Inspiration: Thomas D - Kurz zu mir
Ey yoa, Prost! Also gut, nun zu mir:
Geboren 1992 in Aalen, direkt doppelte StaatsbĂŒrgerschaft und ein arschkalter Winter. Eltern brutal glĂŒcklich, doch ich erinnere mich eh nicht dran.
Meine erste Erinnerung ist bei meiner Nonna in Röthenberg. War wahrscheinlich FrĂŒhling, bissle kĂ€lter, aber Sonnenschein und im Garten vom Block wird die Wanne mit Wasser geflutet und wir alle Kinder vom Block mussten rein und wurden mit BĂŒrste und Seife gebĂŒrstet. Die Dusche im Röthenberger Block. War ganz lustig, aber auch verdammt kalt.
Weiter gehtâs mit den Erinnerungen aus dem Kindergarten, bei Frau Szautner. Ich erinnere mich daran, dass ich viel geweint hatte, und die Szene, als es Tomaten zu essen gab, ich sie nicht wollte und mir die Erzieherin noch die Reste der Tomaten von einem anderen Kind mir in den Teller schippte und mich zwang, dies aufzuessen.
Und an die Momente, als ich nach dem Kindergarten mit Oma zu meinem Cousin wollte, ich aber nie durfte. Dann der Auszug meines Cousins mit Tante und Onkel nach Mexiko. Und dann kam schon mein Umzug nach Fachsenfeld.
Die erste Erinnerung: Matthias klingelt bei mir versehentlich, ich frage ihn direkt, ob wir Freunde werden sollten. Dann Benny, dann Andre. Yep, meine Clique stand fest.
Fachsenfeld, ein weirder Ort. Der Kirchturm war die Uhr meines Lebens. Bevor ich sie lesen konnte, zĂ€hlte ich die GlockenschlĂ€ge und wusste die Uhrzeit. Am Friedhof fĂŒllten wir unsere Wasserpistolen auf. Fachsenfeld war das erste Mal irgendwie ankommen.
Kindergarten alleine hin und heimgelaufen. Bisschen TrÀnen hier, viel Freude dort. Irgendwie alles cool.
Dann der Auszug von meinem Vater, dann die Scheidung, ich bin 4 Jahre alt. Ich weià noch, wie meine Mutter mir im Bad erklÀrte, dass mein Vater bald weggeht. Und an dem Abend, als er dann wirklich ging, waren da Verwirrung, TrÀnen und Machtlosigkeit. Ich weine zwar, aber es stört mich nicht wirklich.
Einschulung, Matthiasâ Umzug, neue Freunde, doch die Hauptclique bleibt. Doch Karim und Waldemar waren meine zweite Clique. Bissle hart verprĂŒgelt, bissle gemobbt, ein bisschen Hilflosigkeit. Aber PokĂ©mon am Gameboy und abhĂ€ngen am Spielplatz und mit dem Fahrrad das Dorf unsicher machen. 4. Klasse beendet, neue Schule startet.
Geil Realschule, mit dem Bus oder Fahrrad zur Schule. 6. Klasse, mein erster Alkohol und direkt mit 5 FĂŒnfern sitzen geblieben. Einfach kein Bock, saufen ist geiler. Mutti arbeitet bis spĂ€t abends, ich bin den ganzen Tag eh alleine daheim.
Vater, schon lange nicht mehr wirklich was gehört. Karim und Waldemar waren irgendwelche Kinder auf einer anderen Schule.
Ich bin 12 Jahre alt. Es klingelt, Cemil steht vor der TĂŒr, noch nie mit ihm was wirklich zu tun gehabt. Er erzĂ€hlt mir, dass Waldemar gestorben ist und weint vor meiner HaustĂŒre.
Ich so jaja, laber keinen ScheiĂ.
Ich fahre zu Waldemars Wohnung und höre nur, wie seine kleine Schwester seinen Namen ruft und realisiere: Yep, das war wahr. Waldemar ist tot.
Beerdigung und so, wirklich mal bewusst geweint, krass. Ich hatte Fieber und war der Erste, der eine Rose ins Grab geschmissen hat. Bissle mit seiner Schwester rumgehangen, Ablenkung oder SchuldgefĂŒhle. Freundeskreis wird komischer, Skateboard am Start. Lange Haare, Baggyhosen und MilitĂ€rparka war mein Stil.
An irgendeinem Freitag wieder Karim getroffen. Direkt wieder beste Freunde. Skateboard und Boxen. Neue Clique entsteht. Schule lÀuft so nebenbei.
Ich bin 14: Alkohol ist fester Bestandteil jeder freien Tage. SchlÀgereien und Polizei. Sozialstunden im Altersheim wie alle anderen.
