Besucherlokalisation vs. Inhalt
Man kann es dem vorhergegangenen post entnehmen, es geht um das Dauerthema "Besucherlokalisation".
Hier wird das System von Ubisense vorgestellt. Es ist das zur Zeit Genaueste und ermöglicht eine 3D Lokalisation auf 15cm genau. Was nützt mir das im Museum? Wahrscheinlich gar nichts außer, dass es absurd teuer ist. Es schadet aber nie, sich Gedanken zu einem System zu machen. Ubisense wird vorwiegend in der Industrie eingesetzt, um komplexe Montiervprgänge durch Lokalisation und eindeutige Zuordnung zu erleichtern. Also im Beispiel von BMW wird jedes Auto mit einem RFID Tag versehen (RFID-Eintrittskarte). Der Tag ist ein aktiver kleiner Funksender. Das Auto (Besucher) bewegt sich auf einem Förderband (Museum). An jeder Montagestation (Exponat) wird nun die Kennung des Autos ausgelesen, um zu erfahren, welche Sitze beispielsweise eingebaut werden sollen (Kinder-/Jugend/-Erwachsenenführung). Dann wird das entsprechende Werkzeug, das für die Montage des speziellen Sitzes notwendig ist, gesucht (zielgruppenspezifischer Inhalt).
Was hat uns die Industrie wieder gelehrt? Was nutzt es mir, mein Auto gefunden zu haben, wenn ich nicht weiß welchen Sitz ich einbauen soll und welches Werkzeug ich dafür brauche! Lokalisation eines Besuchers macht also nur dann im Museum Sinn, wenn ich auch personalisierten Inhalte für Zielgruppen habe. Das absolute Minimum wären Fremdsprachen. Es würde also manchmal Sinn machen, ein Museum als Inhaltsfabrik zu betrachten und dazu eine Montagestrecke aufzubauen. Das fördert ganzheitliches Denken und gibt mir einen besseren Überblick über die Kosten. Denn entscheidend sind nicht unbedingt die Kosten für die Technik zur Lokalisierung meiner Besucher. Ich muss ja auch noch die entsprechenden Inhalte produzieren und bezahlen.
Warum lohnt sich das System für die Industrie? Die Arbeitszeitersparnis liegt dadruch bei mehreren Minuten pro Einheit. Da 1000 Einheiten am Tag vom Band laufen, spart das System Millionen ein und hat sich schnell amortisiert. Das kann man natürlich nicht so einfach auf ein Museum übertragen. Bei einem Museum ist ja zunächst nur die Investition zu sehen: Technik, Infrastruktur, Inhaltsproduktion.
Aber: Wenn ein Besucher von einem solchen System bedient wird, dann erhält er einen persönlichen Service. Zudem können sehr viel mehr qualitative Inhalte darüber vermittelt werden, da es Unterebenen ermöglicht. Ist die Inhaltsebene genauso vernetzt, wie die Ebene der Lokalisierung, dann kann der Inhalt nachgeführt werden-ich biete demselben Besucher also nicht denselben Inhalt zweimal an. Ich könnte sogar seinen Rundgang anonym für ihn ablegen und ihm bei seinem nächsten Besuch einen anderen anbieten. Ziel ist es also den Besucher zu animieren mehrmals in mein Museum zu gehen.
Moral: Ich muss schon genau wissen, warum ich meinen Besucher lokalisieren will und was ich dann mit ihm zu tun gedenke. Das hilft entscheidend bei der Auswahl der Technologie.