Es war das zweite Mal, dass Lucifer zu einem der Lacross spiele ging. Dem Spiel wurde sonst kaum Aufmerksamkeit geschenkt, doch die Spiele der Anteros UniversitĂ€t waren immer ein Event. Die MĂ€dchen auf dem Spielfeld wurden krĂ€ftig angefeuert und genau so unterstĂŒtzt und bejubelt, wie die Jungs des Football Teams. Genau so lief es auch bei den Siegesfeiern im Anschluss. Und dieses Spiel wĂŒrde definitiv in einer Enden, denn es waren nur noch wenige Minuten zu spielen und die Raccoons hatten weit mehr Punkte, als die gegnerische Mannschaft.Kurz vor Ende wurde noch eines der MĂ€dchen ausgewechselt. Eine Kurze mit Pferdeschwanz und violettem Haarband. Irgendwann an ihr, löste in Lucifer ein DejĂĄvu aus. Er runzelte die Stirn und versuchte sie genauer anzusehen, doch sie stand zu weit entfernt und drehte ihm meist den RĂŒcken zu. Als sie sich plötzlich den Ball schnappte und nach Vorn schoss, fing das Publikum an zu kreischen. Sie grölten einen Namen. Dieser war es, der Lucifer die Augen aufreiĂen lieĂ.âLO-RE-SI-MA!â, rief die Menge und Lucifer blieb kurz die Luft weg.Er lehnte sich ĂŒber das GelĂ€nder und verfolgte sie mit den Augen.Das MĂ€dchen rannte in die Gegnerische HĂ€lfte und warf den Ball einer Mitspielerin zu. Diese versenkte ihn mit einem perfektem Schlag im Netz.Die Menge flippte aus und alle jubelten als sich die beiden MĂ€dchen um den Hals fielen und zusammen auf und ab sprangen. Ihre Teamkolleginnen taten es ihnen gleich. Alle waren am feiern.Nur Lucifer stand regungslos auf der TrebĂŒne und starrte sie an. Er traute seinen Augen kaum. Doch sie war es, daran gab es jetzt keinen Zweifel mehr.âStacie?â, murmelte er.Er riss sich los und eilte die TribĂŒne hinunter in die Richtung der Spielerinnen.
HĂŒpfend und kreischend sprangen wir um uns herum und feierten unseren Sieg. Das war bereits der vierte in dieser Saison! Das Jahr hatte wunderbar angefangen! Doch noch bevor wir groĂ ĂŒber die Party sprechen konnten, schickte der Trainer uns zurĂŒck in die Umkleiden um zu duschen.âIhr könnt euch noch besser freuen, wenn ihr erst wieder frisch seid, dann gibt es fĂŒr euch auch noch eine Ăberraschung. Aber jetzt ab, ab!â, versprach er und schob uns ĂŒber den Platz in die Turnhalle, in der die Umkleiden waren. Immer noch jubelnd betraten wir die Umkleiden. Ich hatte mich bei zwei meiner Teamkameradinnen eingehakt und wir wankten lachend hin und her, als ich plötzlich durch das Grölen hindurch eine Stimme vernahm. Es war eine mir sehr bekannte Stimmte, die ich mehrere Jahre nicht gehört hatte. Ich brauchte mich nicht umzudrehen, um zu wissen wer da stand. Was mich jedoch herum fahren lieĂ, war die Tatsache, dass ich sie Stimme ĂŒberhaupt hörte.âLucifer?âVor mir stand der groĂe Bruder einer meiner besten Freundinnen, mit dem ich einige Jahre zur Schule gegangen war, und welcher frĂŒher der aufdringlichste FrauenaufreiĂer ĂŒberhaupt gewesen war. Nichts desto trotz, waren wir gute Freunde gewesen und auch wenn er sogar einige Male versucht hatte, mit mir zu flirten, hatte ich ihn als Freund sehr gern gehabt.Nun stand er vor mir, atmete tief durch, vermutlich weil er uns nachgerannt war, und grinste mich an. Ich musterte ihn verwirrt. Ich konnte nicht ganz realisieren, dass er vor mir stand. Unsere letzte Begegnung war Ewigkeiten her. Fast vier Jahre. Das letzte Mal hatte ich von ihm gehört, als ich die Gang verlassen hatte. Ob er noch Mitglied war? Ich runzelte die Stirn. Oder studierte er etwa auch hier?âDu hast dich ganz schön verĂ€ndertâ, bemerkte er plötzlich und schmunzelte. Schwer zu sagen ob aus Unsicherheit oder weil es ihm missfiel.âDu nichtâ , gab ich nachdenklich zurĂŒck. Und es stimmte, er sah genau so aus wie am Tag unseres Abschlusses. Sogar seine Frisur war geblieben. Als Antwort grinste er mit seinem typisch-selbstgefĂ€lligem Lucifer-Grinsen.âWieso etwas verĂ€ndern, was schon geil genug ist?âIch verdrehte die Augen. Er hatte sich also nicht nur Ă€uĂerlich kein StĂŒck verĂ€ndert. Er war in jederlei Hinsicht immer noch ganz der Alte. Ich verdrehte die Augen.âWas ich von dir eigentlich auch gedacht hatte. Du sahst damals schon perfekt aus, also wie hast du es geschafft noch schöner zu werden?âIch prustete los, âDu bist immer noch ein gigantischer Schleimbolzen.âEr stimmte in mein Lachen ein und hob eine Hand, um mir eine StrĂ€hne aus dem Gesicht zu streichen. Mein Lachen verstummte. Diese gefĂŒhlvolle Geste verunsicherte mich plötzlich. Langsam hob ich meine Hand und nahm seine, jedoch nur um sie zurĂŒck nach unten zu drĂŒcken. Ungewollte errötete ich. Es war niemand da und ich kannte solche Gesten von Lucifer mehr als gut. Wieso war es mir trotzdem so unangenehm? Ich schluckte und merkte, dass ich seine Hand immer noch festhielt. Schnell zog ich meine Hand zurĂŒck und grinste verlegen.âIch muss dann mal los⊠Duschen und UmziehenâŠjaâ, erklĂ€rte ich und trat einen Schritt zurĂŒck.Lucifer nickte verstĂ€ndnisvoll und grinste keck, âDann mach dich mal sauber.â Er wollte mir den RĂŒcken zu drehen. Irgendetwas in mir wollte ihn zurĂŒck halten.âLuciferâŠâ, sagte ich. Er blieb sofort stehen.âKommst du⊠Zur Party heute Abend? Ich mein, Lil ist auch da, da dachte ich⊠Du hast auch Lust? Wo du dir schon das Spiel angesehen hast?âEr nickte, âWenn du darauf bestehst, bin ich natĂŒrlich dabeiâ, er zwinkerte und drehte sich dann endgĂŒltig um und ging davon.Ich starrte ihm perplex nach. Nach wie vor ein schelmischer Schleimer. Aber das war auch gut so, sonst wĂ€re er ja nicht Lucifer. Und wenn ich ehrlich war⊠hatte ich damals seine Aufmerksamkeit schon ein bisschen genossen. Aber nur ein bisschen.