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Ein GefĂŒhl fĂŒr Entfernung...
Da ich dank Con-Alegria alle meine Reisen genau notiert habe, hat mich meine Mama auf die Idee gebracht mal all die Kilometer, die ich innerhalb dem ein Jahr Reise zurĂŒck gelegt habe, vielleicht mal zusammen rechnen und aufschreiben sollte. Bitte schön.
Die ungefĂ€hre Kilometeranzahl, die ich in diesem Jahr in Lateinamerika zurĂŒckgelegt habe, betrĂ€gt ca. 64.987,97 km. Diese Angabe ist sehr ungenau, da ich nicht alle Busfahrten mehr auswendig weiĂ, jedoch habe ich bei der Berechnung keine geschĂ€tzten Werte benutzt, sondern mit Hilfe von Google Maps, Luftlinienberechnung und Ruta0 (Reiseseite Argentinien) alle zurĂŒckgelegten Strecken möglichst genau zu erfassen. Die Kilometeranzahl setzt sich aus Strecken mit dem Flugzeug (16 Flugzeuge; inklusive eines Sportflugzeuges), Bus, Auto, FĂ€hre und Zug (ausschlieĂlich Tren a las Nubes) zusammen. Hier ein paar interessante Fakten:
Kilometer mit dem Flugzeug:Â ca. 37.988,45 kmÂ
Kilometer mit dem Bus: ca. 19.761,7 km
Kilometer mit dem Auto: ca. 5.867,5 km
Kilometer mit der FĂ€hre: ca. 1.040,32 km
Kilometer mit dem Zug: ca. 330 km
_______________________________________________________________________
Reisekilometer mit Mama und Gabi: 5.582,74 km
Reisekilometer mit Kathi und Matthias: 6.393 km
Man verstehe, warum die Entfernung CĂłrdoba - Buenos Aires von ca. 700 km einem Ausflug gleicht. Interessant zu wissen, ist vielleicht auch, dass Kathi, Matthias und ich im Vergleich zu meiner Reise mit Mama und Gabi keine Strecke mit dem Flugzeug zurĂŒckgelegt haben. Der Wunsch möglichst viel zu sehen in begrenzter Zeit lieĂ uns bei einem gebuchten Tagesausflug bereits ca. 486 km in einem halben Tag zurĂŒcklegen. Unsere lĂ€ngste Busfahrt von Puerto IguazĂș (Provinz Misiones) bis Salta CĂĄpital (Provinz Salta) lieĂ uns innerhalb mehr als 24 Stunden am StĂŒck 1.443 km zurĂŒcklegen. Dicht gefolgt von der Strecke Buenos Aires (Capital Federal) - Puerto IguazĂș (Misiones) von 1.337 km zurĂŒckgelegt in etwas weniger Zeit dank gut ausgebauter Infrastruktur.Â
Um ein GefĂŒhl fĂŒr Entfernung bekommen. Vom nördlichsten bis zum sĂŒdlichsten Punkt Deutschlands sind es ca. 886 km Luftlinie. In Argentinien sind es ca. 3.700 km Luftlinie. 7.500 km sind es, wenn man den lateinamerikanischen Kontinent betrachtet. Die gesamte Reisestrecke in Relation zu setzen, gestaltet sich also schwierig... Ein Versuch: Die Ăquatorlinie betrĂ€gt 40.075,01 km Luftlinie. Als hĂ€tte ich also ca. eineinhalb mal die Erde umquert. Schönes GefĂŒhl!Â
Das Lied möchte ich NIE wieder hören. DAS Lied in den Boliches (Clubs) im Sommer 2013 / 2014 ĂŒberhaupt... Grrr
Fuera - Karina
'Achtung, Achtung! Bauarbeiten an den Rohren in der Nachbarschaft'
Meine Fun Facts Argentinien:
NatĂŒrlich habe ich wĂ€hrend meines Auslandaufenthalts in Argentinien so einige kulturelle Irritationen und merkwĂŒrdige Angewohnheiten aufgeschnappt, die ich hier mit euch teilen möchte.
> Wer in Argentinien ein gebrauchtes Auto kaufen will, sucht vergeblich nach Schildern oder Notizen, wo 'Auto zu verkaufen' an eines der hinteren Fenster geklebt wurde. Man halte bitte Ausschau nach leeren PlastikbehÀltern auf dem Auto. Also niemals beim GetrÀnke ausladen auf die Idee kommen, Flaschen auf dem Dach des Autos kurzzeitig zu laden. Man könnte falsche Signale versenden.
> Wenn plötzlich auf dem Weg nach Hause plötzlich ein Baum mitten auf der StraĂe gepflanzt wurde - keine Panik. Die Rohrleitungen sind wieder geflickt. Damit nach Rohrarbeiten keiner direkt ĂŒber die betroffene Stelle fĂ€hrt, wird fĂŒr ein paar Wochen ein Baum gepflanzt und danach auch wieder entfernt.        Zusammenfassung: Natur wird in der argentinischen Gesellschaft mehr als StraĂenverkehrsschilder respektiert.
> Wer in Deutschland Angst vorm Freitag den 13. hat, sollte sich in Argentinien Dienstags den 13. bangen.
> In Argentinien bzw. ich bin mir sicher, dass dies in ganz Lateinamerika der Fall ist, hat das Hupen beim Autofahren gleich vier verschiedene allgemeine Bedeutungen (chronologische Reihenfolge fĂŒr am meist benutze Verwendung):
1. AnkĂŒndigung 'Ich fahre zuerst'. Gerne genutzt beim Heranfahren auf eine Kreuzung ohne Stoppen zu mĂŒssen. Gesetz: Wer als erstes gehupt hat, darf fahren.
2. Klassische Anmache 'Du gefĂ€llst mir kleines!' (mir ausschlieĂlich nur bei mĂ€nnlichen 'Hupen' aufgefallen).
3. GrĂŒĂe an den besten Freund ausrichten, der am Auto vorbei lĂ€uft.
4. 'Achtung!' Wird am wenigsten verwendet, da fĂŒr Achtung vorzugsweise die Warnblicklichtanlange genutzt wird.
> Beim argentinischen Asado (Grillfest) wird fĂŒr jeden nicht vegetarischen Gast 500g Fleisch (inklusive Knochen) berechnet.
> Da bei dem Versuch die Sommerzeit in Argentinien einzustellen nicht alle Einwohner mitgemacht haben, wurde sie nach nur einem Jahr wieder abgeschafft.
> Die spanische Vokabel 'coger' (deutsch: nehmen) bedeutet in Argentinien umgangssprachlich 'Sex haben'. So sollte man fĂŒr das Verb 'nehmen' besser 'tomar' oder 'agarrar' verwenden.
> Ein GroĂteil der Argentinier in CĂłrdoba glaubt an 'OVNI' (objeto volante no identificado = deutsch: fliegendes (nicht identizierbares) Objekt). Der argentinische Sternenhimmel ist kein Vergleich zum europĂ€ischen Himmel bei Nacht. Auch wenn ich selbst kein OVNI gesehen habe, ich wĂŒrde eher annehmen es in Argentinien als in Europa zu sehen. Viele berichten von unerklĂ€rlichen Lichtern am Himmel. Hier sind keine grĂŒne MĂ€nnchen gemeint, sondern viel mehr der Glaube, dass in der uns bekannten Welt noch nicht alles ergrĂŒndet worden ist.
> Beim Abseitstor in der ersten Halbzeit vom Finale der Weltmeisterschaft von 2014 im MaracanĂĄ ging die argentinische Mannschaft an den Fernseherbildschirmen in Argentinien kurze Zeit mit viel Jubel in FĂŒhrung, bis nach kurzer Zeit der Spielstand in der Leiste wieder zu 0:0 korrigiert wurde.
Die Argentinier...Â

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Hier ein paar Erinnerungsfotos passend zum Partida Bericht.Â
Salida.
Ich muss meinen Bericht mit einer Entschuldigung einleiten. 172 Tage ist es heute genau her, seit dem ich nach fast genau einem Jahr wieder deutschen Boden unter den FĂŒĂen hatte. Reiselustige die meinen Blog regelmĂ€Ăig verfolgt haben und mich auf meinem Abenteuer Lateinamerika verfolgt haben, ohne die Person hinter dem Blog persönlich zu kennen, mĂŒssen sich das schlimmste ausgemahlt haben. Ist Con â Alegria im Tal der Sierras Chicas verloren gegangen? Vielleicht im Tumult der 9 de Julio in Buenos Aires untergetaucht? Ab jetzt Wohnhaft in Antofagasta de la Sierra = keine Internetverbindung? Es tut mir wirklich leid. Con â Alegria, wie der Name schon fĂŒr sich verrĂ€t, viel Freude bereitet Euch an meiner Reise teilhaben zu lassen. So viel SpaĂ hat mir die RĂŒckreise nicht gemacht. NatĂŒrlich war ich traurig meine zweite Heimat auf ungewisse Zeit verlassen zu mĂŒssen, glĂŒcklich auf geliebte Menschen in Deutschland wieder zu treffen und hĂ€tte das GefĂŒhlschaos nicht schon ausgereicht, hatte das Schicksal noch mal groĂes mit mir vor. Meine nervenaufreibende Erfahrungen mit argentinischen BehördengĂ€ngen stellte mich ein weiteres Mal auf die Probe und dabei sollte es auch nicht bleiben. FĂŒr die RĂŒckreise habe ich nur wenige Worte ĂŒbrig. Von âAlbtraumâ und âabenteuerlichâ, bis hin zu âflimreifâ, âunwirklichâ und âHappy-Endâ.Sollte jemand das hier lesen, begeistert davon sein und einen Film drehen wollen... Ich besitze die Filmrechte. Meine Erlebnisse, also auch mein Film. Vom RĂŒckkehrtrauma eingenommen (falls es dieses Wort nicht gibt; ich behebe ebenfalls AnsprĂŒche darauf), konnte ich nicht gleich davon berichten. Das ganze zu verdrĂ€ngen gelang mir aber nicht. Den ersten Monat zurĂŒck in Deutschland hatte sich mein Unterbewusstsein wohl dazu entschieden, das unerwĂŒnschte Erlebnis in allen meinen TrĂ€umen zu thematisieren.Â
Meine letzten zwei Wochen in Argentinien passten Hilde und ich gemeinsam auf Hund, Hof und Hotel meiner Gasteltern auf. Nach und nach begann der Abschied von Freunden und meiner zweiten Heimat, die ich hier in Argentinien gefunden hatte. Die Vorstellung in wenigen Tagen wieder in Gevelsberg zu sein, schien mir unwirklich. Unwirklich fremd. Ohne Michu war das Haus meiner Gasteltern ein anderes. Ich hatte fĂŒr die RĂŒckreise ein zweites GepĂ€ckstĂŒck gebucht. Es hatte sich viel zu viel Kram in diesem einem Jahr angesammelt, so dass ich mich fast von der HĂ€lfte meiner Kleidung trennte (was mich nachher noch in ErklĂ€rungsnot bringen wird...) und sich die Koffer in der Nacht vor der Abreise trotzdem nicht schlieĂen lieĂen. Die Tage vor der RĂŒckreise schlief ich kaum. Ich bin normalerweise fasziniert von Menschen die stundenlang im Bett liegen können ohne direkten Schlaf zu finden.. Diese Tage war ich selbst damit, dem mir sonst so schrecklich unbekanntem PhĂ€nomen, beschĂ€ftigt. Kaum geschlafen wachte ich am 13. August ganz frĂŒh auf. Mein sonstiges groĂe Talent den Wecker in den frĂŒhsten Morgenstunden nicht zu beachten, völlig vergessen. Zum GlĂŒck hatte sich Jorge dazu bereit erklĂ€rt mich nach seiner Nachtschicht im Hotel zum Flughafen zu bringen. Dies bedeutete fĂŒr mich zwar noch weniger Schlaf und einen frĂŒheren Abschied noch dazu, aber ich war froh nicht auf die Lep und Taxi zurĂŒck greifen zu mĂŒssen. Mich bewegte nun erst mal wieder der Gedanke an meine widerstrebigen GepĂ€ckstĂŒcke von gestern Nacht, wo ich aber am Morgen nach nur kurzer Zeit als Sieger raus ging. Jorge kam fĂŒr argentinische VerhĂ€ltnisse viel frĂŒher als erwartet, so fand er Hilde und mich noch bei der Darbietung meine Koffer in Frischhaltefolie einzuwickeln vor. Es muss einfach nach was ausgesehen haben, wie wir um die fast platzende GepĂ€ckstĂŒcke tĂ€nzelten. Ich verabschiedete mich traurig von Hilde und Flo und fuhr zum vorerst letzten Mal den nur zu bekannten Weg nach CĂłrdoba. Nach gut eineinhalb Stunden kamen wir am Flughafen von CĂłrdoba an und ich verabschiedete mich nun auch von Jorge. Die genauen Uhrzeiten habe ich nicht mehr im Kopf, aber es muss noch vor 11 Uhr gewesen sein und so hatte jetzt erstmal viel Zeit. Mein erster Flug zum internationalen Flughafen Ezeiza in Buenos Aires sollte um halb fĂŒnf losfliegen. So wie es der Zufall wollte, meldete sich den Tag zuvor nach langer Zeit Santiago bei mir. Wir hatten uns einen Morgen beim FrĂŒhstĂŒck in Rio de Janeiro kennen gelernt, als wir feststellten, dass wir beide zu der Zeit CĂłrdoba unsere Heimat nennen konnten. Unser Kontakt brach leider ziemlich zeitgleich zum Finale der Weltmeisterschaft ab. Ich erzĂ€hlte ihm, dass ich am nĂ€chsten Tag nach Hause reisen wĂŒrde und lud ihn spontan ein, nicht den morgigen Tag ein bisschen mit mir am Flughafen zu warten. Ich hatte bereits meine Koffer abgegeben und nach dem Ende des ersten Film, den ich mir auf meinem Computer anschaute, stand er auf einmal vor mir. Da ich schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte, ihn in nĂ€chster Zeit zu sehen, freute ich mich umso mehr heute auf einen guten Freund meiner Brasilienreise zu treffen. Ich hatte meine Mateequipment im HandgepĂ€ck und so setzten wir uns vor den Eingang des Flughafens auf die groĂe Wiese und schlĂŒrften Mate. In diesem Moment wusste ich, wie sehr ich Argentinien jetzt schon vermisste. Mate. ZurĂŒck in Deutschland wĂŒrde ich niemals so schnell jemanden finden, der sich spontan zum Mate trinken verabreden wĂŒrde. Ich hatte genug Mate im GepĂ€ck, jedoch ist alleine Mate trinken irgendwie witzlos. Fast so wie alleine Rotwein zu trinken. Ich weiĂ nicht. Santiago gab zu, dass es mehr oder weniger wirklich mit dem Finale zu tun hatte, wieso ich danach so wenig von ihm gehört hatte. Nicht nachtragend, verkniff ich mir ein paar SprĂŒche, die sich spontan in meinem Kopf ansammelten. Ich wusste genau, was ich mir alles hĂ€tte anhören mĂŒssen, hĂ€tte Argentinien diese Weltmeisterschaft gewonnen und nicht Deutschland. Von mir war kein Spruch gekommen. Ich erinnerte mich Santiago bzw. Argentinien fĂŒr dieses schöne Spiel bedankt zu haben und danach kam erst mal nichts mehr. Es war wirklich nett geschrieben gewesen! Das Thema lieĂen wir also danach auch aus.
