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In verborgenen EfeugeÀst finde ich
Die wellenumgehenden MĂ€rtyrer
Sich der Erde entziehend,
Mit pulverisierten Mitteln,
In steintoten Quadratkomplexen statisch vereinfacht,
Ferngeleitete Kameradschaft zum Mittelpunkt
Transkontinentaler Breitengradbeschau.
Und monetÀrer Bestimmung, bemessen sie
Weltvergessene Eroberer, ihre verkrĂŒppelte ArmlĂ€ngenreichweite.
Mit lautleeren Wortkarikaturen beschmeiĂen
UmstÀndliche sich, die abgefrÀsten GrabmÀhler
Der Vorangelebten zu verdichten und jÀten
versickerten Traumbildern hinterher. Am Königsweg
verfluchen sie diabolisch den anderen Vater, der kĂŒmmerlos
Das Gleiche Schlachtbeil in seinem Sohn versteckte.
In einer schreienden Umarmung lehnen sie
RĂŒcken an RĂŒcken, einen geglĂ€tteten Wasserspiegel
Vor den verheiĂenden Trommeln der Untergrundmusik zu erretten.
Die Erde ausgestoĂen verinnerlicht jonglieren,
Ungeliebt einst, kleine Herren ihre Verlorenheit zu verlieren
In dem Schatten des Efeus, dem Himmelreich entgegen.
der krumme zeh von wortuka
Ein kahlköpfiger Mann geht gemĂ€chlich, er scheint Zeit zu haben. Sein ausgewaschenes weiĂes Shirt umspannt den gewaltigen Bauch, seine Arme stehen ein wenig wie die Seiten eines Hebelkorkenziehers vom massivem Körper ab. Die Hose hĂ€ngt und knarzt lieblos vom Schritt Richtung Kopfstein und sein Schluffen wird begleitet von vielsagenden Blicken zurechtgestutzter Parkbesucher. In der linken Hand hĂ€lt der Mann einen CD-Player, dem Modell nach aus den frĂŒhen Nullerjahren. Er steuert, obschon seiner LĂ€ssigkeit, zielstrebig eine Holzbank des pittoresken Platzes an, dessen RĂ€nder die Allee bemisst, die Birkenbaumallee, deren Blattkraut sich durstig dem Boden neigt. Die ihm gegenĂŒberstehende Bank ist besetzt, zwei MĂ€nner ruhen dort samt groĂem Hund, sie sprechen viel und gestikulieren wild und beschwören den Inhalt des GesprĂ€chs mit derben Handbewegungen hinauf. Kinder stĂŒrmen an ihnen vorbei, im Spiel begriffen, JĂ€ger und Gejagte, mal voller Furcht vor dem Gefangen werden, mal siegessicher dem Stolz des Entwichenden. Der Mann neigt sein GesÀà langsam und schwerfĂ€llig der Holzbank entgegen und rupft dabei seine Hose hoch. Noch in dieser Bewegung grĂŒĂt er seine GegenĂŒber altbekannt, bevor er seufzend auf der Bank ankommt. Er streckt seinen Arm zum Boden. If you got bad news you wanna kick them blues. When your day is done and you wanna run. Cocaine.âWillst du jetzt tanzen?â, fragt einer der MĂ€nner ihn. Das Lied krĂ€uselt aus den Boxen des CD-Player. âWenn du ne Tussi wĂ€rst, dann vielleichtâ, sagt der andere. Sie lachen. Der Besitzer des CD-Players holt eine 1l Flasche Wasser auf seiner Sporttasche, stellt eine SchĂŒssel auf und befĂŒllt sie damit. Der trĂ€ge, alte Hund kommt langsam auf ihn zu geschlichen und sĂ€uft den Inhalt aus. âIch mag michâ, sagt der Mann in die abendliche Herbstluft. âJa, doch. Ich mag mich.â Sein Gesicht hĂ€ngt runter wie das vom alten Hund. Sein Bart ist dick wie Schaumstoff. Das spontane und offenkundige betonen selbst gerichteter Zuneigung lĂ€sst die anderen vermuten, dass er sich eben nicht gĂ€nzlich mag, dass er Fragmente seines selbst nicht mag, dass er sie ablehnt und zugleich nicht ablehnen kan. Sie nicken. Eine Frau kommt den Weg, der durch die Mitte Platzes fĂŒhrt, entlang gelaufen. Ihre Waden sind fadrig und bleich, ihre Haare strĂ€hnig und wie Spinnweben, so dĂŒnn. Ohne ihre Erhabenheit hĂ€tte sie zerbrechlich ausgesehen. Sie grĂŒĂt den Hund der MĂ€nner, einer steht auf und heiĂt sie wie eine alte Freundin willkommen, streicht ihr behutsam ĂŒber den RĂŒcken und lĂ€chelt durch seinen vollen, weiĂen Oberlippenbart hindurch, die gelben StummelzĂ€hne hocken ihm im Mund und sprechen dabei. Dann wendet er sich dem Hund zu, klopft sich auf die Brust, der Hund springt an ihm hoch und er fĂ€ngt mit ihm zu tanzen an.
