Tag 1385 / âMöchten Sie einen Abdruck der Pfote Ihrer Katze?â
fragte die Frau im Tierkrematorium. Nein. Die Katze hat AbdrĂŒcke hinterlassen, die sind eindrĂŒcklicher, nachdrĂŒcklicher als eins dieser Abschiedsdevotionalien aus Gips oder Edelstahl. Ich hatte mich nie zuvor mit dem Wirtschaftszweig befasst, der vom Tod der Haustiere lebt. Erst im Moment, wo es mich betrifft, bin ich erstaunt, ob des professionellen Marketings. NatĂŒrlich brauchen diese Bestattungsinstitute auch Logos, Slogans, eine Corporate Identity, so wie TierĂ€rzte heutzutage. Zum Lebensende noch ordentlich Asche machen, nicht nur mit der Asche. Einzelkremierung ist teurer als mehrere Tiere gleichzeitig. Dem beizuwohnen, kostet noch mal extra. Die gĂŒnstigste Urne: 49 Euro. Nach oben sind bis weit ĂŒber 200 Euro kaum Grenzen. "Möchten Sie einen Abdruck der Pfote Ihrer Katze?" Nein. Ich möchte gar nicht an diesem Tisch sitzen mit SĂ€uselentspannungsmusik im Hintergrund, mit Kerzen und Blumen und all diesen Traueraccessoires, den Bestattungsartikeln, dem Kommerz um den Schmerz. Ich möchte auch nicht darĂŒber schreiben wie das war. Ich hĂ€tte nicht "Katze" sagen sollen eben in der Runde. "Hund" vielleicht oder "Schwan". Am Montag, als ich Ignatius traf, hatte ich doch SchwĂ€ne gesehen in dem Kanal in Kreuzberg. Dieser Kanal, an dem wir oft spazieren gingen, als ich in der Tagesklinik war. Hund, Maus, Katze. Huhn, Meise, Schwan. Ich habe Katze gesagt, weil "Das Jahr der Katze", das Jahr des Abschieds von der Katze bald zuende geht. Und weil ich feststelle, dass ich ĂŒber vieles dies betreffend noch gar nichts geschrieben habe. Vielleicht war es jetzt an der Zeit. Ich hab das nicht weggedrĂŒckt damals, den Ablauf des BestattungsgesprĂ€chs, es war am Todestag, an den Tagen danach, bis heute, nicht wichtig fĂŒr mich zu notieren. Ich habe die Worte des Papstes aus dem Film ins Handy gehackt, als wir vom Kino zu einem CafĂ© gingen, in dem es ziemlich unleckere Waffeln gab. Meine Waffeln schmecken viel besser! Aber ich habe seit Ewigkeiten keine Waffeln mehr gebacken. Eben, als ich ein Foto aussuchte fĂŒr meinen Fotoadventskalender, mein Fotoprojekt, das mich trocken hĂ€lt, begegnete mir die Waffel mit einer 17 aus Mangoscheiben drauf liegend. 17 fĂŒr 17 trockene Monate. (Tag 520) Trockenheit, die Bedeutung derer, die damit verbundenen Herausforderungen, begreift eine Katze wohl nicht so umfĂ€nglich wie ein Zweibeiner das kann. Wobei sie gespĂŒrt haben wird, dass was mit mir los war, nass und trocken, trocknend. Ich wĂŒrde jetzt gerne weiterschreiben. Ewig und weiter und mehr. Im Fluss des Schreibens bin ich seltener in den vergangen Tagen, Wochen, Monaten. DafĂŒr mehr im Fluss des Lebens. Und das, obwohl mir so viel Tod begegnet ist. Vielleicht gerade deswegen. Mein erstes Weihnachten ohne Katze steht bevor. Sie wird mich beschĂ€ftigen. Sie ist noch da. Auch ohne Abdruck der Pfote.