Mein Vater sucht wieder Kontakt und ich naiv genug, suche seine Aufmerksamkeit. Hier der Streit mit meiner Mutter, die mich dann rausschmiss mit der Aussage: Ich habe keinen Sohn und ich dann durch den Schnee zu meinem Vater lief. Der Weg war so ein ganz schmaler Dorfweg. WĂŒtend und keine Ahnung. Dann öffnete seine 19-jĂ€hrige Freundin mir die TĂŒre und ich fragte, ob ich einziehen kann. Alter 19, WTF?! Und beim ersten Einkauf fragt er mich einfach: Was isst du eigentlich so? Und da war mir irgendwie bewusst: Wir sind zwar Fleisch und Blut, aber irgendwie Fremde.
Mehr Alkohol, diesmal mit Vokuhila, mehr SchlÀgereien. Dann wurde ich aus der Schule geschmissen. Und irgendwie ne kleine Einsicht: Ein bisschen sollte ich was Àndern.
Ellwangen Berufsschule Fachrichtung Labortechnik. Plötzlich regelmĂ€Ăiger in der Schule, und ab und an tatsĂ€chlich zugehört und mitgemacht und das erste Mal endlich was verstanden. Gute Noten. Jetzt bin ich 16.
Mein erster Nebenjob, Boxkarriere beendet. Schade eigentlich, ich war verdammt gut. Mehrere Titel gehabt. Aber Geld und Schule und Alkohol waren meine PrioritÀten.
Irgendwann kommt ein Brief von der Polizei nach Hause, vorgeladen. Ich sitze im Wohnzimmer und denke erst, ich sei nur Zeuge. Und als ich dann rĂ€uberische Erpressung lese, ĂŒberlege ich mir sogar: Vielleicht war ich mal hart betrunken, ohne Erinnerung daran und hab mit jemandem zu krassen Scherz gemacht, ohne es so gemeint zu haben.
Der Bulle so rumgetrickst, damit er die Geschichte nicht erzÀhlen muss, weil er will, dass ich die Geschichte erzÀhlen sollte.
Er so: Du hast zwei Leute rÀuberisch erpresst und einen von denen gefÀhrlich körperverletzt.
Ich so: Das war ich wirklich nicht.
Mein Vater so zum Bullen: Klar, kann ich mir das bei ihm vorstellen.
Und ich denk mir so: Ich drehe endlich meiner Vergangenheit den RĂŒcken zu und sage die Wahrheit und das Schlimme ist nicht, dass du mir nicht glaubst, sondern dass du nicht zu mir hĂ€ltst.
Gericht. 9 Stunden Prozess, mit Schulklasse und Zeitung, obwohl ich 16 war, nur weil einer der Angeklagten ĂŒber 18 war. Ich hatte eigentlich einen leeren Saal erwartet und plötzlich ist alles voll.
Staatsanwaltschaft sagt: 8 Monate Jugendarrest in Göppingen.
Gott sei Dank trotzdem Freispruch.
Danach direkt ne Kiste Bier gekauft und alle möglichen Lieder mit dem Wort Freiheit in Endlosschleife abgespielt.
Ich beim Saufen mit dem Sohn vom BĂŒrgermeister irgendwo. Ich frage nach Anastasia, weil ich schon lange nichts mehr von ihr gehört hatte. Der letzte Kontakt war, als sie mir sagte, sie muss zum Entzug. Und er so: Du weiĂt es nicht? Ăberdosis. Keine Ahnung, was mit ihrem Kind ist. Und ich so: Krass, ich mochte sie wirklich.
Yea. Abschluss ist da mit 2,4 mittlere Reife. Ich will Ausbildung und auch bereit wegzuziehen. Doch hab keine Stelle und plötzlich ist man arbeitslos. Andre und ich zur selben Zeit und plötzlich ist Alkohol tÀglich da. Aber 2 Monate spÀter: Job bei Edeka bei meinem Vater als Kommissionierer.
18. Geburtstag, Hausparty. Reinster Absturz, die 2 Tage ging. Alkohol gabâs genug. Und danach kam ich mit ihr zusammen. Ich voll glĂŒcklich, auch wenn sie an meinem 18. Geburtstag mit einem anderen rumgemacht hatte. Auto kaufen, keinen FĂŒhrerschein haben, doch das Ă€ndert nichts. Wenig Schlaf und viel emotionaler Stress, auf Arbeit eher weniger. Irgendwann off/on Beziehung und viele TrĂ€nen und ganz komische Telefonate.
Mal rief ich sie nach der Disko mitten in der Nacht stockbesoffen an. Sehnte mich nach ihrer Stimme, doch es wandelt sich direkt in Geschrei und TrÀnen um und irgendwie wollte ich als Sieger dastehen. Also, ich war definitiv auch ultra toxisch.
Meine gröĂte Angst wurde wahr: Obwohl wir nebeneinander standen, rief ich dir aus der Ferne zu.