Im Jungbusch spielen Kinder bolzen. Der FuĂballplatz erhebt sich ĂŒber Autobahnen.
An spinnbeinigen Konstruktionen ist das Netz zur sicheren Abschirmung des Raufverhaltens gespannt.
Sonnenblumenkerne haben sich am Boden hinterlassen, ihre Besitzer zu lokalisieren.
Das zÀhe Ehepaar sitzt auf einer Bank und raucht und lacht.
Vorsichtige Laufversuche der ErstjĂ€hrigen ĂŒber die grĂŒne Wiese mit körpergroĂen BĂ€llen vor ihren BĂ€uchen.
Petersilienbaumkronen spenden Schatten in der Lichtung der Arbeitergemeinschaft.
Werbeprospekte liegen wegen Unbrauchbarkeit zerrissen zwischen Holzbankbeinen.
Der Preis ist heiĂ.
Sonntag wird ausgeruht. Ein paar Cent der VorschĂŒler reichten aus fĂŒr Kratzeis.
Ihre MĂŒnder sind blau und breit. Heute keine Klausur. DafĂŒr geht man kicken.

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new hersfeld
bad hersfeld ist erloschen. kaum bewegungen am bahngleis, andĂ€chtige vornachtstimmung. die klare luft ist auffĂ€llig, der rauch der zigaretten flieĂt darein wie tinte in wasser. selbst fĂŒr spuk ist es hier zu leise. das straĂenlaternenlicht scheint solide. nur die digitale zeitangabe dieser bahnhofs-vergegenwĂ€rtigungs-rechtecke erinnert an schnelllebigkeit. es ist still bis eine autotĂŒr klatscht. ein letzter reisender dreht seinen kopf sehnsĂŒchtig zurĂŒck. dann ein anpfiff. zuggeschwindigkeit bald: 220 stundenkilometer. vielleicht auch wieder internet.Â
der maĂstab hat ausgang er verbannt die zuschauenden an die satellitenbilder
ich spule zurĂŒck in die abendvorstellung und bleibe hĂ€ngen:
ein ausstaffierter raum mit bodenloser fensterwand etikettiert den hÀuserhorizont der stadt
die gestiefelten kerzenstÀnder pflegen ihren nahsassen schimmernde schatten in die sowieso schon ausgeleuchteten gesichter
ein ober hĂ€lt seinen bart zurĂŒck wĂ€hrend der koch hinter den flĂŒgeltĂŒren die lippen schĂŒrzt vor dem essen des gehilfen
einschneidende stoffservietten stauben nach dem verzehr den staub von der wange
ein eiserner blick ist heute abend mehr wert als ein jahrhunderte alter dom perignon
und ĂŒber die tapeten der zuschauerschlafzimmer
brechen satellitenbilderschwalben betont sanftmĂŒtig in die bettdecken der schlafenden einÂ
Ich dĂŒmpel galant zwischen euch. Vom silbrigblauen Sportbecken aus wird die Luft am Sprungturm dĂŒnn.
Mutter liegt ausgestreckt auf den Fliesen. Ihr Bauch ist ein Weltraumhelm. Das Plastikbesteck blitzt heller als ihr Zahn.
Ich lege mich rĂŒcklings ins flache Wasser, guck die Universumsfiguren der Kinder an bevor sie auseinander zueinander stĂŒlpen.
Am Rosenteich erbricht Tina ihre niedlichen MagerquarkbÀllchen. Ich schlucke davon.
Susanne rast mit dem Paddel vorbei an mir. Die hat aber auch immer âne Energie, diese Susanne.
