1.8.2019
Auf Umwegen zum Astronauten
Wir sind im Campingurlaub in Cornwall. Normalerweise gucken wir im Urlaub tatsächlich wenig bis kein Fernsehen, heute kommt aber das Finale von “The Masked Singer” auf ProSieben und das möchte ich wirklich sehr gerne sehen.
Gegen 19 Uhr fange ich also an, auszuprobieren, wie ich die Sendung empfangen kann. Es gibt immerhin Internet auf dem Campingplatz, so dass ich schon mal nicht über meine Mobildaten gehen muss. Ich habe noch eine Stunde Zeit, bis die Sendung anfängt, da muss sich eine sinnvolle Lösung finden, denke ich.
Erster Versuch: Die offizielle Seite von ProSieben, hier gibt es einen Livestream. Wie befürchtet kommt mir hier aber mein aktueller Standort in die Quere. Die Seite erkennt, dass ich in England bin und möchte mir den gewünschten Inhalt nicht zur Verfügung stellen. Auch über die App auf dem Smartphone geht es nicht (aus den gleichen Gründen).
Während ich im Facebook Messenger bereits anderen Leuten mein Problem schildere, nehme ich den nächsten Versuch in Angriff: Ich verbinde mich per VPN mit meinem Rechner im Büro in Köln. Ab diesem Moment bin ich offiziell im deutschen Internet und kann den Livestream ganz regulär gucken. Ich bin etwas stolz auf meine findige Lösung, schnell stellen sich aber die Nachteile heraus. Die Gesamtkonstruktion von Campingplatzinternet, VPN und Livestream entpuppt sich als eher fragil und da vor allem die VPN-Verbindung der Schwachpunkt zu sein scheint, wird der Stream noch nicht mal ordentlich gebuffert. Nach wenigen Minuten gebe ich genervt auf.
In der Zwischenzeit hat sich ein weiteres Problem ergeben: Ich hatte die Zeitverschiebung nicht im Hinterkopf, in Deutschland ist schon längst 20:15 Uhr die Sendung läuft also schon, so dass ich jetzt auch ein bisschen unter Zeitdruck komme.
In der Zwischenzeit habe ich zwei freundliche Angebote von den Leuten im Facebook Messenger bekommen, mir wird sowohl die Mitnutzung eines Proxydienstes angeboten als auch die Mitnutzung eines Kontos bei Zattoo, einer Streamingplattform fĂĽr Fernsehinhalte.
Weil es schneller und unproblematischer geht, probiere ich es erstmal mit Zattoo. Tatsächlich scheint meine IP-Adresse hier kein Problem zu sein und ich kann die gesamte Sendung auf dem Laptop in unserem VW-Bus gucken, während ich Scotch Eggs von Marks & Spencer esse und kornischen Cider trinke. Gelegentlich gibt es kleine Bufferprobleme und die Übertragung stoppt, dann hilft es meistens, die Übertragung einmal neu zu starten und man hat wieder für einige Zeit Ruhe.
Am Ende siegt der Sänger, der im Astronautenkostüm steckt. Wir sind zufrieden, ich danke den netten Menschen, die mich bei meinem langen Weg zum Livestream so tatkräftig unterstützt haben und werde den Rest des Urlaubs dann auch kein Fernsehen mehr gucken.
(Anne SchĂĽĂźler)