Meine letzten Stunden in CĂłrdoba. So langsam wurde ich nervös. Mein Handy hatte mir jetzt schon zum zweiten Mal angezeigt, dass sich die Flugzeit um ein paar Minuten nach hinten verschieben wĂŒrde. Es war immer noch kein Grund zur Aufruhe. Sollte die Flugzeit sich jetzt nicht mehr verĂ€ndern, so wĂŒrde ich noch genug Zeit in Buenos Aires haben. Santiago musste los und so langsam wurde es fĂŒr mich auch Zeit den Sicherheitsbereich aufzusuchen. Gerade hatte ich den Sicherheitscheck hinter mir, als ich meinen Namen auf einmal in den Lautsprechern des Flughafens hörte. Ich wurde ganz nervös. Gedankenlos hatte ich nicht genau hingehört und schreckte bei meinem Namen zusammen. Die weibliche Stimme sprach meinen Namen ungewohnt mit ihrem spanischen Akzent aus, jedoch dĂŒrfte es sich weniger um eine Verwechslung handeln, immerhin sprach sie meinen kompletten Namen aus. Alle drei Vornamen. Ich hastete mit meinem HandgepĂ€ck zum Infoschalter und fragte die einzige Frau, die irgendwie so aussah, als wĂŒrde sie hier arbeiten - weit und breit nur Reisende um mich herum - was los sei. Ich hĂ€tte meinen Namen gehört. Panisch ich hĂ€tte vielleicht meinen ersten Flug verpasst, immerhin hatte ich die letzte Stunde drauĂen verbracht und keine Durchsagen bemerkt. Hatte sich die Flugzeit noch mal verĂ€ndert? Auf die Idee, dass es etwas mit meinem GepĂ€ck zu tun haben könnte... darauf kam ich erst gar nicht. Die junge Frau, erleichtert mich gefunden zu haben, klĂ€rte mich auf und fĂŒhrte mich zu einer ihrer Kolleginnen, die ich gerade beim Sicherheitscheck bereits kennengelernt hatte. Sie fĂŒhrte mich wieder aus dem Sicherheitsbereich raus und gleich die nĂ€chste TĂŒr neben dem Eingang wieder rein. 'Aduana' las ich. Zoll. Immer noch von der Situation ĂŒberrascht, folgte ich stumm meiner Begleitperson. Wir fuhren mit einem Lastenaufzug eine Etage tiefer und verlieĂen den Ausgang auf der Seite nach drauĂen, wo wir uns zwischen GepĂ€ckbĂ€ndern wiederfanden. Ich sah bereits meine zwei GepĂ€ckstĂŒcke herausgefischt und auf einem Metalltisch bereit liegen. Sie hatten natĂŒrlich vor sie zu öffen und ich sah die SicherheitsmĂ€nner entsetzt an. "Muss das wirklich sein?", frag ich sie flehend. "Ich habe sie heute morgen nur mit MĂŒhe und Not schlieĂen können" Mir graute es das Prozedere gleich noch mal erleben zu mĂŒssen. Die SicherheitsmĂ€nner lĂ€chelten mir munter zu und versprachen freundlich, mich nach der Kontrolle nicht allein mit dem Problem zu lassen. Man kam ins Plaudern, ich erzĂ€hlte ihnen, dass ich ein Jahr in Argentinien gelebt hatte und mich nun auf dem RĂŒckweg befand. So klĂ€rte sich das ein oder andere direkt auf. Mein Kofferinhalt, der zum GroĂteil aus StadtplĂ€nen, kleineren BĂŒchern, aufbewahrten Eintrittskarten und ĂŒberhaupt massig Papierkram bestand, war ihnen bei der normalen Kontrolle komisch aufgefallen. Es muss wie eine schwarze Wand ausgesehen haben (Papier wird dunkel angezeigt), wodurch man wohl ĂŒberhaupt nichts sehen konnte und ihnen die Koffer irgendwie verdĂ€chtig vorkamen. Beim Vorschein von dem angekĂŒndigten Papierkram, der sich nun mal innerhalb eines Jahres so ansammelt, dazu mehrere Packungen Dulce de Leche, Fernet Branca, einem FlĂ€schchen voll rotem Sand, dass ich mir in der WĂŒste von La Rioja abgefĂŒllt hatte, Mate und Co. hatten die Sicherheitsleute genug gesehen. Fragten mich, ob ich eine schöne Zeit hier verbracht hĂ€tte und halfen mir meine Sachen zurĂŒck in die Reisetausche zu rĂ€umen. Ein Sicherheitsmann, etwas unbeholfen mein GepĂ€ck wieder vollstĂ€ndig zurĂŒck zu rĂ€umen, trat kurzer Hand wieder bei Seite und lies mich packen. "Den zweiten Koffer brauchen wir nicht öffnen" sagten sie mir. Nach einer weiteren Durchleuchtung waren sie mit den Bildern und meiner meiner Beschreibung vom Inhalt wohl ganz zufrieden. So wurde ich wieder zurĂŒck zum Sicherheitsbereich gebracht und unterzog mich ein zweites mal der Kontrolle. Mein Tee aus Peru! Was ein GlĂŒck, dass sie nicht in den anderen Koffer geschaut hatten... Die Frage, ob wir die Koffer nach der Kontrolle wohl wieder schlieĂen könnten, hatte mich so beschĂ€ftigt, dass ich gar nicht mehr an den Tee gedacht hatte. Coca-Tee nach Deutschland einzufĂŒhren, ist eigentlich nicht erlaubt. Da ich beim letzten mal aber auch keine Schwierigkeiten hatte, war ich nicht auf die Idee gekommen dieses Mal auf Protest des Sicherheitspersonals am Zoll zu rechnen. Na ja. Das war ja noch mal gut gegangen. Mittlerweile hatte sich die Flugzeit des Inlandfluges weiter nach hinten verschoben. Ich rechnete mir die verkĂŒrzte Wartezeit neu aus und versuchte cool zu bleiben. HĂ€tte ich doch einfach einen der FlĂŒge zum nationalen Flughafen gebucht. Zwar wĂ€re der Flughafenwechsel in Buenos Aires vom nationalen zum internationalen Flughafen nicht gerade entspannt verlaufen, jedoch hĂ€tte ich dies viel lieber in Kauf genommen, statt diesen mir vielleicht nichts nĂŒtzenden Luxus nicht umsteigen zu mĂŒssen, gleich zu spĂ€t fĂŒr meinen Anschlussflug am internationalen Flughafen zu sein. Hm. Ich war nicht die einzige Person die sich dadrĂŒber den Kopf zu zerbrechen schien. Die Frau neben mir wollte heute Abend weiter nach Madrid fliegen. So langsam wurde sie auch nervös. Wirklich froh, nicht noch mal in Madrid umsteigen zu mĂŒssen, versuchte ich mir einzureden, dass schon alles gut gehen wĂŒrde. Wenn ich nur wĂŒsste... Als ich nach langer Zeit mal wieder eine Angestellte der AerolĂneas Argentinas erblickte, teilte ich ihr meine Sorgen mit und wurde mit der beruhigten Nachricht, dass die vorgesehene Maschine aus Patagonien in KĂŒrze eintreffen wĂŒrde, wieder etwas gelassener. Es wĂŒrde keine Probleme geben die AnschlussflĂŒge von AerolĂneas zu bekommen. Ich sollte mir keine Sorgen machen. Einfach gesagt. NatĂŒrlich klappte dies nur bedingt. Ich empfand viel Neid den Passagieren, deren Flugzeug pĂŒnktlich abhob und die man durch die mit Glas abgetrennten GĂ€nge den Weg zum Flugzeug antraten sah. Die Zeit verging nicht. Kaum.
Die genaue Ankunftszeit kann ich Euch nicht mehr nennen. Es war spĂ€t. Zu spĂ€t fĂŒr mich. Ich hatte GlĂŒck fast als erste aus dem Flugzeug in Buenos Aires auszusteigen. HĂ€tte das nicht geklappt, wĂ€re diese Geschichte vielleicht noch anders ausgegangen. Obwohl... Nein. Weiter im Text. Wir kamen am Terminal C an. Einen Transitbereich gibt es nicht, so wurden die Weiterreisenden direkt in die groĂen Ankunfts- und Abflughalle vom Terminal C geleitet. Ich kannte mich hier schon aus. Auf meinem Hinflug war es von hier weiter nach CĂłrdoba gegangen, damals hatte ich auch komplett auschecken mĂŒssen und in diesem Terminal meinen Koffer wieder abgegeben. SpĂ€ter war ich den Morgen, als Kathi und Matthias ankamen, wieder hier gewesen. Ich lief mit meinen vielen Taschen auf den Mann am Eingang des Sicherheitsbereiches zu und hielt ihm mein Ticket unter die Nase. Er nickte und ich rannte den Gang weiter zur HandgepĂ€ckkontrolle. Dort stellte ich mich in die Schlange. Man scannte mein Flugticket und ich reihte mich in die nĂ€chtste Schlange ein. NatĂŒrlich piepste der Sicherheitsdurchgang bei mir, als ich unter ihm her ging. Diese unnötige Zeitverplemperung passte mir nicht, aber nun gut. âSafety firstâ. Ich hatte mich ein bisschen entspannen können, im Hinterkopf jetzt den fast beflĂŒgelten Gedanken das nĂ€chste Gate nicht mehr weit zu wissen. Nur noch die Passkontrolle. Wie sehr ich die argentinische Zollbehörde NICHT vermissen werde. So viel Zeit fĂŒr nichts hatte ich wĂ€hrend meines Aufenthalts dort verbracht.
