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Fake Days Festival 2011
Hinter den Bergen bei den sieben Zwergen ohne Berge, Zwerge aber mit vielen Kühen trafen sich am 19. und 20. August eine Hand voll Hipster, um ein bisschen musikalisches Nerdtum am Rande des Mainsteams zu feiern. Genauso schwer, wie die Aussage in diesem Satz war auch das „Festivalgelände“ zu finden. Hans’ Bauernhof, Raa-Besenbek, Schleswig-Holstein - gibt es etwas Norddeutscheres? Letztendlich konnten aber so viele Autos und Zelte am Rande einer Dorfstraße mit sonst nix auf den richtigen Ort Hinweis geben. Kaum haben es die schon am frühen Nachmittag des zweiten Tages ordentlich betütelten „Einlasser“ geschafft einem das Bändchen ums Handgelenk zu bappen, war man schon in Mitten von ...allem. Das Festivalgelände, ein alter Bauernhof, stellte sich als übersichtlich heraus.Schon das zweite Jahr in Folge stellten hier ein paar Jungveranstalter ein Festival auf die Beine, dessen Deutschquote kaum überboten werden kann. Zudem waren gefühlt mehr Artists auf dem Gelände als Publikum. Und ja, wer kennt sie nicht die Bands mit den wohlklingenden Namen wie: We Are Alaska (ehem. Alaska), Camera, Bryan Kessler, Fresshu, Der Ringer, Momo, Vienna, All Plastic Now... Headliner am Samstag waren The Kabeedies. Die Band aus Norwich, England spielt sonst auch gerne mal Sonntagmittag auf dem Vorschot beim Dockville, um endgültig das Größenverhältnis zu anderen Festivals auszuloten.Das Gelände war aber besonders Liebevoll gestaltet. Trotz sichtbar weniger Möglichkeiten waren insgesamt drei Bühnen und ein Kino (!) sowie ein Saloon untergebracht und alles einen Steinwurf von einander entfernt. Zwischendrin sind überall selbst gebastelte Sitzgelegenheiten drapiert und alles ist ganz entzückend mit Zeugs dekoriert – Tine Wittler kann hier wirklich nicht gewesen sein! Und frei nach dem Motto „Wir machen aus Schieße Gold“ lag im Zentrum der Dekorationswut ein riesiger (Zitat Veranstalter) Kackhaufen. Bei all der frischen Luft musste man direkt aufpassen nicht schon mit den Hühnern müde zu werden, aber dagegen war mit Kaffee und Mate gesorgt. Im Kino spielen die schlechtesten Filme, die Deutschland zu bieten hat und auf den Bühnen eben diverse unknown Bands und DJ’s, nicht immer dem Timetable folgend... aber es wurde sich ja sowieso aller Zwänge entledigt. Und wenn das Publikum mal den Anfang einer Band verpasste lief der Veranstalter persönlich mit Megafon übers Gelände um alle zur Mainstage zu scheuchen, worauf hin auch keiner reagierte. Free your mind. Ich habe mir dann Der Ringer mal angeguckt oder eher angehört, denn vor lauter Blattwerk an der Hauptbühne waren die Jungs nicht wirklich zu sehen. Da kam wohl bei näherem hinhören deutscher indie/rock/pop bei raus. Joa war ganz nett auf nen chilligen Samstagnachmittag.Etwas später spielte noch Rory Hill, Bassist der Kabeedies, sein eigenes Singer/Songwriter Set in der dritten Bühne die sonst als Carport oder Ähnliches dient. Am Freitag solls recht voll gewesen sein, ansonsten habe ich von den über 400 Leuten die bei FB der Veranstaltung zugesagt haben eher wenig gespürt. Der Samstag war offensichtlich nicht so gut besucht. Oder gab es tatsächlich Leute die nicht hingefunden hatten?Zurück zu den Acts. Ich bin zwar kein Fan von Singer/Songwriter, aber in der lockeren höchst botanischen Atmosphäre und den einfach zu krassen Kommentaren Rory’s zu seinen eigenen Songs, entstand so etwas wie familiäre Gemütlichkeit. Und hey, er kann singen und dass ist irgendwie wichtig wenn man nur sich selbst und eine Gitarre zum performen hat. Viele Stunden und a lot of Blödsinn später waren die Kabeedies dann als Instrumental-Musikalischer Abschluss an der Reihe. Dazu fand sich dann auch ein vergleichsweise beachtliches Publikum zusammen. Mittendrin der Sänger von We Are Alaska, allen deren Promo-Sticker aufdrückend. Da blieb selbst die Band nicht verschont. (By the way: Wie sind die Dinger IN meine Tasche gekommen?!)The Kabeedies sind eine (wie schon in dem ein oder anderen Blog erwähnt) ziemlich gute Liveband, absolut für jeden Spaß zu haben und tanzbar ohne Ende. Mittlerweile gibt es auch schon eine Menge neuer Songs, sodass ein neues Album nicht mehr weit entfernt sein kann (man munkelt Januar 2012). Danach fing es doch tatsächlich an zu regnen. Welch eine ausgemachte Frechheit wo es doch endlich mal nach Sommer aussah. Der DJ im „ill Floor“ legte auch nur Chill-Out-Mukke auf, die an booooring kaum zu überbieten war. Im Kino lief der schlechteste deutsche Splatter Film aller Zeiten – ja das Ende gestaltete sich etwas schwach, ansonsten ist dieses Independent Festival aber eindeutig lobens- und wiederholenswert.