Worum's geht: Wanderung, etwas Geschichte zu den Redwoods, Werbung fĂĽr Rosinen, eine rĂĽstige Volunteer
Nur 25 Minuten vom Campingplatz Abalone entfernt liegt der Zugang zu einem der Redwood State Parks, der auch zufällig unter den Google-Rezensionen empfohlen wurde. Ich habe mir eine kleine Challenge gegeben und eine Hin-und-Zurück-Wanderung mit steilem Gefälle ausgesucht. Genauer gesagt habe ich das mit dem Gefälle übersehen und natürlich falsch angefangen, nämlich auf dem Berg geparkt und mir den beschwerlichen Teil der Wanderung für den Rückweg aufgehoben. Gut, dass ich den ultimativen Energiespender dabei hatte, nämlich kalifornische Sultaninen (ergo ein Stück Kindheit, weshalb die Verpackung ein eigenes Poserfoto verdient).
Ich rechnete mit ungefähr 3,5h Stunden Trail+Pause, am Ende war es doch weniger, da ich nicht den ganzen Weg zum Highway hinuntergelaufen bin. Der dröhnte schon von weitem den Berg rauf, weshalb ich vorher schon umkehrte.
Start war am Lady Bird Johnson Grove Rundweg, benannt nach der Dame, die sich für den Erhalt der Redwood-Bäume stark gemacht hat. Im Video sieht man nicht nur mit meinem üblichen Gewackel die wunderbare Natur, sondern kriegt auch einen Kurzabriss zur Chronologie eines Artenschutzes.
Nach ca 25 Minuten bog ich auf den steilen und wenig belaufenen In & Out-Trail namens Berry Glen ab und von hier an, gestehe ich, wird die 3D-Erinnerung brüchig, denn ich hing nur vor dem Handybildschirm, so groß war die Begeisterung all das mit meiner tollen - gefühlt - 1,2 Pixel-Handykamera einzufangen. Der Lady Bird-Abschnitt gehört wohl noch zum second-growth-Wald, d.h. hier wurde einmal alles gerodet und es gibt quasi keinen natürlich gewachsenen Wald bis auf wenige Beispiele. Siehe abfotografierte Texttafel oben. Der Berry Glen-Abschnitt (den ich wie gesagt leider verkehrt herum betreten habe - man sollte ihn am besten von Elk Meadow im Tal starten, dort den Highway überqueren und dann den bewaldeten Hang hinaufklettern - oben gibt es zahlreiche ruhig gelegene Rastmöglichkeiten) ist hingegen Urwald, die Bäume wesentlich älter und der Platz zwischen ihnen aufgeräumt mit vorwiegend Farn und wenig anderen Baumarten bewachsen.
Trotz Handydemenz weiß ich zumindest noch, dass ich in einem Baum stand und einen misslungenen 360-Grad-Sprungkick hätte machen können - es wäre locker Platz dafür gewesen. Ich sah einen umgestürzten Stamm quer über dem Wanderpfad, auf dem eine Tanne/Douglasie (?) wuchs und deren Wurzeln wie dicke Schlangen an diesem Stamm entlangwuchsen. Ich sah auch eine Bananenschnecke - und nein, das Foto ist nicht farblich nachbearbeitet. Eine ältere Dame, die mir begegnete, erzählte begeistert, dass sie nach "ripe bananas" sucht, also Bananenschnecken mit braunen Punkten, denn die seien selten geworden.
Wir geraten ins Palavern, denn ich merke, dass sie viel über die Gegend weiß und sie antwortet mir bereitwillig und ausschweifend alle Fragen. Sie erzählt, dass die Redwoods deshalb so gut an der pazifischen Küste wachsen, da sie den trockenen Boden mögen aber auf den feuchten Nebel, der morgens bis in die Mittagsstunde die Hänge hinaufzieht, angewiesen sind. Die Redwood-Borke ist schwer brennbar, denn ihr Harz besteht im Gegensatz zu Fichten und Tannen aus überwiegend Wasser. "Combustion", sagt sie Dame lachend, "takes a long time". Während also in Waldbränden die meiste Flora den Flammen zum Opfer fällt, haben die roten Riesen eine gute Überlebenschance.
Man sieht viele Redwoods mit Brandspuren: Sie sind von innen komplett ausgehöhlt, aber die lebensnotwendige Borke ist erhalten - der Baum lebt weiter. Die Frau möchte noch wissen, wo ich herkomme und rührt, in der Annahme ich sei wohl noch Studentin, die Werbetrommel für national park volunteering (Freiwilligenarbeit im Nationalpark). Aber sagt dann auch, dass sie bis ins Rentenalter in Kalifornien und Arizona als Volunteer tätig gewesen sei. Sie spricht mit einem Feuer in ihren Augen, den ich bei vielen Amerikanern, denen ich über den Weg gelaufen bin, bislang vermisse.