Der Badeguard erhellt die Liegewiese mit seinem muskulösem Erscheinungsbild und knarzt die Regeln aus dem Megafon.
âNicht vom Beckenrand!â
Ein gekonnter Sprung sitzt aber eigentlich immer aufrecht und hĂŒbsch im Lorbeerbeet.

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Menschen voll Gegebenheiten lehnen am GlastĂŒrenkabinett mit Verzerrungseffekt. FormblĂ€tter voll von Möglichkeiten in einem Horizont mit Restriktionen bedeckt.
Linoleumboden im Alltagswarteraum gleich dem der Armeleuteschlafzimmer. Damals in der Mitte der StÀdte ein Traum heut mehr die Armen mit RÀumen nimmer.
Das Arbeitszentrum weist den Peripheren ihre PlĂ€tze auĂerhalb in Quadraten zu wohnen. Betonstufen hochlaufen ohne sich zu beschweren Wohnraum â sagen die in der Mitte â soll lohnen.
Hinter Linien und Gucklöchern warten Vermittler deren Pausen sich von ganz alleine aufessen. Kurz vor ihren MĂŒndern enden die Gitter nur welch Abstand wird von ihnen bemessen?
Ordnung ist nicht das Halbe sondern ein Leben weiter inzwischen zu finden. Dort aufrecht verborgen von Mauern wo Kinder selten nach unten entschwinden.
Unsere Schlafkammer wird teils von Fremden gebaut teils vom Staate und teils von haarlosen Redakteuren. Man fĂŒhlt sich selbst wie man kann in seiner Haut und ist der Kontrolleur aus Angst vor Kontrolleuren.
Berlin
Im letzten Jahr war ich auf der Eröffnung eines Sextoystore. Dort gĂ€be es eine Virtual-Reality-Pleasure Box, ich wollte dahin, um mich darĂŒber zu informieren. Unter einer Virtual-Reality-Pleasure Box konnte ich mir als VR-ErstklĂ€sslerin wenig vorstellen, nur der Name und der Sexstore gaben den leisen Hauch einer Idee: irgendwas mit glattrasierten Menschenkörpern in verruchten, virtuellen SpaĂzonen vielleicht.
Zwischen einer Jet-Tankstelle, einem Burger-King und einem McFit hingen um ein massives StahlcontainergebĂ€ude herum bunte Luftballons. Das neue Gadgetparadies fĂŒr Mittvierziger mit ausreichend ausgelebten Kuschelrockfantasien entstand in der Berliner Peripherie. Beim Eintreten landete ich in einer Daunenjackenwand aus Fotografen, es war Winter zu der Zeit. Die Fotografen riefen âMicaela, Micaela. Hier, hierhin guckenâ Ich schaute direkt auf die Szene, aus Blick der eifrigen Paparazzi. Das berĂŒhmte Pornomodel hielt ihren sehr groĂen, sehr schlanken und sehr nackten Körper in die blitzenden, lautstark klickenden Kameras und prĂ€sentierte gleichsam euphorisch wie lethargisch ein neues Dildomodell. Das kann man einfach auf dem Tisch liegen lassen wenn Oma kommt, sagte sie und spielte damit wie mit einem PĂŒrierstab herum, das sieht so hĂŒbsch und unschuldig aus.Â
Ich lief schnell weiter. Im hinteren Raum umgab mich instant eine wohlig muckelige AtmosphĂ€re. Es lief tatsĂ€chlich etwas in Kuschelrockmanier, wahrscheinlich war es Robbie Williams. Man hatte optimal vorgeheizt, den Boden mit rotem Teppich ausgelegt und halbnackte Frauen verwöhnten die Anwesenden mit schĂ€umendem Sekt. Das Publikum war eher einfach als exzentrisch und schluffte in Paaren rĂŒcksichtsvoll durch die mit auĂergewöhnlichen Artikeln zugekleisterten Regale.
âSchon krass, wa?â Der Betreiber der Virtual-Reality Pleasure Box erklĂ€rte mir frenetisch was es damit auf sich habe. âDas macht das Erlebnis so echt wie sonst nix gerade auf dem Markt. Das ist wie richtiges Leben. Nur besser: Hier kannste die TĂŒr zu machen und abschalten. Und Sex haben, den du willst. Ich find sowas sollte man selbst in der Firma anbieten, so als MittagspausenspaĂvertreib. Das ist genial.â Die Virtual-Reality-Pleasure Box als Tischtennisplatte von morgen, das war er also, der Fortschritt von Heute.
