The streets in an industrial area, Seoul, South Korea
condition: horrified, aggressive, possessive
also on the scene: @lifefastdxyyoung
Es sah alles so gut aus. Navin lag vorne, der Abstand zwischen ihm und seinem Verfolger wurde immer größer. Tommy war bis in die letzten Enden seiner Muskeln angespannt, fieberte mit. Der Jüngere würde gewinnen, das wusste er. Er gewann immer. Ein Lächeln lag trotz der Anspannung auf den Lippen des Halb-Asiaten als er das Auto Navins auf die improvisierte Ziellinie zurasen sah.
Schüsse zerrissen die Luft, ließen ihn zusammen zucken. Es war nicht so, dass er noch nie damit konfrontiert worden war. Doch hier und jetzt hatte er nicht damit gerechnet. Schockiert sah er sich um, sah zu dem Mechaniker neben sich, der ziemlich verbissen drein schaute. Tommys Blick fiel auf den Wagen, der jetzt abrupt zum Stehen kam, direkt vor ihnen. Navin stieg aus, der Sieger des Straßenrennens, doch er wurde nicht wie sonst sofort umschwärmt und gefeiert. Alles blieb still und starrte auf die zersplitterte Heckscheibe seines Autos. Seines Heiligtums.
Tommy kämpfte sich durch die Menge, direkt auf den Jüngeren zu und gerade als er nur noch wenige Schritte von ihm entfernt war, hielt der Zweitplatzierte. Es stieg ein Abbild Navins aus. Man erkannte feine Unterschiede, wenn man genauer hinsah, doch die beiden Männer waren sich wie aus dem Gesicht geschnitten und er stockte, blieb stehen. Verwirrt sah er zwischen ihnen hin und her, dann hob das fremde Ebenbild Navins den Arm — in der Hand eine Pistole, die auf das Original zielte. Für Tommy war er das Original und noch bevor er schalten konnte, war er vorgestürmt und hatte ausgeholt. Seine Faust traf auf die Nase des Fremden, er hörte es knacken und spürte es nachgeben, noch bevor der Kopf des Mannes nach hinten schnellte. Blut strömte aus seiner Nase hervor als er sich gefangen hatte und Tommy begegnete ihm mit einem wilden Blick in den Augen, auch wenn seine Hand schmerzte. "Du krümmst ihm kein Haar, Arschloch", knurrte er wütend.
Die Waffe, die aufgrund des überraschenden Angriffs zu Boden gefallen war, wurde in diesem Moment von jemand anderem geschnappt, weg gerissen, während die beiden Kontrahenten von je zwei Männern an den Armen gepackt und auseinander gezerrt wurden. Tommy ließ den Schützen nicht aus den Augen, bis er neben Navin stand. Dieser sah ihn selbst schockiert an, blickte langsam hinab zu der blutverschmierten Hand. Dann sah Tommy, wie der Rennfahrer die Augen verdrehte, die Panik stand ihm nach wie vor ins Gesicht geschrieben, und Navin brach zusammen. Sofort riss er sich los, fing ihn auf, nahm ihn auf die Arme und warf einen Blick zu Loren. Der Mechaniker nickte ihm zu, eine stille Konversation, und Thomas beförderte den Bewusstlosen zu seinem Motorrad. Auf dem Weg dorthin kam Navin langsam wieder zu sich und hielt sich zitternd an dem Älteren fest.
Es war eine lange und schweigsame Fahrt gewesen und ebenso schweigsam lagen sie nun gemeinsam im Bett. Fest hatte Tommy den Anderen in die Arme geschlossen, ließ ihn sich in der Geborgenheit von Decke und Umarmung verstecken und zur Ruhe kommen. Nur leise fielen ab und zu ein paar Worte; beruhigend von Tommys Seite aus, entschuldigend von Navins. Dabei gab es überhaupt keinen Grund, dass sich der Jüngere entschuldigen musste, so sah jedenfalls Tommy es.
"Was würde es brauchen, um ihn zu retten? Besser machen kann man so einen Tag nicht mehr, aber vielleicht... gerade so noch retten?", kam es Tommy nun über die Lippen. Leise, während sie sich einfach hielten. "Willst du wirklich wissen, was mir jetzt gut tun würde?" Tommy nickte. Natürlich wollte er das wissen, Navin war ihm wichtig. "Ein Kuss. Gib mir nur einen Kuss und lass mich wenigstens für einen Moment vergessen was heute passiert ist. Nur einen Moment, Tommy. Mehr... mehr musst du mir auch nicht geben." Und ohne, dass er überhaupt weiter darüber nachgedacht hätte, gab der Halb-Kanadier ihm das, was sich der Andere wünschte. Ihre Lippen fanden einander und auch Tommy vergaß für einen Augenblick, was passiert war. Was überhaupt jemals passiert war. Das Gefühl, das dieser erste Kuss der beiden Männer auslöste, war ein lange vergessenes und zum ersten Mal seit Ewigkeiten fühlte er sich aufgefangen. Das, obwohl er doch derjenige war, der auffangen wollte. Halt bieten und Sicherheit. Doch so wie sich ihre Lippen im Einklang miteinander bewegten, spielte für sie beide die Welt draußen keine Rolle mehr.
Daran, dass Navins Zwilling die Szene an der Rennstrecke vielleicht noch mitbekommen und somit eine Vorstellung davon hatte, dass sie sich einander wichtig waren — nun wahrscheinlich mehr denn je — verschwendeten sie jetzt keinen Gedanken mehr.