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Wo Beutepreußen auf Beutebayern treffen...
Und sich gleichzeitig Fuchs, Hase, Dorfbewohner und Flüchtlinge Gute Nacht sagen – Eine Grenzwanderung durch den östlichen Spessart
Auf der einen Seite steht KP auf der anderen KB. Wer dahinter die Abkürzungen kommunistischer Splittergruppen vermutet befindet sich im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Holzweg. Denn genau dort befinden sich auf eingesunkenen bemoosten Grenzsteinen die Initialen des Königreiches Preußen und des Königreiches Bayern. Genau genommen leben hier mitten im Spessart links und rechts der Grenzsteine “Beutepreußen” und “Beutebayern”, denn das Gebiet war bis zum Reichshauptdeputationsausschluss 1803 in drei Ländereien aufgeteilt, Kurmainz, Grafschaft Rieneck, und die Grafschaft Hanau, die allerdings Ende des 18. Jahrhunderts längst zu Hessen gehörte. An der „Bayrischen Schanz“ trafen die Grenzen aufeinander. Nach der Okkupierung Kurhessens 1866 standen sich Preußen und Bayern – übrigens nur in diesem Gebiet - direkt gegenüber. Seit der Zerschlagung Preußens und der Einrichtung eines hessischen Bundesstaates 1947 verläuft hier die hessisch/bayrische Landesgrenze. Der Wald ist nicht mehr so dicht und unheimlich wie zu Grimmelshausens Zeiten, als die Menschen vor der mordenden Soldateska in ihm Zuflucht suchten. Wie im Abenteuerlichen Simplicissimus anschaulich geschildert wird. Er ist auch nicht Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet – in dieser Liga spielen Pfälzer Wald und Bayrischer Wald – aber mit 2500 Quadratkilometer Naturparkfläche immer noch relativ Siedlungsleer und unberührt. Abgesehen von einer völlig überlasteten Autobahn, die man mit Brachialgewalt mal wieder erweitert hat und einer ICE-Strecke, die derzeit parallel zur Bahnstrecke Frankfurt Würzbug in den weichen Sandstein gefräst wird. Am anderen Ende des Spessarts, donnern Tag und Nacht, teilweise im Viertelstundentakt kilometerlange Güterzüge durchs Sinntal. Dazwischen der schnell vorbeirauschende ICE. Dort verläuft die wichtige Bahntrasse Hannover/Nürnberg. Schicksal dieses immerhin größten zusammenhängen Mischwaldes Deutschlands ist, das er genau inmitten der florierenden Ballungsräume Mitteleuropas liegt und die Verbindungsachse zwischen Ruhrgebiet/Rhein-Main und Nürnberg/München Südosteuropa bildet. Davon merkt ein einsamer Wanderer bereits nach wenigen Hundert Metern nicht mehr viel, eher schmerzen nach fünfzehn Kilometer durch einen unendlich erscheinenden Wald die Füße, denn die meisten Wanderwege laufen auf hart gewalzten Forststraßen, die eben nicht für Zweibeiner sondern für vierachsige Langholzwagen ausgebaut sind. Der Spessart ist in erster Linie Rohstofflieferant, in zweiter Linie Jagdrevier. Wanderer sind geduldet aber nicht willkommen, im Gegensatz zum Pfälzerwald, wo man auf weichen Sandwegen Tagelang von einer bewirtschafteten Hütte – viele mit Übernachtungsmöglichkeiten – zur anderen laufen kann. Schutzhütten und Ruhebänke sind eine Rarität, was auch die Wirte beklagen.
