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Pastor E. F. Etzenkirchen - Archive Log 12.09.2056
Edelhardt Fürchtegott Etzenkirchen (geb. 1994 in Köln) war der Gründer der analogen Verbinder. Wie der militant protestantische Name bereits ahnen lässt, war Edelhardt. F. Etzenkirchen das Kind von zwei neo-lutheranischen Sektenmitgliedern und wurde als ein solcher großgezogen. Nachdem es im schulischen Physikunterricht zu einem haarsträubenden Unfall kam, in dem ein Potentiometer, mehrere Transistoren, ein Spulenmodul und ein ungesicherter Gleichstromanschluss verwickelt waren, verbrachte der junge Edelhardt 13 Monate im Koma und musste nach seiner Genesung mit ausgedehnten Brandwunden am rechten Unterarm leben. Trotz großer Schmerzen beendete er seine schulische Ausbildung in Rekordzeit und begann im Sommersemster 2014 das geplante Studium der systematischen Theologie an der Universität Tübingen.
Seine 2018 in Lyon veröffentlichte Masterarbeit über André-Marie Ampère sorgte für einen kleinen Skandal, in deren Folge Etzenkirchen ein Lehrverbot erhielt und vom Vikariat im deutschsprachigen Raum ausgeschlossen wurde. Sein ehemaliger Fachbereichsleiter wird mit den Worten zitiert ihm sei „erst bei Vorlage der fertigen Masterarbeit endgültig klar geworden, dass bei Herrn Etzenkirchen einige zentrale Schaltkreise durchgebrannt“ seien. Die Vorschläge, die Etzenkirchen zur Reformierung der evangelischen Kirche dargelegt hatte, seien „ein weiteres Glied in einer traurigen Kette von Verfehlungen berufener Geister, die lange vor Emanuel Swedenborgs „Engelsgesprächen“ begann und offenbar weit über Lorenz Okens törichte Pneumatologie hinausgeht.“
Solchermaßen in seiner beruflichen und religiösen Ehre beschnitten befasste sich E. F. Etzenkirchen mit den zahlreichen freichristlichen Gemeinden und wurde 2024 vom Leiter des neugegründeten Transhumanischen Konvents zum „freien Pastor“ ernannt. Aus seiner Tätigkeit als Prediger und seinem biographisch bedingten Interesse an Elektrodynamik entwickelte Etzenkirchen ein hermetisches Wahnsystem, fand aber nichtsdestotrotz einen Verleger für sein thaumaturgisches Traktat „Handbuch zur Invokation von Engeln zweiter Klasse“, dass er zusammen mit dem naturwissenschaftlichen Renegaten Dr. Hans-Martin Sibelius verfasste. Obwohl das Handbuch in einem Kleinverlag für Kuriositäten erschien, wurde es in kurzer Zeit zu einem Kassenschlager für Transhumanisten. Der Erfolg des 32jährigen elektrischen Esoterikers war nicht mehr aufzuhalten. Während der Entstehung der Interzonen baute er - mit Hilfe eines ererbten Vermögens - ein europaweites Netzwerk auf, mit dessen Hilfe er 2033 die Sekte „Die analogen Verbinder“ gründete. Durch seine zahlreichen Kontakte zu Politik und Militär konnte er auch nach der Abriegelung der Interzones ungehindert in den freien Regionen wirken. Das Zentrum der analogen Verbinder befindet sich bis heute im ehemaligen Nationalpark Eifel, wo es 2035 in den Mauern des alten Wasserkraftwerk Heimbach errichtet wurde.
Die ungeheure Popularität der enigmatisch-kryptischen Lehre Edelhardt Etzenkirchens lässt sich m.E. nur dadurch erklären, dass sie günstigen Nährboden in einer fruchtbare Nische zwischen obsoleter New-Age-Esoterik und dem Unbehagen gegenüber dem Netzoligopol gefunden hatte. Ein potenter Cocktail aus wwoofer-Romantik, gemeinschaftlichen Ritualen, technopessimistischen Ressentiments, funzelnden Glühlampen und kölschem Klüngel, der große Teile der abgehängten Interzone-Bevölkerung in seinen Bann zog.
Kurz nach Veröffentlichung seines Hauptwerks „Waldesweben und Menschenweh“, das deutlich depressiv-barocke Züge trägt, wurde die mutmaßliche Asche Edelhardt F. Etzenkirchen in einem Rectenna-Feld in der Nähe der Interzone Berlin gefunden. Bis heute ist unklar ob es sich um Selbstmord handelte und welche Rolle Pastor Etzenkirchen im AI-Debakel 2042/43 gespielt hat. Bibliographie (Ausschnitt): 2018 - Edelhardt F. Etzenkirchen - Ampère - Fils de Dieu? - Une preuve de l’existence de Dieu par la intensité du courant
2026 - Edelhardt F. Etzenkirchen / Dr. Hans-Martin Sibelius - Handbuch zur Invokation von Engeln zweiter Klasse
2028 - Edelhardt F. Etzenkirchen - Electric Power to the People oder Elektrizität liebt dich 2031 - Dispositive des Digitalen (Herausgegeben vom transhumanen Konvent der Interzone Köln)
2032 - Reverend E.F. Etzenkirchen - The Analogue Turn in Western Theology
2035 - Die quantenphysikalische Renaissance des Gottesbeweises (Jahresschrift der Analogen Verbinder, Heimbach i.d. Eifel)
2042 - Edelhardt F. Etzenkirchen - Waldesweben und Menschenweh