Eine kurze Unterbrechung: Als ich wĂ€hrend meines Aufenhalts auf die fixe Idee kam, ein Praktikum im Hotel meiner Gasteltern zu machen und diese auch damit einverstanden waren, rieten sie mir davon ab das Praktikum offiziell mit Visabeantragung zu machen. Ich könnte ein bisschen ĂŒber die Schulter von allen schauen, jedoch mĂŒssten wir vorsichtig sein. In Argentinien werden die Betriebe regelmĂ€Ăig kontrolliert. Damals verstand ich nicht, wieso sie mir den Gang zum Migrationsamt nicht empfehlen, mir sogar davon abrieten. Und sie hatten die Erfahrungen gemacht. Angie hatte auch viel Zeit auf den Behörden verbringen mĂŒssen, um endlich in Argentinien offiziell bleiben zu können. Heute wĂŒrde ich allen davon abraten kurzzeitige BeschĂ€ftigungen in Argentinien zu machen. Es ist die Zeit einfach nicht wert. FĂŒr das Geld was man in die Beantragung des Visums steckt, sollte man einfach reisen und sich das Land angucken. Ein Grund weswegen es Schwarzarbeit gibt, kannte ich jetzt und ich verstehe ihn besser als jeder andere.
Die wollte ich so schnell nicht wieder sehen. GefĂŒhlt ging diese Warteschlange zum GlĂŒck schnell voran. Kaum zum Anfang der Schlage gelangt, leuchtete an dem Bildschirm in der Halle mir auch schon die Nummer des nĂ€chsten freien Schalters. Ich begab mich dorthin, reichte der Frau meinen Pass und die drei Zettel von der Aduana. Papiere, die sozusagen mein Arbeitsvisum und argentinischer Ausweis zugleich waren, da es das Amt versĂ€umt hatte mir meinen Ausweis zukommen zu lassen. Noch mit Kathi und Matthias war ich zum Ende unserer Reise am Zollamt in Cordoba gewesen und hatte mich beraten lassen. NatĂŒrlich konnten die sich nicht erklĂ€ren, wo der Ausweis geblieben war, jedoch gaben sie mir diese drei wichtigen Zettel fĂŒr die Ausreise. Ich wurde unruhig als mir die Bearbeitung meiner Dokumente irgendwie lĂ€nger vor kam, als bei allen anderen. Igendwie fĂŒhlte man die Blicke der wartende Reisende im RĂŒcken, die aus der Schlange das Geschehen prĂŒften. Nun regte sich die Frau in ihrer kleinen Kabine und wandte sich mir die Papiere kritisch durchforstend zu. âDas ist abgelaufenâ, sagte sie knapp. âDas kann nicht seinâ, entgegnete ich. âMein Arbeitsvisum geht bis Januar 2015, nur ist mein argentinischer Ausweis unerklĂ€rlicher Weise nicht zugestellt wordenâ Sie schaute nun etwas verdutzt, entschuldigte sich und verlies ihre kleine Kabine. Mit den Papieren in der Hand ging sie in ein BĂŒro weiter hinter in der Halle. Nach einigen Sekunden kam sie gleich wieder zuĂŒck. âJa, abgelaufen. Dieses Dokument ist nicht gĂŒltigâ
Ich konnte kaum atmen. âIhre Arbeitskollegen in CĂłrdoba hatten mir es gegeben. Ich hatte zwei vorlĂ€ufige Dokumente und da mein Ausweis mich nicht vor meiner Heimreise erreicht hat, haben mir die Beamten vom Migrationsamt in Cordoba diese Papiere zur Ausreise gebenâ Verunsichert von meinen Aussagen und den ihr gerade aufgetragenen neuen Anweisungen, kehrte sie noch mal in das BĂŒro zurĂŒck. Ich folgte ihr. Ich konnte nicht anders. Angespannt gleich zwei FlĂŒge wegen der Unkenntnis des Angestellten in CĂłrdoba zu verpassen, musste ich sofort wissen was los war. Der vermeintliche Vorgesetzte meiner Zollbeauftragten interessierte sich kaum fĂŒr meinen Fall. Schien âbeschĂ€ftigtâ. Wir gingen zurĂŒck und sie gab mir meine Dokumente zurĂŒck. âEs geht nicht. Sie mĂŒssen eine GebĂŒr bezahlen, um das Land verlassen zu könnenâ Ich erinnterte mich an Carla. Sie hatte rausgefunden, dass Touristen egal wie viel lĂ€nger sie sich als die 90 Tage Touristenvisum in Argentinien aufhielten, ob einen Tag oder mehrere Jahre, letztendlich mussten alle eine GebĂŒhr von 200 argentinischer Pesos zahlen (umgerechnet bei ca. 17 Euro). âOkay, ich bezahle esâ, ganz starr von der neuen Erkenntnis und dem wohlmöglichem neuen Lichtblick der Situation. Ich hielt ihr meine Kreditkarte in die Durchreiche. In diesem Moment hĂ€tte ich ihr mein ganzes Geld und noch viel mehr gegeben, nur um endlich die Rolltreppe hoch zum Gate gelangen zu können. Sie wehrte ab. Panik kam hoch. Wut. âNicht hier. Sie mĂŒssen zum Migrationsamt in Terminal A und dort das Ausreisedokument verlangen. Den Antrag auf der Bank bezahlen und dann können sie ausreisenâ Ich versuchte die Fassung zu wahren, TrĂ€nen konnte ich schon nicht mehr verhindern. Und diese Wut.
Terminal A? Es war nach halb 10 Uhr! Mein Flug? âIch verpasse meinen Flug... Ich... Das kann ich niemals rechzeitig schaffen..... Ich muss nach Deutschland..... Ich verpasse sofort mehrere FlĂŒge.... Ich.. Terminal A?â
  âAn Ihrer Stelle wĂŒrde ich mich beeilenâ
Vorbei. Das ist unmöglich zu schaffen. Einfach nicht möglich.Ich warf mir meine Matetasche ĂŒber die rechte Schulter, die Papiere in der Hand und rannte den ganzen Weg zurĂŒck. Lief an den Wartenden der Passkontrolle vorbei. Weiter an den SicherheitsmĂ€nnern der HandgepĂ€ckskontrolle. Ticket ent-scannen. Den Gang zum Eingang des Sicherheitsbereichs von Terminal C zurĂŒck. Rannte raus. Rannte aus dem Terminal und versuchte mich an den Weg zum Terminal A zu erinnern. Links entlang rannte ich. Schilder zeigten mir die Richtung an, den auch meine Erinnerung gefolgt wĂ€re. Langsam merkte ich, dass ich den ganzen Tag ĂŒber nicht viel zu mir genommen hatte. Einen halben Monat zuvor hatte ich eine Woche lang Antibiotikum nehmen mĂŒssen. Meine Kondition war jetzt schon an der Grenze. Eine Pause gönnte ich mir trotzdem nicht und versuchte mich auf meinen wackligen Beinen zu halten. Terminal A kam jetzt in Sicht. Ich rannte vorbei an Menschen, die ich zuvor im Flugzeug gesessen hatte. Vielleicht erkannten sie mich auch wieder. Ihr Blick auf mich gerichtet sagte es mir nicht. Vielleicht zog ich die Aufmerksamkeit auf mich, weil ich die einzige Person war, die es eilig hatte. Und das so richtig. Angekommen in der riesigen Eingangshalle, steuerte ich auf einen Sicherheitsmann zu. âMigrationsamt?â keuchte ich. Er zeigte mit den Fingern in eine Richtung der groĂen Halle und ich hastete weiter. âEntschuldigungâ rief ich allen Menschen entgegen, die ich in KĂŒrze umrennen wĂŒrde, oder bereits mit meinem GepĂ€ck getroffen hatte. Aufpassen... Extrem rutschiger Boden! Den Pass immer noch in der Hand reichte ich ihn bestimmerisch der Frau am Schalter des Migrationsamts entgegen. âIch muss so eine GebĂŒhr fĂŒr die Ausreise zahlenâ Immer noch aus der Puste, bemerkte ich, dass ich nicht alleine am Schalter stand. Rechts neben mir stand eine Frau, die bitterlich weinte. Ein Mann hielt sie behutsam an den Schultern fest. âIch verpasse meinen Flugâ, rief ich der Frau am Schalter zu, fĂŒr deren entspannten Art ich im Moment wirklich nichts ĂŒbrig hatte. Den Wisch endlich in der Hand. âWelche Bank?â Schon wĂ€hrend der Beschriebung rannte ich los. âGracias!â Vorbei an den vielen Wartenden, wo ich selbst noch vor gut einem Monat auf Kathi und Matthias getroffen hatte. Weiter zur Bank. Banco de Nacion. âKann man hier mit Karte bezahlen?â Der Sicherheitsmann im Eingangsbereich schĂŒttelte den Kopf. Ich hastete zurĂŒck zum Geldschalter. Kosten von 200 Pesos nicht eingeplant, hatte ich kaum Bargeld mit mir. Nur Euros. Ich lief zu der Schlange von Wartenden vor den Bankschaltern. âKann ich vorbei? Ich verpasse meinen Flug nach Deutschland, wenn ich nicht sofort diesen Zettel bezahle. Mein Flug geht gleichâ Hatte ich mich höflich ausgedrĂŒckt? Ich weiĂ es nicht mehr, jedoch liesen mich alle Menschen sofort vor. Vier ewig lange Minuten passierte nichts. Es ging nicht weiter. Was zum Teufel machten die beiden Menschen, die man hinter der Sicherheitswand, welche die Schlange der Wartenden mit den Bankschaltern teilte und etwas mehr PrivatsphĂ€re zulies, erblicken konnte. Nur einen FuĂ vom Schalter weggesetzt, stĂŒrmte ich zu dem einzig offenem Bankschalter und schob das Papier und das Geld dem Mann zu. Endlich hatte ich jetzt mal das GefĂŒhl es wĂŒrde schneller vorwĂ€rts gehen. Dem Bankmenschen sehr dankbar, lief ich hastig an der Schlange der Wartenden vorbei und rief ihnen mehrere erleichterte âMil graciasâ zu. Tausend Dank. Zu schnell wĂ€re ich auf dem RĂŒckweg zum Migrationsschalter fast vor die FĂŒĂe mehrer gerade gelandeten Menschen gefallen, welche gerade aus der SicherheitstĂŒr versuchten ihre Liebsten zu erhaschen. Ich streckte den Arm aus, um der Frau am Migrationsschalter so schnell wie nur ĂŒberhaupt möglich die Quittung des Antrages ĂŒbergeben zu können und suchte in meiner Reisemappe, die ich die ganze Zeit mit mir trug, meinen Pass zu finden. Wo war mein Pass? Die Beamtin tippte etwas in ihren Computer und ging dann zum weiter hinten im BĂŒro stehenden Drucker. WO WAR MEIN PASS? Zu viel Panik. Uhrzeit. Mir wurde fast schlecht, die Uhr zeigte die letztmögliche Zeit zum Gate zu kommen an. Neben mir ein Mann sah auch nervös aus. âBarcelona?â, fragte er. Ich nickte. Jetzt kam die Frau auf mich zu, drĂŒckte mir den Antrag und meinen Pass, MEINEN PASS, in die Hand und zwinkerte mir zu. âDu hast deinen Pass vorhin hier vergessen. Vorsicht!â Ich dankte ihr fielmals. âViel GlĂŒckâ, wĂŒnschte ich dem Mann aufrichtig und konzentrierte mich nun das ganze Papier in den HĂ€nden beim Laufen nicht zu verlieren. Ebenfalls eine gewisse minimale RĂŒcksicht dem rutschigen Boden der Eingangshalle entgegen zu bringen. Raus ins Freie. Ich rannte den Weg, den ich gerade noch gekommen war, so schnell ich nur konnte zurĂŒck. Auch wenn ich versuchte die schnellstmögliche Geschwindigkeit anzunehmen, kam ich mir langsam vor und versuchte aber keinen Gedanken dran zu verschwenden. Kraftlos. Blut im Mund. Keine Pause. WĂŒrde ich den Flug deshalb verpassen... Diese sportliche SchwĂ€che wĂŒrde ich mir nicht verzeihen. Auch wenn es hart an Krafttraining grenzte sich mit meinem 20 Kilorucksack schnell fort zu bewegen. Konnte ich es vielleicht doch schaffen? Die spĂ€teste Zeit, wann man im Sicherheitsbereich sein sollte, war bereits abgelaufen. KEINE GEDANKEN. DA. TERMINAL C. Ich rannte an den Menschen vorbei, wieder auf den Sicherheitsmann zu. Irgendwo fand ich in dem Papierwirrwarr mein Ticket. Er zeigte keine Miene und lies mich passieren. Ticket einscannen. Die Frau, die irgendwie Ahnung zu haben schien, versicherte mir mit ruhiger Miene â ICH HĂTTE SIE UMARMEN KĂNNEN â dass ich meinen Flug noch bekommen wĂŒrde. Hoffnungsschimmer. â„
Es tat so gut, hier in der Schlange das erste Mal wieder verschnaufen zu können. Dieses Mal hatte ich auch bei der GepĂ€ck- und Sicherheitskontrolle mehr GlĂŒck. Das GerĂ€t piepste erst bei der Person nach mir und ich ging hoffnungsvoll weiter zur Schlange vor den Zollschaltern. Oh, je! So viele Menschen? Ganz links stand ein Sicherheitsbeauftragter, der am Anfang der Schlange stand und den Gang fĂŒr das Flugpersonal frei hielt. Ich zeigte ihm mein Ticket und fragte, ob ich nicht an den Menschen vorbei gehen könnte. Mein Flug wĂŒrde gleich gehen. Er beobachtete das Ticket. Auch wie besonders mein Fall mir in diesem Moment vorkam, fĂŒr ihn war ich nur eine hochrote X-beliebige Reisende, die ihn wie alle anderen im Minutentakt fragte, ob nicht gerade sie / er an den anderen Wartenden aus Zeitdruck her gehen könnte. âFalls Ihr Flug aufgerufen wird, dĂŒrfen Sie eher passieren. Sonst nichtâ Na schön. WĂŒrde ich nach all dem Gerenne jetzt hier meine weiteren FlĂŒge verpassen, dann wĂŒrde ich aber Theater machen. Das versprach ich mir. Ich ging die sich jetzt nur langsam vorbewegende Schlange wenige Schritte vorwĂ€rts und sah mich im Spiegel. In diesem Moment war ich das erste Mal wirklich froh in so einer aussichtslos / beschissenen (!) Situation allein war. Ich. Sah. Aus. OH. Mal ganz abgesehen davon, dass meine Kleidung total verschwitzt war. Mein Kopf hatte eine Farbe angenommen, die ich wirklich noch nie an mir gesehen hatte. Wirklich erschrocken blickte ich wieder weg und ging um die erste Kurve der Warteschlange. Irgendwie kam ich mit einem jungem Brasilianer ins GesprĂ€ch, der ebenfalls spĂ€t dran war. Sein Flug sollte sogar noch ein paar Minuten vor meinem abheben und trozdem stand er da gelassener in der Reihe hinter mir als ich es war. Die Brasilianer... Irgendwann weiter vorne entdeckte mich die nun ja Nachbarin meiner Beauftragten von vorhin, wandte sich direkt ihr zu und kurz darauf durfte ich an allen anderen vor mir Wartenden vorbei zu ihrem Schalter. Den Spruch von eben âAn Ihrer Stelle wĂŒrde ich mich beeilenâ hatte ich ihr nicht ĂŒbel genommen. Geschrieben hört es sich hĂ€rter an, als sie es zu mir gesagt hatte. NatĂŒrlich hĂ€tte sie sich vorhin anders formulieren können, jedoch war es der Ausdruck in ihrer Stimme gewesen, der mir zeigte, dass sie mitfĂŒhlend war. Dass sie mich jetzt an allen anderen vorbei lieĂ, rechnete ich ihr hoch an. Sie tippte etwas in ihr System, schoss wie gewöhnlich ein Foto und nahm den Abdruck des rechten Fingerabdrucks von mir. Keines der Fotos, die innerhalb meiner Reise an Zollschaltern gemacht wurden, wollte ich je wiedersehen. Ich durfte passieren.
