16. August
Der zweite Tag des Wochenendes. Der letzte Tag, bevor morgen wieder die Tagesklinik beginnt und damit diese künstliche Struktur zurückkommt, die mich zumindest irgendwie durch die Tage trägt. Die Nacht war eine kleine Katastrophe. Ich habe massiv geschwitzt, war unruhig, angespannt, einfach nicht in der Lage, richtig abzuschalten. Irgendwann lag ich wohl eine gute Stunde, vielleicht anderthalb Stunden wach und habe versucht, meine Gedanken irgendwie leiser zu bekommen. Hat natürlich nicht funktioniert. Zu viele Gedanken, zu viel Anspannung, zu viel von diesem Gefühl, dass in mir irgendetwas arbeitet, ohne dass ich wirklich sagen kann, was genau es eigentlich will. Irgendwann bin ich dann doch wieder eingeschlafen und gegen acht Uhr aufgewacht.
Ich bin aus dem Bett, direkt an den Computer, Sachen angemacht und mich anschließend um das Wichtigste gekümmert: Kaffee. Der Vormittag verlief dann eigentlich ganz unspektakulär. Heroes of the Storm mit meinem besten Freund und einer Freundin, ein bisschen Ablenkung, ein bisschen Normalität. Am Nachmittag bin ich ins Rollenspiel eingestiegen, obwohl eigentlich gar nicht wirklich etwas los war. Ich habe ein wenig mit Yaleria, der Kräuterdame, gespielt und ansonsten nicht sonderlich viel erreicht. Und irgendwie fühlt sich genau das gerade unbefriedigend an. Als hätte der Tag stattgefunden, ohne wirklich irgendwo angekommen zu sein. Zwischendurch habe ich mir immerhin Mittag gekocht. Nicht besonders gesund, nicht besonders abwechslungsreich, aber es hat satt gemacht. Dazu ein Energy Drink – und mit der Zeit habe ich gemerkt, wie die Anspannung in mir immer weiter angestiegen ist.
Vor allem dieser Druck. Dieser Wunsch, endlich mit dir zusammenzuziehen und diesen ganzen Stress hinter uns zu lassen. Ich weiß, dass deine Familie dir nicht gut tut, und gleichzeitig möchte ich dich dabei unterstützen, deinen eigenen Weg zu gehen. Vielleicht verstehe ich einfach nicht, warum man bei Menschen bleiben möchte, die einem nicht gut tun, nur weil sie Familie sind. Familie ist Familie, ja. Aber was ist, wenn wir irgendwann unsere eigene Familie gründen? Der Gedanke hängt gerade irgendwo in meinem Kopf fest und löst etwas in mir aus, das sich nicht wirklich gut anfühlt. Vielleicht Angst. Vielleicht Überforderung. Vielleicht einfach nur die Erkenntnis, wie viel Zukunft eigentlich vor uns liegt und wie wenig Kontrolle ich darüber habe.
Heute Abend haben wir zusammen eine kleine Beauty-Routine gemacht. Das war schön. So ein kleiner Moment, der sich leicht angefühlt hat und in dem für ein paar Minuten nicht alles so schwer war. Und jetzt liege ich seit einer halben, dreiviertel Stunde im Bett und weiß nicht, wohin mit mir. Ich fühle mich fehl am Platz. Irgendwie nicht dazugehörig in dieser Welt, als wäre für mich kein richtiger Platz vorgesehen. Vielleicht ist das nur dieses Gefühl, das immer lauter wird, wenn die Struktur fehlt. Vielleicht wird es morgen wieder etwas leiser, wenn die Tagesklinik beginnt und wieder jemand vorgibt, wann ich aufstehen, wann ich reden und wann ich mich mit mir selbst auseinandersetzen soll. Vielleicht hilft es. Ich hoffe es. Denn gerade fühlt sich alles einfach nur leer, schwer und irgendwie falsch an.










