Imaginando TKFX Traktor Controller Test
Das Schöne am bunten, groĂen App-Kosmos ist ja, dass jeder, der eine (mehr oder weniger) pfiffige Idee im Kopf hat und des Programmierens mĂ€chtig ist, sofort zur Tat schreiten und das fertige Produkt innerhalb kĂŒrzester Zeit unters Volk bringen kann. Dies hat gerade im Musikbereich fĂŒr eine schier endlose Zahl an Programmen gesorgt, deren Spektrum von nutzlos bis unverzichtbar reicht. Die umtriebige portugiesische Software-Manufaktur Imaginando will uns mit ihrer App TKFX nun die Effektsteuerung von Traktor auf das MobilgerĂ€t unserer Wahl bringen.
Als passionierter DJ Controller Controller-DJ wird man sich an dieser Stelle vielleicht fragen, was das soll, denn die meisten Hardware-Controller verwenden nicht wenige ihrer zahlreichen Bedienelemente genau fĂŒr dieses Thema: die Effektsteuerung. Allerdings sind den Möglichkeiten hier aufgrund der physikalischen Abmessungen des Befehlsgebers selbst natĂŒrlich enge Grenzen gesetzt. Daher hat sich bei den meisten Herstellern ein Mapping aus drei Potis etabliert, was naturgemÀà nur einen Ausschnitt der verfĂŒgbaren Möglichkeiten widerspiegelt. Der Bedarf fĂŒr eine dedizierte Steuerung ist also durchaus gegeben. Wenn sie dann noch auf iOS- und Android-MobilgerĂ€ten lauffĂ€hig ist und einem die Entwickler eine echte Trialware zur VerfĂŒgung stellen, ist der Schritt zum âKaufen-Buttonâ oft nicht weit entfernt. In TKFX darf der geneigte Anwender mit vollem Funktionsumfang alles ausprobieren, bis sich irgendwann ein Nagscreen meldet, der einem den Erwerb der Vollversion nahe legt, die mit 9,99 Euro zu Buche schlĂ€gt. Ob die gut investiert sind, erfahrt ihr nun.
Typischerweise bedingt eine solche Remote-Verbindung die Installation einer Serversoftware, welche die vom Client (die App selbst) gesendeten Befehle entgegennimmt und sie in Standard-MIDI-Befehle ĂŒbersetzt, die dann von der zu steuernden Anwendung (hier Traktor) verstanden werden. Diesen Job erledigt im Fall von TKFX das kleine Programm TKLINK, das man sich neben dem Traktor-Mapping von der Homepage des Herstellers herunterladen kann.
Auf Apple Rechnern ist auĂer dem Server selbst keine weitere Software erforderlich. Windows Rechner benötigen dagegen noch einen virtuellen MIDI-Port, der von vielen Freeware-Programmen wie beispielsweise LoopBe, virtualMIDI oder Midi Yoke bereitgestellt wird. Nachdem TKLINK installiert ist und lĂ€uft, gilt es lediglich noch, Traktor ĂŒber den Controller Manager das entsprechende Mapping zu verabreichen.
NatĂŒrlich mĂŒssen auch das EndgerĂ€t, auf dem Traktor lĂ€uft, und das SteuergerĂ€t (Handy, Tablet) miteinander kommunizieren. Dies erfolgt entweder ĂŒber eine kabelgebundene USB-Verbindung oder WLAN. Drahtlos stehen einem dann zwei Wege offen: einerseits das direkte Ad-hoc-Netzwerk, das sich unter MacOS und Windows relativ leicht etablieren lĂ€sst, andererseits der Weg ĂŒber einen Router, der die Daten aller im selben Netz befindlichen GerĂ€te entgegennimmt und verteilt.
Das Layout von TKFX
Logischerweise arbeitet TKFX grundsÀtzlich mit der gleichen Aufteilung und Ausstattung wie Traktor. Also wahlweise einen oder drei Effekte pro Einheit, derer wahlweise zwei oder vier aktiviert werden können. Das Layout von TKFX lÀsst sich zwischen der Steuerung einer Effekteinheit oder dem Split in vier separate XY-Pads umschalten. Schauen wir uns den Einzeldeckmodus einmal im Detail an.
Entsprechend verhĂ€lt es sich auch im Quad-FX-Betrieb, nur dass hier die ArbeitsflĂ€che pro Effekt natĂŒrlich entsprechend kleiner wird. Welchen der ĂŒblicherweise drei Effektparameter man mit welcher Achse (X/Y/Z) der Pad-FlĂ€che zu steuern gedenkt, lĂ€sst sich im Zuweisungsmodus festlegen. Hier sind auch Doppelbelegungen möglich.
Tipp: In der Praxis
Tipp: In der Praxis hat es sich als ausgesprochen nĂŒtzlich erwiesen, den Z-Parameter, also die Erkennung, ob gerade ein Finger anwesend ist oder nicht, mit dem Befehl âEffekt On/Offâ zu verknĂŒpfen.