Der junge Brasilianier, der gerade noch in der Reihe hinter mir stand, wurde vor ein paar Minuten mit mir an den Wartenden vorbei gelassen. Da seine Bearbeitung noch schneller verlief, wartete er netterweise auf mich und bedankte sich bei mir. Gemeinsam fuhren wir die Rolltreppe zu den Gates hoch und wĂŒnschten uns eine gute Heimreise. Mein Flug wurde aufgerufen. Das Betreten des Flugzeuges wurde angekĂŒndigt und es hatte sich bereits eine riesige Schlange vor der TĂŒr gebildet. Zu wissen, dass ich eh nicht die erste im Flugzeug sein wĂŒrde, beschloss ich noch mal zur Toilette zu gehen. Ignorierte meinen immer noch feuerroten Kopf im Spiegel der Toilette und begab mich zum Gate. Die Angestellten von AerolĂneas Argentinas waren immer noch bei der Koordinierung und Ăffnung der TĂŒr beschĂ€ftigt. Ich machte ein Foto vom Gate, als wĂŒrde ich einen Beweis sicher stellen wollen, dass ich auch wirklich das Unmögliche möglich gemacht hatte. Ich war am Gate. Es war geschafft. Gleich wĂŒrde es endlich von hier weg gehen. Das was gerade passiert war, hatte meine nervenaufreibende zeitaufwĂ€ndige Versuche und BemĂŒhungen bei der Beschaffung dieses blöden Arbeitsvisums, dass sich auf ein halbes Jahr bezieht, noch mal gekrönt. Einfach zu einem Höhepunkt gebracht, wo ich nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte. Ein paar Pesos noch im HandgepĂ€ck kaufte ich mir einen Mamorkuchen, der mich mit seiner dunkelbraunen, fast schwarzen Schokolade, einfach nur anzog. Es blieb noch beachtlich viel RĂŒckgeld ĂŒbrig, jedoch wollte ich es nicht haben. Als sei das Geld an dem Chaos Schuld gewesen. Gleich war ich weg. Ich drĂŒckte es der Frau an der Kasse in die Hand âIch brauche es nichtâ Drehte mich weg und reihte mich in die Schlage ein. Es ging in das Flugzeug, einen Airbus A340 Jet mit der Nummer AR 1160 nach Barcelona, Spanien. Fantastisch! Ich versuchte meine Wut ĂŒber die argentinischen Schwachköpfen des Migrationsamts zu zĂŒgeln. So eine UnfĂ€higkeit! Es half nichts. Ich zeigte Ticket und Pass vor und ging die letzten Schritte zum Flugzeug. Es waren vielleicht 100 Meter, die mich jetzt noch vom Flugzeug trennten und ich konnte meine Wut einfach nicht kontrollieren. Der leichteste Weg mit den ganzen Emotionen in diesem Moment umzugehen war es fĂŒr mich, die Emotion in Wut zu packen. Wie? Ich habe geflucht. Gewöhnlich tu ich das nicht. Niemals. Es war eine der schwierigsten Angewohnheiten der Argentinier, mit der ich mich zwar befasst hatte, ja befassen musste, sie aber zum GroĂteil immer zu vermeiden versuchte.
Ein Beispiel: Die Ăbersetzung des spanische Wortes âboludoâ (m.) wird im Pons als âIdiotâ und âSchwachkopfâ ĂŒbersetzt. Dieses Wort kann sehr beleidigend verstanden werden, jedoch nutzt man es auch hĂ€ufig auch als âKosenamenâ fĂŒr Freunde oder befreundete Kollegen, Bekannte. Die Betonung und Mimik ist hier entscheident. Das Wort wird sogar noch fĂŒr andere Wörter ĂŒbersetzt, die wir hier nicht anfĂŒhren wollen.
Von zuhause kenne ich das nicht. NatĂŒrlich ist nicht immer alles toll und wunderschön, aber das was da gerade aus meinem Mund kam. Ich war fast selbst ĂŒberrascht, wie viele Wörter ich doch kannte und auch aussprach. Viele die ich auf meiner Reise kennen gelernt hatte, die ein gewisses Interesse an meiner Muttersprache zeigten, hĂ€tte das Szenario sicher gefallen. Wo ihnen doch GesprĂ€che mit anderen Deutschen fast wie ein Streit vorkam. Ich versuchte jedoch nicht allzu viel Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. DafĂŒr sorgte ja eh schon mein wahrscheinlich immer noch hochroter Kopf. Nun gut. Ich schlenderte durch die Reihen und suchte nach meiner Sitzreihe. Im vorderen Abteil traf ich den Mann, den ich eben noch am Migrationsschalter getroffen hatte. Ich nickte ihm zu. Meinen Fensterplatz fand ich relativ weit hinten neben einer jungen Argentinierin, Adriana, wie sich feststellte. Sofort erzĂ€hlte ich ihr meine ganze Geschichte und sie freute sich mit mir endlich nach Spanien aufzubrechen.
In Barcelona wĂŒrde ich 24 Stunden Aufenthalt haben. Freiwillig. Da es meine Flugverbindung vom Anfang wegen FlugkĂŒrzungen nicht mehr gab, musste ich mich von Spanien aus, um einen neuen RĂŒckflug nach Deutschland kĂŒmmern. So hatte ich mich gleich dazu entschieden, dies irgendwie auszunutzen. Einfach das beste daraus zu machen. Nie in Barcelona gewesen, war ich gespannt, was ich morgen alles sehen wĂŒrde. Alles bestens vorbereitet. Ein Bett im Hostel war reserviert, ich wusste exakt wie ich vom Flughafen in die Stadt kommen wĂŒrde (selbst eine Stadtkarte mit dem fĂŒr mich bestimmten Weg befand sich in meiner Reisemappe). Da ich ĂŒber den Aufenthalt bereits im November entschieden hatte, hatte ich genug Zeit gehabt, diese Reise bis ins letzte Detail zu planen. Die Koffer wĂŒrde ich am Flughafen fĂŒr eine Nacht einschlieĂen lassen, falls man sie nicht doch schon abgeben könnte... Das war das einzige, was ich im voraus noch nicht wusste. Bestens informiert, wo sich sogar die Kofferaufbewahrung im FlughafengebĂ€ude befand, hĂ€tte ich eine zweite Person blind leiten können, ohne je selbst in Barcelona gewesen zu sein. Nach der Ankunft wĂŒrde ich gern das Meer sehen, vielleicht in die Stadt gehen. Man könnte sich anderen Reisenden anschlieĂen. Tag 2 war fĂŒr den bekannten Garten von GaudĂ reserviert. Das mĂŒsste man bei jedem Barcelona-Trip auf jeden Fall gesehen haben. So.
