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Ihr seid doch alle keine Gangsta!
Ich hab nun schon oft erwähnt, dass Salzburg eigentlich ein schöner Ort zum Leben ist, auch wenn’s seine Fehler hat. Salzburg ist in einem Land, das wirtschaftlich relativ gut dasteht, mit einem Bildungs- und Gesundheitssystem, das schon hinhaut, und mit einer Politik, die daran wenig bis gar nichts ändert. Hier kann man also leben, möglichst unbeschwert, mit Problemen, die man in anderen, oft gar nicht so weit entfernten, Ländern als Luxusprobleme bezeichnen könnte.
Und doch gibt’s da eines was mich nervt: Leute, die das anders sehen. Nicht, dass ich meine Meinung hier als Wahrheit patentieren will, gibt sicher genug Leute mit ihren privaten Problemen die dann durch irgendwas allgemein-salzburgerisches ziemlich am Arsch kommen. Aber ich meine hier diese Leute – Kinder, oder besser ausgedrückt Kiddies – die Salzburg für ein Ghetto halten.
Also, ich bin aus Taxham. Taxham ist so ein Vorstadtteil mit sauvielen Ur-Salzburgern, und es ist hier eigentlich richtig gut zum Leben. Direkte Verkehrsanbindung nach sowieso überall, abgesehen von dem ein oder anderen Flugzeug und genannten Kiddies mit gepimpten Rollern kein Verkehrslärm, und zum Anschauen ist es auch recht nett. Also eigentlich ganz lieb hier. Und doch gilt Taxham – nicht zuletzt dank Video-Botschaften von besagten Kiddies, die genau das aussagen – als das Ghetto Salzburgs. bzw. – wenn man nicht aus Taxham kommt – als Möchtegern-Ghetto. Und so hört man, wenn man sagt, dass man in Taxham wohnt (ich sage nie, dass ich aus Taxham komme. Ich wohne nur dort. Mehr mach ich dort auch wirklich nicht.), plötzlich den zivilisiertesten Menschen zu dir „Yooooo, Gangstaaa!“ sagen. Genau, diese Taxhamer Gangsta, alle sind wir hart hier im Ghetto. Was für ein Bullshit.
 Kiddies, was glaubt ihr eigentlich wo ihr lebt? Wir sind nicht in der Bronx, sondern in Taxham. Man ist kein Gangsta, wenn man mit dreizehn schon bis elf draußen bleibt – in deiner Gang gilt das vielleicht als cool, aber Gangsta sind ja auch nicht mal cool! Man ist auch kein Gangsta, wenn man mit dem Fahrrad – versteht ihr, mit dem Fahrrad! Nicht mal immer mit Rollern und so, sondern mit dem Fahrrad! – rumfährt und irgendwelche Passanten verarscht. Das ist nicht cool. Darüber machen sich die Leute lustig. Das ist behindert, nicht cool, und auch nicht hart. Und ihr könnt euch noch so oft draußen mit euren Homies zum Rad tunen treffen und noch so viele Leute als Hurensohn bezeichnen – ihr habt nie eine Mutter gefickt und werdet wohl auch nie meine Mutter ficken, und ihr könnt nicht mal cool durch die Gegend rumcruisen weil ihr nur mit dem Fahrrad fahrt!
Ein Ghetto ist eigentlich ein sozial benachteiligter Stadtteil, in dem die sozial schwachen leben. Sozial benachteiligt ist man in Salzburg nirgends. Sozial schwach – dafür sorgt ihr allerhöchstens, wenn sozial schwach und geistig schwach dasselbe bedeuten. Euch geht es gut, also benehmt euch so, und bezeichnet euch nicht als Gangsta, oder „Raiderz“ weil ihr mit dem Fahrrad fahrt.
Ach ja: Klar weiß ich auch, dass manche von euch wirklich ganz die harten sind. Die schlagen zu, die nehmen Drogen, ja auch die dreizehnjährigen Schlampen die schon abgetrieben haben kenn ich. Und was bringt euch das? Nichts. Ihr lebt in einem Ghetto, das ihr euch selbst erschafft. Einem „Ich bin aus’m Ghetto, also benehm ich mich so“-Viertel, in dem eigentlich alles viel besser sein könnte. Kommt nicht oft vor, dass ich einige Gestalten die jetzt ziemlich abgefuckt aussehen, noch aus der Hauptschule kenne. Prügeln, spritzen und saufen – das ist das Leben, das ihr für cool haltet? Und für richtig, weil ihr ja aus Taxham kommt und das hier so zu laufen hat? Das hat alles nichts mit Ghetto oder Gangsta sein zu tun – ihr seid einfach nur alle Idioten. Und darum hasse ich es, mich als Taxhamer vorzustellen.