dreißigster oktober zweitausendundsechzehn
Die zweite Uni-Woche ist jetzt auch vorbei und ich fühl mich wie ein kleiner Vogel der gerade in der großen freien Welt ausgesetzt wurde und keine Orientierung hat. Alles ist so tausend mal größer als in der Schule, es gibt nicht mehr die Stille, die verträumt in der Ecke sitzt oder den Streber, der sich jede Minute meldet. Du bist einer von Vielen, einer von Hunderten. Du siehst jeden Tag neue Gesichter und sitzt jeden Tag in einer anderen Reihe. Du musst dir nicht selber den Mund verbieten, weil du eigentlich auch was vom Unterricht mitbekommen willst, obwohl du deiner besten Freundin doch sooo viel zu erzählen hast. Nein, du bist sogar froh, wenn der neben dir dich etwas fragt, damit die peinliche Stille zwischen euch verschwindet.
Ich habe auch zwei Mädels kennengelernt, die sehr nett sind und mit denen ich mich immer vorm Hörsaal treffe, sodass wir nebeneinander sitzen können, aber ich kann mir nicht vorstellen ihnen meine halbe Lebensgeschichte zu erzählen, so wie ich es bei meinen Mädels kann.
Und nach der Uni geht die Orientierungslosigkeit direkt weiter. Du fährst in einem überfüllten Zug wieder heim und siehst auch dort jeden Tag neue Leute, die du alle nicht kennst. Du kommst heim und solltest irgendetwas kochen, doch dir fehlen die Ideen, du musst lernen, den Stoff der Stunden nach- und vorarbeiten, um am Ball zu bleiben. Und dich um die Wohnung kümmern, dass auch alles sauber ist.
Mich überfordert das alles ein bisschen, aber ich gebe mein Bestes und bin froh, dass ich den besten Freund der Welt an meiner Seite hab. Er hilft mir in allen Dingen und kann mir nach einem anstrengenden Tag ein breites Lächeln ins Gesicht zaubern. Im Moment bin ich auch noch ziemlich motiviert, was die Schule betrifft. Ich lerne jeden Tag ein bisschen, um mir den Stoff einzuprägen. Ich hoffe das bleibt noch eine Weile so.