Jugendherberge Lohr wegen Flüchtlinge geschlossen
Viele kleine Waldhotels und Gaststätten haben aufgegeben oder beherbergen - staatlich finanziert - syrische Flüchtlinge statt Gäste. Das gleiche gilt für die Jugendherberge in Lohr, einem idealen Ausgangspunkt für eine zweitägige Wanderung. In dem riesigen Waldgebiet zwischen Obersinn, Gemünden, Lohr und Lohrhaupten gibt es ein einziges Hotel und eine Pension, sowie ein Reiterhof der auch Zimmer anbietet. Die meisten kleinen Privatpensionen haben – oft aus Altergründen - aufgegeben. Vielleicht aber auch wegen geringer Nachfrage. Bis man eine Übernachtungsmöglichkeit findet brauch man nicht selten fünf Anläufe. Am Wochenende brummen die Wanderlokale. Während der Woche dagegen begegnet man auf 20 Kilometern gerade mal zehn Menschen, meist Einheimische, Pilzsucher, Forstangestellte, ein paar Rentner. Das wars. Manchmal führt der Wanderweg auch als kleiner Trampelpfad oder Hohlweg durch alten unberührten Baumbestand. Dann bekommt man so mitten in der Wildnis das Gefühl eines leichten Schauderns. Vor allem wenn man unvermittelt vor einem alten Sandsteinkreuz steht. So wie zwischen dem Weiler Neuhof und dem Dörfchen Wohnrod, wo beim Fällen einer Eiche für die Dorfkirche Anfang des 18. Jahrhunderts ein älterer Mann sein Leben verlor. Auch heute noch leben die Menschen mit und für den Wald. Überall sieht man kleine Geländewagen mit Anhängern herumfahren. Eine relativ neue Einnahmequelle sind die Weihnachtsbaumplantagen. Eine riesige befindet sich in Mittelsinn, gekrönt von einem gewaltigen Regenwasserbasein. Ähnliches kenne ich aus Südfrankreich zur Bewässerung der Lavendelfelder.
25 Syrer und acht Einheimische im einsamen Waldtal
Der Spessart ist Liebe auf den dritten Blick. Man könnte mehr aus ihm machen. Viel mehr. Seine Nähe zum Rhein-Main-Gebiet bietet viele Touristische Möglichkeiten für so genannte Kurzurlauber. Doch Veränderungen beginnen im Kopf und scheitern meist an altbewährten sturen Lobbyismus. Ein Netz von echten „Wanderwegen“ auf weichem Waldboden müsste her. Schutzhütten und Aussichtstürme, um den herrlichen Blick über die schier endlosen Baumwipfel zu genießen. Aber das wäre garantiert der Jägerlobby ein Dorn im Auge, die um die Ruhe ihrer Abschussziele fürchtet. Die Holzindustrie wiederum wird einen Teufel tun und ihre Forsttrassen zurückbauen, oder nationalparkähnliche sanfte Anbaumethoden einführen. Der Pfälzerwald mit dem Prädikat „Biosphärenreservat“ besitzt fünf Jugendherbergen – zwei davon moderne Jugendgästehäuser – der Spessart nach staatlicher „Zwangseinquartierung“ nur noch eine einzige. Die liegt in Rothenfels und nimmt keine Einzelwanderer auf. Somit bleibt der Spessart weiterhin ein Insidertipp. Vielleicht ist das auch gut so, denn mit einem bisschen Gespür, einer guten Karte kann jeder schließlich selbst seine Wege suchen und finden. Genau so wie im richtigen Leben, wo einem auch nichts geschenkt wird. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Erst recht nicht im Niemandsland zwischen Bayern und Hessen. Wer hier leben will, so wie die Wirtin meiner Pension, 45 Jahre im gleichen einsamen Waldtal muss mit sich und der Welt im reinen sein. Die 25 Flüchtlinge, syrische Familien, dagegen wollen alle weg in die Metropole Frankfurt, wo schon reichlich Verwandtschaft wohnt. Probleme bereiten sie keine. Nur einer fiel unangenehm auf, der harsch einen Teppich von einem der acht einheimischen Weilerbewohner einforderte…Eine Frage drängt sich auf: Warum praktizieren Menschen Dinge munter weiter, die sie Heimatlos und zu Flüchtlingen gemacht hat?. Nämlich ein fanatischer “Glaube” und die dazugehörige Intolleranz? Da kann auch die wunderschöne mitleidige hölzerne Maria nicht mehr weiterhelfen, die (noch unbeschädigt) seit vielen Jahren über dem Tal wacht. Ob sie in zwanzig Jahren noch hier steht oder zusammen mit einsamen, steinernen Wegkreuzen nach IS Manier zerschlagen wird, sei dahingestellt. Im Nachbarland Österreich haben ägyptische Migranten schon damit begonnen die Symbole der “ungläubigen Götzendiener zu entfernen”. Ein Skandal? Keineswegs. Es gibt genügend die darin eine “Kulturbereicherung” sehen.