Bei der Belehrung ĂŒber die Sicherheitsvorschriften an Bord flackerten die groĂen Bildschirme ĂŒber den Köpfen der ersten Reihe von unserem hinteren Abteil. Fand ich das gut? Wieso weiĂ sie das noch so genau? Wartet ab. Wir verlieĂen langsam das Gate und rollten in Richtung Startbahn. Gerade erst in Bewegung gesetzt, blieben wir auch wieder stehen. Gut, wir sind ich Buenos Aires. Auch wenn wir schon nach 23 Uhr jetzt hatten, gerade jetzt starteten die ganzen Maschinen in Richtung Europa los. Rom. Madrid. Barcelona. Frankfurt. Wir waren spĂ€t dran und mussten jetzt eben warten.Die Maschine bewegte sich nun nach ein paar Minuten wieder vorwĂ€rts. Bog links ab und dann nach nur kurzer Zeit wieder. âMeine sehr geehrten FluggĂ€ste, aufgrund eines technischen Problems können wir nicht plangemÀà starten. Wir werden wieder zurĂŒck zum Gate fahren und versuchen den Fehler schnell zu beseitigen. Wir bitten Sie an Bord zu bleibenâ
Alle schauten sich verwirrt um. Die flackernden Bildschirme? Es wurde nichts weiteres durchgesagt und so entschied ich Musik zu hören. Sicherheitshalber nur mit einem Ohr, sie mĂŒssten uns ja zwischendurch neue Informationen zukommen lassen. Mist! Ich hatte mich schon fast auf das Flugzeugabendessen gefreut und jetzt? Mamorkuchen vielleicht? Nachdem mehrere GĂ€ste nach etwas zu trinken gefragt hatten, gingen das Flugpersonal die Reihen mit Plastikbechern durch und verteilten Wasser. Keine Durchsagen. Viele versuchten die Stewardessen auf Neuigkeiten auszufragen, jedoch wussten sie nicht mehr als wir oder teilten sich uns auch nicht mit. Ich schlief ein. Nicht zu wissen wie lange ich ĂŒberhaupt geschlafen hatte, wurde ich von LĂ€rm ein paar Reihen hinter mir geweckt. Die Passagierin ganz hinten hatte eine laute Disskusion mit der Hauptstewardess angefangen und diskutierte ĂŒber ihr Recht sofort das Flugzeug verlassen zu wollen. Durfte sie das? Ich wusste nur, dass wenn es ihr erlaubt werden wĂŒrde, wĂ€re das Flugzeug in 15 Minuten nicht mehr von Passagieren besetzt. Sie stritten jetzt leiser und ich schlief wieder ein. Als nĂ€chstes weckte mich die sehnlich erwartete Durchsage. Es knackte. âSehr geehrte FluggĂ€ste, ich bin froh Ihnen allen mitteilen zu können, dass das Problem behoben werden konnte und wir nun den Flug nach Spanien antreten werdenâ Was war denn das Problem jetzt gewesen? Die Lautsprecheransage? Wieso hatte man uns â ich musste auf die Uhr schauen, jegliches GefĂŒhl fĂŒr Uhr und Zeit verloren â mehr als drei Stunden unwissend im Flugzeug gelassen? Hinzu kam, dass die Durchsagen nur noch auf Spanisch durgesagt wurden. Auf der Hinreise hĂ€tte ich dieses Durcheinander wohl nicht verkraftet. Nicht zu wissen was los war, ist eine Sache, jedoch andererseits auch nichts zu verstehen, was da um sich herum passierte... Ohne mich umzuschauen, wusste ich das nicht nur mir mulmig im Bauch war. Wie hatten sie die Dame hinter mir so ruhig gestellt? Wir rollten in Richtung Startbahn und warteten, wenn ich mich richtig erinnerte, ungefĂ€hr an der gleichen Stelle von gerade. Wieso standen wir schon wieder? Die anderen Maschinen hĂ€tte mittlerweile alle weg sein mĂŒssen. War alles in Ordnung? Die Maschine ging in Bewegung und noch bevor wir merken konnten, dass das Flugzeug den gleichen Weg wie vor ein paar Stunden einschlug, meldete sich einer der Piloten mit einer Durchsage. âSehr geehrte FahrgĂ€ste, hiermit werden wir den Flugversuch abbrechen. Wenn wir zurĂŒck am Gate sind, können Sie das Flugzeug verlassen. In dem Flughafenrestaurant wird ein Abendessen fĂŒr Sie bereitgestellt. Diese Maschine wird aus SicherheitsgrĂŒnden den Boden nicht verlassen und da auf die schnelle kein weiteres Modell dieser GröĂe vorhanden ist, werden wir in Ezeiza bleiben. Safety first (das einzige englische Wort). Die Sicherheit unserer GĂ€ste ist höchste PrioritĂ€t!âÂ
Allgemeine Aufruhe in der Maschine und gröĂte VerĂ€rgerung meinerseits. NatĂŒrlich wollte ich die Sicherheit dieses Flugzeuges nicht herausfordern, aber ich hatte mich so sehr gefreut Buenos Aires und somit vorallem die Herrschaften der Migrationsbehörde hinter mir zu lassen. Wieso habe ich mich vor einer Stunde noch so bemĂŒht dieses blöde Flugzeug zu bekommen, wenn es jetzt doch hier blieb. Ich hĂ€tte mich einfach eine Stunde lang entspannt in die Halle des Terminal C setzen können. Hier war ich nun zu mĂŒde mich weiter aufzuregen. Ich zog meine Schuhe an, sammelte meine Sachen zusammen und verlieĂ mit meiner Sitznachbarin das Flugzeug. Das vor dem Abflug gewĂŒnschte Abendessen war um 2 Uhr nachts jetzt irgendwie unangebracht. Am Schalter unserer TĂŒr ging es nicht weiter. Alle bereits ausgestiegenen Passagiere diskutierten wild durcheinander und lieĂen keinen mehr vorbei. Das Bodenpersonal von AerolĂneas bemĂŒhte sich uns irgendwas mitzuteilen, jedoch erfolglos. Trotz Mikrofon hörte man die Passagiere bei weitem lauter rufen. Gar nicht so wirklich auf das jetzt bedacht, war mir die Frage, wann man eine andere Maschine auftreiben wĂŒrde, wichtiger. Was wurde jetzt aus meinem Barcelona-Trip? Was wĂŒrde aus meinem letzten Flug nach DĂŒsseldorf? Es waren zwei verschiedene Buchungen. Somit wĂŒrde sich AerolĂneas einen Teufel scheren, die mir darauf folgenden Kosten zu ersetzen. Die Hostelreservierung? Meine erste Frage hatten jetzt scheinbar auch andere. âEs wird versucht den Flug auf den Nachmittag zu verschiebenâ Jetzt ging das Gerufe und die Diskussion erst richtig los. Irgendwie hĂ€tte es mir gar nichts ausgemacht die Stunden bis zum Nachmittag am Flughafen zu verbringen, jedoch kamen jetzt weitere AuskĂŒnfte. âNach dem Abendessen im Flughafenrestaurant können Sie sich von unseren Mitarbeitern Voucher (Gutscheine) fĂŒr Taxifahrten und Hotelzimmer abholen. Reisende aus Buenos Aires wird es ĂŒberlassen zurĂŒck nach Hause zu fahren oder im Hotelzimmer zu schlafen. Sie werden auf dem Weg zum Ausgang zur Halle des Terminal A stehen, wo sie sich ĂŒberlegen können Ihr GepĂ€ck mitzunehmen oder die vorĂŒbergehende Zeit hier zu lassenâ Also gut. Wir gingen in Richtung Restaurant und setzten uns neben einen blonde Frau, die bis jetzt noch alleine am Tisch saĂ. Vanessa. Sie saĂ ja schlieĂlich im gleichem Boot, Ă€h Flugzeug. So kamen wir schnell ins GesprĂ€ch. Ăber Skype versuchte ich jemanden von zuhause zu erreichen. Durch die Zeitverschiebung mĂŒsste in Deutschland schon wieder morgen sein. Ich erreichte Kathi und klĂ€rte sie ĂŒber meine Situation auf. Da ich selbst nicht wusste was jetzt passieren wĂŒrde, versprach ich mich spĂ€ter noch mal zu melden. Gut, ich war in Buenos Aires. Auch wenn es jetzt schon sehr spĂ€t war, versuchte ich einen Freund San Telmo zu erreichen. âMein Flugzeug ist nicht gestartet. Ich bin in Buenos Airesâ schrieb ich, als keiner abnahm. Die Hoffnung vielleicht beim mehrfachen Klingeln ihn aus dem Bett zu holen, gab ich beim zweiten Versuch gleich wieder auf.
Auch wenn ich eines der MenĂŒs bestellte, erinnere ich mich jetzt nicht mehr an das Gericht. Es ist auch unwichtig. Wir machten uns zu dritt auf den Weg zum Ausgang des Transitbereiches. Auf dem Weg trafen wir kaum jemanden. Irgendwann fing uns ein Angestellter der AerolĂneas ein und leitete uns weiter zur GepĂ€ckausgabe. Von Vouchern wusste er nichts. Nun gut. Adriana und Vanessa wollten ihr GepĂ€ck mitnehmen. Ich hatte mir zuerst ĂŒberlegt das GepĂ€ck am Flughafen zu lassen, aber als ich nun sah, dass am Flughafen zu lagern, ĂŒbersetzt frei und ohne jegliche Beaufsichtigung neben den GepĂ€ckbĂ€ndern bedeutete, entschied ich mich doch um. Kurzzeitig war mir der Gedanke gekommen, die Möglichkeit zu nutzen und das Puerto Limon Hostel aufzusuchen. So könnte ich auf noch mehr bekannte Gesichter treffen. Das wĂŒrde mir jedoch keiner bezahlen und falls etwas mit dem Flug sein wĂŒrde, wĂ€re es wohl klug in der Gruppe meiner Mitreisenden zu bleiben. Wenn ich mich nicht auf eigene Faust auf ins Zentrum nach Buenos Aires aufmachen wĂŒrde, könnten mich die Koffer jetzt ja auch begleiten. Ich entdeckte sie sofort und verstaute sie auf einem GepĂ€ckwagen. In der Eingangshalle trafen wir auf weitere Passagiere unseres Fluges AR 1160. Ein Ă€lterer Herr erzĂ€hlte mir, dass er schon seit gestern Probleme hĂ€tte aus Argentinien weg zu kommen. Sein eigentlicher Flug wĂ€re am Dienstag Abend aus Buenos Aires gestartet, jedoch durch den Streik der AerolĂneas an diesem Tag ausgefallen und jetzt, heute, zwar aus anderen GrĂŒnden wieder nicht gestartet. Geteiltes Leid. Die Gruppe hatten auch auf ihrem Weg zum Ausgang keine Voucher bekommen. Man kann sich vorstellen wie gut wir uns von der Fluggesellschaft betreut fĂŒhlten. Irgendwann trafen wir dann auf eine Angestellte der AerolĂneas, die uns angespannt mitteilte, dass wir uns an die Anweisungen hĂ€tten halten sollen. Sie selbst hatte auch keine Voucher. âWoher sollen wir die denn nehmen, wenn keiner von Euch welche hatte?â Die vornehme Anrede hatte sich die Frau eindeutig verspielt. Sie kĂŒndigte an, sich dadrum zu kĂŒmmern und verschwand wieder. Hier hatte keiner eine Ahnung was los war. Manche waren sehr nervös, weil sie wie ich AnschlĂŒsse verpassen wĂŒrden. Dazu hatten die meisten auch nur wenige Stunden Zwischenaufenthalt in Barcelona und hatten jetzt schon keine realistische Chance mehr ihre AnschlĂŒsse zu bekommen. Dies lag bei mir ungewiss noch in den Sternen.
Es kamen immer mehr Menschen aus unserem Flugzeug zusammen und so warteten wir gemeinsam auf Neuigkeiten. Zwischendurch kamen noch mal Angestellte der AerolĂneas zu uns und teilten uns mit, dass keine PlĂ€tze in den kooperierenden Hotels der Fluggesellschaft mehr frei wĂ€ren. Auf die Reaktion meiner Mitreisende gehe ich hier besser nicht so genau ein. Es muss irgendwann nach fĂŒnf Uhr frĂŒh gewesen sein, als zwei Damen der Fluggesellschaft mit Vouchern um die Ecke kamen. âImmer nur zwei Personen auf ein Taxiâ, riefen sie. âEbenfalls wĂŒrden wir uns freuen, wenn Sie sich zu mehreren auf Zimmer verteilen wĂŒrdenâ Daraufhin kam vermehrt Protest mancher Reisende zu hören. Ich selbst hatte zwar keinen groĂen EinwĂ€nde mir ein Zimmer teilen zu sollen, jedoch wollte nach den ganzen Strapazen einfach mal meine Ruhe. Vielleicht, wo immer ich in Buenos Aires untergebracht sein wĂŒrde, könnte ich mich mit Freunden zum FrĂŒhstĂŒcken treffen und wollte selbst einfach den anderen keine Unruhe zumuten. Ich bekam ohne Aufwand einen Voucher fĂŒr ein Doppelzimmer allein fĂŒr mich ausgestellt. âCañuelasâ hieĂ das Hotel. Zwar bemĂŒhte ich mich den Ort des Hotels im Internet ausfindig zu machen, aber ich wurde aus dem was ich fand nicht schlau. Mit den uns zugeteilten Vouchern konnte man sich nun bei der zentralen Taxistelle anstellen und ein Taxi anfordern. Jedoch waren viele der Taxifahrer, fĂŒr deren Arbeit AerolĂneas uns Gutscheine erstellt hatte, ĂŒberall. Nur nicht am Flughafen. Viele hatten vor mir schon ihre Voucher bekommen und so hieĂ es weiter warten. Irgendwann kam ein junges Ehepaar aus Katalonien auf uns zu und teilte mit, dass bei Ihnen im Taxi noch ein freier Platz wĂ€re. So kam ich schlieĂlich ein bisschen eher ins Hotel als mit meinem Gutschein. Ich reichte ihn an andere weiter. Wir fuhren leider nicht ins Zentrum. Ein Treffen mit Freunden wĂŒrde sich also schwierig gestalten. Es wĂ€re ja auch zu schön gewesen! Die Fahrt ĂŒber unterhielten wir uns ĂŒber Katalonien und ĂŒberhaupt Barcelona. Sie erzĂ€hlten mir von der unfassbaren UnabhĂ€ngigkeitsbewegung ihrer Provinz und nach unserem langen GesprĂ€ch hatten sie einen neuen BefĂŒrworter ihrer Sache in mir gewonnen. Das Thema erinnerte mich an mein Spanischunterricht in der Schule. Dort hatten wir das Thema genau besprochen, doch erst jetzt konnte ich selbst mit dem Thema mehr anfangen. Wenn sie zwischendurch auf CatalĂĄn sprachen, konnte ich nichts verstehen. So hörte sich das also an... Es ist eine schöne Sprache, aber wie Portugiesisch fĂŒr mich. âWenn Du mal in Barcelona bist, kommst Du uns besuchenâ, freuten sie sich. Als wir im Hotel Cañuelas ankamen, saĂen bereits mehrere bekannte Gesichter aus der Terminalhalle im FrĂŒhstĂŒckssaal / Eingangsbereich. Sieben Uhr frĂŒh. Ich meldete mich an der Rezeption an, nahm den SchlĂŒssel an mich und beförderte mein GepĂ€ck aufs Zimmer.