Die Installation der App
Die Installation der DJ Controller App, der Server-Software und des Traktor-Mappings stellt keine groĂe HĂŒrde dar und auch die Einrichtung eines Ad-hoc-Netzwerks ist unter modernen Betriebssystemen keine wirkliche Herausforderung mehr. Haben sich das MobilgerĂ€t und der gastgebende Rechner via Kabel oder WLAN gefunden, zeigt TKFX den möglichen Verbindungspartner im MenĂŒpunkt âConnections" an. Ein kleines Icon signalisiert dabei, ob die Paarung ĂŒber USB oder drahtlos erfolgt. Der Versuch, die Verbindung ĂŒber einen Router (FRITZ!Box) laufen zu lassen, war grundsĂ€tzlich erfolgreich, allerdings kam es bei der Effektsteuerung zu merklichen Latenzen und kurzen SprĂŒngen in der ParameterĂŒbergabe. FĂŒr zeitkritische Szenarien dĂŒrfte der direkte Weg also im Zweifel der stabilere sein.
TKFX? Nach kurzer Eingewöhnung
Ein bisschen verwirrend ist fĂŒr mich zunĂ€chst einmal die Orientierung: Was steuere ich womit, was gibt Traktor vor, was macht TKFX? Nach kurzer Eingewöhnung ist klar: Innerhalb von Traktor lege ich fest, ob ich mit zwei oder vier Effekteinheiten arbeiten will. Alles Weitere erledige ich ĂŒber das MobilgerĂ€t (im Test kam ein iPad zum Einsatz). Zum Beispiel
Zudem gilt es vor der wilden Effektfummelei noch festzulegen, welche Parameter die Achsen X/Y/Z steuern sollen. Da der Z-Parameter (BerĂŒhrt: ja/nein) keine Werte hat, empfiehlt es sich, ihn auf Effekt An/Aus zu adressieren. Bleiben noch typischerweise drei Parameter, die Traktor fĂŒr gewöhnlich pro Effekt bereitstellt. Hier muss man sich also zwischen âDoppelbelegung einer Achseâ oder âungenutzt lassenâ entscheiden. Als passionierter Mehrfachschrauber wĂ€hle ich hier selbstverstĂ€ndlich die Doppelbelegung. Diesen Schritt muss ich allerdings bei allen vier Decks wiederholen.
Ist die Einrichtung abgeschlossen und hat man sein persönliches Layout gefunden, steht dem Effektfeuerwerk nichts mehr im Weg. Und in der Tat ist die WirkmĂ€chtigkeit, die einem TKFX unter die Finger legt, nicht nur was die schiere Anzahl gleichzeitig steuerbarer Parameter angeht, gewaltig. Gerade Effekte, bei denen kontinuierliche ParameterĂ€nderungen im Vordergrund stehen, wie etwa der âTranspose Stretchâ, das âIceverbâ und natĂŒrlich sĂ€mtliche Filter, profitieren sehr von der nahtlosen Steuerung mit dem Finger. Klangbeispiel gefĂ€llig? Gerne:
NatĂŒrlich lassen sich so auch metrische FX im Griff halten. Hier vermisse ich allerdings stellenweise eine Anzeige des angefahrenen Parameterwerts auf dem MobilgerĂ€t selbst. Die dargestellte Prozentzahl ist nĂ€mlich wenig hilfreich, um herauszufinden, ob man nun gerade ein Sechzehntel- oder Achtel-Delay unter den Fingern hat. Ebenfalls hilfreich wĂ€re eine Nullpunkt-Visualisierung, damit im Zweifel klar ist, mit welcher Einstellung bei BerĂŒhrung in den Effekt eingestiegen wird.
Als nicht sonderlich praktisch empfand ich den Umstand, dass sich der FX-Anteil beim Wechsel eines Effektes automatisch auf Null zurĂŒckstellt. Aber das lĂ€sst sich im Rahmen eines Updates sicherlich noch Ă€ndern. Dabei dĂŒrfen die Entwickler dann auch gerne noch ein bisschen an der StabilitĂ€t arbeiten, denn im Test traten sowohl hakelige Steuerdaten-Ăbertragungen als auch sporadische AbstĂŒrze der Server-Software auf. Dies ist insofern nicht weiter schlimm, als dass sich der Server problemlos im laufenden Betrieb rebooten lĂ€sst, störend ist es aber schon.
Renitent reagierte die Server-App auf den Versuch, mit mehreren EndgerÀten auf sie zuzugreifen. Besonders dann, wenn es auch noch verschiedene Betriebssysteme (iOS/Android) gleichzeitig waren. Am stabilsten war die Kommunikation, wenn ich die Systeme getrennt betrieb: Traktor auf OSX mit Zugriff via iPad beziehungsweise Traktor auf Windows 7 mit Zugriff via Android Handy.
Quelle: Bonedo