Die VR-Pleasure Box ist ein rechteckiger, hoher Kasten, den man verschlieĂen kann, eine Art Kabine. Wie damals im Schwimmbad die Kabinen, nur dass man sich hier jetzt offiziell befummeln darf. Ein gemĂŒtlicher Sessel steht drin, das ist praktisch, fĂŒr Mittagspause und fĂŒr Porno, man kann sich zurĂŒck lehnen. Dann setzt man sich Kopfhörer und Virtual-Reality Brille auf. GegenĂŒber vom Sessel an der Wand ist ein Bildschirm, auf dem ist das MenĂŒ zu sehen. Man kann auswĂ€hlen, es ist fĂŒr jeden was dabei. Ob dir Sadomaso schmeckt oder Oma, die Industrie hat vorgesorgt. Durch Hingucken steuert man die Auswahl. Bleibt man zu lange auf einer Vorschau hĂ€ngen, wird der Film in der Brille abgespielt.
Und das ist heftig. Immersion. Ich werde verschluckt und lande in einem neuen Raum, einem Zimmer. Da bin ich handlungsunfĂ€hig, obwohl ich mir alles so real vorkommt. Mit dieser Divergenz muss ich erstmal umgehen. Das Video ist Point-of-View, das heiĂt, mein Körper ist der der Darstellerin oder: ich bin die Hauptfigur. Ich gucke an mir runter und sehe BrĂŒste, Bauch, Beine, ich liege auf einem Bett. Ich hab gute BrĂŒste, denk ich. Ich will sie automatisch anfassen aber ich fasse meinen Pulli an. NatĂŒrlich bewegt sich mein Arm im Film nicht mit. Es ist trotzdem ziemlich ĂŒberzeugend, ich denke immer noch ich bin in diesem anderen Raum. Dann kommt ein Typ ins Zimmer und auf mich zu. Muskulös und braun gebrannt, so ein Latino. Er zieht sich aus und spricht dabei mit mir, das ist gruselig, ich kann nicht antworten und will irgendwie auch nicht und fĂŒhle mich ausgeliefert. Ich schaue also an die Decke und auf den Nachtisch, bin neugierig, was es sonst noch so gibt im Raum. Ich schweife ab und denke, das ist jetzt echt cool: wo mein Blick hingeht, bestimmt tatsĂ€chlich was ich sehe. Dann drehe ich mich nach vorn und fahre verschreckt zusammen. Der Typ ist ein paar Zentimeter von meinem Gesicht, er will mir etwas ins Ohr flĂŒstern. Die Grenzen verschwimmen. Man taucht ein in die Abbildung von etwas Vergangenen, das auf einmal wieder beliebig in Erscheinung treten kann. Der Film geht weiter, mein Körper stöhnt und ich selbst denke mir, das ist wirklich zu intim fĂŒr mich.
FĂŒrth
Die HĂ€ndler des Wochenmarkts am Bahnhofsplatz breiten sorgfĂ€ltig ihre Ware aus, es wird mit Produkten aus der Region geworben, mit Landwurstwaren und freiheitlichen FrĂŒchten. Ich kaufe mir eine Semmel bei einer mittelalten VerkĂ€uferin mit grĂŒner SchĂŒrze, die mein Essen mit bemerkenswerter PrĂ€zision in die dafĂŒr vorgesehene TĂŒte manövriert. Dann gehe ich langsam, ich bin zu frĂŒh, auf ein Hochhaus etwa hundert Meter vom Bahnhof entfernt zu.
Im Inneren des GebĂ€udes ist es auffĂ€llig still. Rote GelĂ€nder, rot gestrichene Einlassungen um die Schaufenster herum, aufgezeichnete, rote Blumen. Rot, rot, rot und ein bisschen gelb. Die WĂ€nde sind asphaltgrau und sie plumpsen fast auf einen drauf, so sperrig und drĂŒckend ist das Foyer konstruiert. Eine speckige Palme ruht in einer Ecke, ich frage mich ob sie aus Plastik ist, weil sie ja keiner gieĂen kann, wo keiner ist. Das einzig vernehmbare GerĂ€usch ist das Surren und Klacken des veralteten Rolltreppengetriebe. Ich denke an Apokalypse, diese Stimmung mochte ich schon immer und setze mich auf die Stufen und höre nur das Klacken und Surren und denke ĂŒber meine Fragen nach.