Cañuelas, ein vier Sternehotel im Niergendwo der Provinz Buenos Aires, erinnerte mich an eines der Hotelhochburgen von Palma de Mallorca. Von innen sah alles irgendwie gleich aus. Brachte mich spĂ€ter noch groĂ durcheinander. Mein Zimmer war im dritten Stock. Da der Aufzug gut funktionierte, war mir alles Recht gewesen. Das GepĂ€ck im Zimmer verstaut, ging ich wieder runter in den FrĂŒhstĂŒckssaal. Ich wollte gucken, ob die anderen beiden MĂ€dels gut ankommen wĂŒrden, war zwar nicht hungrig, aber durstig und setzte mich so mit einem Kaffe noch ein bisschen zu den anderen. Ich bin Genusskaffeetrinkerin. Vor dem Schlafen Kaffee trinken machte mir nichts aus. Wir bekamen die Information, dass das Hotel von der AerolĂneas Informationen ĂŒber die neuen Flugdaten bekommen wĂŒrde und man teilte uns die Uhrzeit des Mittagessens mit. Das Essen war nicht mit dem aus dem Hotel meiner Gasteltern vergleichbar (ein Stern weniger), jedoch war es ok. Ich hatte all meine restlichen Pesos verschenkt und war froh, dass uns alles gestellt wurde. Als die beiden anderen kamen, half ich ihnen das GepĂ€ck hoch in den dritten Stock zu tragen. Wir vereinbarten keine Uhrzeit, aber waren uns einig, dass wir uns austauschen wĂŒrden, wenn wir was neues erfahren wĂŒrden und ich machte mich auf dem Weg zu meinem Zimmer. Ausversehen ging ich in ein Nachbarzimmer. Wieso war nicht abgeschlossen? MEINE KOFFER? Bis ich bemerkte, dass ich im Nachbarzimmer von Marcela und Liliana stand, vergingen einige Sekunden. Sie waren noch wach und lachten. Nachher wĂŒrde es eine heitere Geschichte sein, an die wir uns immer noch gern erinnerten, wenn wir ĂŒber das Abenteuer AR 1160 sprachen. Total verwirrt betrat ich kurz darauf mein Zimmer. Alles noch da. Ohne ins Bad zu gehen kuschelte ich mich in eines der Doppelbetten und legte mein Telefon fĂŒr Neuigkeiten direkt neben das Ohr. Mein Handy zeigte mir eine neue Nachricht von AerolĂneas an. Die SMS zeigte mir die neue Flugzeit an. â16:00 Uhrâ. Ich schlief sofort ein.
Eine Stunde spĂ€ter wurde ich von einem Anruf wieder geweckt. âDu bist in Buenos Aires?â Anruf und Nachrichten hatten ihn erreicht. Zwar befanden wir uns in der gleichen Provinz, jedoch genau auf den entgegnliegenden Seiten. Eine Busfahrt lohnte sich nicht. Wenn man mit den einfachen Bussen nur zum Flughafen aus dem Zentrum fuhr, war man zu lange unterwegs und ich befand mich doppelt so weit noch mal hinter dem Flughafen. Das Schicksal meinte es wirklich nicht gut mit mir. Nun wieder wach, bemerkte ich, dass ich eine neue SMS mit Flugzeiten angekommen war. â15. August, 21:00 Uhrâ Nein... Das konnte doch nicht sein. Am 15. August sollte ich fast genau inklusive Barcelona-Trip wieder zurĂŒck in DĂŒsseldorf sein. Nein. Ich konnte nicht mehr. Ich begann zu weinen. Mein Ăberraschungsplan am 16. August pĂŒnktlich zum Dicken G Festival wieder in Gevelsberg sein, fiel ins Wasser. Dazu war mein Flug nach Deutschland jetzt auch weg. Das ganze Geld... Damit jetzt noch allein gelassen zu werden, war zu viel fĂŒr mich...
Was nun? Mama könnte ich so nicht anrufen. Mich so hilflos zu wissen. Mich, die sich in Lateinamerika so vielen Aufgaben und Herausforderung gestellt hatte. Allein nach Brasilien gereist war... Ich wĂŒrde sie nur fĂŒrchterlich erschrecken und sah keinen Grund uns beide so fertig zu sehen. Kathi wĂ€re vielleicht eine bessere Idee und zum GlĂŒck ging sie auch sofort dran. Wahrscheinlich wartete sie bereits auch auf Neuigkeiten von mir. Ich weinte und versuchte mir etwas Fassung zurĂŒckzugewinnen und ihr die erschreckenden Neuigkeiten mitzuteilen. Das GefĂŒhl sich nicht mehr alleine der Situation zu stellen, half mir dabei einen klaren Kopf zurĂŒck zu gewinnen. Was waren meine Optionen? Ich könnte die verĂ€nderte Flugzeit annehmen und mĂŒsste mich in Barcelona um ein weiteres Ticket kĂŒmmern. Das Musikfestival wĂŒrde ich ein weiteres Jahr verpassen. Unzufriedenstellend. Vielleicht wĂ€re es möglich doch den Flug zu Ă€ndern und mit einer anderen kooperierenden Airline direkt nach Deutschland zu kommen. Ich wusste, dass die Lufthansa mit AerolĂneas zusammen arbeitet. Zwar gibt es nur Direktverbindungen nach Frankfurt, jedoch war mir das auf einmal sehr Recht. Ich wollte einfach nur noch nach Hause. Ja, diese Option zu versuchen klang gut. âVielleicht kann mir mein ReisebĂŒro in Bochum helfenâ, fiel mir ein, da ich die Reise damals ĂŒbers ReisebĂŒro gebucht hatte. Wir einigten uns, dass sie unsere Eltern ĂŒber die Situation aufklĂ€ren und ich das ReisebĂŒro verstĂ€ndigen wĂŒrde. Gesagt getan. Leider konnte mir aus Bochum nur bedingt geholfen werden. Mein Plan traf auf VerstĂ€ndnis, jedoch waren den Angestellten im ReisebĂŒro die HĂ€nde gebunden. Das System konnte mich nicht umbuchen. Ich könnte es nur versuchen vor Ort bzw. telefonisch zu regeln und bekam Zuspruch, dass fĂŒr mich eine Umbuchung direkt nach Deutschland am sinnvollsten wĂ€re. Dazu den Tipp, das Argument, dass die Lufthansa selbst nicht ganz unschuldig in meiner unglĂŒcklichen Situation war. Mein Hin- und RĂŒckflugticket, bestehend aus drei verschiedenen Flugzeugen pro Reise, konnte 2014 aufgrund von FlugausfĂ€llen der Lufthansa nicht mehr angeboten werden und ich hatte mich um ein neues Ticket fĂŒr die letzte Strecke kĂŒmmern mĂŒssen. Das wĂŒrde ich anfĂŒhren, wenn sie mir mitteilen wollten, dass mein Plan nicht möglich sei. Gar nicht mehr mĂŒde und voller Tatendrang entschied ich mich zu duschen, frisch anzuziehen und klĂ€rte Kathi kurz ĂŒber die Reaktion des ReisebĂŒros auf.
Nach der Dusche fĂŒhlte ich mich schon besser. Ein Blick auf meinen Handy zeigte mir schon wieder eine VerĂ€nderung der Flugzeit an. â14. August, 16:00 Uhrâ. Haha. Schlechter Witz. Jetzt also doch? Darauf wollte ich mich jetzt nicht mehr verlassen. Ich suchte alle meine wichtigen Reiseunterlagen zusammen und ging runter zur Rezeption. Hier war nicht viel los. Anscheinend war das ganze Hotel nur mit dem vom Pech verfolgten Reisenden der AerolĂneas belegt. âHaben Sie etwas ĂŒber die Flugzeit gehört?â, fragte ich ihn und zeigte ihm meine ganzen Nachrichten von der nun AR 1162 (zuvor AR 1160). Er wusste von nichts. Ich teilte ihm meine ganze Situation mit. Die Schwierigkeiten mit der Migrationsbehörde lieĂ ich zwar weg, aber irgendwann nickte er mir verstĂ€ndnisvoll zu. Ebenfalls sagte er mir zu, AerolĂneas Argentinas fĂŒr mich anzurufen, um ihnen meine Situation genau zu erklĂ€ren. Immer noch fĂŒhre ich ungern Telefonate auf Spanisch, auch wenn ich mich gut ausdrĂŒcken kann, verstehen mich nicht alle und ich konnte mir nur zu gut vorstellen, dass die Leute von der Hotline der argentinischen Fluggesellschaft dazu gehörten. Es dauerte ein bisschen, dass ĂŒberhaupt jemand abhieb, jedoch hatte der Rezeptionist meine Situation schnell erklĂ€rt und reichte mir nach kurzer Zeit doch den Höhrer hin. Ich nahm ihn entgegen. âHallo?â Ein junger Mann am Telefon teilte mir mit, dass er auch wenig von seinem Ort aus anrichten könnte. Er sah nicht, dass ich meine Augen sehr verdrehte, fuhr aber unbeirrt weiter fort, dass die Ersatzmaschine heute abend um 20:30 Uhr Ortszeit geplant wĂ€re. Heute und nicht morgen. â20:30 Uhr?â, fragte ich. Mein Telefon hatte mir gerade noch Nachmittag angezeigt. â20:30 Uhrâ, bestĂ€tigte er. âSie könnten versuchen den Flug zu wechseln, aber das mĂŒssten Sie am Flughafenschalter regeln. Es sind ein paar PlĂ€tze in dem Flugzeug der Lufthansa nach Frankfurt noch nicht belegt, aber ich kann ihnen von hier auch nicht sagen, ob dieser Wechsel möglich ist und wie lange die Tickets noch verfĂŒgbar sindâ âVielen Dankâ, verabschiede ich mich und bedankte mich auch beim hilfsbereitem Rezeptionisten. Was nun? Sollte ich es riskieren und zum Flughafen fahren? Mein Telefon zeigte mir jetzt die vom Mann genannten Uhrzeiten in einer neuen SMS an â14. August, 20:30 Uhrâ. Ich musste nochmal meine Schwester anrufen und um Rat fragen. âKönntest du denn den Anschlussflug aus Barcelona mit den verĂ€nderten Flugzeiten erreichen?â Ich guckte in meine Reiseunterlagen. Sollte der Flug wirklich dann los gehen, wĂŒrde ich ca. vier, vielleicht fĂŒnf Stunden Zeit in Barcelona haben. Das wĂ€re machbar. Hm.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen keinesfalls in das Flugzeug einer AerolĂneasmaschine mehr einzusteigen. Nicht weil ich mich nicht sicher fĂŒhlte, nein, weil ich der Organisation des Personals höchst skeptisch gegenĂŒber sah. WĂŒrde sie dann los fliegen oder nicht. Eigentlich war mir das viel zu riskant. In zwei Minuten wĂŒrde ich sicherlich wieder eine neue SMS bekommen. Ich berreute es fast, den Benachrichtigungen am Flughafen in CĂłrdoba beim Onlineeinchecken zugestimmt zu haben. HĂ€tte ich denn damit rechnen können, dass die mich mit Ănderungen ĂŒber Flugzeiten eindecken wĂŒrden? Von CĂłrdoba an? WĂŒrde ich mir ein Taxi rufen, um versuchen mit der Lufthansa von hier weg zu kommen, stĂ€nd ich direkt vor dem Problem kein Bargeld bei mir zu tragen. Das Hotel befand sich an einer Ruta (SchnellstraĂe) im niergendwo. Hier eine Bank zu suchen, schien mir keine gute Idee. Und dann war da diese Unsicherheit nicht zu wissen, ob ich den Flug tauschen könnte. WĂŒrde vermutlich von A nach B gescheucht werden, weil keiner sich auskannte und mir weiterhelfen wollte. Gedanken an mein ganzes GepĂ€ck... Nein.
Nein. Nein. Nein. âWollen wir hoffen, dass die Flugzeit bei 21:00 Uhr bleibt. Falls sie sich noch einmal Ă€ndert, breche ich sofort auf zum Flughafen. Wenn nicht, versuche ich esâ Das schien mir tatsĂ€chlich die einfachste Möglichkeit. Kathi auch. Dem ReisebĂŒro ebenfalls. Fantastisch. Auf einmal hatte ich viel Zeit. Es war noch keine Zeit zum Mittagessen und mĂŒde war ich schon gar nicht. Ich wartete auf meinem Zimmer auf keine neuen Benachrichtigungen von AerolĂneas. Erfolgreich sogar.
