text. Nach fΓΌnf Tagen Kauai hieΓ es Abschied nehmen von dieser malerischen Insel. Unser zweiter Stopp sollte nach Oahu gehen. Der Insel mit der Hauptstadt Honolulu und dem berΓΌhmt berΓΌchtigten Waikiki Beach. Zwischen den Inseln bewegt man sich mit dem Flugzeug. Es gab wohl auch mal eine FΓ€hre, die aber eingestellt worden ist. Der Flug nach Honolulu war sehr abenteuerlich. Zum einen, weil wir insgesamt nur 23 Flugreisende waren (ich habe gezΓ€hlt) und das Flugzeug somit nur zu etwa einem Achtel besetzt war (das habe ich tatsΓ€chlich noch nie erlebt zuvor) und zum anderen, da ein Γ€lterer Mitreisender seine SchlieΓmuskeln nicht unter Kontrolle hatte. Ich mΓΆchte das Erlebte nicht weiter ausfΓΌhren an dieser Stelle, es sei nur soviel gesagt: die Ekelgrenze von allen Passagieren und der Crew wurde mehr als ausgereizt und ich bezweifle, dass dieses Flugzeug an diesem Tag noch irgendwo hin geflogen ist. Da war erst einmal eine ausgiebige Grundreinigung notwendig. Es ist wohl nicht nΓΆtig, weiter ins Detail zu gehen, richtig?
In Honolulu erwischte mich dann ein Kulturschock. Nach dem beschaulichen und ΓΌbersichtlichen Kauai kamen wir in einer GroΓstadt mit Wolkenkratzern und Autobahn an. Die Stadt selbst hat mich ehrlich gesagt nicht wirklich ΓΌberzeugt. Wir haben eine ausfΓΌhrliche Tour durch Chinatown gemacht. Es gab, wie in LA auch, ziemliche viele Obdachlose. SchΓΆn war allerdings der Blick vom Aloha Tour, der ein 360 Grad Aussichtsplattform ΓΌber die Stadt bietet. Dann haben wir wie bereits geschrieben Pearl Harbor angeschaut. Der gezeigte Film war sehr lehrreich und hat uns einen tiefen Einblick in die amerikanische MilitΓ€rgeschichte geboten. NatΓΌrlich sind solche Denk- oder Mahnmale immer mit einem gewissen βGeschmΓ€ckleβ verbunden. Sie stimmen nachdenklich und betroffen. Aber es ist wichtig, dass man sich immer wieder vor Augen fΓΌhrt, mit wie viel Leid und persΓΆnlichen TragΓΆdien Kriegszeiten verbunden sind.
Nachdem wir uns die ersten beiden Tage stΓ€rker im SΓΌden Oahus aufgehalten haben, ging es anschlieΓend an die NordkΓΌste. Und da war sie wieder: Die atemberaubende Landschaft, die unberΓΌhrte Natur, da war er wieder, der Wow-Effekt. Wir fanden nahezu verlassene StrΓ€nde vor, an denen Schaukeln in die BΓ€ume gehΓ€ngt wurden. Wir sahen einer MΓΆnchsrobbe beim Schlafen zu (MΓΆnchsrobben sind vom Aussterben bedroht. Es gibt freiwillige Helfer, die, sobald sich eine MΓΆnchsrobbe am Strand zum Ausruhen niederlΓ€sst, das Gebiet absperren und den Schlaf der Tiere bewachen). Wir stiegen einen Berg entlang einer alten Bahnstrecke (Koko Head Trail) hoch, insgesamt ΓΌber 1000 Stufen, die im oberen Drittel fast senkrecht angebracht waren und somit mehr einer Leiter Γ€hnelten. Der Ausblick von oben war alle Anstrengung wert. Unfuckingfassbar, um es mal weniger geziert auszusprechen.
Die letzte Nacht haben wir in Waikiki verbracht. Ich sage es einmal so: Das muss man mal gesehen haben: Ein Wolkenkratzer-Hotel reiht sich an das andere. Die StraΓen sind gesΓ€umt von Boutiquen sΓ€mtlicher Edelmarken. Hier ist man komplett auf Touristen eingestellt. Nachdem wir wΓ€hrend unseres Urlaubs kaum auf ΓΌberfΓΌllte StrΓ€nde oder Wanderwege gestoΓen sind, war das ein ganz anderes Gesicht von Hawaii. Ja, ein Gesicht, das sicherlich in gewisser Weise auch seinen Reiz hat. Wenn sich die eigenen Hawaii-Erfahrungen allerdings auf diese Massenabfertigung reduzieren, dann hat man in meinen Augen verdammt viel verpasst. Das Aloha-Feeling, die Wow-Effekte, die Vielfalt der Landschaft. Aber zum GlΓΌck sind GeschmΓ€cker diesbezΓΌglich ja auch unterschiedlich.
Ich habe versucht, die SchΓΆnheit der Inseln auf Fotos festgehalten, es ist mir aber bei Weitem nicht gelungen. Deshalb mein Fazit: Hawaii ist eine Reise wert. Nehmt den langen Flug auf euch und schaut es euch mit eigenen Augen an. Wir hatten hohe Erwartungen. Wer hat diese nicht, wenn von Hawaii die Rede ist? Und ich fΓΌr meinen Teil kann nur sagen, dass diese Erwartungen nicht enttΓ€uscht wurden. Ich wΓΌrde sogar so weit gehen und behaupten, dass sie noch ΓΌbertroffen wurden. Hawaii ist und bleibt ein Paradies β ein Paradies mit Abstrichen (siehe Wetter und siehe Preise). Aber die Vorteile ΓΌberwiegen bei weitem und machen das Reiseziel so unvergesslich und einzigartig.
Gestern Nachmittag ging dann der Flieger zurΓΌck nach Los Angeles. Der Landeanflug auf meine Wahlheimat bei Nacht bereitet mir immer wieder Herzklopfen. Ich liebe diese Stadt. Anders kann ich es nicht sagen. Und nun sitze ich also hier, komme wieder in der RealitΓ€t des Alltags an und warte darauf, dass mein WΓ€scheberg im Trockner trocknet. Es war schΓΆn und hoffentlich nicht das letzte Mal, dass ich Hawaii einen Besuch abstatte. Das nΓ€chste Mal wΓΌrde ich mir gerne Maui und Big Island anschauen. Man braucht ja Ziele im Leben. Und etwas, worauf man hinarbeiten und in diesem Fall -sparen kann. In diesem Sinne βMahaloβ an Viola und Mathias fΓΌr die schΓΆne Zeit und auf bald.
Β Viele GrΓΌΓe aus der Stadt der Engel.

