Ich treffe Bernd Römer. Er wurde in Hessen geboren, in Hernborn, wo die LWK's den Westerwald herunterfahren. Nach seinem Abitur studiert er Feinwerktechnik in GieĂen. Er kĂŒmmert sich in den folgenden Jahren um die Hardware in Telefonen, entwickelt technische Ausweitungen fĂŒr marktfĂŒhrende Unternehmen und reist viel. In den achtziger Jahren heiratet er, bekommt zwei Kinder. Römer erinnert mich an ein Konglomerat aus gutmĂŒtigem, fĂŒrsorglichen Franz-Walter Steinmeier und nerdigem Bill Gates. Römer liebt Technik und Römer findet Porno gut. Deshalb produziert er Virtual-Reality Pornofilme, als einer der ersten in Deutschland.
In einer Ecke, durch architektonische Verwinkelungen unscheinbar, liegt in dem Hochhaus das Fotostudio Colors of Erotic. Ein kleiner Rundgang durchs Studio, dann setzen wir uns auf einen Barhocker an einem Tresen im Raum. Römers monströser Bauch steuert seinen Körper, er zieht ihn etwas nach vorne auf dem Hocker, mit respektvollem Abstand zu mir. Seine Augen ziehen sich verhalten ins Gesicht zurĂŒck, denn seine Wangen sind sehr mopsig. Die Lippen hĂ€lt er immer leicht geschĂŒrzt. Es ist wirklich ganz nett hier, in dem Studio, wieder so muckelig und plĂŒschig, wie bei der Sextoystoreeröffnung. Ich beiĂe in die Semmel rein und höre Römer zu.
Durch eine Sendung von Jean PĂŒtz wird er vor Jahren auf 3D-Technologien aufmerksam. Römer ist fasziniert: Wie kann man Wahrnehmung mithilfe von Technologie nachahmen, wie realitĂ€tsnah abbilden? Er besucht Fotografiekurse an der Volkshochschule, Akt taugt ihm besonders gut, er spezialisiert sich. Ein enger Freund ist Augenoptiker. Der Optiker wurde durch die Bilder des Raum-Bild-Verlags auf Stereoskopie aufmerksam. Da fotografiert man Objekte aus einem bestimmten Winkel heraus, so dass auf dem Bild ein rĂ€umlicher Eindruck entsteht, der physikalisch nicht vorhanden ist. Charles Wheatstone entwickelte 1838 das erste Stereoskop, ein heute antik wirkender Apparat, der erstmals binokulares Sehen ermöglicht.
Als die Technik so weit ist, beginnen Römer und sein Partner mit der Produktion von Virtual-Reality Pornofilmen. GrĂŒndung der eigenen Firma: CyberoticVR. Wortspiele sind beliebt in der Pornowelt, das weiĂ man. Aufstand in der Lederhose, Alfred Fistcok - Die Vögeln, Aus heiterem Pimmel oder Big Mama - Speckfalten in Wallung, um einige Beispiele zu nennen. Römer ist Regisseur, sein Partner Techniker. Die beiden sind penibel. Ihm und seinem Partner geht es vor allem um die Produktion hochwertiger 3D-Filme, die, durch Verwendung von Virtual-Reality Brillen, das Erlebnis so echt wie möglich erscheinen lassen sollen. Dadurch erhofft sich die Industrie eine Errettung aus der zunehmenden Bedeutungslosigkeit von Pornoproduzenten. Als Amateur ist die Herstellung von VR-Porn kaum möglich.
Die Hardware stellen fĂŒhrende Unternehmen wie Samsung und Google zur VerfĂŒgung. Oculus VR, ein weiterer Hardware-Entwickler, wurde 2014 von Facebook fĂŒr 400 Millionen Dollar in bar und 1,6 Milliarden Dollar in Aktien aufgekauft. Diese Unternehmen werden in den nĂ€chsten Jahren dafĂŒr sorgen, dass VR sich ausbreitet, die Technik kontinuierlich verbessern und Virtual-Reality Welten noch mehr Echtheit einhauchen.Â
Schritte im Vorhof der Stadt. Tropfen von der Dachrinne.