Nach einer Weile ging ich runter zu den anderen. Mittagessen. Die Schnitzel waren alle etwas angebrannt, aber ok. Ich hatte auch keinen groĂen Hunger. Adriana hatte von den ganzen Flugzeiten nichts mitbekommen und war jetzt auch etwas beunruhigt. Wir plauderten noch ein bisschen weiter ĂŒber unsere Fluggesellschaft des Vertrauens. Freunde von ihr hatten vermutet, dass keine technischen Probleme am Flugzeug gewesen waren. Eine FortfĂŒhrung des Streiks, um noch mehr Druck auszuĂŒben, war ihre Meinung. Hm. Da war ich mir nicht sicher. Aus meiner Erfahrung habe ich mitbekommen, dass Argentinier wohl bewusst und gern ihr Recht zum Streik nutzen (Thema Post...). Wieso sollten sie es anders abwickeln? Die Angestellten von AerolĂneas hatten so bei weitem weniger SpaĂ an der Sache, die Fluggesellschaft Unmengen an Kosten die warteten Passagiere unterzubringen, von A nach B zu transportieren... Wieso auf diese Weise, wenn es auch entspannt möglich war? Von der Kundenzufriedenheit ĂŒber die Abwicklung des Problems ganz zu schweigen. Die Rezeption lies uns jetzt mitteilen, dass in KĂŒrze ein Bus eintreffen wĂŒrde, der uns alle zum Flughafen bringen wĂŒrde. Wir holten unsere Sachen von den Zimmern, gaben die ZimmerschlĂŒssel ab und gesellten uns wieder zu den anderen. Endlich bekam ich mehr Klarheit ĂŒber die wohl technische Ursache unseres Problems von gestern Nacht. Die Piloten hatten bei ihrer letzten Kontrolle festgestellt, dass sich der WĂ€rmeausgleich der Turbinen nicht richtig regulieren lies. Ich kenne mich nicht gut mit Flugzeugtechnik aus, aber das hörte sich fĂŒr meine unwissenden Ohren auch gar nicht gut an und ich war froh, dass man sich zumindest auf die Kompetenz der Piloten von AerolĂneas verlassen konnte. Organisationstalent mal dahin gestellt, in dem wichtigstem Punkt, Sicherheit der Passagiere, hatten sie super reagiert. Es war schon witzig, wie uns das erste Problem gleich wieder einholte. Auch wenn die AerolĂneas eine genaue Liste der Anzahl von uns Passagieren in Cañuelas hatte, der Bus hatte zwei PlĂ€tze zu wenig. Die Dame, die von uns zuletzt in den Bus stieg, machte lautes Theater... Na super! Ein Taxi musste her. Kein Problem. Ein Taxi musste her, dass Kooperationen mit der Fluggesellschaft hatte. Na gut. Das gestaltete sich jetzt schwieriger. Wir verloren eine Stunde dank der schlimmen Dame (sie war irgendwie kompliziert) und dem Busfahrer, der sich weigerte zwei Personen im Gang sitzend mit zu nehmen. Okay, ein Unfall wĂŒrde auf seine Kappe gehen. Ich hatte doch VerstĂ€ndnis. âWahrscheinlich geht heute der Flug tatsĂ€chlich los, aber ohne euchâ, ging mir durch den Kopf. Ich versuchte mir einzureden, dass sie unsere Gruppe nicht hier zurĂŒck lassen könnten, nur weil sie nicht einen Bus fĂŒr alle bestellen wollten. Nein. Das war nicht unser Verschulden, dass wir nicht pĂŒnktlich waren. Am Flughafen Ezeiza angekommen, beeilten wir uns zusammen zur Kofferabgabe zu gelangen. Die Nummer unserer Maschine hatte sich verĂ€ndert, da der Linienflug von heute nach Barcelona auch AR 1160 hieĂ und geplant um 22:55 Uhr abheben sollte. Na ja, ob das auch passieren wĂŒrde... Ich war mir da nicht so sicher. Haha.
Ich konnte nicht glauben, dass es gleich los gehen sollte. Ich sah das noch nicht. Gleich wĂŒrde ich vor der Zollkabine stehen und sie wĂŒrden sich etwas neues einfallen lassen, weswegen ich heute nicht das Land verlassen könnte. Ich kannte die doch! Die StrafgebĂŒhr hatte ich zwar gestern bezahlt, jedoch war ich jetzt doch illegal lĂ€nger geblieben. Mir wurd schon wieder mulmig. Auf einmal bemerkte ich, dass der junge Mann der AerolĂneas, der vorhin noch unsere Tickets kontrolliert hatte, meine Aufmerksamkeit suchte. Er grinste zu mir rĂŒber, aber nach Flirten war mir jetzt eigeltich nicht zu Mute. Da es nun auch die anderen bemerkten, konnte ich es nicht so einfach ignorieren. Das Machogehabe wĂŒrde ich nun wirklich nicht vermissen, dachte ich mir. Obwohl... âSenhor?â Ohne groĂ zu ĂŒberlegen, winkte ich den Mann zu mir. Manche lachten. Ich ignorierte es und erzĂ€hlte ihm kurz ĂŒber meinen Fall von gestern und zeigte ihm die Quittung ĂŒber die AusreisegebĂŒhr. âWissen Sie, ob ich gleich wieder Probleme am Zoll bekommen?â Er guckte mich ernst an, sagte: âIch regel dasâ und verschwand mit meinen Papieren in der Hand in der Menschenmenge. Oh, oh. Na toll. Dieses Manöver war vielleicht doch nicht so klug gewesen. Als ich mir schon wieder Gedanken machte, er wĂŒrde vielleicht nicht mehr mit meinem Pass auftauchen, stand er wieder vor mir. âIch hab das geregelt. Kein Problem!â, er hielt mir stolz die Papiere hin. âSie haben die GebĂŒhr gestern bezahlt und das technische Problem ist nicht Ihr Fehlerâ Dankeschööööön! Mehr hatte ich gar nicht hören wollen âLassen Sie sich am GepĂ€ckschalter Schildchen mit âPriorityâ geben. Sicher ist sicherâ, er zwinkerte. âFalls meine Kollegen fragen, sagen Sie einfach, dass ich das fĂŒr Sie geregelt habe. Dann sollten Sie keine Schwierigkeiten habenâ, er grinste und ging zurĂŒck zum Eingang der Warteschlange. âHat er seinen Namen gesagt?â, fragte mich die Chilenin neben mir. Momentmal... Nein? âHe, ihr Name?â Sofort wissend wer hier gemeint sein mĂŒsste, drehte er sich bestĂ€tigt um. âJuanâ, rief er und grinste nochmal. Er hatte also demonstrativ vergessen, mir seinen Namen nicht mitgeteilt zu haben. Ach, ja. Der Juan! Als ich dran kam, bestand ich also darauf, dass an meine Koffer Prioretyschildchen angebracht wurden. Ich musste gar nichts von meinem âFlirtâ erwĂ€hnen, es gab keine EinwĂ€nde dagegen. Da ich schneller dran gekommen war als die anderen, wartete ich jetzt kurz auf sie und winkte Juan beim Weg Richtung Transitbereich noch mal zu.
Warten. Ticket einscannen. Warten. Sicherheitskontrolle. Warten... Zoll. Mir schon Worte und ErklĂ€rungen im Kopf bereit gelegt, machte die Angestellte einen neuen Stempel in den Pass und das Dokument. Krizelte noch handschriftlich was dazu und gab mir dann alles lĂ€chelnd zurĂŒck. Warum war Juan nicht schon gestern da gewesen? Ich konnte es kaum glauben, dass auf einmal alles reibungslos funktionierte. Die Treppe hoch an unserem neuen Gatetrafen wir auf die anderen Reisenden unserer Maschine. â Im Flughafenrestaurant stand Abendessen fĂŒr uns bereitâ Durch unsere spĂ€te Ankunft hatten wir das jetzt schon so gut wie verpasst. Manche gingen jedoch noch hin. Schon wieder Essen? Ich entschied mich am Gate zu warten. Es hatte sich bereits wieder eine Schlange vor der TĂŒr gebildet und auch wenn ich wusste, dass noch nicht Zeit war, ich wollte einfach nur noch ins Flugzeug. âSind hier europĂ€ische Reisende?â Ich guckte auf. Was? Wo? Der Ă€ltere Mann, der seine Tochter in Barcelona besuchen wollte, guckte in die Runde. Ich hob den Arm. âHierâ Ohne zu wissen wofĂŒr ich mich gerade meldete und gerade so laut, dass er mich hören konnte. âNur ein Reisetipp. Du solltest EntschĂ€digung fĂŒr die FlugverspĂ€tung und das Chaos verlangenâ, teilte er mir mit. âUnd was ist mit uns?â, meldete sich Marcela hinter uns?â âNadaâ, antworte er. âWir Argentinier bekommen kein Geld zurĂŒckâ (an die genauen GrĂŒnde erinnere ich mich nicht) âGehâ in Barcelona zum Schalter der AerolĂneas und beantrage ein Dokument, dass dir die VerspĂ€tung von gestern beweist. Dann bekommst du etwas an EntschĂ€digung zugesprochenâ Er lĂ€chelte und man merkte, dass er jetzt, wo er wusste, dass Argentinier nichts bekamen, zumindest alle anderen auf ihr Recht aufklĂ€ren wollte. Wenn nicht fĂŒr ihn, dann mindestens fĂŒr alle anderen.
Endlich durften wir das Flugzeug betreten. Ein bisschen von Flugangst, genauer Respekt vorm Fliegen, befallen, fĂŒhlte ich mich heute irgendwie sicherer beim Betreten der Maschine. Sollte etwas mit der Maschine nicht stimmen, die Piloten wĂŒrden unsere Sicherheit nicht aufs Spiel legen. Noch wahrscheinlicher, das Flugzeug war fĂŒnftmal mehr als sonst geprĂŒft worden. AerolĂneas wĂŒrde uns nicht weitere Strapazen zumuten.                             Adriana und ich saĂen zwar nicht genau auf den gleichen PlĂ€tzen wie gestern, aber wir hatten es geschafft, wieder PlĂ€tze nebeneinander zu bekommen. Dieses Mal bewusst. Die Flugbegleiterinnen fĂŒhrten die Sicherheitsbelehrungen durch, wir verlieĂen langsam das Gate und ohne lĂ€ngere Verzögerungen startete die Maschine durch. Kein Flattern der Bildschirme. Den Boden unter den FĂŒĂen soeben verloren, begann ein heftiges Klatschen der anderen Passagiere. Wir hatten Buenos Aires verlassen. Glauben konnte ich es noch nicht. Der lange Flug war von hier noch entspannter als auf der Hinreise gewesen. Kaum Turbulenzen, aber viel Schlaf bekam ich nicht. Das Filmangebot sprach mich nicht an, man konnte nur zwischen vier verschiedenen KanĂ€len wĂ€hlen und so behielt ich zwischen dösen und Musik hören das kleine Flugzeug unserer Reiseroute im Blick.
âBienvenidos a Barçelonaâ Am kommenden Nachmittag (europĂ€ische Zeit) landeten wir in der schönen Hauptstadt Kataloniens. Ich konnte es gar nicht glauben in ein paar Stunden meine Familie wiederzusehen. Papa hatte ich wirklich ein Jahr lang nicht gesehen, immer nur virtuell. Nach der ganzen Aufregung war ich froh nicht mehr eine Nacht in Barcelona zu haben. Barcelona konnte man ja schneller noch mal wieder machen. An der Passkontrolle war ich begeistert von den sogenannten âSelfsecurityâ-Kabinchen (mir fĂ€llt einfach keine bessere Beschreibung ein), wo sich nur noch ein Computer mit der Abfertigung deines Reisepasses beschĂ€ftigt. Dies funktioniert nur fĂŒr Reisende mit europĂ€ischem Pass, meine Mitreisende aus Argentinien mussten sich an die altbekannte Passkontrolle anstellen, so trennten sich kurz manche Wege. An der GepĂ€ckausgabe machten wir ein paar Erinnerungsfotos unserer AR 1160 und -62 / Cañuelas - Crew.                                        Juan sei Dank nochmal musste ich nicht lang auf meine beiden GepĂ€ckstĂŒcke warten. Priorety hatte meine Koffer sicher nach Barcelona befördert. Anders als das GepĂ€ck von Adriana, Vanessa und dem freundlichen Mann, der nur seine Tochter besuchen wollte. Als das GepĂ€ckband wieder stoppte, standen sie immer noch am GepĂ€ckband. Sie waren nicht alleine. Es waren noch viel mehr Menschen, die ihre Koffer vermissten. AerolĂneas schaffte es also doch noch mal das Organisationstalent unter Beweis zu stellen.
