Wenn es einen ernsthaften Stromausfall gibt, dann ist mindestens in fast ganz Deutschland, vermutlich aber auch in angrenzenden Ländern, der Strom weg. So wie im November 2006, damals allerdings nur für ein paar Stunden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stromausfall_in_Europa_im_November_2006
Der Stromausfall damals war nur ein kleines Vorspiel verglichen damit, was uns heutzutage droht, weil damals nämlich die ganzen Schutzsysteme funktioniert haben und man mit herkömmlichen Methoden und generatorgetriebenen Kraftwerken das ganze wieder zum Laufen bekommen konnte, ohne dass es entscheidende Schäden an der Netzinfrastruktur gab.
Es wird irgendwann in den nächsten Jahren nicht mehr so sein. Es wird zu einem richtigen flächendeckenden Stromausfall kommen, bei dem auch die Infrastruktur nicht mehr funktioniert.
Ich durfte dieses Jahr einen sehr kleinen, sehr harmlosen Vorgeschmack selbst miterleben, als - örtlich begrenzt - in ein paar kleineren Dörfern und Städten in Ostseenähe unangekündigt der Strom abgeschaltet werden mußte. Ca. von morgens irgendwann zwischen 8 und 9 bis abends gegen 18 bis 19 Uhr. Also etwa 10 Stunden.
Mitzuerleben, in welchem Ausmaß ein Stromausfall von zehn Stunden in einem dünn besiedelten, industrielosen Touristengebiet die Menschen und die Behörden an ihre Grenzen treibt, war schon heilsam.
Es wurde Feuerwehr und THW aus über 50 km Umkreis herbeigezogen, um in diesem kleinen Landstrich wenigstens notdürftigste Versorgungsaufgaben zu übernehmen. In den Straßen stank es nach Abwasser, weil das THW zwar an den für einen solchen Fall vorbestimmten Punkten Fahrzeuge mit Generatoren hingestellt hatte, die die Pumpen betrieben, aber offensichtlich nicht der reguläre Betrieb des Abwassernetzes gewähleistet werden konnte, was sich bereits nach wenigen Stunden riechbar auswirkte. Sämtliche Apotheken und Tankstellen und fast alle Restaurants und Geschäfte waren geschlossen. Einzig ein EDEKA hatte dank Notstromaggregat geöffnet, und zwar 5 Kassen. Die Kundenschlange zog sich vom Eingang durch den kompletten Laden, als gäbe es morgen nix mehr zu essen. Nebenan bei Aldi standen drei Herren im dunklen Anzug offensichtlich zusammen mit einem Filialleiter und waren sichtlich schlechter Stimmung. Vermutlich musste das gesamte Kühlsortiment weggeworfen werden.
An einigen Stellen brannte immerhin noch etwas Licht oder so - das waren Häuser, die eigene Solarzellen auf dem Dach hatten.
Das Festnetz funktionierte nicht, noch nicht mal in den Kliniken. Das Handynetz funktionierte grundsätzlich, war aber vollkommen überlastet, da tausende Leute versuchten, jemanden anzurufen und zu erzählen, dass Stromausfall ist. Ich sah ein absolut verzweifeltes Ehepaar auf der Straße, die sich so hineingesteigert hatten, dass sie es offensichtlich als grenzenlosen Notfall und Extremsituation empfanden, irgendwelche Verwandten anzurufen und denen zu sagen, dass alles in Ordnung ist. Generell war auf den Straßen sowohl fußgänger- als auch PKW-mäßig extrem viel los, weil den Leuten wahrscheinlich aus Strommangel so unglaublich langweilig war, dass sie einfach mal raus mußten. Okay, ich war ja auch dabei, als Katastrophentourist.
Der Rettungsdienst hatte ein sehr entspanntes Leben. Dadurch, dass niemand telefonieren konnte, gab es auch keine Notfälle mehr. Sie wurden nur von der nächstgelegenen Uniklinik zu den Patienten mit Kunstherz geschickt, um die zuhause abzuholen und irgendwo hinzufahren, wo es Strom gibt, weil die halt nur eine Reserve von 12 Stunden oder so haben und dann alle Akkus leer sind. Das waren nur 2 Leute in diesem Niemandsland. In einer Großstadt würde es anders aussehen.
Eine große Zahl an Menschen war überhaupt nicht entspannt, und das bei einem örtlich begrenzten Stromausfall von wenigen Stunden, bei dem auch von vornherein bekannt und soweit möglich publik gemacht worden ist, dass er nur einen begrenzten Zeitraum dauern wird. Es musst eine Hochspannungsleitung abgeschaltet werden, weil ein Feuer direkt unter der Leitung drohte, sie zu beschädigen, so dass Kurzschlüsse oder ein Herabfallen der Leitung nicht ausgeschlossen werden konnte.