BÀnke im Garten und FensterbÀnke. Ein Kind weint. Es begehrt die Mutter.
An manch einem Fenster spielt Licht. Ein Glockenschlag folgt.
Es kann gut werden, ist einer zugedeckt:
Mit Buchstabenfolgen an KĂŒhlschrĂ€nken. Fröhlichen Betonungen an WĂ€nden wie Milch. Aufziehfiguren und angelehnten Klinken.
Man kann zwischen Menschen wohnen. In Glanzlauben sanfter Arrangements.
Manche leben in ZwischenrĂ€umen. SpinnwebschĂ€chte ungeordneter Zuspitzungen verhindern GlockenschlĂ€ge, dafĂŒr serviert man saure Milch.
Das fehlende Abwinken ungewollter HandschlĂ€ge fĂŒhrt zu Unterhautrissen.
Oder es dienen SeidentĂŒcher zum VortĂ€uschen zĂ€rtlicher GebĂ€rden.
Am FuĂende der Stadt findet man keinen Schlaf. MĂ€nner und Frauen sinken vor ihrem Stammplatz nicht selten zu Boden und glucksten dabei aus dem Bauch.
Ihr Begehren findet seinen Weg nicht mehr.
An einem Fenstersims hĂ€lt eine alte Dame die PflanzenkĂŒbel aufrecht. Sie weiĂ: bei manchem Parkett verdorren Blumen in Pappe.
#albania #watercleansingproject #industry #mountains #analogphotography
âBambambam.â Ein MĂ€dchen, an die vier Jahre alt, hĂ€lt die Spielzeugknarre zwischen den fragilen Fingern. âBambambamâ ruft sie. Die drei kahlköpfigen, hochgewachsenen MĂ€nner um sie herum lachen. Alle teilen sich ein Essen. Abwechselnd nimmt das MĂ€dchen die Knarre und ein Handy in die Hand. Mal schaut sie dabei umher, dann begutachtet sie die Objekte aufmerksam. Sie hat ein Mondgesicht, mit hellen blauen Augen.Â
Es ist wenig los in der Bahnhofstube in Pristina. In einer anderen Ecke des Raums sitzen drei Ă€ltere MĂ€nner, blĂ€ulicher Dunst verhĂ€ngt ihren Tisch. Sie rauchen um die Wette und trinken dabei Tee. Ăberall an den WĂ€nden sind Holzfenster eingelassen, ansonsten sind die WĂ€nde kastanienbraun gestrichen.Â
Unser Essen kommt. Vier Chiwaphchichi fĂŒr jeden. An der Wand zu unserer rechten hĂ€ngt lĂ€ssig nach vorn ein Fernseher. Die Nachrichten laufen, aber interessieren tut das niemanden. Die Moderatorin hat blondes Haar und Lippenstift aufgelegt. Sie spricht aufgeregt. Es folgt ein Schnitt, ein neues Bild: Gelangweilt aussehenden MĂ€nnern wachsen Maschinengewehre aus der Brust. Wir ziehen unser Besteck aus einem Korb WeiĂbrot, das so groĂ ist wie Backstein. Das Essen schmeckt. Das Fleisch ist zart und der Salat scheint frisch.Â

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Ich hab mich verschĂ€tzt. Die Scheinwerfer schmelzen mich wie ein StĂŒck Butter auf dem Brett.
Ich zerlaufe in dem was ich tue, weil etwas, das abstrakt ist, mir befiehlt:
Etwas muss sichtbar werden, da ich Geld besitzen soll.
So flaniere ich durch eine Welt voller Codes, geschrieben von meinen GroĂeltern, Eltern, von Adenauer und von Goldman Sachs.
Und ich eigne mir die Codes mit Ăberzeugung an, weil sie Ăberleben sind.
Und sie beschreiben mich und ich vertusche.
Wie bin ich in diesem System eigentlich untergebracht?Â
Ich kann ohne Wert nicht sein, also:
Wurde mir ein Preisschild fröhlich an den RĂŒcken getackert.
Es ist an mich gebunden wie ich an mich, mir wurde gesagt, dass ich darĂŒber froh sein kann.
Und an jeder Ecke warten die HÀndler, meinen Wert zu schÀtzen.
creatio ex nihilo
Die Butter ist in das Brett zerlaufen.
Das Brett knallhart reduziert.