Hier trennten sich die Wege von der Cañuelas - Gang. Auch wenn das Endziel nicht von allen Barcelona war, mein Ziel teilte keiner. Wenn man alleine reist, am Ziel ankommt und dann da keiner ist, der auf dich wartet oder dich abholt, finde ich das fast immer traurig. Ausnahme Rio. Dort war ich einfach viel zu aufgeregt endlich meinen Traum von Brasilien erfĂŒllt zu haben. Hier war ich doch etwas geknickt, dass ein Teil meiner Familie erst in DĂŒsseldorf erwarten könnte. Mama und Kathi wĂŒrden mich erwarten. Papa war sich nicht sicher, ob er vielleicht arbeiten mĂŒsste... Ich machte mich auf den Weg in die Abflughalle. Mir blieb jetzt noch viel zu viel Zeit. So wollte ich mich zuerst um die BestĂ€tigung der FlugverspĂ€tung kĂŒmmern und lief danach ein bisschen durch die riesige Ankunftshalle, um mir die Beine zu vertreten. BloĂ nicht schon wieder sitzen. Als ich rausfand, dass es hier freies Wifi geben sollte, verbrachte ich meine Wartezeit nun damit, mich mit dem Iphone einzuwĂ€hlen. Leider erfolglos. âBei Iphones funktioniert es nicht so gutâ, gab der Mann an der Information zu. Na ja. Das funktioniert in Argentinien. Mit Wifi an den FlughĂ€fen hatte ich nie Probleme gehabt. Na schön. Gerne hĂ€tte ich ein âalles okâ nach Deutschland geschickt und es wĂ€re zwar nur ein allzu verlockender Zeitvertreib gewesen, aber gut. Kathi konnte meine Reiseroute im Internet nachverfolgen. AerolĂneas Argentinas wĂŒrde im Reiseplan bestimmt groĂ unterstreichen, dass der Flug AR 1160 oder 1162 endlich in Barcelona gelandet wĂ€re. NatĂŒrlich war ich eine der ersten, die an der GepĂ€ckabgabe von Air Berlin anstand, um endlich meine Koffer fĂŒr ein letztes Mal noch mal abzugeben. Das zweite GepĂ€ckstĂŒck hatte ich bereits ĂŒber das ReisebĂŒro hinzugebucht, so könnte mich nur noch das ĂbergepĂ€ck in Schwierigkeiten bringen. Irgendwie war ich ganz aufgeregt, dass so viele Menschen um mich rum hier Deutsch sprachen. Ich freundete mich gleich mit den beiden MĂ€nnern in der Schlange vor mir an, die ebenfalls eine abenteuerliche Geschichte mit dem ADAC zu erzĂ€hlen hatten und sie liehen mir kurz ein Handy, dass ich Kathi anrufen konnte. So froh ein Lebenszeichen von mir zu hören, viel es mir schwer bei dem kurzen Telefonat zu bleiben. âBis gleichâ, legte ich nach mehreren Minuten endlich auf.
âDie GepĂ€ckstĂŒcke wiegen beide mehr als 21 Kilogrammâ, stellte die Angestellte der Air Berlin Group prĂŒfend fest. Das wusste ich bereits und ging gar nicht darauf ein. Darauf kam âSie mĂŒssen das zweite GepĂ€ckstĂŒck bezahlenâ. Darauf war ich auch vorbereitet. Ich hatte schon bei der Buchung eine BestĂ€tigung verlangt und da dies irgendwie schwierig war, hatte ich einen Zettel in ReisebĂŒrocodes dabei. Die Zeile mit der Angabe der GepĂ€ckstĂŒcke unterschrichen. Ich reichte ihn ihr. Anscheinend war sie wie ich der ReisebĂŒrocodesprache nicht befĂ€higt und schĂŒttelte sie den Kopf. So langsam machte sich Unruhe hinter mir bemerkt. âSie mĂŒssen zu unserem Schalter gehen und den zweiten Koffer bezahlenâ Da ich genau wusste, dass jeglicher Protest erfolglos scheitern wĂŒrde, folgte ich ihren Anweisungen und begab mich zum Schalter â Dank meines Beine-vertretens wusste ich zum GlĂŒck genau, dass sich dieser am anderen Ende der groĂen Halle befand. Dort angekommen, bestĂ€tigte mir die Frau am Schalter, dass ich bereits bezahlt hatte und rief ihre verehrte Kollegin an der GepĂ€ckannahme an. Da meine Koffer dort geblieben waren, ging ich also wieder zurĂŒck, an all den Wartenden vorbei und holte mir von der verlegenen Angestellten mein Flugticket ab. NatĂŒrlich wurde ich gleich beim Sicherheitscheck wieder aufgehalten und durfte nach dem dritten mal âPiepâ endlich weiter. Jetzt hatte ich gar keine Zeit mehr mich hier umzusehen und hier im Transitbereich gab es ein Zara! Oh, wie hatte ich Zara vermisst! Aber jetzt wĂŒrde alles ganz schnell gehen. Im Flugzeug nahm ich in der letzten Reihe am Fenster neben zwei Barcelonaurlaubern, die in meinem Alter sein mĂŒssten, platz. Wie die besten PlĂ€tze in der 552 ganz hinten! Haha.
Unser Flug startete aufgrund von Unwetterbedingungen ĂŒber Barcelona leicht verspĂ€tet, was uns der Pilot in seinem VergnĂŒgen sich uns mitzuteilen noch vorm Verlassen des Gates gleich in der BegrĂŒĂung erzĂ€hlte. âSehr geehrte FluggĂ€ste, leider können wir nicht ganz zeitgemÀà Barcelona verlassen, da die Stadt von einem Unwetter umkreist ist bla bla...â Kurz darauf. âSehr geehrte FluggĂ€ste, wir haben soeben die Mitteilung erhalten, dass es in vier Minuten endlich los gehtâ Nach exakt vier Minuten: âSehr geehrte FluggĂ€ste, leider können wir die vier Minuten nicht einhalten. In zwei Minuten geht es aber jetzt losâ Der argentinische Pilot hĂ€tte sich von dem hier mal eine Scheibe abschneiden können. âSehr geehrte FahrgĂ€ste, in KĂŒrze erreichen wir DĂŒsseldorf Flughafen. Das Wetter ist leider auch nicht viel schöner als in Spanien. Es regnet bla bla...â Ich wĂŒnschte mir fast den argentinischen Piloten zurĂŒck.                                                         Mit meinem Sitznachbar verstand ich mich gleich so gut, dass wir am Ende des Flugs Telefonnummern austauschten. Trotz all der Katastrophen hatte ich wundervolle Menschen um mich. Das vergisst man bei all dem Chaos schnell mitzuteilen. WĂ€hrend des Fluges entertainten uns die drei kleinen MĂ€dels vor uns, die ohne ihre Eltern reisten und die Flugbegleitungen mit sĂŒĂen Fragen bombadierten.
Applaus. Wir waren gelandet. Im Gegensatz zu meinen Sitznachbarn platzte ich fast vor Aufregung wieder in Deutschland zu sein. Wir wurden mir dem Shuttlebus zum FlughafengebĂ€ude gebracht. Ich erinnerte mich jetzt wieder ganau an den Hinflug. Es fĂŒhlte sich wie gestern an, als mir kurz vorm Start bewusst wurde, dass ich jetzt wirklich ein Jahr lang nicht deutschen Boden betreten wĂŒrde. Aufregend! FĂŒr mein Sommerkleid mit Hawaianas â Look war es zwar bei dem Wetter etwas kĂŒhl, konnte meine Begeisterung aber nicht mindern. Mein GepĂ€ck lieĂ auch gar nicht lange auf sich warten. Jetzt war es so weit. âHalloooooooo Mama + Kathi!â âHallo Mama + Kathi?â âHallo Mama + Kathi + Thomas + Marlene + Clara + Max + Ute + Josi + Jana + Anna + Hauke + Elisaâ besser gesagt. Luftballon, Wein und Bilder... Und ich wusste von nichts! Ein ĂŒberweltigendes GefĂŒhl wieder hier zu sein. Danke fĂŒr den unfassbar schönen Moment, Anfang und Ende einer langen Reise.
â„
 Ich habe natĂŒrlich versucht ein bisschen Humor in dieses fĂŒr mich fast traumatisches Erlebnis zu packen. Alles ist so passiert. Vielleicht ist Sinn fĂŒr Humor und argentinische Leichtigkeit die einzig wahre Möglichkeit damit umzugehen. Ob ich aber drauf angesprechen werden möchte, weiĂ ich noch nicht. Bis auf den Namen âJuanâ ist alles genau so passiert, leider habe ich den Namen des wohl einzigen engagierten Mitarbeiters (ob mit oder ohne Hintergedanken) der AerolĂneas vergessen. Vielleicht hieĂ er aber auch wirklich âJuanâ. Vielleicht war der Grund warum ich den letzten Bericht so lange vor mir her geschoben habe, nicht ausschlieĂlich das RĂŒckkehrtrauma â mein Wort â sondern auch die Feststellung, dass somit Con â Alegria, ein Versuch mein Abenteuer in Lateinamerika festzuhalten, somit fast fertig ist. FĂŒr alle FĂ€lle ist âCom â Alegriaâ, eine mögliche Schwester von Con â Alegria fĂŒr weitere Abenteuer in Brasilien reserviert. Ich freu mich drauf.
 CON â ALEGRIA.
Travel guide Franco :)
A los Ășltimos dĂas.. Viel zu wenig war ich wĂ€hrend meines Argentinienabenteuers in La Cumbrecita gewesen, dem verwunschenem Ărtchen gut 30 km entfernt von Villa General Belrgano. Das Abenteuer vor der Nase blind es immer sofort wahr zu nehmen. Wundervoller Ausflug mit Mattie und Franco! :)
Oh, Buenos Aires!
"Ich liebe diese Stadt ĂŒbelst... Und ich hasse sie!" Wer meinen Blog genau verfolgt, weiĂ woher ich diese Aussage genommen habe. Es ist wirklich schwer diese auĂergewöhnliche schöne Stadt zu beschreiben. Ohne wirklich lange Zeit hier verbracht zu haben, bin ich mit dir eng verbunden Buenos Aires. Zu gern erinnere ich mich an meinen ersten Besuch im September zurĂŒck. Noch nie zuvor war ich in einer so aufregenden und imposanten Stadt gewesen, mein erster Gedanke "Hier bleibe ich. Und wenn ich nicht bleibe, dann komme ich doch zurĂŒck zu dir". Doch Gedanken kommen und gehen. Nicht alle Menschen machen besondere Erfahrungen und Augenblicke und denken an dich so zurĂŒck wie ich. Du kannst sehr beĂ€ngstigend sein. So beĂ€ngstigend und gleich so wunderschön. Wie machst du das? Ich wollte nicht wieder kommen. Es ist nur nicht so leicht, wenn sich bei dir das meiste Leben abspielt. Du bist ganz schön aufregend. ZurĂŒck bei dir braucht es nicht lange und ich möchte nicht mehr gehen. Gedanken kommen zurĂŒck. Ich bin glĂŒcklich. GlĂŒcklich hier bei dir. Zusammen allein. Liebe? Ja, vielleicht. Ein Tango. Leben ist eine Folge von Momenten. Es liegt an dir, wie du sie lebst. Freiheit? Ja, ein bisschen. Doch der Abschied naht. Es macht mir Angst. Keine Angst vor dir. Nein, nein. Angst vor mir. Angst vor Entscheidungen. "Pass auf, dass du nicht auf deinen StraĂen fĂ€llst!" Besser gehe ich allein. Nein. Du begleitest mich. Was zögerst du hinaus? Es ist kein Abschied. Aber was ist es wenn ich jetzt gehe? Buenos Aires du machst mich mĂŒde. Ich weiĂ es nicht. WĂ€re ich direkt gegangen. Was zöger ich hinaus? Ein GefĂŒhl von zuhause sein werde ich bei dir zurĂŒck lassen. Eine Kehrseite des Reisen. In der Welt zuhause. Oh, Buenos Aires...

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BOMBA DE TIEMPO.
Buenos Aires Juli 2.0. !
Familienselfie!
Letzter Tag unserer gemeinsamen Reisezeit! Liebste GrĂŒĂe aus dem charmanten GĂŒemes. - x
Ohrwurm: The Bird and the Bee: I'm Into Something Good! Check it out!

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JUST ARRIVED IN CORDOBA CAPITAL. NIIIIIIIICEE!
NĂ€chstes und vorerst letztes Ziel: CĂłrdoba.
Nach einer langen und wunderschönen Exkursion geht es jetzt weiter nach CĂłrdoba Stadt. Matthias, der schon einen Tag eher als Kathi und ich zurĂŒck gefahren ist, wartet sicher schon auf uns. Auch wenn ich nur ungern von hier fort möchte, habe ich CĂłrdoba meine argentinische Heimat wirklich sehr vermisst. Auf ein Wiedersehen! x