Garden Route, siebter Tag
Unser Proviant ging langsam dem Ende zu und außerdem wollten wir uns etwas leckeres für die Rückfahrt kaufen. Deshalb liefen wir am nächsten Morgen die 20 Minuten auf der schnurgeraden Straße zum nächsten Supermarkt.
Fast pünktlich waren wir mit einigen Leckereien wieder am Backpacker, um den Shuttle zu den Cango Caves zu nehmen. Dort angekommen, offenbarte uns der Fahrer, er würde hier warten, bis wir mit den Höhlen fertig wären. Uns beiden tat das ein bisschen leid, aber ihn schien das Warten nicht weiter zu stören. Also betraten wir das Anmelde-Gebäude, in dem es neben der Rezeption noch einen kitschigen Souvenir-Laden und ein Restaurant gab.
Wir entschieden uns an der Rezeption für die „Adventure Tour“. Würde man eine gleichnamige Tour in Deutschland buchen, wäre man wohl eher enttäuscht, aber hier bedeutet „adventure“ auch wirklich „Abendteuer“. Das erlebten wir während der 90 minütigen Tour, welche u.a. durch engste Gänge, in denen man gebückt laufen musste, hautenge Tunnel und kleine Spalten, durch die man durchkriechen/rutschen musste, führte. Aber vorerst betraten wir mit unserer zwanzig Mann starken Gruppe eine gigantisch große Höhle mit Stalaktiten und Stalagmiten. Dort drinnen wurden sogar früher Konzerte aufgeführt, doch aufgrund von Vandalismus wieder untersagt.
Unser Guide sprach vor allem am Anfang, wie vom Band, aber es stellte sich heraus, dass er eine gute Portion Humor besaß. Nachdem wir weitere Gänge und Höhlen gesehen hatten, begann der Adventure-Teil. Auf Geheiß hatten wir unsere Taschen glücklicherweise vorher im Auto gelassen. Das war bei der folgenden Klettereien auch definitiv von Nöten.
Als wir bereits einige enge Stellen bewältigt hatten, kam der schwierigste Part: ein rutschiger Schacht, gerade breit genug für einen Menschen. Dieser führte in einen kleinen Hohlraum, von dem aus man mit den Füßen voran, durch einen Spalt in die nächste Höhle rutschen sollte. Wir gehörten zu den Ersten und beobachteten gespannt, wie Mensch für Mensch an der Öffnung erschien und auf seine ganz eigene Art und Weise auf unserer Seite hinunter rutschte. Einer der Männer erklärte sich bereit, die Anderen durch diese schwierige Stelle zu führen (der Guide war nämlich mit Hilfestellungen auf der anderen Seite beschäftigt). Weil wir dort unten als Gruppe agierten, stieg die Stimmung an und das Zusammengehörigkeitsgefühl wuchs. Man kam plötzlich ins Gespräch, was bei normalen Touren selten der Fall ist. Leider war die Tour für ein Mädchen eine zu große Strapaze und sie begann an der engen Stelle zu weinen. Wir und einige andere Teilnehmer machten es sich dann zur Aufgabe, sie abzulenken und aufzumuntern. Am Besten gelang das meiner Freundin, indem sie ihre Afrikaans-Kenntnisse (das Mädchen sprach vor allem Afrikaans) auspackte, denn diese hatte ihre Freude daran, die angeblich falsche Aussprache von meiner Freundin zu korrigieren. Als wir den Ausgang der Höhle erreicht hatten, war sie sichtlich erleichtert. Die Eltern dankten uns im Anschluss ganz lieb für die Hilfe.
Unser nächster Stopp war die Straußenfarm. Dort verbrachten wir gefühlte 10 Minuten. Zuerst erläuterte der Guide uns, mit wenig Begeisterung die Entwicklung des Straußes im Ei und stellte uns dann die verschiedenen Strauße vor, wobei einer von ihnen sogar zahm war. Spielchen, wie Umarmungen und Massagen von einem Strauß gehörten auch zum Programm. Am Schluss durfte man sich auf Straußeneier stellen. Der daraufhin zu bewundernde Souvenir-Laden wies, oh Wunder, viele Produkte mit Straußenfedern auf. Schlussendlich hätte man die Tour auch sein lassen können.
Auf der Fahrt zurück zum Backpacker und unserem Gepäck erfuhren wir, dass der BazBus für diesen Tag ausgebucht war. Also mussten wir zwangsläufig einen weiteren Tag einplanen. Als wir wieder im Backpacker in Oudtshoorn ankamen, wurden wir ein zweites Mal an diesem Tag überrascht. Der Besitzer hatte unsere Sachen eigenhändig eingepackt, und zwar in Müllsäcke, statt uns vorher zu sagen, dass der Schlafsaal zu einem bestimmten Zeitpunkt geräumt sein sollte. Entnervt versuchte ich, während meine Freundin ihre Sachen auf fehlende Kleidungsstücke kontrollierte, noch einen Backpacker in George für die nächste Nacht zu finden. Der erste Backpacker den ich anrief, es handelte sich um einen Deutsch-südafrikanischen, sagte, er habe noch ein Zimmer frei. Der Shuttle-Fahrer brachte uns anschließend netterweise bis vor den Backpacker, wobei ihm nicht bewusst war, dass selbiger umgezogen war. Nach einem drei Minuten Marsch hatten wir ihn dann aber schon gefunden.
Das Begrüßungskomitee dort war etwas eigenartig, aber als zwei deutsche alte Herren kamen, wurde es richtig nett. Einer der beiden war der Besitzer und der Andere sein Kumpel. Dieser lud uns sogar zu einer Rundfahrt durch George ein, bei welcher wir ausnahmsweise auf das Gelände der Universität dort gelassen wurden. Wir befanden uns dort mitten in einem Wald, in dem es vor kurzem gebrannte hatte. Dieses Phänomen ist leider in Südafrika im Sommer sehr häufig zu beobachten.
Im Anschluss fuhren wir auf einer ehemaligen Verbindungsstraße zum nächsten Ort an vielen Flüssen vorbei und machten fast überall Halt. Schließlich müssen junge Menschen ja immer Bilder machen, das war zumindest die Meinung des älteren Herren. Schlussendlich fanden wir uns auf einer Schotterstraße wieder, die sein hochmodernes Auto mit Automatik, ohne Probleme bewältigte, wie er betonte. Man kam sich bei der Fahrt wie ein Enkelkind vor. Es war richtig nett.
Nach der Tour brachte er uns noch zu seinem Lieblingsrestaurant und erklärte dort den Angestellten auf einer Mischung aus Deutsch und Afrikaans, dass er hier öfters essen würde und uns deshalb hier her gebracht hatte. Nachdem er wieder abgefahren war und wir kurz überlegt hatten, setzten wir uns hin und gestellten bei dem netten Kellner zwei verschiedene Fische. Der Fisch der Saison war genau so, wie man ihn sich vorstellte, zart, buttrig und einfach lecker. Entschuldigung an dieser Stelle schon mal an die Vegetarier, aber diesen Fisch konnte ich mir nicht entgehen lassen. Der andere war einfach ein Backfisch.
Später erfuhren wir, dass es in den, im Garten des Restaurants wachsenden Zitronenbäumen sogar Chamäleons geben sollte. Wir konnten sie leider nicht entdecken.
Wieder im Backpacker genossen wir die super bequemen Betten und das freie Wlan.
