Und dann irgendein Silvester: Wir alle da und sie flirtet den ganzen Tag mit so nem Fuzzi rum, ich Wut, Verzweiflung und Hass. Ich spreche mit ihm: Bro, bitte tu es mir nicht an, ich hatte heute die Hoffnung, dass wir uns wiederfinden. Klar ging sie mit ihm heim und klar hat sie mir alle Details erzÀhlt, weil wir uns beide stÀndig verletzen wollten.
Ausbildung bei Edeka angefangen, direkt abgebrochen und dann als Staplerfahrer jobben und danach PTA. Ich aber zerrissen vor Liebe und irgendwie depressiv, also auch abgebrochen. Ich habe mittlerweile meinen FĂŒhrerschein, mein 3. Auto und dann kurze Abstinenz in Trauer.
Die Abstinenz mit Zocken in Casinos gewechselt. Irgendwie noch trauriger und verzweifelter und kein Geld, weil Automaten mir alles nehmen. Um es ertrĂ€glicher zu machen, tĂ€glicher Konsum von Alkohol. Ich ein junger Mann ohne Rast und irgendwie gebrochen. Aber ey, Ausbildungsstelle in Stuttgart als BaustoffprĂŒfer. Umzug.
Umzug, bam bam bam. Die Umzugshelfer gehen und ich bin plötzlich allein. Ich schreibe jede mögliche Person an, bei denen ich weiĂ, dass die um die Ecke wohnen, aber keiner hatte Zeit oder Lust. Und da wurde mir klar: Das wird einsam hier.
Spielsucht abgewendet, aber non stop broke, weil mein Lohn gerade mal die Miete deckt. Meine ersten Jobs als Ghostwriter, meine ersten politischen Reden fĂŒr AfD-Politiker geschrieben und auf dem Wasen gefĂ€lschte Coupons verkauft. Ich war pleite, einsam, kaputt und hab fragwĂŒrdige Dinge getan.
Neue Beziehung, neue Liebe. Mein erster Kontakt mit Studenten. Endlich eine reife Beziehung und intellektuell auf dem selben Niveau. Pendeln zwischen Stuttgart und Aalen.
Und sie sagte mal zu mir: Dein Leben passt eigentlich gar nicht zu deinem Kopf.
Kontakt mit Mutti ist wieder besser, viel besser. Neu geheiratet und hĂ€nge öfter dort rum. Ausbildung abgeschlossen. 1,5, danach Fachabi. Letâs go. Ich will studieren.
Der neue Mann meiner Mutter stirbt und ich wieder verantwortlich fĂŒr alles drum herum. Papierkram, sortieren, schreiben, Beerdigung organisieren, dazu seine ganzen versteckten und sinnlosen Kredite. Matheklassenarbeit war ne 5, wen wundert es?
Durchziehen, machen, leben und trinken. Fachabi 2,3 auf der Suche nach nem dualen Studium. Krieg ne Stelle in Aalen. Ich fange an und werde so hart gefickt, sodass ich nach 4 Wochen kĂŒndige.
Ich zur nĂ€chsten Zeitarbeit. Suche n Job bis zum nĂ€chsten Semester. VorstellungsgesprĂ€ch in einer groĂen Firma, Absage, weil langfristige Suche. HR sagt zu meinem Meister: Nimm den, eventuell als Ferienarbeiter einwandfrei.
Und ich arbeite plötzlich in der HÀrterei. Beziehung beendet.
Plötzlich ĂŒber 2000 ⏠netto. Und ich so: Krass, das wollte ich nach meinem Studium verdienen. Studium verworfen, Festvertrag erhalten. Und hier sind wir fast auf dem aktuellen Stand, ich bin zwischen 26-27.
Alkohol ist wahrscheinlich nun Alkoholismus, aber tatsĂ€chlich glĂŒcklich. Corona kommt. HR-Chef bietet mir nen Aufhebungsvertrag an und droht mir mit Schmiede. Paar Monate spĂ€ter: Interne Stellenausschreibung fĂŒr Schmiede, ich bewerbe mich. Ich hoffe: Hammer schlĂ€gt, meine Knie zittern und sag, kann ich nicht.
Doch: Der Hammer schlÀgt und ich so: Yep, das mache ich.
Es sah einfach so verdammt cool aus. Und ich wollte meinem HR-Chef den Mittelfinger aufdrĂŒcken. Du wolltest mir drohen? Warte ab, ich werde 1. Schmied.
Von niemand respektiert, mittlerweile verheiratet, n Haus gekauft. Ich arbeite hart.
Irgendwann Fuchs so: Bei dir hatte ich absolute Zweifel. Jetzt nicht mehr.
Ich werde nach 4 Jahren Vorarbeiter. Und nun nebenbei mein Studium begonnen.















